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sehe ihr fctyr Ähnlich. Plötzlich steht mir beider Bild Wiede« so lebhaft vor Augen so etwas ivic milde Versöhnlichkeit kommt über mich. Jetzt eben, an diesem meinem Ehrentage!, vermag ich alle Bitterkeit zu löschen, die ich gegen jene nährte, dm mich bedruckten iinb mißverstanden. Tas dank' ich dir last dir danken!"

Er sah sie forschend an.

Und trugst du selber feine Schuld?"

Ich? Was tat ich ihnen? Ich ging ja!"

Du hast ihrer nicht wieder gedacht?"

So ich's vermeiden konnte, nein! Lohs, hatte ich das gesollt? .... und dann, was hätte es mit genützt.... wäre ich auch wieder heimgekehrt, lügen hätte ich nicht können, und wie elneit Hund hatte c r mich von der Schwelle des Elternhauses getagt

schönendem! Glück. ,

So saß sie eine Viertelstunde neben ihm, hielt seine Hand, ließ, ihn kaum zu Worte kommen, und turmhoch gingen die Wellen der frohen Erregung. Sie besprachen zuerst die Möglichkeit ihres Abganges vom! Theater. _ Bis zum neuen Jahr war sw der Berliner Bühne iioch verpflichtet. ,

Als meine Verlobte darfst du die Bühne nicht wieder bc- Stielen/' fdßte ei'.

Ich will aueh nicht .... nie mehr. Aber wie cs anfangen? Wenn ich kontraktbrüchig werde"

Tas laß meine Sorge sein. Das. auszuglerchen, dafür bm ljch jetzt da." r, .

Tn wolltest? Aber was frage ich noch.... du kannst ia alles! Oh, das Leben vor mir das Leben an deiner Seite ! Mann werden wir es beginnen, Loys, Geliebter? Wann?"

Wohl auch schwerlich vor dem neuen Jahr."

Sie stutzte ein wenig.

Wesm du mich frei machst warum nicht eher?" ,

Dn vergißt, daß ich noch keinfreier Mann" bist;". er sah zu Boden -nm die Schauspielerin zu heiraten, muß ich den Abschied nehmen."

Ach!" sagte sie betroffen und nachdenklich.

Hast du das nicht gewußt?" L ..

Doch doch. Ich habe nur eben nicht daran gedacht . . .

Md jetzt hat der Gedanke so etwas Ueberwältigeiides!"

Wie meinst bit das?"

Nicht wahr," fragte sie statt der NutSvort,letzt Hadder Gedanks etwas für dich, was dir mißfällt. Nicht Ivahr? «ngs Mr, ich bitte dich."

Tas wünschst du zu hören? Nun Svohl, es ist so. ..

Oh, mein Himmel!" rief sie, ihre kleinen Hande ube-r seiner Schulter faltend, ihr Gesicht ganz nahe an dem seinen, das macht mich nun wieher von neuem glücklich. Tu bringst tnir ein Opfer, nicht wahr? Es macht mich so stolz, cs hebt mich in meinen Augen. Tu gibst deine Laufbahn aus um meinetwillen. Lohs, Loys, das Lebetl wird so licht, so sonnig für uns beide sticht wahr?" , . .

Damit hatte sie diese Angelegenheit abgetan, nnb er,- in dem die frischen Wunden noch bluteten, rührte ivahrlich nicht wieder dran.

Und was wirst du nun tun, Geliebter?

Ich werde wahrscheinlich eilt Gut kaufen in Pommern oder Ostpreußen." r, '

Ein Gut! Ein Schloß! Las; cs schpn und prächtig sein, Loys, loder nein, laß es eine Hütte sein in der Einöde, ich will hir beweisen, daß ich mit dir überall glücklich bin."

Er sagte nichts dazu, und auch sie saß, mit geröteten Löangen stnd halbgeöffneten Lippen da und sann ernenn beseligenden Traum stach. Endlich sagte sie:

Meine Phantasie hat schnelle Schwingen unser Leben male ich mir aus, ich, Luise von Loysen! Weißt du, wenn ich das bin es erscheint nur noch so märchenhaft dann schreibe ich einmal an meine Eltern. Ich, Frau Luise von Loysen, lade sie ein, mich zu besuchen. . . hast du etwas dagegen, Loys?" sie lachte liebenswürdig.

Im Gegenteil, ich Wunsche, daß es geschieht."

Ach, du ernsthafter Mann! Tn weißt ja noch gar iiichts von Meiner Familie. Ich will dir jetzt, wo mir Groll undenkbar ist, von denen neben, die ich verließ und die mich verdammten. Mein Vater ist Geistlicher. Hättest du das gedacht? Auf einer Landpfarre. Meine Mutter ist eine überaus talentvolle, musikalisch Kochbegabtee Frau, die Tochter eines Organisten von Ruf. Ich

Loys! du wolltest! Mich die ich doch nur ein Unkraut war an deinem Wege! . . ."

Er riß sie fast rauh empor:

Knie nicht vor mir, Luise! Wie kannst du! Antworte tzÄr. Willst du meine Frau werden?"

Ich will! Ja! Ich will!"

Armes Herz siehst du, so machen wir's noch gut. Tcs- halb bin ich gekommen .... und wenn cs dich glücklich macht, ist wein Zweck erfüllt."

Sie weinte an seinem Halse und konnte nur unzusammen- hängende Worte sprechen. Er begriff ihre Erregung und ihre Fassungslosigkeit und wartete geduldtg, bis sich bet 'M lener Ucbcrgang von tiefster Verzweiflung zu strahlendster Glückseligkeit vollzogen batte, den cr so gut kaunte, und der bet ihr m so kurzer Zeit cintrat. Wie dunkle, drohende Wolken plötzlich zerreißen und entschwinden und die eben noch graue, reizlose -.and.chaft in Licht gebadet kaum wieder zu erkennen dalicgt, so bewirkte auch die Metamorphose bei ihr eine völlige Veränderung. Farbe kehrte in ihre Wangen zurück, ein Blitzen und Funkeln in die Augen, die Mausezähnchen schimmerten zwischen den rcizend ge­wölbten Lippen, die ganze Erscheinung ward getragen von ver­

mein Bruder." >

Jetzt wirst du Friede mit ihnen machen. ,

Liegt dir so viel daran? Geliebter morgen schreibe ich an meine Mutter!" t ... ...

Es war ihm unmöglich, ihr eben zu sagen, daß ihre JJcuttei seit drei Jahren tot war. Mag sie schreiben, so wird ihr von dort die Nachricht zukommen, und dann ist es sein Ayit, ihr ein Trost­wort zu sagen. Bis dahin muß er auch darüber schweigen, daß er iihr Vaterhaus kennt. Mag sie heute ungetrübt glücklich fern . . .

Wie lange bleibst du noch hier?" fragte er.

Ich sollte morgen noch einmal anftvetm es wird nicht geschehen, aber ick) muß den Tag noch hier bleiben, lind du.

Ich fahre mit dem ersten Zuge nach Berlin zurück. Laß ich hiev war, darf nicht bekannt werden. Ich sehe dich also in Berlin wieder. Frau Jahn! Ihrer besonderen Obhut empfehle ich auch ferner meine Braut." '

(Fortsetzung folgt.)

Die Gießener Bürgergaröe.

(Zum 6. März.) (Originalbeitrag derGieß. Fam.-Blätter".)

Eine dritte französische Revolution, die Februarrevvlu ioit des Jahres 1848, hatte den Thron des Königs Loms Philipp gestürzt und Frankreich aufs neue mit einer Republik b^luckt. Ter Eindruck der französischen Revolution verbreitete Blitzesschnelle Lurch Teutschland und ermiuttgte auch hwr Radikale und Republikaner zu kühnem Vorgehen. Unter der Wirkungder sranMischen Ereignisse kam es in Süddeutschland, in Baden, Württemberg und Hessen, zu.erregtest..Volksszenen. beit ctften.

Tfioeit des März traten in Hessen Manner aiw allen Lttanoen Li- sammen, um ihre Wünsche vor dem Thron ihres pursten anzu­bringen. Tie Bestrebungen des Volkes waren gerichtet auf Aufhebung der Zensur, Gewährung der P"ßfiei- b e i t auf E r r i cd tu n g von Sch m urgert ch te n ,. Beru­fung einüs deutschen Parlaments und Gründung e i n e r V o l k s b e w a f f n u n g. Nicht alle Regierungen gingen bereitwillig auf die vorgebrachten Wünsche ein, und es kam in manchen Staaten, wie in Bayern und Kurhessen zu tumultuartschen: Austritten, so daß ben Landesherren die Forderungen d«s Volkes aewissermaßen abgezwungen wurden. Hessen war einer der elften Staaten der den zeitgemäßen Volksbe^trebungen entgegenkam. Durch das Edikt vom 6. Mürz sagte Erbgroscherzog Ludwig (spatere I Ludwig HL) als Mitregent die Gewährung der Bitten, die, wie cs heißt,in d:r gegenwärtigen kritischen Lage zu Unserer Kenntnis gekommen sind", seinen Untertanen zu. Tie landesherrliche Zu­sage bedurfte natürlich noch der Bestätigung seitensi der Stande, was jedoch nur eine formelle ^rage war, wodurch die vorläufige Inkraftsetzung der bewilligten Freiheiten nicht gehindert rourbe. Änter diesem. Gesichtspunkte hatte sich auch ut Gießen, bevor die Errichtung einer Bürgerwehr amtlich empfohlen wurde., in den ersten Tagen des März eine Bürger gar de gebildet.

Bereits am 6. März tagte dasKomitee der vorläufig ge­bildeten Bürgergarbe" zwecks Gründung eines Generalrates, dem die Aufgabe zusiel, sofort das Reglement für das Korps zu entwerfen. Zur Beschlußfassung über die Vorlagen hmsichtlich der Organisation eines General r ates wurde vvm Obersten Vogt auf Sonntag, den 12. März eine allgemeine Versammlung der Bürgergardisten nnf den Platz vor der Aula emberufesi Gleich- zeitig wurde der Wachdienst ut der Weise geregelt, daß leben Abend um 8 Uhr 2 Rotten, abwechselnd in den verschiedenes Ist Kompagnien, unter dem Befehle esnes Leutnants die Wache bezr ge>. Am H3. März beschäftigte man sich.schon mit der Anschaffung von Kompagniefahnen ussd einer Korpsfahne,, und es »Ede dabet an denpatriotischen Sinn" der Bewohnerinnen Gießens. appeme" Sie wurden öffentlich anfgcfordcrt, etwaige Spenden ist ben bet Buchhändler Ricker und Kaususann E. Ferber aufliegenden Liften eisizuzeichnen. Auch war bereits die Gründung einer Vurger- garden-Kapelle in die Wege geleitet ___<

Tie Bestimmung und Verpflichtung der Burgergarde fottle darin bestehen, wie die Statuten besagestdaß sie als zu i künfti g er Tei l der all geme tn en Vo l ksb e w a f fNung I für die Freiheit des Vaterlandes «iust^ehe, di« 1 öffentliche Sicherheit und die gesetzliche Ordnung!