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in der Reihe des Personals und nicht der geladenen Festlichkeit suchen!
„Der Mann fjdf als Kellner ans?" erkundigte sich Hanse- mann weiter.
„Schon zum dritten Mal. Ich war die ersten b eiben Mal ganz zufrieden mit ihm, vorvorgestern Rächt freilich, da hat er sich ausgeführt — na, das Ivar eine Affeuschanbe! Ich hätte ihn morden Wunen und mich dazu . . . damals dachte ich freilich noch, in einem höchst vornehmen Hause zu amtieren, heute nähme ich die Sache kaltblütiger." Er lachte höhnisch auf.
„Haben Sie bald ausgelacht, ja? Na, daun nennen Sie mir den Namen dieses Mannes." .
Obwohl Hansemann nichts anderes zu hören erwartet, gab es ihm doch eine Art körperlichen Schlages, als von den Lippen des Hausmeisters der Name Gustav Schuhmacher kann Er muhte unwillkürlich ivieder an Walden denken, an dessen mastlose Energie, an seine Augst, die Ergebnisse monatelangen Mühens klüglich im Sande verrinnen zu sehen. . . . und au den zweifelsohne durch Gustav Schuhmacher verübten Einbruch, der die so sorgsam gehüteten „Gefchäftspapiere" des Geheimrats der Behörde just Km richtigen Moment in die Hände spielte. Ihm wurde dabei so eigen bang und weh ums Herz, als wüßte er, da st einer sterben müßte, den er lieb gehabt.
„Sie sagten eben, dieser Gustav Schuhmacher habe schon dreimal ausgeholfen. Geschah dies hintereinander?"
„Selbstredend! Hier im Hause ist die Woche mindestens ein- mal 'was los. Vorige Woche war Herrendiner und die Woche zuvor war große Aufsichtsratssitzung mit nachfolgendem Souper. Da Mußte ich immer einige Lohnkellner heranziehen, da hier int Hause wie beim Hofe serviert wird. . . jeder Gast hat seinen eigenen Kellner. Natürlich kann ich nur sehr gute zuverlässige und bestempsvhlene Leute brauchen. Es sind immer dieselben bis auf diesen Schuhmacher. Der wurde mir aber durch dieselbe Agentur geschickt, welche, mir schon seit Jahren die Lohnkellner liefert."
„Und Sie waren soweit zufrieden mit ihm, wenigstens die ersten beiden Male?"
„Sozusagen ja, indem keine Klage erhoben wurde — das Heißt", schränkte der Hausmeister das Lob ein, „ich erinnere mich jetzt doch, er trieb sich im Hause herum, ganz unbefugt, obwohl das streng verboten war... ich erwischte ihn das zweite Mal ganz eben, gleich neben dem Arbeitszimmer des gnädigen Herrn. . . da redete er sich heraus, er habe nur Wandgemälde betrachten, wollen... ich telephonierte auch der Agentur, wir das nächste Mal einen anderen zu schicken/'
„Trotzdem trat Schuhmacher auch vorgestern Wend wieder an?"
„Es war mir leid genug. Doch ich mußte ihn nehmen, denn ich war ohnehin mit Leuten kurz. Er ließ sich zunächst wie gewöhnlich an, da war keine Klage..."
„Servieren denn die Diener hier im Hause in Glacehandschn- tzen?" erkundigte sich der Rat, dem es eben einfiel, daß die Hände des Toten in solchen gesteckt hatte»!.
„Aber selbstverständlich. Wie bei Hofe, nur Noch 'ne Rümmer feiner, indem, sie dort nur baumwollene beim Servieren tragen."
„Vergessen Sie Ihre Rede nicht. Anfänglich waren Sie allo auch das letzte Mal mit ihm zufrieden?"
„Aber sehr anfänglich. So uw 11' herum, als Eis serviert werden sollte, war er futsch. . . total futsch, sage ich Ihnen!" versetzte der Hausmeister nahezu elegisch. „Mein ganzes Arrangement war gleichfalls futsch, indem wir ihn nämlich nicht finden Ponnten. Es war brcuueud.s Eis und wurde auf silbernen Platten ausgetragen. Ich hatte jede Hand notwendig, indem daß die Platten sofort serviert werden mußten, denn natürlich war es nur bengalisches Feuer von der feinsten tmd geruchlosen Sorte. So mußte ich selbst mit zugreifen, was ich in diesem Hause noch nicht getost hatte, indem ich immer bestrebt tvar, die Würde des Hauses hwchzuhalten."
„Das darf Sie aber'nicht abhalten, mir mitznteileir, wo und wann Sie Ihren Aushilfskellner wieder gefunden haben."
„Das war ganz plötzlich... so nm Uhreirer zwei, da Ivar er plötzlich wieder da, wie das Mädchen aus der Fremde. . . und bettunken Ivar er auch."
„Ra, das war die bewußte Jungfrau weniger", stellte der Rat fest. „Also betrunken war er?"
„Es war entsetzlich, indem gerade Kaffee gereicht ^werden sollte ... in kleinen Mokkatassen', immer ein Dutzend pro Tablette tmd die Sahne in schweren Silberkannen. Da stand er vor mir. Voll wie ein Stier und dabei schrie er auch noch, daß ich seinen Mem deutlich empfand."
„Da sagte ich mir: Arrak," fuhr der Hausmeister fort, „in
dem daß ich Bescheid wußte. Dieser unverschämte Mensch trompetet aber wie eine Jerichorose und klopft mir auf die Schriller . . . ganz kordial. . . klopft mir auf die Schulter, als ob sich das ganz von selbst verstände, was mich ergrimmte, indem daß ich für die von Gott eingesetzte Obrigkeit bin, was sich auch auf den Verkehr zwischen dem leitenden Geist eines vornehmen Hauses und untergeordnetem Dienstvolk bezieht. Er brüllt mir in die Ohren, daß man es im Saial oben hören mußte . . . nun brauchte er keinen Arrak mehr zu trinken, sondern nur noch Pommerry white Label, eine lächerliche dreiste Anmaßung, indem es eine solche Marke garnicht gibt. Wie ich ihn strafend anschaue, schlägt der betrunkene Mensch erst wieder auf meine Schulter, dann auf seine Tasche und schreit: das hat sich gelohnt. . . und nun brauche ich im ganzen Leben nicht mehr zn schaffen, sondern kann in Sekt baden, wenn ich will" . . . mehr konnte er nicht sagen, denn natürlich hatten wir ihn sofort gepackt, vier meiner Leute nämlich, während ich aus eigener Entfernung dirigierte....
„Sie haben ihn also, wie er ging und stand, hinausgeworfen?" „Mit seinem Hute, indem nämlich sein Neberrola im Keller unten hing, wo er noch hängt . . . damit glaubte ick den ärgerlichen Zwischenfall abgetan."
„ES kam anders?", erkundigte sich der Rat.
„Seltsamerweise. Vielleicht fünf Minuten später kommt ein Gast — keiner von den erstklassigen, sondern nur so'n Mitläufer .....er soll Maler sein, kann aber jedenfalls nichts Bedeutendes leisten, indem Trinkgeld nicht für ihn existiert. . ."
„Sie sprechen von Andreas Mitte?"
„Ja, er ist ein Russe. Der rennt mich fast über den Haufen. Dabei nennt er ihn beim Namen, denken Sie sich, Herr Rat . . . so 'ne Sorte Eingeladene verkehren! hier. Das hätte ich mir sagen nrüssen, daß es kein feines Hans sein kann. Wie ich dem jungen Mann auseinanderfetzte, daß der Mechch betrunken und an die frische Lust befördert sei, da. . . schreit er auch schon „Schasskopf", wobei ich die unangenehme Empfindung nicht los werden konnte, als sei dies ungehörige Wort auf mich gemünzt, indem er nämlich mich dabei zur Seite stieß. Kaum daß er noch Hut und Uebcrrock entgegennahnk, den letzteren zog er erst zwischen Tür und Angel an, indem er nämlich in auffallender Eile ans dem Hanse sich entfernte."
(Fortsetzung folgt.!
Iie Kapersöurg.
(Original-Artikel der „Gieß. Fann-Bl.").
Von Oberlehrer Helmke (Friedberg).
(Schluß.)
Die Kapersburg zerfällt nach ihrer Gesamtanlage in drei Teile: 1) das Kastell, 2) das Lagerdorf und 3) das Kastellbad. Das L a g e r d o r f ist bis jetzt fast noch gar nicht durchforscht und wird auch voraussichtlich bis zur Beendigung der nötigen Arbeiten am Kastell ruhig unter Wald und Erde liegen bleiben; es kann also füglich hier ausgeschaltet werden. Dagegen ist d a s Ka st e l l b a d heute soweit sreigelegt, daß es eine gute Uebersicht gewährt. Es liegt westlich, d. h. unterhalb des Kastells in nmnittelbarer Nähe des Pfählgrabens und hat seine Hanptausdehnung von Osten nach Westen, dein Bodengefäll entsprechend; in dieser Richtung liegen vier Räume, denen sich seitlich noch drei weitere anschließend allerdings ist einer der letzteren erst durch Errichtung einer Querwand auf der Nordseite einem der Mittelzimmer abgewonnen worden. Von diesen sieben Räumen sind vier heizbar gewesen, und zwar wurde die Erwärmung der Luft dadurch erreicht, daß Fußboden und Wände hohl beziehungsweise von Tonrohren durchzogen waren, durch die heiße Lust strömte und den Manern von ihrer Hitze abgäb. Die Heizung geschah durch drei, ursprünglich durch vier seitlich angebaute Anlagen, die sog. Präsuruien. Die Hypokaustenpfeiler, teils aus Basalt, teils aus Tonplatten, aufgebant, sind noch teilweise erhalten ; aus ihnen ruhte der aus Beton (Mörtel und geschlagene Ziegelbrocken) hergestellte Fußboden. Ter Haupteingang liegt etwa in der Mitte der Ostseite und ist noch heute an seiner Sandsteinschwelle mit dem Loch für den Türriegel erkenntlich. Durch ihn kam mau in das Apody- lerimn, den Auskleideraum, der nicht heizbar war. Ein Seitenraum, nördlich daneben, ist ebenfalls nicht heizbar; er liegt tiefer wie das Apodhterium und ist an seinen


