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Säugliugshülfe.
SÄ T de». Reichstag gewählte Amtsrichter Dr. Bare». Nor>t m ^.vstedt sagt darüber ht den „Ländlichen Rechtsfragen^
Vertiefungen in der Wand stören ganz außerordentlich, da sie selbständig mitschwingen, d. h. in Resonanz gerate».
Ganz anders werden nun die Berhältnisse, wenn die Wände überhaupt keine ebenen Stellen mehr aufweisen, sondern Gewölbe sind, ivie das ja in Kirchen und Festsälen oft genug der Fall ist. Dann passiert es ziemlich häufig, daß sich ganz merkwürdige akustische Ueberraschungen einstellen. Jede gekrümmte Fläche reflektiert rmmlich die Schallwellen — aber so wie die Lichtstrahlen — nicht nach allen Richtungen gleichmäßig, sondern nach gewissen Vorzugsrichtuugeu, so daß die Wellen zum größten Teile alle miteinander an ziemlich die gleidjen Stellen kommen. Das sind die sogenannten Brenn flächen, ein aus der Optik entlehnter Name. Bei manchen Flächen, praktisch kommen vor allen die elliptischen in Frage, vereinigen sich die von einem bestinnnten Punkte ausgehenden Wellen wieder in einem andern genau entsprechenden Punkte am andern Ende der Fläche. Das sind die beiden sog. Brennpunkte.
Spricht man an einem solchen Brennpunkte einige Worte so leise aus, daß sie auf dem direkten Wege unmöglich in dem am andern Ende des Saales gelegenen Brennpunkte gehört werden könnten, wird man sie dort doch ganz deutlich vernehmen. Dies ist eben die erwähnte Eigenschaft der Ellipse, alle Wellen in einem Punkte zu vereinigen. Man nennt derartige oft ganz seltsam an» mutende Sale, Sprachgewölbe oder Echogewölbe.
Ein bekanntes Beispiel ist der bekannte Karyatidensaal im Pariser Louvre. In dieser großen Halle mit zylindrischer Decke stehen zwei Basen in den beiden Brennpunkten. Spricht man in die Base leise hinein, hört man es deutlich aus der andern Vase heraus. Die Schallwellen dringen zunächst aus der Base nach oben, werden an der Decke entlang reflektiert und kommen über der zweiten Base wieder nach unten, so daß sie dann scheinbar aus der Base erklingen.
Ein anderes Sprachgewölbe, das allerdings weniger oft erwähnt worden ist, befindet sich int Park des bekannten Kaiserlichen Gutes Cadinen, an den Ufern des Frischen Haffs in Westpreußen.
Felix Jentzsch.
Die Milch als Nahrungsmittel und Getränk.
_ I» der „Landwirtschaftlichen Wochenschrift für die Provinz macht unter der oben gegebenen Ueberschrift der Konsulettt für Milchwirtschaft Dr. Herz in München u. a. die nachfolgenden Mrttetlungen, die weiteste Belichtung verdienen:
- - - Durch täglichen Gebrauch von einem halben Liter Mckch erspart man alle fünf Tage ein Pfund gewöhtüiches oder alle sechs Tage em Pfund knochenfreies Fleisch; das ist aber gerade dte gleiche Menge ftährlich 36 bis 40 Kgr.), welche im Jahresdurchschnitt überhaupt auf den Kopf der deutschen Bevölkerung trifft, von der ein großer Teil (Kinder, Land-, Alp- und Wald- arbeiter) gar kein oder nur an Feiertagen Fleisch genießt. Kraft und Gesundheit verdanken sie der einfachen Kost (Mehl- und Milch- kpeiien, Käse, Schmalz, Schwarzbrot) und der — Mäßigkeit. Der Etweißgehalr der tu Bayern allein erzeugten Käse entspricht einer Fleischmenge von mehr als jährlich zwei Pfund attf den Kopf der deutschen Bevölkerung.
Wo in bett Arbeitsstätten versuchsweise Milch eiugeführt wurde, machte matt die Wahrnehmung, daß sie rasch Freunde fand, wett ste gar nicht so übel schmeckt, wie mancher glaubte, der seit seiner Kindheit keine Milch mehr getrunken hatte, und weil sie zn- gleich Durst und Hunger stillt; diese Wahrnehmungen wurden bann faon selbst auf bett Haushalt übertragen, wo Frauen unb Kinder ohnehin süße Milch und Mehlspeisen dem Fleisch und Biergenusse gerne vorziehen.
Wegen seiner Armut an stickstoffhaltigen Bestandteilen könnte Bter dte metschnahrung niemals ersehen, unb bie Biertrinker suchen ihren Eiweißbebarf mit Vorliebe in Käse und Wurstwaren Zudecken. Bier enthält in einem Liter die Nährstoffe von 1»/, Milch von 2) Semmeln unb gcrabe soviel Alkohol, als in bet Milch Butterfett vorhanden ist, bas wegen seines Wohlgeschmacks und semer Bekömmlichkeit am teuersten bezahlte und durch die täuscheu- den Nachahmungen Niemals zu ersehende Speisefett, dem bie mit Milch ernährten Kmber „bas weiche Polster ber runbett, vollen Backen unb Glieder verdanken . . . ."
- '?• • ■ ?aß selbst in München der Bierverbrauch zuruckgeht
und dafür mehr Milch und Obst genossen wird, ist ber Einsicht ber» jentgen zu verdanken, welche bie Gesundheitslehre in bie Tat umgeseht unb den Mut gehabt haben, der früheren „Unter» Nahrung" mit Brer und „Leberkäs" durch eine Vernünftigere Le- N^K5sse zu begegnen. Dies will in München bet „Ausschuß für Warmestuben und Kaffebuden" mit dem „Verein für Volks- wStene noch weiter förbern, iitbem er Kindern unb Erwachsenen k^tge Milch leichter zugänglich macht.
. Milch ist zugleich Speise und Trank, Fleisch und Brot, Er- auickung und Labsal für Jung unb Alt, Gesunde unb Kranke."
der Arbeiten der LaNdwirtschaftskamstter für die Provinz Hannover folgendes': Die Säuglingssterblichkeit ist auch sonst tu Deutschland erschreckend groß. Im Jahre 1903 starben bei rund 2 Millionen Geburten 405 000 Kinder im 1. Lebens rohre, also ein Fünftel aller Lebendgeboreneu. Nur in Rußland und Oesterreich herrscht eine größere Säuglingssterblichkeit. Noch erschreckender wirken diese Zahlen, wenn man efiuägt, wie viele Kinder, bie das 1. Lebensjahr überstanden haben, den Keim! dauernder Schwäche in sich aufttehmen. Bolle Anerkemtuug verdienen daher die Bestrebungen des Vereins zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit auf Errichtung einer Mustewnstalt Mr Bekämpfung dieser Säuglingssterblichkeit. Sie kann im Interesse unserer nationalen Selbsterhaltung, unseres" interiiatioualen Wettbewerbs' und unserer Wehrkraft viel beitragen zur Erziehung eines kräftigen Nachwuchses. ।
„Gerade das Land zeichnet sich seit jeher durch eine besonders große Anzahl wehrMstiger Männer aus' und liefert prozentual die meisten Soldaten. Jedoch beginnt nach den militärisches Beobachtungen bei den Aushebungen das Rekrutenmaterial in manchen ländlichen Gegenden, so auch leider bei uns int Lüne- burgischen, sich ausfallettd zu verschlechtern. Die Burschen sind' 8-11111 Teil schwächlicher geworden, wie mir von berufener ärztlicher Seite versichert ist. Bei beit Erörterungen dieser sehr be» denklichen Erscheinung wird bar auf hinzuweisen sein, daß neben anderem, z. B. dem erhöhten Wirtshansbesuch, der ver initt- berte Milch verbrauch in ben länblichen Haushaltungen schuld ist an ber körperlichen Schwächung nuferer ländlichen Jugend.
Seitdem sich nämlich in den lehten Jahrzehnten auf bent Lande überall Molkereigenossenschaften gebildet haben, auch ber Absatz nach den Nachbarstäbten durch günstige Bahnverbindungen erleichtert ist, ist naturgemäß die Milch bequemer in bareI Geld umzufttzeu. Dies veranlaßt viele allzu sparsame Bauersfrauen, die ganze Vollmilch dem Haushalte zu entziehen und dagegen für die Haiis'genvssen Magermilch zu verwendeu. Diese Sparfamskeit ist "aber sehr nuangebracht, namentlich gegenüber den Kindern und rächt sich bitter. Daher müssen die Hofesq Wirte darauf sehen, daß ein ausreichender Bestand an Vollmilch ihrem Haushalte erhalten bleibe.
Die kleinen Besitzer auf dem Lande —. das gleiche gilt von einem großen Teile ber Beamten — müssen aber durch Haltung einer Ziege sich selbst die nötige Milch verschaffen. Die Ziegenmilch ist besonders geeignet für die Ernährung der Kinder, denn die Ziege ist, zumal int luftigen, reinen Stall und bei ausd reichendem Weidegang, der Tuberkulose bedeutend weniger ausgesetzt, als die Kuh, auch ist 'das Eiweiß der Ziegenmilch leichter verdaulich als das Kithkasein. Zudem übertrifft sie die Kuhmilch an Fettreichtum, der bei der Ziegenmilch 3,5 biS 7,3 Proz< erreicht, während er in der Kuhmilch nur 3,4 bis 3,9 Proz, betragt.
Magere Kost, das möge jede Hausfrau beherzigen, erzieht nicht allein ein schwaches Geschlecht, sondern treibt die männlichen Familienmitglieder dem SchnaMeufel rettungslos in die Arme.
LsLeVarsyches.
— Hermann Hesse, Diesseits. Erzählungen, (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Inhalt: Ans Kinderzeiten —t Die Marmorsäge — Heumond — Der Lateinschüler — Eine Fußreise int Herbst. Geh. 3.50 Mk. „Diesseits" bedeutet: diesseits der einen großen, erfüllenden, das Leben wendenden und vollendenden Liebe. Es sind Geschichten von Liebeserlebnissen, die irgendwie itt der Luft zergehen. Hesses überaus reine, in schönstem Fluß lebendig und beruhigt sich ergehende Sprache, seine Vertrautheit mit der Natur, mit den Formen und dem Leben der Landschaft, mit dem Sturm und der Ruhe, seine ewig wanderlustigen jungen Männer und seine prächtigen Mädchen, — alles das macht das Wandern durch sein Buch zu einem wahren Sonntagsvergnügen.
Logogriph.
Mit e bin ich am Wagen tief verborgen, Doch ich allein muß alle Lasten tragen;
Tn hättest keine Nacht 'und keinen Morgen, Wollt' ich einmal ber Welt ben Dienst verjagen.
Mit t bin ich ein Ding ans Holz unb Esten, Vernichtet ist, tvas ich einmal erfasse.
Mit en siehst du mich auf Schweizerreisen An einem See als Berg mit hohler Gasse. W»
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer r Gestrenge Herren regieren nicht lange.
Redak- on: Ernst Heß. — Notalionsdruck unb Verlag der Brühl'scheit Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


