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lind ba iuirb sich's ja zeigen. Und nun, Mamsell, geben Sie ihm immerhin noch mal Milch, und wenn bat wieder mal Aepfel haben möchtest, da komm' zu mir und bitte darum. Mausen dürst ihr nicht. Verstanden? Ab marschiert
Loyscn hatte dieser kleinen Szene mit innerem Ergötzen beigewohnt und dabei dachte er immer: Gerade so und nicht anders Und ich, sie haben: — Jetzt sah er in ihr Gesicht, darinnen cs schalkhaft leuchtete:
„Rothaide präsentiert sich Ihnen nicht.gerade von der Paradeseite," sagte sie mit verhaltenem Lachen — „aber ich must nur hinzusügen, viel solches Proletariat haben wir nicht. Diese Webers haben unglaublich viel Kinder und geringen Verdienst und da must man schon ein Auge zudrücken."
„Ich bitte, gnädiges Fräulein, dasselbe in Bezug aus mein langes Verweilen zu tun," sagte er, „ich empfehle mich und werde mich zur gestatteten Stunde wieder einstellen!" —
Damit ritt er in sehr hoffnungssroher Stimmung von dannen. Wie ein unerwartetes, schönes Geschenk erschienen, ihm diese Stunden und er beschloß, ähnliche Begegnungen_ wieder herbeizuführcn. Er wußte nun schon so ziemlich, wo sie vormittags zu finden sei. Es war eine so schöne Gelegenheit, um sie kennen zu lernen und mit ihr vertraut zu werden, ivas, wie er mit Befriedigung wahrnahmi, durch ihre Art sehr erleichtert wurde. Mit klarem, Auge, nicht geblendet durch den Rausch einer grasten Leidenschaft, wollte er prüfen, sic und sich selbst, und mit ruhiger Sicherheit will er ihr Herz zu gewinnen suchen, Schritt um Schritt. Nur sie allein ist ihm denkbar als seine Gattin und in dieser tief eingewurzelten Ueberzeugung liegt Garantie für beider dauerndes Lebensglück. . . und er will sie glücklich machen, mein Himmel, wäre sie nur erst sein eigen! —
In Bard es hatte er diesmal keinerlei Fragen zu gewärtigen, da niemand ahnte, dast er in Rothaide gewesen. Ter Mittag verging dann auch in unbefangener Heiterkeit, und ganz zum Schlust sagte er so nebenbei: „Liebe Mieze, ich erwähnte wohl schon, dast ich morgen in Rothaide essen werde."
„Ja, du sagtest es. Schade, Helmi und Heinzis letzter Sonntag zu Hause."
„Tut mir leid, aber ick werde erwartet. Ja, wahrscheinlich ‘reite ich schon am Morgen hin — um sechs Uhr."
„Donnerwetter," sagte Recknitz gemütlich, „das ist aber reichlich zeitig."
„Ich wollte in Rothaide in die Kirche gehen."
„In die Kirche?" — fragte Marie Aime verwundert. Ihr Mann räusperte sich und sah sie an ivie: last ihn doch in Ruh! ;— Laut fragte er ablenkend:
„Na, alter Junge, wo bist bn beim heute gewesen? Hast du vielleicht zufällig des Talitzschers berühmtes Weizenfeld gesehen? Soll ja ein Wunder sein."
„Nein, das sah ich nicht. Ich war in Rothvide."
Seine Schwester wurde förmlich rot.
„Wie geht es Haide?"
„Ich habe Wilhelm gar nicht besucht," sagte er, nun machte iS ihn» Spaß, sie ein wenig zu mystifizieren.
„Sondern?"
„Hm. Es handelt sich um eine Weidestreitigkeit zwischen dem Pastor und Herrn Weberchristel."
Marie Anne sah etwas gekränkt aus und machte sich mit Annchens Serviette zu tun.
„Na, Mieze fei nicht böse," sagte er gutmütig, „eS war aber wahrhaftig so."
„Onkel Helmuth, wann kaufen wir den Sklaven los?" — fragte Lilly und damit war die Unterhaltung in ein anderes Fahrwasser gelenkt.
Er widmete sich den ganzen Nachmittag seinen Neffen und Nichten, spielte mit ihnen Tivoli, liest die Kadetten in der Reitbahn reiten, trug Annchen während des abendlichen langen Familienspazierganges auf bem Arm und erzählte ihr die lehrreiche^ Geschichte von Hänsel und Gretel — kürz, er bereitete sich ernstlich auf die Rolle des Familienvaters vor.
XII.
Stuf dem Rothaider Hofe herrschte sonntägliche Ruhe, als Loysen am nächsten Morgen früh durch den alten Torweg ritt nno seinen Gaul dem Stallburschen abgab. Die Sonne warf Noch lange Schatten und die Vögel sangen und zwitscherten, wie fie dies nur am Morgen tun. Der gelbe rauhhaarige Schäferhund kam ihm bereits freundschaftlich entgegen und lief ihm voraus nach dem Wohnhause. Da die Haustüre gastlich offen stand, trat Loysen in den grasten Flur und klopfte an die Türe des Familienzimniers. Dort vermutete er sie und dort saßen sie auch noch am sonntäglich mit Blumen geschmückten
Kasfeetisch. Staunen iyib aufrichtige Freude waren groß, drei Hände streckten sich ihm entgegen und er wurde von Groß- mamachen aus das reichlichste bewirtet. Wilhelm sah srisch und heiter aus und was Edeltraut betraf, so glich sie den Frühlingsblumen, mit denen sie Schalen m!nd Gläser so verschwenderisch gefüllt hatte. Durch das von: Gespinst grünender Kletterrosen halb verschleierte Ostfenster sielen die feinen Sonnenstrahlen über den Tisch und die kleine Tafelrunde und wieder glänzte das gelbe Haar über der weißen, hellen Stirn in mattem Goldschein.
Als das Frühstück beendet war, räumten die Damen selbst den Tisch ab, Wilhelm trat an das Fenster, öffnete es und sagte nach der Hofuhr blickend: „Es wird Zeit, das Läuten must gleich beginnen. Dort steht mein treuer Paladin mit dem Rollstuhl."
Fünf Minuten später verließen sie alle das Haus und traten den Kirchgang an, nicht durch das Dorf, welches, wie Edeltraut erklärte, der bei weitem längere Weg sei, sondern durch den Garten und über die Wiese, durch welche ein schmaler Fußweg nach der mit Erlbusch und Birken bewachsenen Anhöhe führte, auf welcher die kleine Kirche lag. Boran Wilhelm im Rollstuhl, geschoben von einem robusten Burschen im Sonntagsstaat. Eine Ehre, so erklärte Edeltraut wieder, um welche sich die Jünglinge stritten. Hinter dem Rollstuhl wandelte die Großmutter in jugendlicher Rüstigkeit. Sie trug ein blaßviolettes Seidenkleid und einen mit Stiefmütterchen garnierten Kapottehut, über welchem ein spitzenbesetzter Sonnenschirm sich wiegte. Die gute kleine Dame kannte ihren Sonnenschirm nur als ein zum Kirchenstaat unerläßliches Zubehör, da sie ihn sonst nie benutzte, erhöhte er ihre festliche Stimmung und lenkte ihre Gedanken voni harrenden Sonntagsbraten ab.
Hinter der Großmutter schritt Edeltraut, ungemein leicht und frei und viel um sich schauend ins blumige Gras und nach den hochfliegenden Schwalben. Auf der gelben Flechtenkrone saß ein großer weißer Strohhut, sie trug ein weißes, leichtes Wollkleid und hielt mit der, Linken den Saum vom Grasrand zurück. Dabei sprach sie über die Schulter zurück mit Loysen, der als letzter auf dem schmalen Wege folgte,
(Fortiekung folgt.)
Zur Zsuchsn VMmpfMg.
lieber die neue Organisation der bakteriologischen S-eu- chenfeststellnng in Preußen machte unlängst, der „Frkf. 3tg."- zufolge, der Vortragende Rat ini Ministerium Geh. Ober- medtztnalrat Kirchner in der Berliner medizinischen Gesellschaft eingehende Mitteilungen.
Erst seit der Entdeckung des Tuberkelbazillus durch Robert Koch konnte an eine rationelle Bekämpfung der Infektionskrankheiten gedacht werden. Seit dem Jahre 1900 besteht in Deutschland das Reichsseuchengesetz, das sich nur mit den sog. großen Seuchen: Aussatz, Cholera, Fleckfieber, Gelbfieber, Pest und . Pocken beschäftigt. Daneben hat Preußen seit dem Jahre 1905 ein Gesetz betreffend die Be- kämpfung übertragbarer Krankheiten, " das alle anderen ansteckenden Krankheiten in den Kreis seiner Maßnahmen zieht. In diesen Gesetzen sind eingehende Anweisungen enthalten, ivie sich Behörden und Privatpersonen bei dem Auftreten ansteckender Krankheiten zu verhalten haben.
Wir wissen jetzt mit Bestimmtheit, daß ansteckende Krankheiten ihre Entstehung weder atmosphärischen Einflüssen, noch einer Disposition des Bodens, des Klimas usw. verdanken, sondern daß sie einzig und allein durch kleinste Lebewesen Mikroorganismen) erzeugt werden. Diese Mikroorganismen können mittelst der bakteriologischen Un- tersuchungsmethoden bei der Mehrzahl der ansteckenden Krankheiten nachgewiesen werden. Es handelt sich bei der Seuchenbekämpfung vor allen Dingen darum, den ersten! Fall der Seuche möglichst schnell sicherzustellen, um dann die entsprechenden Maßregeln zur Verhütung der Ausbreitung der Krankheit zu treffen. Grade bei veu ersten Fällen ist die Diagnose aus den Krankheilserscheinungen! oft nur unsicher zu stellen; es muß die bakteriologische! Untersuchung hiuzukommen, um die Diagnose zu sichern. Zu diesem Zwecke muß der Arzt die Absonderungen des Kranken bakteriologisch untersuchen oder vielmehr untersuchen lassen. Denn selbst ein bakteriologisch geschulter Arzt hat nicht die zu solchen Untersuchungen erforderliche Zeit, wenn er daneben seine Praxis versehen will. Ja es hat sich sogar herausgestellt, daß auch die Kreisärzte, denen man anfangs diese UntersuMmgen übertragen hatte, Lei


