tzo« Mannhaftigkeit zu berauben, weil dies das Ende Frankreichs bedeuten wird.

Darauf steuern wir loS. Ich spreche es aus, weil sechs- »nonatliche Beobachtungen, Untersuchungen und Erfahrungen mich davon überzeugt haben.

Es rührt mich wenig, wie man meine heutige Handlungsweise pusfassen wird.

Mein Gewissen sagt mir, daß ich so handeln .mußte, Md das genügt mir.>

Die Orden des Kaisers.

Nur noch wenige Tage und nach altem Programm! wird die Reihe der Winterfeste des Berliner Hofes mit dem Krönungs­und Ordensfest und der großen Cour beginnen. An diesem Tage empfängt der Kaiser als oberster preußischer Ordensritter er istOberhaupt, Souverän und Meister des Schwarzen Adlev- ordcns", der höchsten preußischen Dekoration die neuen Ordens­ritter im alten Königsschlosse an der Spree. Dabei gibt es eine ganze Anzahl von Orden, deren Inhaber der Kaiser nicht ist. So trägt der Kaiser tveder das Eiserne Kreuz, noch den Orden Pour le Mdrite. Aber, unseres Wissens, hat er auch noch nie den von ihm selbst am 18. Januar 1896 gestifteten Wilhelmsorden angelegt, der für solche Männer und Frauen bestimmt ist, die sich hervorragende Verdienste um die Wohlfahrt und Veredelung des Volkes, insbesondere auf sozialpolitischem Gebiete erworben haben. Immer trägt der Kaiser dagegen zu großer Uniform außer den Abzeichen des Roten Adlerordens, des Kronen­ordens und des Hausordens von Hohenzollern, die des Johmnrter- vrdens, dessen ,chvchster Protektor" er ist. Als der Kaiser zur Regierung kam, nannte er ungefähr 40 Orden sein eigen. Eine kleine Zahl, wenn man bedenkt, daß der oberste Beamte seines Hofhaltes, der Oberhostnarschall Graf August Eulenburg, deren ungefähr 80 besitzt. Inzwischen ist die ZaU der dem Kaiser verliehenen Orden stetig gewachsen. ' So war Kaiser Wilhelm II. der erste Ntonarch, der den vom König Haakon gegründeten und nur für Souveräne bestimurten norwegischen Löwenorden empfing. Der Kaiser besitzt die höchsten Orden der meisten Staaten, nicht nur Europas, sondern z. B. auch den abessinischen Orden, vom Siegel Salomonis, den chinesischen Drachenorden, den siamesischen Elefantenorden und den japanischen Chrysanthemnm- orden, den nur gekrönte Häupter erhalten. So ist der Kaiser unter anderem Ritter des englischen Hosenbandordens, des sächsischen Ordens der Rautenkrone, be§ badischen Ordens der Treue und des spanischer: Ordens vom goldenen Vließ. Den österreichischen Orden vom goldenen Vließ besitzt der Kaiser nicht, da er nur an Katholiken verliehen wird. Seit die habsburgische Linie in Spanien erlosch, verleihen sowohl Spanien wie Oesterreich das goldene Vließ. Oesterreich hat jedoch den spanischen Zweig des Ordens nie anerkannt. Immerhin handelt es sich um einen und denselben Orden, und wenn Kaiser Wilhelm II. mit dem Kaiser Franz Josef von Oesterreich zu­sammen ist, so pflegt er die ihm von Spanien verliehenen In­signien dieses berühmtesten aller Orden anzulegen, den Philipp der Gute von Burgund 1429 am Tage seiner Vermählung mit Isabella von Portugal stiftete,zum Lob und Ruhm des Erlösers, der Jungftau Maria und zum Schutz des christlichen Glaubens", was Spanier: übrigens nicht gehindert hat, auch der: türkischen Sultan und den Schah von Persien mit dem goldenen Vließ zu schmücken. Der Kaiser ist ferner wohl das einzige gekrönte Oberhaupt einer europäischen Großmacht, das nicht der fran­zösischen Ehrenlegion angehört. Das erklärt sich aus den gleichen Gründen politischer Art, aus denen kein Präsident der französischen Republik seit 1870 während seiner Amtsführung den preußischen Schwarzen Adlerorden bekam; der Marschall Mac Mahon trug ihn allerdings, aber er hatte ihn schon früher, als Vertreter des Kaisers Napoleon III. bei der Königsbergs Krönung, 1861 xrhaüe». _____ ' .-

Em Loblied der Schreibkmrst.

Die schönste Zeit des Schuljahrs, jedenfalls nach dem Herzen dieler Schüler: die Ferien, sind wieder einmal zu Ende. Hmcherte und tausende von Eltern haben ihre Kinder vor einem Werteijahr zum erstenmal an die Stätte gesandt, da ihnen die BeheimnUe der Lese- und Schreibkunst eröffnet und damit die Schlüssel zur Halle oder doch Vorhalle der Wissenschaft gereicht werden; sie harren nun hofsnungsvoll des weiteren FoÄschreitens ihrer Sprößlinge im Lande des Federhalters. Sagt doch schon.Goethe: Die Dinte macht uns wohl gelehrt", indessen fügt er gleich hinzu:

Doch ärgert sie, wo sie nicht hingehört.

Geschrieben Wort ist Perlen gleich

Ein Dintenklecks ein böser Streich."

Üud weist damit, ganz gleich, ob wir die Verse abstrakt fassen oder glauben, daß Goethe sie was mir wahrscheinlicher däucht ' im Hmbllck auf einen bestimurten Tintenklecks geschrieben hat, saus bte Schwierigkeit der edlen Schreibkunst hin, nm die auch

heute noch so manche ihr Lebläng sich strWen, ohne Meister zu werden.

Die Wertschätzung der Schreibkunst scheint mir heute, wo die Schreibmaschine siegreich vordringt ob es schongetypte" odergetippte" Liebesbriefe gibt, entzieht sich meiner Kenntnis> stark nn Schwinden begriffen zu sein; die Unleserlichkeit ist ei» weit verbreitetes Uebel, sodaß nicht nur die Sprache, sondern auch bei nicht wenigen die Schrift ein Mittel ist, ihre Gedanken N verbergen. Diesem Niedergang der Hochachtung vor de« <schre:bkunst gegenüber sei hier ein Loblied auf sie hervorgezogen, das aus einer Zeit stammt, in der man noch nichts von der! Schrmblese-Methode wußte, sondern die Kinder das Schreiben erst lehrte, nachdem sieeinen ziemlichen Anfang zum Lesen haben". Dann soften sievermittelst deutlicher Vorschriften zum Schreiben angeführt werden, nemblich auf die Art, wie sie auch zun: Lesen angeführt worden, nemblich daß sie erstlich das ABC, darnach d:e einzelnen Syfteben und endlich aantze Wörter und Zeilen aus der Vorschrift lernen nachmachen".

In solcher Vorschrift nun, die in der Mitte des 18. Jahr­hunderts im Hessen-Darmstädtischen benutzt wurde, lesen wirr O du goldene Schreibekunst! o du Kunst von Glück und Segens O wie ist der ganzen Welt so gar viel an dir gelegen!

Das sonst unsichtbare Denken wird durch deiner Züge Kraft Ohne Zauberkünste sichtbar, daß es Zeit und Nutzen schafft. Wem: es in die Weite wirkt, wenn entfernte Freunde lesen. Das was ihnen ohne dich fremd und unbekannt gewesen. Die so flüchtigen Gedanken, die nichts aufzuhalten weiß, ; . Stehen still ans dem Papier, denn dein wundervoller Fleiß Kann die Kunst, das leichte Wort in dem Laufen zu entkräften;. Und auf ein vergänglich Blatt dauerhaft aufzuheften. Daß die Augen lesen können, was das Herze schweigend spricht^ Dem sonst ohne Mund und Zungen die Vernehmlichkeit gebricht. Drum, v Jugend, preise Gott, dem wir unter andern Gaben Auch die edle Schreibekunst uns zum Heil zu danken haben."

Daß die hessische Schuljugend diesen Hymnus ganz bet» standen hat, möchte :ch bezweifeln; dagegen möchte ich, der ich täglich von unleserlichen Schriftstücken gelehrter Leute zu leiden habe, mich dem Lobe der Schreibkunst ganz anschließen und wünschen, daß die Zahl derSchriftgelehrten" sich wieder mehre..

" vr ' «* <' R. B. in depNat.-Ztg,">

Literarisches.

E i:i elegantes, kleines Geschenk für Da wen ist der auch in diesem Jahre wieder erschienene Hande & Spe- rrersche Damen-Almanach (41. Jahrg. für 1907. Verlag von Hande L Spener, Berlin). Das geschmackvoll mit Goldschnitt, Elfenbeinpapier, Titelbild, Bleistift und Visitenkartentasche auS» gestattete Büchlein vereinigt tu sich Taschenkalender, Notiz- und Tagebuch in zierlicher Form.

Till Eulenspiegel. Ein kurzweilig Buch. Mit neun Illustrationen von I. H. Ramberg. AM dem niedersächsischen Text ausgewählt und neu übersetzt von Hermann Schaffstein. gür Knaben und Mädchen vom neunten Jahre an. H. & F.

chaffstein, Köln. Geb. 2.50 Mark. Der Herausgeber hat die für die Jugend geeigneten Käpftel sorgfälttg ausgewählt. Die Radierungen von, Ramberg sind vortrefflich. So dürfen wir uns über die Gewinnung des allen Volksbuches für die Kinder­stube herzlich freuen, um so mehr, als die wunderhübsche bieder­meierische Ausstattung das Buch jedem besonders lieb und wert machen muß. Der Verlag von Schaffstein in Köln erwirbt sich nebst dem Leipziger Jnselverlage um die Buchausstattung forte gesetzt die größten Verdienste.

Leiterriitsel.

Nachdruck verboten'.

Die Buchstaben b b, c c, d, e e e e e e e, h h, i i i i, I, m, n, o o, r r, s s, t, v, y sind in die Felder nebenstehender Leiterfigur derart einzutragen, daß die Sprossen derselben, von oben angesangen, Folgendes ergeben:

1. Weiblichen Vornamen.

2. Obrigkeitlichen Befehl.

3. Französischen Bildhauer.

4. Einen Baum,

Die beiden Seitenbalken der Leiter sollen, von oben nach unten gelesen, die Namen zweier Komponisten bezeichnen.

Auflösung iu nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Wolga, Olga.

Redaktion; Ernst Heß. Rotationsdruck und Vertag der BrühI'schen Universitäts-Buch» und Sleindruckeret. R» Lange, Gießen«