Burschenschaften, waren gut aufgehoben (nämlich bei einer liebens­würdigen und uns wohlgesinuterr Dame, die , hernach die Gattin eines der Verbindungsgenossen geworden ist). Ein- glied, welches in meinem ersten Semester nach Halle ging, machte die Erfahrung, daß er von der dortigen Umversitats- behörde als politisch verdächtig beargwöhnt wurde. Es war em Sohn des damaligen Prälaten S. in Gießen. Dieser hatte seinerzeit zu den Schwarzen gehört und es war kein Wunder, daß der Sohn in die Fußtapfen seines Vaters trat, gleichwie seine anderen drei Brüder. Er gehörte zu den Gründern und war, wie man sieht, stark erblich belastet. ,

Es war ein sehr tüchtiger Mensch und em schiller Thvluks. Von diesem oder doch aus dessen Kreisen erfuhr er, daß er d urch ein Zeicycn im Gießener Abgangszeugnis als politisch verdächtig bezeichnet worden war. ,

Ich selbst wurde uoch im Jahre 1859 nach meinem Staats­examen nnd während doch schon ein freierer Hauch durch Deutsch­land ging, vor den Hofgerichtspräsidenten geladen, weil ich zu viel mit der Verbindung verkehre. Dieser Vorgesetzte war der­einst selbst Burschenschafter, seiner Zeit aber nicht mehr freisinnig, sonst würde er damals nichtHofgerichtvprasident geworden sein. Die mir zuteil gewordene Verwarnung konnte, da ich am Hosgericht für sehr fleißig galt und c8] auch war, nur einen politischen Hintergrund haben. Von z w ei en meiner Bundesbrüder aus jener Zeit weiß ich bestimmt, daß sie von der juristischen Prüfungskommission im Staatsexamen für bestan­den erklärt wurden, daß aber das Ministerium unter der Aegide des Geh. Staatsrats Fr . . . sie durchfallen ließ. Ebenso weiß ich bezüglich des einen dieser beiden, der vor der Kom­mission sogar gut bestanden hatte, des letzt noch lebenden Hr. in Mainz, daß politische Gründe die Veranlassung waren. Der letztere hat damals dem Herrn Geheimen Staatsrat grunolich seine Meinung gesagt, und darauf verzichtet, unter , einem solchen Regime zn dienen. Er trat anderen Tags m eine be­kannte Mainzer Firma als Volontär ein.

Mein armer Freund Fr. aber, der mittellos war, wurde von dem Geh. Staatsrat Frank grausamer Weise aus der Ruhcer- karriere hinausgedräugt, indem er ihm erklärte, man wurde ihn auch später, falls er sich wiederholt zur Staatsprüfung melde, nicht für bestanden erklären und jedenfalls tonne er auf keine Anstellung als Richter reflektieren.

Mau sieht, es war damals nicht so ganz gefahrlos, Germane zu sein. Später ist dies bekanntlich anders geworden, auch denen, die wegen ihrer freiheitlichen Gesinnung früher anrüchig waren, hat man es später, als der politische Wind sich drehte, nicht nachgetragen. Das beweist die immerhin stattliche Zahl von Räten' und Geheimräten, die in jeder Zeit der Germania angehört haben und Ehrenmitglieder derselben sind und, soweit sie nicht mehr leben, waren. ' , ,.

Mit den Korps standen wir wahrend meiner ganzen Stuoien- zeit in ausgesprochenem Gegensatz. Sie sprachen uns die Exi­stenzberechtigung ab, während wir Gleichberechtigung beanspruchten. Da die Korps uns jede Satisfaktion verweigerten, so ergaben sich hieraus sehr unliebsame Verhältnisse. Fast an jedem Kneip­abend fanden auf der Straße, - insbc;ondere auf dem Marktplatz Rempeleien statt, die auch manchmal in Tätlichkeiten ausarteten. Nur in wenigen Fällen konnten bei Beleidigungen Mensuren mit Korpsstudenten erzwungen werden, und da nur mit ver­

hängten Waffen. , ,

Ter Standpunkt der Germania mbeznglich der Dnell- frage war damals der: Das Duell ist nach Lage der Dinge ein notwendiges Nebel, dem wir uns als Burschenschaft nicht ent­ziehen können. Wir verlangen daher und geben für rede Be- leidigung, die durch den Konvent, später durch das,Ehrengericht, als solche erkannt wird, Satisfaktion mit der Waffe.

Es ergab sich bald Gelegenheit für eine Anzahl Mensuren von anderer als Korpsseite. . .

Es hatte sich eine Verbindung Markomannia ge- gründet mit den Farben Blau-weiß-grün, an deren Spitze eilt Student der Rechte Klein stand. Die Verbindung hatte zwar keine burschenschaftliche Tendenz, sie stimmte aber mit uns in der Gegnerschaft zu den Korps überein. Wir waren daher mit ihnen in einen Verband getreten, dem ein gemeiitfamer Kommers auf der Pulvermühle Ausdruck verlieh. Tie Präsiden der Markomaiinia waren bei dem Landesvater mit ihren Leuten eher fertig, als diejenigen der Germanen, weil die letzteren an Zahl jenen weit überlegen waren. Es war versäumt worden, für diesen Fall eine besondere Vereinbarung zu treffen. Die Präsiden der Markomannen wollten nun tlr- '"ätigkeit auf die noch zurücksteh nden Pa re der Germanen ausdehn n. .Diese weigerten sich aber, den Landesvater mit Mark m mun a szu- sühren Darob gab es eine Störung des Landesv ters, die zu einem Tumult ausartete. Der Maikomamienführer Kl. in stt ng auf den Tisch, erhob den Schläger und rief:Dieser Schlager nie entweiht, Markomannen folgt mit l" So zogen sie ab und sandten anderen Tags sechs Ausforderungen, die angenommen wurden. Das waren, so viel ich weiß, die ersten Mensuren der

Germania. _

(Fortsetzung folgt.)

Die Ursprünge vorr Wergen, Spiel und Lied.*)

Von Professor Kurt Breysig (Berlin).

Tanz-, Ton- und Dichtkunst bilden der Bau- und Zier- runst, der Malerei und Bildnerei gegenüber eine ge­schlossene Gruppe: die Maße, durch deren Verteilung unfern Sinnen alle Kunst wohlzutun trachtet, sind für Tanz, Ton und Vers gleichartig Maße der Zeit, für alle bildenden Künste Maße des Rauntes. Diese Einheit ist bei aller Ent­faltung der Zeitkünste deutlich erkennbar geblieben: Schrittmaß, Tonmaß, Versmaß sind einander so nahe ver­wandt, daß sie untereinander selbst die Namen zu tauschen vermögen. Im voraus gesehen, ist sehr wahrscheinlich, daß diese drei Künste des Zeitmaßes eines Ursprungs find, und zum zweiten, daß vom Tanz alles ausgegangen ist. Denn vielleicht hat man zuerst, sei es zu spielendem, sei es zu ernstem Zweck, Anlaß gehabt, Bewegungen gemeinschaftlich auszuführen, woraus dann Takt und Schrittmaß hervor­gegangen sein könnten, und vielleicht hat man erst weiter­hin dazu gesungen oder gesprochen.

Wie immer es darum stehen mag, die Bewegung des Tanzes ist dem Unbewußten, Ursprünglichen so viel näher, daß es an sich am richtigsten wäre, von ihr auszugehen. Allein die Kolumbianer haben sie schon so toeit ausgebildet, daß sie gesondert mit Hersagung und Gesang zu unlös­barer Einheit verbunden auftritt. Ja, der Tanz ist schon zu so reicher Fülle entwickelt, daß er Sing- und Schauspiel in sich vereinigt.

Bei den Kwakiutl, die eine kaum übersehbare Zahl von einzelnen Tänzen besitzen, sind doch die bedeutendsten an die Weihefeste ihrer geheimen Bünde geknüpft. Sie hängen auf das innigste mit dieser noch immer stärksten Form ihrer gesellschaftlichen Ordnung und zugleich mit dem Glauben an die übermächtigen Tierwesen zusammen, der mit den Geheimbünden so eng verflochten ist. Jeder Bund, ja, jedes einzelne Mitglied hat seinen Schrei, seinen Sang, seinen Tanz, und die meisten der Spiele gelten der Aufnahme des Neulings in den Bund. Jedes solcher Feste hebt an mit dem Schlagen von kleinen Stöcken und der Trommel im Gegensatz zu allen nichtheiligen Liedern, die umgekehrt verlaufen; aber schon einige Takte später beginnt der Gesang: zuerst mit einer eigenen Weise, die dem Bunde des Neulings ausschließlich zu­gehört. Dann folgen Worte, immer wieder von der Weise unterbrochen, die wie ein Kehrreim sehr oft wiederholt wird. Trommelschlag nnd Gesang bilden ein unzertrenn­liches Ganze, der eine ist ohne den andern kaum denk­bar. Das Schrittmah will sagen der Rhythmus der Grundweise wie des begleitenden Trommelschlages ist auf­fällig kunstvoll und durchaus nicht einfach. Insonderheit sind die Trvmmelschläge als Synkopen dem Gesang ein­gefügt, d. h. sie fallen mit den fortschreitenden Tönen nicht zusammen, sondern schlagen nach. Der Arm des Trommlers hebt sich, wenn der Ton den Mund des Singenden verläßt, und fällt sofort nach.

Auch der Gesang ist unter strenge Ordnung nnd Leitung gebracht. Einige Reihen der Sänger, die aus den jungen Männern bestehen, schauen mit dem Antlitz dem Feuer, andere der Vorderwand zu. In ihrer Mitte sitzt der Sangmeister und seine zwei Gehilfen. Seine Pflicht ist es, neue Gesänge zu setzen, neue Worte zu alten Weifen zu dichten, schnell die neuen Gesänge des Neulings zu lernen, mit denen dieser aus dem Walde zurückkehrt, um sie den Sängern einzuübeu. Er gibt das Zeichen für jeden Wechsel im Schrittmaß des Singens oder Tanzens und er stimmt an. Seine Gesellen rufen die Worte für jeden Vers aus. Die Sänger handhaben zugleich die Stöcke, mit denen getrommelt wird: es geschieht auf kleinen Brettern.

Schon die Tänze, die am ersten die Augen auf sich ziehen, sind nicht Tänze nur, noch Lieder, sondern prnnk- hafte Schauspiele. Zugleich aber stehen sie in engster Ber- bindilng mit der rein erzählenden Dichtung, mit der heiligen Sage, und wiederum ist ihr Gepräge als Schau­spiel weit mehr des gelebten, als wiedergespielten Lebens. So ist der Tanz der Hamatsa, der Menschenfressertanz> dem schlimmen Chsiivatz geweiht. Von dem Neuling, der drei oder vier Monate im Walde abivesend ist, heißt es, daß er in dieser Zeit Gast seines Schutzgeistes sei. Nur seine Kinkalalala, seine Geleiterin, eine seiner Verwandten,

*)^lus dem bei Georg Bondi erschienenen Werk des Vertz! fassetzs:Tie Geschichte der Menschheit". 1. Band.