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Besser ist besser, Herr Rat," widersprach Walden, indem er die Bilder hastig an sich nahm.Sie sind zu wichtig das Bureau oben wird wohl noch assen sei." Er sah auf die Uhr. Es ist freilich hohe Zeit . . . wenn die Herren darum gestatten" Er empfahl sich mit höflicher Verneigung, indem er an der Tür noch nach Rat Kneift sich wendete:Ich bin in wenigen Minuten in Ihrem Bureau."

Ein ganz prächtiger Kerl!", meinte Hansemann, als sich die Tür hinter dem Detektiv geschlossen hatte.Ich werde ihn schwer vermissen. Doch ich merke schon, es ist. etwas im Werke"

Kneisi lächelte diplomatisch.Ich schätze den jungen Mann gleichfalls sehr hoch . . . übrigens war dies nicht Geheimrat Selkenbach, der Sie vorhin besuchte?"

Allerdings. Ich kann nicht sagen, daß mich sein Besuch sehr erfreut hat ... ich wurde nicht recht klug aus ihm."

Das werden manche nicht," bemerkte Kneift mit dem vorigen Lächeln.Nun, wir leben in dem Zeitalter der Ueberrasch- ungen . . . und wenn dieser Herr schon in nächster Zeit eine nicht ganz ungetrübte an sich erfahren dürfte, so ist dies das wesentliche Verdienst des wackeren Walden ... er hat wie ein Biber gearbeitet und nun ist der Fall ziemlich spruchreif."

Hansemann blies erstaunt die Backen auf.Ah, weht der Wind daher?" meinte er gedehnt.Nun sieh' mal einer den Duckmäuser an, auch nicht ein Wort hat er verlauten lassen. Darüber müssen Sie mir übrigens nächstens mehr erzählen . . . dieser Selkenbach fängt nun wirklich an, mich zu interessieren."

Soll mir eine Ehre sein . . . doch ich will die Herren nicht weiter Dren." Damit empfahl sich Rat Kneift.

Hansemann hatte sich, wieder gesetzt und rauchte stark. ,Jaso, da sind Sie ja noch,. Thommen," brummte er und.schaute durch eine Rauchwolke ciuf des ersichtlich stark verärgerte Gesicht des altgedienten Beamten.Nehmen Sie sich einen Stuhl und setzen .Sie sich . . . doch Mann Gottes, Sie machen ja ein Gesicht, als sei Ihnen die Petersilie verhagelt ... da, pflanzen Sie sich eine Zigarre in die Physiognomie . . . nein, keine Widerrede, schweiß doch. Sie sind der reine Kettenraucher!".

Er rühie nicht, bis der Kvmmissat sich seinem Wunsch gefügt. Dann lächelte er gutmütig.'Männchen, wir arbeiten doch nun schon so lange zusammen . . . nur nicht eifersüchtig oder gar miß­günstig sein .... ich weiß, Sie sehen scheel auf Walden . . . na ja, er ist jung und eifrig. Dabei ein höchst fähiger Kvpf. Dergleichen Vorzüge .finden sich in unserem schwierigen Beruf nicht immer vereinigt. Was Wunder, fesselt man solch jungen .Feuerkopf mehr an sich, als es die Rücksicht auf ältere, wohl verdiente Beamte eigentlich gestattet . . . doch .sehen Sie, Thom­men, gerade in unserem Beruf muß sich persönlicher Ehrgeiz ünterordnen und am. wenigsten darf man die gekränkte Leber- wurst spielen . . . schließlich dienen wir alle nur einer Aufgabe und auch ein Ziel schwebt uns vor: das öffentliche Wohl, die Aufrechterhaltung der 'staatlichen' Ordnung, die gesicherte Durch­führung der Gesetze. Habe ich nicht Recht."

Der Kommissar räusperte sich; dann meinte er mit immer stoch grimmig genug verkniffenen Lippen:Gott ja, .Herr Rat, unsereiner wird, alt, wenigstens in den Augen der Vorgesetzten . . . schließlich hat man ja auch 'was geleistet, doch das. wird vergessen . . . man kommt nicht mehr mit, fängt an, zum-alten Eisen zu gehören und die Jungen überflügeln einen, Das ist der Lauf , der Welt, es juckt nur verd . . ., spürt man's nm eigenen Leib."

Sehen Sie, Thommen, da geben Sie sich einem gründlichen Irrtum hin," widersprach der Rat, der sich offenbar in gemüt­lichster Plauterlaune befand.Unter uns gesagt, als ich noch Kvmmissar war, und das. ist ja noch nicht übertrieben lange her, dachte, ich ähnlich und glaubte, mich auch schon auf dem Jsolier- schemel. . . das macht der Standpunkt, den man einnimmt,, mein Lieber. Der Exekutivbeamte fühlt - sich . allem und .jedem ge­wachsen, um einen derben Vergleich zu gebrauchen: er liegt wie'n Jagdhund an der Leine und kann deck Moment kaum er­warten, wo er aufs Wild losgelassen wird; Sie habens ja eben mit .angehört, . er wird bald schon jüngster Kvmmissar in der politischen Abteilung werden."

Meinen Segen hat er!" knurrte der noch nicht besänftigte Thom-men.Er ist 'n Streber, ja, das ist er pfui Deubel bitte um Entschuldigung, Herr Rat."

Hansemann lächelte nur leise vor sich hin; er wußte, daß die Abneigung des Kommissar wider Walden so alt war, als dieser Verwendung im Spezialdienst fand; es war wirklich nur dtt! . gekränkte Ehrgeiz - des ältgewordenen Jagdhundes, den ein blutjunger Anfänger auf dem . eigenen Gebiet übertrifft.

Davon wollen wir uns nicht toeiter unterhalten," lenkte

der Rat ab.Zum- Beweise, wie sehr ich Sie schütze, möchte ich Ihnen. gleich einmal einen. Auftrag erteilen, der nach. Ihrer bewährten Behandlungsweise geradezu schreit ... und den Wal­den wiederum bei all seiner Befähigung verpfuschen würde."

Vergessen Sie Ihre Rede nicht, Herr Rat," meinte der Kommissar, der. im Handumdrehen gesprächseifrig geworden war und nun mit blitzenden Augen dasaß, während sein kurzborstiges .Grauharr sich wie bei einen:- auf der Hatz befindlichen Rüden sträubte.Ich möchte nur was Vorschlägen wegen den: Ge­heimrat nämlich ... der hat doch das Schmuckstück, das Sie ihm zeigten, sofort erkannt, sonst hätte er doch nicht solchen Sunims gemacht . . . und wie et den 36., den Juwelier, ge­nannt hat, da hab' ich die Ohren gespitzt ... der Name ist ihm auch nur so im Unmut herausgefahren, darum hat er auch gleich von London und Paris schwadroniert, damit der Ein­druck wieder verwischt werden Möge."

Richtig beobachtet!" stimmte Hansemann bei.Zu genau demselben Schluß kam auch ich. Doch warum fangen Sie davon an?"

Ich meine nur, falls Sie herausb-ekommen möchten, ob der Schmuck wirklich von X. stammt, so könnte ich einen solchen Auftrag schon durchführen . . . Sie erinnern sich wohl noch, daß es mir gelang, den Juwelenräuber, der den Riesendieb­stahl bei X. verübte, ausfindig zu machen, ehe er seine Beute verschärfen konnte. Seitdem habe ich bei dem alten X. einen Stein im Brette. Kann er mir gefällig sein, tut er's sicher."

Das ist ein guter Gedanke!" versetzte Hansemann nach kurzem Nachsinnen.Das tun Sie nur. Es wäre allerdings sehr wesentlich für uns, den Eigentümer des Schmuckstückes herauszubekoinmen . . . doch damit Sie orientiert sind, will ich Ihnen rasch den Sachverhalt auseinandersetzen." Damit begann er dem aufmerksam Lauschenden die Ergebnisse des hinter ihm liegenden Tages in gedrängter Kürze zu veranschaulichen.

Das muß ich selbst sagen, Walden hat sich geschickt ange­stellt," brummte der Kvmniissar,- als sein Vorgesetzter zu Ende gekommen.Die rasche Identifizierung der Leiche vereinfacht unser Geschäft wesentlich. Rokohl ist natürlich ein Schafskopf, wäre er nicht verschlafen gewesen, so hätte er die falsche Namens­angabe des Kutschers wahrnehmen müssen und alles wäre anders gekommen. Wichtiger erscheint mir, was er über seine Bekanntschaft mit dem Toten ausgesagt hat. Ich kenne Rokohl persönlich recht gut, er hat schon wiederholt unter mir gearbeitet . . . ein großes Geisteslicht ist er nicht, mehr wie fo'n Mastiff, der verbeißt sich auch Achtungsvoll, aber er hält fest. Hat Rokohl Recht und verkehrte dieser . . .'dieser suchend blickte er den Rat an.Ja, wie nennen wir eigentlich den Toten; er scheint eine ganze Menge Namen geführt zu haben."

Hansemann schaute in sein Notizbuch, in das er tagsüber Aufzeichnungen gemacht hatte.Auf den Maßkarten sind allein elf verschiedene Aliase aufgeführt nennen wir ihn John Baker, der Name kommt unserer deutschen Zunge ani nächsten", ent­schied er.

Nun ja," fuhr der Kommissar fort,mimte John Baker wirklich im Bellealliancetheater mit, so kannten ihn auch andere Leute dort da kann man weiter schließen, vorsichtig sondieren und spüren vielleicht stößt man sogar auf den unbekannten! Begleiter von heute nacht"

Hansemann schmunzelte.Wie richtig Sie Ihre Aufgabe erfassen, Freundchen!" rief er anerkennend.Habe ich nicht Recht? Das ist Ihre Domaine und ich zweifle nicht. Sie bringen den großen Unbekannten zur Strecke!"

Thomisten rieb sich vergnügt die Hände, seine vorige üble Laune' war nun vollends mit einem Schlage Ivie weggehaucht. Wir werdens schon machen, Herr Rat ich denke, morgen werde ich 'mal den alten X. aufsuchen und vertraulich bei ihm auf den Busch klopfen. Zugleich will ich mir auch Rokohl vorknöpsen."

(Fortsetzung folgt.)

Alicdkich Sp-elhagerr.

Zu seinem öOjühcigen Schriftstellerjubiläum.

Als Friedrich Spielhagen vor einem halben Jahr­hundert nach den mancherlei Schicksalsschlägen, die der da­mals fast Dreißigjährige erlitten, seine beiden Erstlings­arbeiten in die Welt gesandt hatte, fanden die wenigsten an den Beibett NovellenClara Bere" (1857) undAuf der Düne" (1858) besonderen Geschmack. Nur der größte Dichter der damaligen Zeit, Friedrich Hebbel, erkannte das Talent des jungen Poeten und schrieb eine warm anerkennende! Kritik der zweiten Novelle, während er Klara Bere in ein