1807

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Auf der eigenen Spur.

Kriminalroman von Otto £> o e ct e r- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Jni selben Momente riß der Fuhrherr die Sntcrne unter dem Rock hervor und ihr greller Strahl fiel voll auf einen schlanken, hübschen! Blondkopf, der iiu> Beginn der Zwanziger stehen mochte, dessen Züge eben aber durch krassen Schrecken schier unkenntlich geworden waren.

Berd... der Alte!" keuchte der Bursch. Im gleichen Moment tvvllte er aber auch schon behende den rettenden Zaun wieder erklimmen. Toch ein scharfes, rauhes Befehls­wort ließ ihn innehalten. Zitternd schaute er plötzlich in die Mündung eines ihn» drohend entgegengestreckten Revolvers.

, 'age dich nicht zu bewegen!" klang seines Vaters Stimme BrüSi und feindselig.Tu kennst mich, Bursch, ich halte Wort .....also nicht gemuckst, soll ich nicht auf dich schießen . . . das Recht habe ich, denn du bist ein Einbrecher."

Vater, ich ich wollte ich dachte." In t üblichem Schrecken, noch immer keines klaren Gedankens fähig, stammelte der Bursch die Worte.

Schweig!" unterbrach ihn der Vater.Hier ist nicht der Ort zu einer Auseinandersetzung.... Boran mit dir nach dem Kontor. . . aber dalli!"

Der Bursch gehorchte auss Wort. Mit gesenktem Kopf schlotterte er nach dem im Vorderhof befindlichen Kontor. Auf dem Fuße folgte ihm fein Vater, immer noch mit drohend Vor­gehaltenem Revolver. Beiden schlossen sich Rat Hansemann und dessen- Beamte an. Sie blieben aber zuwartend noch vor dem Kontor stehen; so war es zwischen dem Rat und Eilenburg vorher -besprochen ivorbeit.

Im Kontor spielte sich ein ebenso kurzer wie entscheidender Auftritt ab. Unter der Einwirkung des ersten Schreckens und unter den Blicken des sklavisch von ihm gefürchteten Vaters wagte der Bursch, von all der ihm sonst wohl zu Gebote stehenden Dreistigkeit völlig verlassen, nach kurzen, kläglich schei­ternden Leugnungsversuchen nicht langer, die Wahrheit zu ver­hehlen. Zähneklappernd und unter tausend bangen Schauern beichtete er alles, was der Vater von ihm hören wollte. Bedin­gungslos gab et es zu, mit seiner jungen Stiefmutter ein schändliches Spiel und sie durch gemeine Drohungen gezwungen zu haben,. ihm Beistand hinter seines Vaters Rücken zil leisten.

Mit einem tiefen Atemzug trat der Fuhrherr endlich von seinem mißratenen Sprößling zurück; er schien die Beamten herbeirufen zu wollen. Tie den Stempel der Wahrheit tragende Beichte des Burschen hatte den häßlichen Verdacht voll und ganz vom Haupte der geliebten Frau genommen.

Doch Franz Eilenburg hatte sich inzwischen von seinem ersten, lähmenden Schrecken wieder erholt; als er zumal sah, daß sein Vater den gefürchteten! Revolver wieder weggesteckt und ihm die Beichte nicht einmal eine Zurechtweisung, geschweige gar eine körperliche Züchtigung oder gar noch Schlimmeres einge­bracht, schwoll ihm der Kämm.Und was soll denn nun?"

fragte er keck, den lauernden Blick voll auf den Valet geq richtet.

Das wirst du sofort sehen", erwiderte dieser stirnruw» zelnd, indem er zur Ansgangstür ging und diese öffnete,wenn Sie hereinkommen wollen, Herr Rat. Ich habe mich mit denk Burschen ausgesprochen."

Mit einem funkelnden Blick mannte Franz, in welche Dop» pelfalle er gegangen war. Als er nun die dem Rat folgenden Detektivs, lautet stämmige Männer, erblickte, machte er erst gar! keinen Versuch zur Gegenwehr, sondern ließ sich ergebungsvoll schließen.

Na ja, daran erkennt man wieder 'mal den lieben Vater!" rief er frech, mit einem wilden Zorncsblick auf den FuhrherrN. Das is so der rechte Weg. Erst die Kinder in die Welt setzen, dann um sie sich nicht weiter bekümmern, nur schimpfen und knapp halten . . . Und nun wird auch noch die Polizei gerufen. Na, daran Hütt' meine Mutter auch nich sterben muffen.''

Ehe cs einer der Anwesenden verhindern konnte, war der Fuhrherr mit einem Sprung bei dem Burschen. All die ihm im Herzen lodernde Wut schien sich Plötzlich gewaltsam Bahn brechen zn wollen. Tie Faust fuhr ihm! hoch und Blut trat ihm in die Augen.Noch eilt solches Wort, Bube . . . und ich tue, was mich reut!" kam cs heiser von seinen Lippen.

Toch die Gegenwart der Beamten, wohl auch die Erkennt» nis, daß er so wie so verloren war, flößte dem jungen Mensche» einen ihm sonst fremden trotzigen Mut ein. Gelassen hielt er den Blick seines Vaters aus.Tas ist leicht, auf einen anderen 'runterzusehen, wenn man selbst nf'm Geldsack sitzt. Was habe ich denn großes getan? Na ja, mit die Mieze, das war nich schön, das will ich zugeben. Aber tat ich's beim gerne? Mich hat sie oft genug gedauert. Aber unsereiner muß doch leben » . und du. . . du behandelst einen loien Hund, nich anders, kaum, daß man zu futtern kriegte. Andere Väter haben ihre Kinder lieb. Mich hast du nie lieb gehabt!" schrie er plötzlich, in Tränen ausbrechend.Nie hast du mich lieb gehabt. . . wie ich noch 'n ganz kleiner Junge war, haste mich schon nich leiden mögen und ich wär gewiß nich schlecht geworden, wenn ich wirklichn Vater gehabt hätte!"

Ter Fuhrherr halte ihn ruhig aussprechen lassen; statt dir Wut in ihm zu mehren, wurde diese von den unkindlichen Worten des Sohnes gedämpft,lieber mein Verhalten dir gegenüber bin ich dir keine Rechenschaft schuldig!" sagte er kurz.Mag s ein, ich war ein strenger Vater, gerecht zu sein, habe ich allezeit versucht. Gelauert habe ich darauf, daß du in dich gehen und cs mir vergönnen möchtest, dir wirklich auch von Herzen Vater fein zu können. . . Tas ist nun vorbei!" brach er mit einem scharfen Handdruck ab.Was für ein Bursch dn bist, das hast du bewiesen, daran ändern tausend tönende Worte nichts- Was dn mir angetan, was du meinem armen Weibe zugefügt, dafür möge dich der Himmel nicht strafen. Vor­läufig aber büßest du deine Strafe ab. Vielleicht öffnet dir der Zwang den Kopf zu besserer Einsicht . . . wie dem auch sei. Nach verbüßter Strafe sollst dn Vaters Hand und Fürsorge spüreik. Meine Verbindungen reichen weit, bis nach Amerika. . . Dorh«