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Fredine lächelte verheißungsvoll und lenkte geschickt das Gespräch auf die beiden Jucker. Da wußte Veltlingen Bescheid!

Tte Gräfin verstand wirklich meisterlich die Unterhaltung zu drehen. Ehe der Kammerherr es sich versah, war Uchdorf der Gegenstand ihrer Betrachtungen. Daß der Kammerherr auf den Rittmeister gar nicht mehr eifersüchtig war, setzte sie in Erstaunen. Ein schändlicher Gedanke durchzuckte sie plötzlich. Wie weit wohl ihr Einfluß auf Veltlingen ging? Sie lächelte diabolisch. Ob ihr der Plan gelang? Wenn nicht, so war das auch egal, und wenn er gelang hah, das würde sie wegen der Gehaßten freuen!

Vorsichtig klopfte sie auf den Busch. Nein, Veltlingen war von einer merkwürdigen, beinah gleichgültigen Ruhe.Tas freut mich Ihretwegen!" Es lag etwas unglaublich Auf­reizendes in den wenigen Worten. Fredine merkte sofort der Hieb saß.

Warum?" Ganz heiser klang seine Stimme vor Erregung.

Sie zögerte voll Berechnung einen Augenblick, ehe sie ihm kühl und zurückhaltend Antwort gab. Und das, was sie sagte, machte ihn nur noch toller. In seinem Zorn vergaß er völlig, m welcher unwürdigen Weise er Dagmar verdächtigen ließ. Nicht Eifersucht war es, was er jetzt empfand, sondern Empörung und Zorn, daß sie ihn so geschickt hinter das Licht geführt haben sollte. MU wachsender Besorgnis sah Fredine seine heftige Er­regung.

Um Gotteswillen! Das geht doch nicht! Die andern dürfen doch nichts davon merken, bester Baron! Was sollte wohl .«eine Hoheit denken!"

Tas Wort half. Gewaltsam nahm Veltlingen sich zusammen.

Ich muß aber noch verschiedenes wissen, Gräfin," sprach er zwischen den Zahnen, während der Wagen in die Hoseinsahrr einbog.

Fredine überlegte blitzschnell. Die Geschichte konnte uuan- gcnehin werden! Pfah! Sie vertraute ihrer Geschicklichkeit!

Ich werde mir nachher in der Galerie die Wappen ansehen," Antwortete sie halblaut.

Gut." KIcrmmerherr parierte die Pferde so plötzlich, daß sie sich beinah auf die Hinterhand setzten.Herrgott, Uchdorf! Um ein Haar hätte ich Sie überfahren!"

Aber der Rittmeister antwortete darauf gar nicht. Ange- itzrengt spähte er durch die Dämmerung nach der Haustür.

Gehört der graue Hund da vorn ins Schloß?"

. . Veltlingen erbleichte. Mit einem Ruck warf er dem Kütscher die Zugel zu und stieg, ohne ein Wort der Entschuldigung vorn Wagen.

Wo?" Er trat neben Uchdorf.

Tort an der Haustür. Ist es ein fremder Hund?"

Lchießen Sie!" stieß Veltlingen in wahnsinniger Erregung hervor. Und als der andere sekundenlang zögerte, riß er ihm die Buchse mis der Hand unb legte an

Halt!" rief der Rittmeister plötzlich.Es geht jemand lingen!"" ^üusflur. Ta können Sie unmöglich schießen, Belt-

In dem gleichen Augenblick drehte der Hund den Kopf. Der Baron meinte ein paar große, glühende Augen auf sich ge­richtet zu sehen.

Langsam wendete das Tier gleich darauf den Köpf zurück und trottete durch die Haustür. Veltlingen ging, das Gewehr im .Anschlag, hmter her.

Unwillkürlich folgte Uchdorf ihni. Er konnte sich das son- °broare Benehmen des Kvmmerherrn nicht erklären. Und wie­der vlceb der Hund stehen und sah sich nach seinen Verfolgern um, Uiiü als Re näher kamen, ging er weiter. Das wieder­holte sich auf ledem Treppenabsatz.

. Kammerherr wagte jetzt nicht zu schießen aus Furcht, einen der Leute zu treffen, die aufgeregt in den langen Fluren umherliesen, denn das elektrische Licht hatte plötzlich versagt. Deutlich sahen sowohl er Ivie Uchdorf trotz der DämUlerring .noch oben iin zweiten Stock den Hund stehen. Wieder drehte er sich um und sah nach ihnen hin.

Ta hob Veltlingen entschlossen die Büchse. Gott sei Dank! hier auf der letzten Treppe fonnte er schießen. Er drückte im t versagte. Verwundert setzte er ab. Da sprach

Uchdorf plötzlich - erstaunt hinter ihm:

Ter Hund ist weg!"

to.. ,®'lt unheimliches Gefühl kroch dem Kammer-Herrn über den Rücken.

^.er Boden hat nur diesen einen Ausgang," stieß er er-? regt hervor.

, ^ef er mit lauter Stimme nach Licht. Franz kam endlich mit einer großen Astrallampe. Kreuz und guer leuch­

tete man den Boden ab. Es war nichts zu finden. Bescheiden fragte der Diener endlich, was die Herren suchten.

Ten grauen Hund," antwortete Veltlingeii scheu, als stände der Lpuk hinter ihm.

Franz sah sich ängstlich um.

(Fortsetzung folgt.)

Kus der ersten WniVerstLäLszslt.

Oeffentliche Bekanntmachungen des Prinzen I. Georg von Schleswig-Holstein, Rektors der Universität, aus Anlaß von Ausschreitungen seitens der Studenten. 1609.

(Aus dem Lateinischen in deutscher Uebertragung.)

I.

Es laufen bei uns häufig schwere Klagen ein seitens der städtischen Wächter der Ordnung über mutwillige Ausgelassenheit einzelner akademischer Bürger. Es gebe einige, die zur nächt­lichen Stunde mit unmenschlichem Gebrüll und lautem Rufen die Straßen erfüllen und durch den verursachten Lärm die ge­wünschte Nachtruhe anderer stören. Andere bedrohen die Häuser der Bürger und nehmen sich vor, die Türen der Gebäude einzu­schlagen. Andere greifen ohne jede Ursache die Wächter an, schimpfen auf sie, fahren sie mit beleidigenden Worten an, wie: Taugenichtse, Schurken", werfen heimlich von den Fenstern ihrer Wohnungen Steine auf sie, wobei sie dieselben verletzen und verhindern sie am Ueberschreiten der Straßen. Und wenn auch nur wenige die Schranken der akademischen Ordnung durch ihre verdorbenen Sitten und keineswegs lobenswerte Handlungen durch­brechen, so können wir, wenn wir das wüste Treiben erfahren, es weder empfehlen, noch ruhig und stillschweigend ohne Ver­letzung unserer Pflicht gutheißen. Wir müssen und wollen viel­mehr zur Sicherung unserer geheiligten Ordnung und zur Er­haltung des Friedens und der öffentlichen Ruhe dies mit Strenge ahnden. Daher ermahnen wir alle unter unserer Gerichtsbarkeit stehenden Studenten, daß jeder Einzelne das, was ihn anbe- langt, ruhig verrichte, und, wie dieSchrift" mahnt: ehrbar lebe, keinen verletze und jedem das Seine zuerteile. Daher untersagen wir Euch durch diesen Anschlag strengstens, bei irgend einer Gelegenheit in Zukunft die Nachtwächter anzugreifen, ihnen Schimpfnamen beizulegen, durch Schmähungen aufzureizen, oder was unmenschlich und gefährlich ist, durch Steinwürfe zu ver­höhnen noch auf irgend eine Art ihnen Schaden zuzufügen, son­dern sie ruhig gewähren zu lassen, damit sie ihres Amtes, das ohnedies schon beschwerlich ist, warten können. Wer dagegen handelt, gegen den haben wir beschlossen, unseren Gesetzen gemäß mit Strenge vorzugehen. Wenn aber einer unbilliger­weise, ohne daß er es verdient hätte, von den Wächtern fest­genommen wird (was jedoch nicht unter irgend einem Vorwand, wie wir ihnen streng untersagt haben, geschehen soll), so mag er dies auf gesetzlichem Wege uns vortragen, aber nicht selbst aus Lust nach Rache persönlich Boses mit Bösem vergelten. Wir werden Sorge tragen, daß etwaige Rücksichtslosigkeit oder- unüberlegte Hartnäckigkeit von jener Seite unter strenger Beobach­tung unsererseits eingeschränkt werde.

Außerdem haben die Ganerben im Busecker Tal Beschwerde geführt, daß einige Studenten unserer Universität sich augemaßt haben, das Jagd- und Fischereirecht in dem ihrer Gerichts­barkeit unterstehenden Gebiet' auszuüben. Wir ermahnen jene zur Vermeidung von Anstoß zu empfindlicher Strafe, daß' sie sich von dieser Ueberschreituug fern zu halten und innerhalb der Gießener Gemarkung zu bewegen haben.

Veröffentlicht am 14. Juni 1609.

II.

Auch in der vergangenen Nacht haben einige wieder gefähr­lichen Lärm verursacht, die Wachgebäude bestürmt, die Fenster eingeworfen, die Türen eingeschlagen und sich in einer nicht zu ertragenden Ausgelassenheit durch viehisches Gebrüll, Schlagen mit Schwertern und Stoßen mit Lanzen und Stangen geübt. Deren Unbesonnenheit können und wollen wir ohne Verletzung unserer Pflicht weder gutheißen, noch weniger ungestraft hin- gehen lassen. Wir haben beschlösse», mit der größten Strenge gegen die Anstifter solcher Skandale im Betretungsfalle vor­zugehen.

Wir haben ferner erfahren, daß diese auch für den kom- menden Abend wieder ähnliche Ruhestörmcgen geplant und be­schlossen haben, auch die Häuser anderer Bürger in gleicher Weise gewaltsam zu bestürmen. Wir untersagen durch diesen öffent­lichen Anschlag strengstens, atwas gewaltsam zu unternehmen, von dem Vorhaben abzustehen, sich zu Hause zu halten, auf Frieden und öffentliche Ruhe bedacht zu fein, sich nicht in Strafe zu bringen oder durch boshaftes Betragen die ganze