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also blecken ihre Bücher beiseite, wenn sie nicht gerade -/Schlager der Saison" sind. Tie höchsten Gewinne versprechen die Macher der leichten und leeren Sachen, an denen Titel und Umschlagzeichnung das Beste sind. Wer große Worte liebt, könnte auch hier von Volksvergiftung und Volksverdummung sprechen. Ich will nur sagen: eine vortreffliche Gelegenheit, gute Bücher ins Volk zu bringen, wrrd hier Jahr für Fahr, Tag für Tag versäumt.
W.Bode.
Was von ernem Bürgermeister nicht alles verlangt wrrd! Daß die Bürgermeister mitunter auch recht delikate Aufgaben zu lösen haben, ja, daß ihre Tätigkeit in recht innigem Zusamrnenhang mit der eines Heiratsvermittlers geraten kann, dürfte aus nachfolgendem Schrecken von „zarter Hand" hervorgehen, das in diesen Tagen einem Bürgermeister des Landkreises Kassel durch dre Post zugestellt wurde. Das allem Anschein nach von einer „dame de cuisine" verfaßte zierliche Briefchen lautet wörtlich: „Geehrtester Herr Bürgermeister! Entschuldigen Sw, wenn ich Sie belästige mit meinem Schreiben, ich mochte gerne richtige Auskunft haben und Leute möge ich nicht fragen, darum wende ich mich an Sie. Der Inhalt mernes Schreibens tst, da ein Herr mit mir Verkehren tot«, hatte aber voriges Jahr mit Fräulein N. N. verkehrt, horte aber, daß die heiraten müßte, nun möchte io.) gerne wissen, ob es der Herr ist, denn mit einem verheirateten Mann will ich doch nicht verkehren und der Frau keinen Verdruß machen. — Also schicken Sie mir bitte genaue Antwort. Wie er mit Vor- und Zuname heißt, was er ist, wo er arbeitet, ost er jeden Abend nach Hause kommt, ob er hier in Kassel logiert, wie er aus sieht, ost er am Sonntag zu Hause war und bitte Sie alles in Verschwiegenheit zu bleiben. Hochachtungsvoll usw."
8ur Güte. Dem „Elsässer" erzählt ein schnurre: Bei emm Fahrt auf der Strecke- Sch.ettstadt-Dtolsheim entstaub gestern zwischen zwei älteren Damen m eenem Re ise abt ei l ein Str e i t w eg en d es Oe ffn e n S der Fenster- Die eine behauptete, sie würde den Tod erleiden, wenn die Fenster auföhebeit, die Zugluft würde ihr das Herz zu- sanimenkrampfen, und die Fotze wäre der jähe Tod- Die andere erwarte, ne. wurde WM Schlage getroffen, wenn die Fenster noch Ireben, denn sie hätte gewaltigen BlutanbranK zum Kopfe- Der Schaffner wurde herbeigerufen; allein der arme Manu wußte nicht, was tun, um die T-amen zufriedenzustellen, ©in Mitfahrender Passagier — er ivar aus Oberehnheim — kam auf enten reitenben Gedanken. „Schaffner," rief er, „mache 's Fenster zue, d rno stirbt dre einb von denne zwei, und d'rno mache Jchr's wieder uff, un dann stirbt d' ander, un so bekumme m'r no endli
dohlnne- Alles lachte, nur die beiden Damen nicht. In Oberehnheim stiegen sie aus, nachdem sie sich noch von dem Herrn, der das salomonische Urteil gefällt, mit beut „schwäbischen Gruß" "bstzbschredet hatten- Sie suchten jede ein Abteil nach vorher geäußertem Wunsche auf und setzten getrennt ihre Reise nach (L-tratzour'ss fort-
Literatur..
* Landhaus itnd Garten. Beispiele neuzeitlicher Landhäuser nebst Grundrissen, Jnnenräumen und Gärten. Mit einleitendem Text herausgegeben von Hermann Muthestus. 280 Seiten mit 500 Abbildungen und acht farbigen Tafeln. Verlagsanstalt F. Bruckmann, A.-G, München. In Leinen gebunden 12 Mk. — Das Bedürfnis nach, emem Wohnhaus, das in seiner praktischen Anlage und inneren Ausstattung allen Anforderungen an bequemes Und gesundes Wohnen gerecht wird, wächst von Jahr zu Jahr, und in den Villenkolonien, die in den Vororten der Großstädte aufblühen, herrscht die regste Bautätigkeit, das Feld der Ernte für Unternehmer und Spekulanten. Was hier aber jahraus, jahrein zusammen geb aut wird, entspricht fast immer nur den Vorschriften der Baupolizei, die, wie inan weiß, gerade der individuellen Gestaltung des Vorort- Hauses manches Hindernis in den Weg legen und feine Anlage ost recht ungünstig beeinflussen. Ein wirklich gutes, nicht nur in seiner ästhetischen Wirkung, sondern auch in seinen sanitären Einrichtungen und seiner auf Bequemlichkeit und Komfort bedachten Innenausstattung völlig einwandfreies Einfamilienhaus gehört immer noch zu den seltenen Ausnahmen. Es ist das keine unnatürliche Er- Meinung, da für ein Landhaus ja gegenüber dem städtischen Reihenhaus ganz andere Bedingungen maßgebend sind,
such dre eine entsprechende neue Form noch nicht gefunden ist. Auch die ersten Eisenbahnwagen sahen wie eine Postkutsche, üie ersten Automobile wie eine Droschke ohne Deichsel aus; erst die natürliche Entwicklung hat zu ihrer heutigen Gestaltung geführt. Derselbe Vorgang wiederholt sich hier. Zurzeit herrschen über Landhans und Garten bei Fachleuten und Laien noch die ungeklärtesten Anschauungen, und ein Buch wie das vorliegende, in dem ein so erfahrener Kenner wie Hermann Muthesius die Wege zur Gesundung weist, ist daher nur freudig zu begrüßen. Alle Einzelheiten, die bei der individuellen Art des Baugrund- stücks — Lage zur Himmelsrichtung, Höhen- und Zufahrts- verhaltmsse —, bei der Grundriß- und Stockwerkeinteilung,. dem inneren Ausbau, der Gestaltung der einzelnen Räume,' der Anlage von Wasser-Zu- und Ableitungen usw. zu berücksichtigen sind, und auch die scheinbaren Kleinigkeiten,. die doch das Behagen und die Freude am Wohnen im eigenen Hanse ausmachen, werden hier ausführlich und mit Sachkenntnis besprochen, ebenso die neue Bewegung im Gartenbau, die eine einheitliche Gestaltung von Haus und Garten fordert. Tie 500 Abbildungen — Außen- und Innenansichten — sind dem europäischen und amerikanischen Landhausbau des letzten Jahrzehnts entnommen und zeigen in interessanter Gegenüberstellung, wie die veränderten Bedingungen: Klima, Lebensweise, Baumaterial re. von selbst zur verschiedenartigen Lösung derselben Aufgabe führen.
Die Loden-Fremden.
In der „Jugend" lesen wir folgenden beweglichen Klagegesana eines Müncheners:
Jetzt wimmeln wieder in des Südens Gauen
Die Lodemnänner und die Lodenfrauen, Die Lodenjuugen und die Lodenmädel, Tas grüne Hüte! neckisch aus dem Schädel.
Sie kommen aus dem Norden unseres Reiches —
Am Exterieur erkennt der Kenner gleich es — Und wie die Loden-Fremden hier erscheinen, Tas ist ei» Anblick, manchmal schon zum weinen.
Es tragen erstlich diese Loden-Fremden,
Sofern sie männlich, milde Jägerhemden, Die sind bequem und billig, weich und lustig, Doch, wenn man schwitzt, 'nicht wie die Rosen duftig!
Tie Lodenfrauen hüllen ihren Busen In alte, welke, ausgelaugte Blusen, Wovon die Farbe nicht erkenntlich mehr ist Und die Fasson so nett wie die Couleur ist!
Ter Lodenjungtrau schlappert um die Glieder
Aus Loden ein Reformsack ohne Mieder Und keck auf ihrem Lockenhaupte macht sich Der Panama um eine Mark und achzig.
Sie trabeir^sehr geräuschvoll in der Regel, Denn jede Sohle ziert ein Kilo Nägel — Jüngst sah ich einen solchen Mann 'm Loden, Ter war vernagelt auch am Hosenboden!
Ein Riesenrucksack schwankt auf jedem Rücken, Gestopft mit noch viel altern Kleidungsstücken, Und schneidig wird der Alpenstock getragen: Ein strammer Baumstamm, zentnerschwer beschlagen. —
Gewiß, die Tracht ist stilvoll und ist praktisch Im Hochgebirg, am Bier- und am Tabak-Tisch, Doch in der Großstadt München an der Jser Ist solch ein Auizug wirklich ein recht mieser!
Sie gehn zur Tadle d'hote und ins Theater
Auch, angetan, wie die Kastanienbrater:
Im Bayernlande — wie sie nämlich glauben — Kann man sich alle Ruppigkeit erlauben!
Amerikaner, Briten und Franzosen, Tie seh'n mit Schmunzeln auf die Sparvirttwsen Und denken sich: der Deutsche augenscheinlich Ist treu und bieder, doch nicht allzu reinlich!
Sie äußern sich auch manchmal noch viel schroffer — Drum leistet Euch beim Reisen einen Koffer Mit säubern Hosen und gestärkter Wäsche Und eine Bluse, eine etwas sesche!
So fleht ein Mensch, ihr Lodenleute, herzlich, Der es empfindet stets gekränkt und schmerzlich, Daß hier allsommerlich'im Süden leider Ter Norden austrägt seine alten Kleider!
RedaktionW i ttkiK.— Rotationsdruck.und.Verlag,her „B r ü h l"scheft^UmverlÜäts-Bu<L-'qydjSterndrüekerei, R. Lange, Gießen.


