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holikern u. bgl. zu verhindern Anlaß genommen haben. Wer eine Ehe mit einer Blutsverwandten einzugehen beab­sichtigt, der wird freilich gut daran tun, sich zn erinnern, daß die Verwandteneheu geradezu ein Prüfstein auf ge­wisse selteue kraukhafte Anlagen sind, und wird es daher nicht unterlassen dürfen, die Stammtafel beider Parteien mindestens auf drei bis vier Generationen sorgfältig dar­aufhin zu prüfen, ob irgend welche erbliche Belastung vor­liegt. Nur wo dies nicht der Fall ist, darf er ohne Bedenken sein Vorhaben ausführen.

vermischte».

*F rau A j a sah int Geiste alle die herrlichen Gegenden, kletterte mit auf die Felsen, und erfreute sich von ganzer Seele über der Reisenden Glückseligkeit und Wohlbefinden." Von wem diese Worte herrühren, die sich in einem Brief an die Herzogin Anna Amalie finden, braucht man wohl kaum zu sagen; denn wer sollte nicht wissen, daß Frau Aja der Name war, mit dem Goethes Mutter, von der er die Frohnatur, die Lust zit fabu­lieren hatte, die Frau Rat, wie sie sonst wohl heißt, im ver­trautesten Kreise genannt wurde und, wie man hier sieht, sich selbst gern nannte. Weniger bekannt dürfte schon weiteren Kreisen sein, daß dieser Name ursprünglich der der Mutter der vier Haymondskinder ist. Neu wird aber wohl biete» sein, daß Elisa­beth Goethe diesen Namen kurz vor der großen Schweizerreise ihres Sohnes erhielt, wie Professor Albert K ö st c r, dem wir eilte vollständige Ausgabe der Briefe der Frau Rat verdanken, in feiner Einleitung zn einer int Insel Verlag erschienenen Auswahl mitteilt. Im Mai 1775 bewirtete sie die beiden Grafen Stolberg und deren Freund Haugwitz bei sich, lind bei dieser Gelegenheit wurde sie von den vier fröhlichen jungen Leuten als Mutter der Haymonskinder ausgerufen. Aus dem hübsch aus­gestatteten kleinen Buch sei hier noch eine Reimprobe Frau Ajas wiedergegeben. Sie schreibt zn Anfang Januar 1779 auf bett Neujahrswunsch des Hoffräuleins Luise von Göchhausen:

Dein guter Wunsch auf grün Papier Hat mir gemacht sehr viel pläsir. Im Verse machen habe nicht viel getan. Das sieht man diesen Wahrlich an.

Doch hab ich geboten ein Knäbelein schön. Das thut das alles gar trefflich verstehn. Schreibt Puppenspiele Kutterbunt, Tausend Alexandrinen in einer Stund.

Doch da derselbe zu dieser frist

Geheimdter Legations Rath in Weimar ist, So kan er bey bewandten fachen

Keine Verse vor Frau Aja machen, Konst solldest Du wohl was besseres kriegen. Jetzt mußt Du Dich hieran begnügen.

Es mag also dabeh verbleiben,

Ich will meinen Danck in Prosa schreiben . .

G ew innsystem. Zwei Reisende kommen, obgleich einander unbekantit, in einem nach Monte Carlo gehenden Zuge in ein freundliches Gespräch.Nach Monte Carlo?" fragt der eine, dem entzückenden und exklusiven Heim für alle Spieler?" Ja, dahin gehe ich."Um zu spielen?"Um zn spielen. Ich tue sonst nichts: Es ist^ ja mein Geschäft."Was, Ihr Geschäft?"Wie ich Ihnen sage. Ich spiele jeden Tag zwei­mal und kann dabei nur verdienen."Dann haben Sie ein System! Würden Sie mir erklä . . . ."Aber mit Vergnügen ich spiele Violine!"

Gesundheitspflege.

Was der Nervöse, der Neurastheniker von seiner Krankheit wissen und wie er leben muß, um gesund zu werden. Bon PH. Mr. Adolf V o m u ck a. Verlag von A. Haase. Leipzig, Turnerstr. 16. 1907. Ein Buch, das nur aus unserer Zeit der nervösen Leiden und der Erforschung, wie Abhilfe zu suchen ist, hervorgehen konnte. Ein Buch, das sich nicht nur das Gesundmachen des Körpers zur Aufgabe gemacht hat, sondern auch der in innigster Wechselwirkung mit ihm stehenden Psyche. Ein Buch, das nicht ängstlich macht, so daß man sich bei seinem Lesen neue Krankheiten einzubilden beginnt, sondern be­ruhigt. Es quillt aus seinen Seiten eine Hoffnungsfreude, die auf den Boden der Natur gestellt sind. Nahrung, Trank, Luft, Licht, Bewegung und Rnhe in ihrer richtigen Anwendung sind die Heilmittel, individuell gehandhabt.

Kunst.

Wilhelm von Diez, der große Künstler und Lehrer, dem kürzlich die Münchener Künstler einen Denkstein gesetzt haben, erfährt im November-Heft der bekannten Münchener Mo­natshefteDie Kunst" (Verlag F. Brnckmann) eine liebevolle, Site Würdigung von Fritz von Ostini. Noch einen andern ünchener Künstler lernen wir in diesem Hefte keimen, Josef

Wackerie, den Schöpfer origineller Porzellanfiguren und Holz­schnitzereien. Dann berichtet ein ausführlicher Aufsatz vom amerikanischen L a n d h a u s b n n, der sich überraschend schnell zn einem eigenen Stil entwickelt hat und zum Teil, so in den Landhäusern von Wilson Ehre, Vorbildliches gibt. Die Zeitschrift kann dann in einem weiteren Aufsatz auf die Erfüllung einer vor fünf Jahren von ihr zuerst erhobenen Forde­rung: künstlerische Innenausstattung der großen Dampfer, Hin­weisen, nämlich auf die von Bruno Paul, Joseph M. Olbrich, Richard Riemerschmid re. geschaffenen Räume derKronprin- zessin Ceeilie" des Norddeutschen Lloyd. Und damit auch die heitere Binse zu Wort komme, bringt das Heft lieben diesem reichen Inhalt die Fortsetzung der prächtigenErinnerungen an den Allotriakreis" von Louis Corinth. Auf den treff­lichen illustrativen Teil, durch den sich diese Zeitschrift be­sonders mtszeichnet, sei wiederholt hingewiesen.

Weihnachts-Literatur.

Durch b ie Wiisteit unb Ku lturstatten Sy­riens, Reiseschilderungen von G. L. Bell. Mit einem Farben­bilde nach einem Aquarell von John Sargent, R. A., 161 Text­abbildungen und einer Karte von Syrien. Elegant gebunden Mk. 10.. (Verlag von Otto Spamer in Leipzig.) G. Bells Beschreibung ihrer Reise durch Syrien ist eins der anschau­lichsten, temperamentvollsten, belehrendsten und zugleich unter­haltendsten Bücher, die in neuerer Zeit auf diesem Gebiete erschienen sind. Die Verfasserin ist eine Altertumsforscher»! von außergewöhnlicher Begabung, die Mut und Ausdauer mit dem Geschick vereint, nicht nur die hervortretenden Tatsachen einer Reise zu schildern, sondern auch jene zahllosen Einzelheiten hinein zu verslechten, die ein Buch anregend und fesselnd machen. Sie trat ihre abenteuerreiche Reise von Jerusalem aus an durch das verbotene Gebiet des drusischen Gebirges und durchquerte die Wüste. Abweichend von de» begangenen Straßen gelangte sie auf interessantem Umwege nach Damaskus, Baalbeck, Aleppo, Antiochien und Alexandrettc. Reich mit Empfchlungs- briefeit ausgestattet, sand Miß Bell bei den Behörden dieser Städte das größte Entgegenkommen, so daß sie mit Leichtigkeit das innere Leben aller der Stämme studieren konnte, auf die sie während dieser Reise traf. Durch ihre genaue Bekanntschaft mit dem mohammedanischen Orient, vor allem aber durch ihre gründliche Kenntnis der arabischen Sprache gewann sie schnell das Vertrauen der Eingeborenen, und so vermochte sie dann em getreues Bild des- heimischen Lebens jener nur selten besuchten Völker zu entwerfen, wie es vor ihr kein anderer Reisender vermochte. Die Illustrierung ist reichhaltig.

Goldene Worte.

Verächtlich ist eine Frau, die sich langweilen kann, wenn sie Kinder hat. Jean Paul.

Ein treu Gedenken, lieb Erinnern, Das ist die herrlichste der Gaben, Die wir von Gott empsangen haben: Das ist der gold'ne Zauberring, Der anserstehen macht int Innern, Was uns nach atißen nnterging.

Bodenstedt.

Die Lust zu reden kommt zur rechten Stunde

Und wahrhaft fließt das Wort aus Herz und Mtmde.

Goethe.

Der Gehorsam ist der Anfang aller Weisheit.

Pegel,

*

Wenn Männer von hoher Stellung den Mut ihrer Meinung nicht haben, was läßt sich da von Männern in niedriger Stellung erwarten? -~ Samuel Smiles,

Bilderrätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer: Loth, Ar; Lohtar.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steiadruckerei, R. Lange, Gießen.