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dnrch's Sehen tragen wird und der Ihnen alles zu bieten vermag, was Sie sich nur immer wünschen können. Ich bin schon heute kein armer Mann und ich werde eines Tages reich sein, sehr reich, denn man trägt mir ja ohne mein Zutun das Gold ins Haus. Und ich werde für nichts anderes leben als für Ihr Glück — nur sagen Sie nicht nein — nur nehmen Sie mir nicht jede Hoffnung! Ich schlvöre Ihnen, daß ich nicht imstande sein würde, es zu ertragen."
Margaret hatte ihren atmen verwirrten Kopf zermartert, inn eine Antwort zu sinden, die sie von den: stürmischen Bewerber befreite nnd die er doch nicht als eine Beleidigung empfand. Und nun glaubte sie, sie gesunden zu haben.
„Ich kann Ihren Antrag nicht annehmen, Herr Doktor — verzeihen Sie mir, aber ich kann nicht. Ich habe inir gelobt. Miß Garnett niemals zu verlassen."
Er lachte kurz und schneidend auf.
„Ist das ein Grund, um auf das Glück der Liebe zu verzichten? — Haben Sie nicht gelesen, daß das Weib Vater und Mutter verlassen soll, um dem Manne seines Herzens zu folgen.
„Es kümmert mich nicht, was andere tun würden. — Mein Entschluß ist jedenfalls unwiderruflich Ich lverde nicht früher aus diesem Hanse gehen, als bis man mich fortschickt, und nichts wird mich in diesem Vorsatz beirren."
Sein Atem ging rasch und ein paar Sekunden lang starrte er sie an, als ob seine Augen bis auf den Grund ihrer Seele dringen sotten.
„Ist das wahrhaftig Ihr Ernst, Miß Barrhmore? — Und ist es Ihr letztes Wort?"
„Ja, es ist mein letztes Wort, Herr Doktor —■ und nicht wahr? — Sie werden nun nie mehr von diesen Dingen zu mir reden?"
„Das kann ich Ihnen nicht versprechen. Denn ick- gehöre nicht zu den Leuten, die so leicht ans etwas verzichten, daran ihre ganze Seele hängt. — Ich —"
Er unterbrach feine Rede, denn er gewahrte, daß Morton Rayward auf der Schwelle'stand, sichtlich überrascht und betroffen von der eigentümlichen Situation, in der er den Arzt und die Gesellschafterin seiner Tante erblickte.
„Ich bitte um Verzeihung, wenn ich gestört habe", sagte er mit eigentümlich gepreßt klingender Stimme. „Ich will den Herrschaften nicht durch meine Gegenwart lästig fallen."
Er schien willens, sich wieder zurückzuziehen, aber Margaret war es, die ihrc daran hinderte.
„Nein, nein, Mr. Rayward, Sie stören uns durchaus nicht. Ich war ohnedies eben im Begriff, auf mein Zimmer zu gehen,, da ich von Herrn Doktor Chilton hörte, daß Miß Garnett schlummert."
„Als ich meine Tante soeben verließ, war sic vollkommen wach", sagte Morton, und es war ein keineswegs freundlicher Blick, mit dem er hab ei den Doktor streifte. Der aber verzog die Lippen zu einem spöttischen Lächeln und bückte sich nach! seinem aus der Hand gelegten Hute.
„Dann ist sie eben durch Sie am Einschlafen verhindert Worden", warf er gleichmütig hin. „Also ich bitte Sie, Miß Barrhmore, meine Worte einer freundlichen Erwägung zu würdigen. Vielleicht habe ich ein anderes Mal das Glück, Sie in gnädigerer Laune zu treffen."
Er verneigte sich leicht gegen Morton und verließ das -Zimmer. Ein paar Sekunden lang sprach keines der darin Zurückgebliebenen ein Wort. Dann endlich sagte Morton leise:
„Bin ich Ihnen wirklich nicht ungelegen gekommen. Miß Margaret? — Es schien mir doch, als wären es sehr wichtige und bedeutsame Dinge, die Sie mit Doktor Chilton zu besprechen hatten."
„Ich dankte dem Himmel von ganzem Herzen für Ihr Erscheinen, Mr.. Rayward! Denn niemals hatte ich mich in einer schreMcheren Verlegenheit befunden."
„Chilton hatte Ihnen doch keinen Anlaß gegeben, sich über ihn zu beklagen. Ich möchte ihm wahrhaftig nicht raten, sich irgend etwas gegen Sie heraus zu nehmen."
„Nein — nein, das war es nicht", wehrte sie hastig ab.
>,Aber ich möchte Sie bitten, mir eine nähere Erklärung zu erlassen. Es ist ja genug, daß Doktor Chilton sicherlich niemals aus die Dinge znriickkommen wird, von denen er eben Mit mir gesprochen."
Morton kam ein wenig näher auf sie zu, zögernd und besangen wie jemand, der einem unwiderstehlichen inneren Antriebe gehorcht **ri> doch mit sich selber nicht im Renten ist über das, was er tun soll.
„Und wenn ich es nun erriete, welcher Art diese Dinge gewesen sind? Würderr Sie mir auch dann noch die Antwort verweigern? Er hat Ihnen von seiner Liebe gesprochen —
nicht wahr? Und er hat Sie gebeten, seine Frau zu werden?" Margaret kämpte mit den heiß emporsteigenden Tränen. „Wollen nun auch Sie anfangen, mich zu auälen?" fragte fie mit schmerzlichem Vorwurf. „Ist es noch nickst genug an der Pein der Viertelstunde, die ich eben durchleben mußte?"
„Nein, bei Gott, ich will Sie nicht quälen", versicherte er, während sich ein Schatten tiefer Traurigkeit über sein Gesicht legte. „Und ich erinnere mich glücklicherweise noch zur rechte» Zeit, daß ich nicht befugt bin, mich in Ihre Angelegenheiten zu mischen. Ein Mensch, der für seine eigene Person das Recht verwirkt hat, um eines Mädchens Liebe zu werben, darf anderen nicht ins Gehege kommen. Das hatte ich für einen Augenblick vergessen. Verzeihen Sie mir. Miß Barrymore!"
Er verneigte sich förnclich und ging rasch hinaus.
In tiefster Bestürzung blickte ihn: Margaret nach. Sie hatte den Sinn feiner Worte nicht verstanden. Soviel nur hatte sie gehört, daß ein namenloser Schmerz aus ihnen klang, und mit diesem Augenblick war es ihr zur unumstößlichen Gewißheit geworden, daß Morton Rayward sehr unglücklich sei.
(Forriekung folgt.)
Waul Kei Hardt.
Nachdruck verboten.
Zu seinem 300jährigen Geburtstage (12. März). Von Adolf Bergheimer.
Das evangelische Deutschland begeht in den nächsten Tagen den 300jährigen Geburtstag des größten Dichters geistlicher Lieder. Neberall rüsten sich schon monatelang namentlich die Vereine des evangelischen Bundes sowie die Kirchengescmgvereine einer des berühmten Sängers würdigen Feier. Zum Verständnis seiner poetischen Schöpfungen sei eine kurze Lebensbetrachtung vorausgeschickt. v, , _ ,
Seine Lebensgeschichte bleibt, namentlccy tm Anfänge, in Dunkel gehüllt. Da die Schweden 1637 seinen Geburtsort in Asche legten, wobei die Kirchenbücher verbrannten, und da seine Eltern frühe verstorben, sind die Schulzeugnisse von der Fürstenschule zu Grimma die ältesten Berichte über ihn. Nach diesen wurde er am 12. März 1607 in Gräfenhainichen in Sachfen als Sohn des dortigen Bürgermeisters geboren. Die Fürstenschule besuchte er von 1622—27, in welchem Jahre er sich in Wittenberg als Student der Theologie immatrikulieren ließ; als solcher ist er noch 1642 dort zu finden. Ein Student im 35. Lebensjahr! Das erklärt sich aus den Zeitverhältnissen. Die Kirchenpatrone ließen nicht selten zu dieser Zeit die Pfarrvakanzen unbesetzt und den Dienst des Predigtamts durch Studenten versehen, um in der teuren Zett des 30jährigen smegeS die Kosten zu sparen. Es ist wahrscheinlich, daß Gerhardt ebenfalls Predigerdienste versah. Mit Unterbrechungen studierte er in Wittenberg weiter; wo er sich ganz bet dort herrschenden orthodoxen lutherischen Nick^ung anschloß, diese zeigte eine den Reformierten feindselige Haltung und verdammte geradezu deren Lehre; lutherische und reformierte Kanzelredner eiferten gegeneinander. Um jene Zeit kam Gerhardt als Hauslehrer in me Familie des Kammergerichtsadvokaten Barthold nach Berlin, in dieser Stellung verblieb er von 1643—51. Durch Probepredigten war er als guter Kanzelredner bekannt geworden. Das Berliner geistliche Ministerium hhlug den Kandidaten der Theologie — »b Gerhardt ein Schlußspanien bestanden hat, erscheint sraglich — dem Magistrate zu Mittenwalde, 4Meilen von Berlin, zum Probst für eine erledigte StAle vor. Gerhardt siedelte dorthin über, unt bald darauf sich seine frühere Schülerin als Gattin zu holen. Seine meisten Gedichte verdanken wir seinem dortigen Aufenthalte, der bis 1657 währte, denn ttt diesem Jahre folgte seine. Berufung als Diakon an die Nikolcn- kirche in B e r l i n.
Er führte fein Amt zum Segen seiner Gemeinde, und unter wachsender Beliebtheit. An dem Ausbruch des Streites zwischen Lutheranern und den Reformierte war Gerhardt unbeteiligt; er hat über, als der Streit entbrannt war, offen und entschieoen zugunsten der Lutheraner Stellmig genommen, sodaß er auch von seinen Folgen hart betroffen wurde. Der große Kurftirn, der selbst der reformierten Lehre ergeben war, wünscht eine Bereinigung beider Konfessionen herbeizuführen. Durch . ein Edikt suchte er dem herrschenden Zustande ein Ende, zu bereiten. Ger- Nardt glaubte es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren zu können, dem Edikte seine Unterschrift zu geben; er fürchtete damit den ersten Schritt zu tun, sich der vom Hof begünstigten reformierten Lehre anzupaffen, deshalb legte er in einem Schreiben an den Kurfürsten die Gründe seiner Weigerung dar. Der Fürst fragte nicht nach den Gewissensbedenken des Petenten, er verfügte die anderweitige Besetzung der Stelle an der Nikolaikirche. Die Gemeinde, die an dsn frommen Seelenhirten nnd berühmten Dichter mit ganzer Seele hing, zahlte ihm sein Gehalt weitert, bis er wieder eine andere Stelle gefunden hatte. Obwohl er also mit feiner Familie keinen Mangel litt, kamen nm mefk Zeit, 1667—69, andere schwere Schickungen über ihn. .Von feinen 5 Kindern starben kurz hintereinander 4, mir das vierte snnr..


