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leeren Schiebkarren einer Frau, die schon in früher Mor­genstunde einen Rehbock nach Alsfeld gefahren hat und nun auf dem Heimwege ist.

Holzfuhrwerke und andere begegnen uns oft. Mit den Führern wechselt der Postillon Scherzreden rasch im Worbeifahren. Alle Welt kennt er und alle redet der Ju­gendliche mitDu" an. Sie mögen ihn alle leiden, das merkt man an dem Ton, mit welchem die Leute seine Zu­rufe aufnehmen.

Der Himmel hat sich bedeckt, es ist kühl und regnerisch. Der Postillon hat vorsichtig eine Schutzdecke über feine Waren auf dem Verdeck gelegt. Die vielen Brötchenbeutel sind doch ins Rutschen gekommen, denn einer ruht mir auf einmal leicht im Rücken. Die Brötchen strahlen eine angenehme Wärme aus, und mir ist, als lehnte ich an dem kühlen Tage mit dem Rücken an einem wohlig warmen Kachelofen.

Wir kommen in Eiffn an. Der erwartete Postwagen bringt etivas Leben in die stillen Dorfstrahen. Der Po- ftillon hält an einem Wirtshaus und ladet Brot und Bröt­chen ab. Dann fährt er zur Post um Briefbentel auszn- tanschen. Auf der Fahrt kommandiert er die mit den Händen in der Tasche dastehenden Dorfjungen:Du, lauf hin zum lang Hannes un sag ihm, ich hält' Brot mit­gebracht, he sollt sichs langen", und so schickt er die Jungen hierhin und dorthin, und alle gehorchen ihm eifrig.

Die Straße steigt jetzt stark, die Pferde schreiten lang­sam, mühsam vorwärts. Wir haben einen gewaltigen Wald­buckel zu ersteigen. Rechts und links bald ausgedehnter Wald, zuweilen tritt er zur Linken zurück und macht Korn­feldern Platz, der Roggen steht lang und sruchtschwer noch auf dem Halm. Da rennt eine Rehgeiß mit ihrem schlanken Kitz quer über die Straße und versteckt sich in den Roggen­feldern. Wenig spater verfolgt ein prächtiger Sechserbock denselben Weg, fast prallt er in seiner Leidenschaft auf die Postpferde. Es wird der Geiß kaum gelingen, ein sicheres Versteck zu finden, das sie vor dem ungestümen Freier schützt.

Ich beobachte, ivic Heidelbecrpflücker in kleine Gefäße die Beeren sammeln, und diese dann entleeren in größere Gefäße, emaillierte Eimer, Körbe re. Jede Familiengruppe pflückt für sich, und hält sich gesondert von der nächsten. An der Straße bei einem astreichen Baum hat man die zum Pflücken nötige Toillette gemacht. Hier hängen all die überflüssigen Kleidungsstücke, und nicht zu vergessen die in Tücher eingeknüpften Lebensmittel, und die Käffeekessel. Man hat sich für den ganzen Tag eingerichtet.

Mein Postillon behauptet, so eine Familie verdiene beim Pflücken täglich 4 bis 5 Mk. Ein Heidelbeeraufkäufer, der mit seiner Familie während der Heidelbeersaison in Schwarz oder Grebenau wohnt und echt Kölnischen Dialekt sprach, sagte mir, daß er jeden Abend den Pflückerinnen die Heidelbeeren abnehme und ftir das Pfund = ca, IVs Liter 12 Pfg. zahle. Nun stellt der Unternehmer die Körbe für den Versand, wiegt die Heidelbeeren ein, verpaßt sie auf den Leiterwagen und schickt die Wagen stundenweit zur Bahn nach Alsseld. Was muß danach ein Pfund Grebenauer Heidel­beeren in Köln bei den Wiederverkänfern kosten, wenn dem in Grebenau wohnenden Kölner Unternehmer ein Gewinn bleiben soll? Jedenfalls haben die Kölner Haus­frauen nicht Recht, wenn sie über zn hohe Heidelbeerpreise klagen sollten.

In meinen Berechnungen werde ich durch den Postillon gestört. Er schreit einen Bauer an, der aus seinem mit Kühen bespannten Wagen sitzt und im Walde Holz holen will;Schorsch, wo is de Gluck?" Der Bauer entschuldigt sich irgendwie, und ich frage den Postillon, was ist mit der Gluck?Ja," erwidert er,da hat der und der in Alsfeld sich so aparte Enteneier gekauft, und die will er ausbrüten lassen. 9htn hat ihm der Schorsch dazu eine Gluck ver­sprochen, und ich soll se mitbringen. Aber ich krieg se

immer net un 's is doch de höchste Zeit!"> Was hat doch so ein Vogelsberger Postillon alles zu besorgen.

Ta auf der Höhe des Waldes geht eine wohlgepflegte Straße nach R a i n r o d. Wir bleiben auf der Straße nach Schwarz. Der Postillon deutet mit der Peitsche nach links, dort ist der Wald wieder lichter:Da steht das Denkmal von unserem Großherzog!"Was?" frage ich verblüfft, hier oben ein Denkmal?"Ja," sagt er,ein Denkmal is es eigentlich net. Ta steht aber ein großer Stein, un was unferm Großherzog sein Vatter war, der hot als viel Auerhähne hier geschosse und uff dem Stein is jedes Frühjahr eingehaue, tote viel er geschosse hat. Unser jetzige Großherzog kommt net viel her."

Der Wald nimmt ein Ende, wir sehen in ein tief eingeschnittenes Tal hinab, in das sogen. Gründchen, durch das die Jossa fließt, die einige Stunden abwärts in die Fulda einmündet. Wir fahren hinab ins Tal auf steilstem Wege in das Dorf Schwarz. Wieder kommandiert der Postillon die Jungen, daß sie da und dorthin Kunde tragen von den Schätzen, die er von Alsfeld mitgebracht hat. Die Dorfkinder gaffen uns mit offenen Mäulern an, in denen ist es schwarz wie in der Hölle, sie stehen im Zeichen der Heidelbeeren.

Wir passieren dann noch das Filialdörfchen Eulers­dorf. Dort erwartet uns auf der Straße stehend ein Mann mit verbundenem Auge. Der Postillon hat ihn schon bemerkt und kramt das Salbetöpfchen und den in einer Schachtel wohlverwahrten Pinsel heraus. Im Borbeifahren reicht er beides dem Augenkranken. Eine Frau kommt aus der Haustür gesprungen:Haste die Hef?"Ich hon kei Hef!" Die Frau tritt enttäuscht zurück, sie kann den Kindern den versprochenen Heidelbeerkuchen nicht backen.

Wir kommen endlich in Grebenau an. Hohe be­waldete Berge umschließen es scheinbar vollkommen. Ta drüben liegt der Herzberg, man erkennt das Schloß, flankiert von zwei mächtigen Türmen ein beliebter Aus­flugsort für die ganze weite Umgegend. .Hier horcht man vergeblich auf den Pfiff einer Eisenbahn. Aber die Gegend schreit förmlich danach. Hinter uns liegt Alsfeld ca 4 Stunden, ebensoweit mag Schlitz abliegen, im Osten läuft die Bahn Fulda-Hersfeld in ebensolcher Entfernung vorbei, und man hat so viel Produkte zu verfrachten, und die Menschen möchten Anschluß an den sie weit um­fließenden Verkehr haben.

Der Postwagen hält; die Reisenden steigen aus. Ich habe mich ganz steif gesessen, und llettere schwerfällig von meinem hohen. Sitze herunter. Der Postillon spannt aus und wir verabreden mit ihm die Rückfahrt nach Alsfeld für den Spätnachmittag/

Der Junge scheint gar nicht zu ivissen, welche wertvollen Dienste er so vielen Menschen an der Poststraße leistet. In seiner Gutherzigkeit erledigt er alle die verschiedenen Auf­träge mit einer Gewissenhaftigkeit, die selbst bei bestbezahlten Bediensteten so selten geworden ist. Und dabei niemals mürrisch, immer zum Scherz aufgelegt, und nicht ein ein­ziges Mal habe ich ein boshaftes oder ein unsauberes Wort von ihm gehört. Wer Zeit und Lust zu einer Postfahrt über Berg und Tal hat, dem rate ich, nach Alsfeld zu reisen, und sich zu meinem Postillon auf den Bock zu setzen. Er wird eine reizvolle Fahrt und gute Unterhaltung haben, wenn er einigermaßen versteht, sich auch das Herz eines Postillons zu öffnen.

Dermifcfyiejte

'Ein Schuster als M i lt i o » en er b e. Aus' München wird geschrieben: Im hoben Alter von WV, Jahren starb vor mehr als zwei Jahren in Nordamerika als Sonderlmg und Jung- aeielle llouaS Hederich, der ein ungewöhnlich großes Vermögen löVa Millionen hinterließ. Nach ieinem Tode sand man em mit allen »orgeschriebenen Beglaubigungen versehenes Testament, das kurz und bündig sagte: .Ich sterbe ohne leibliche Nachkonmwn; meine Erbe», die ick nicht kenne, sind im fränkischen Bayern, in Deutschland zu suchen. Ich stamme aus dem Psarrorte Sausen bet Würzburg, von wo ich vor fast 73 Jahren nach den Vereinigten