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ganz gleich was, nur etwas, was Sie selbst unb' nicht audete denkeü. Nur ihrer Stimme möchte ich lauschen."

Und Elisabeth erzählte; das alte und das neue Glück verlieh ihrem Munde eine feurige Beredsamkeit, ihr ganzes strahlendes Glück enthüllte sie da vor dem Einsamen und ließ ihn einen schrankenlosen Blick in die Tiefen ihrer Seele tun.

Wie dunkel und dornenvoll sein Leben gewesen, wurde Friedrich Arndt erst so recht klar, seit Elisabeth ihm nahe getreten war. Sie brachte ihm den Sonnenschein, dm selbst seine sehenden Augen nie so strahlend in sich Äusgenommen hattm. So weit er zurück­denken komite, hatte er im Schatten gelebt. Der frühe Tod seiner Eltern, eine entbehrungsreiche Jugeno, ein ausgesprochenes Talent zur Musik, zu dessen Ausbildung.man ihm jedoch die Mittel ver­weigerte, die Ausübung eines aufgezwungenen verhaßten Berufs, das alles zog gespensterhaft an seinem inneren Auge vorüber, wenn Elisabeth von ihm gegangen war, eine Flut von Sonnengold zurücklassend. Wie ost war er in Versuchung gewesen, das medi­zinische Studium an den Nagel zu hängen, wenn es ihm nicht di/ einzige Möglichkeit geboten hätte, selbständig zu werden. Völlig mittellos wie er war, war er gezwungen, die Unterstützung seines einzigen Verwandten, eines grillenhaften Sonderlings, anzu­nehmen, der das Studium der Medizin zur Bedingiing für sein Entgegenkommen gemacht hatte.

Nur einmal war es für kurze Zeit hell in seinem Lebm geworden, als er ein Mädchen gefunden hatte, dessen reine Liebe ihn für« alle Bitterkeit, die er bisher gekostet hatte, reich ent» schädigte; aber auch dies gönnte ihm ein neidisches Schicksal nicht. Sie starb, ihn einsamer und hoffnungsloser beim je zurücklassmd. Es wurde still in seinem Herzen, das nach Liebe dürstete, seine Jugend verkümmerte, er wurde alt, ohne jemals jung gewesen zn sein.

Nach einigen Jahren heiratete er die Tochter seiner Wirtin, bei der er lange gewohnt hatte, ans Dankbarkeit, weil sie ihn während seiner schweren Krankheit treu gepflegt hatte, und aus Mitleid für fie, da fie nach dem Tode der Mutter ganz allein stand.

Die Hoffnung, fein Leben durch diese Verbindung freundlicher und inhaltreicher zu gestalten, erwies sich nicht nur als trügerisch, sondern machte ihn noch ärmer als zuvor.

Nur zu bald machte er die bittere Erfahrung, daß lediglich die Aussicht auf eine anständige Versorgung Hedwig zu diesem Schritt veranlaßt hatte. Sie hatten nichts gemeinsam und Frie­drichs ernstes Streben, ihr primitives Wissen und ihren einfachen Sinn zu vertiefen, begegnete bei Hedwig auf heftigen Widerstand. Der Mann mit den schwermütigen Augen, die nach Verlorenem zu suchen fchienen und dem sprühenden Geiste, der nach Betätigung verlangte war ihr unbequem und ihre nur auf niedrige Lust gerichteten Neigungen, die in Friedrichs vornehmem, reinen Wesen keinen Widerhall fanden und die sie vorher sorglich vor ihm ver­borgen gehalten hatte, zerstörten alle edleren Beziehungen zwischen ihnen schon im Keime.

Da alle Versuche, sie ans eilte höhere Bildungsstufe zn er­heben und die Idee ihrer Frauenwürde in ihr zu erwecken, nutzlos waren, ließ er fie gewähren. Aber zu aller Bitterkeit, die sich in seinem Herzen amfgehäuft hatte, kam noch der Ekel, der das Maß seiner Leiden voll machte.

Jeder Tag bedeutete für ihn einen Kampf, auch in seinem Berus. Sein scharfes Auge und feine sichere Hand machten ihn zwar zu einem gesuchten Arzte, ober fein verschlossenes, ernstes Wesen hielt seine Kranken stets in respektvoller Entfernung.

So lebte er, der Einsamsten einer, in seinem Wirkungskreise, während' es in seinem Innern pobte und wütete vor heißem Sehnen nach Lebenslust und Lebensfreude. Das, was da in ihm lebte und atmete, hätte eine Welt zu beglücken vermocht, fein reicher Geist drängte nach Ausleben. Und das alles sollte ver­kümmern, ohne au das Licht gekommen zu sein, ohne auch nur einen Menschen, einen einzigen erschüttert zu haben? Nein, er wollte es nicht, so grausam konnte die Natur nicht fein, das; sie so reiche Gaben, so leidenschaftliches Verlangen in ein Herz gelegt hatte, um unverbraucht dorthin zu dämmern, sich an sich selbst auf­zureiben ? Nein und abermals nein, einmal mußte auch in seinem Leben die Stunde kommen, die ihn von sich selbst erlöste, er wollte warten, geduldig warten, was auch noch kommen möge und für diese kommende Stunde wollte er leben und seine Seele hüten wie einen kostbaren Schatz und wenn auch nicht einer Welt, wie er einst geträumt, so doch einem einzigen Menschen allen diesen köstlichen Reichtum zu Füßen legen.Da nimm, dies alles hütete ich für dich." Wie sich dies gestalten, sollte, davon konnte er sich keine Vorstellung machen; daß die Stunde aber einmal kommen mußte, glaubte ex. mit fanatischer Gewißheit.

So wartete er auf die Jugend.

Ohne diesen Glauben hätte er das Leben nicht ertragen können, das sich ihm Mif Schritt und Tritt in der Gestalt seines Weibes in tiefer Erniedrigung zeigte; bann übermannte ihn oft die Ver­zweiflung und eine wahnsinnige Wut überkam ihn, das Weib, das ihm das Leben zum Ekel machte, umzubringen. Daun flüchtete er vor sich selbst zu seiner Kunst, die einzige Gefährtin, die ihn nie verlassen hatte nmd in Tönen raste sich seine Seele aus, in ihnen konnte er sein gequältes Herz befreien, die ganze Wucht seines Schmerzes ausströmen lassen. In solchen Stunden kam alles das, was in ihm unfreiwillig schlummerte, aus der Tiefe hervor, in rauschenden Akkorden sprengte er die Fesseln, da schrie ein

gemartertes Herz in elementarer Wucht, die Wogen seiner unge­bändigten Kraft schlugen über ihn zusammen, bis sich der Paroxysmus seiner Leidenschaft in wohltuenden Tränen auflöste, dann tarnen ihm die Melodien wieder und die ganze Innigkeit einer erlösten befreiten Seele hallte in ihnen aus.

Solche Stunden gaben Friedrich Arndt dem Leben zurück und der Kraft zum Ertragen.

(Fortsetzung folgt.)

Tierbilder.

Es ist ein guter und nicht genug zu lobender Gedanke des Martin Oldenbourgschen Verlages in Berlin, eine Reihe von Farbendrucktafeln fernes PrachtwerkesDas Tierleben der Erde" unter dem TitelFarbige Tierbilder" von Wilhelm Kuhnert neu erscheinen zu lassen. Wenn schon die zahlreichen Textillustrationen dieses Werkes von Kuhnerts Hand kleine Meisterwerke sind, tote viel mehr müssen es die mehr als hundert Farbendrucktafeln sein, die die fast Photograph.sch Naturtreue mit der großen Farbenschönheit vereinen. Die annähernd absolute Üebereinstimmung von Tier und Bild verdankt Kühnes seinen zahlreichen Studien, die er an Tieren nicht nur in der Gefangenschaft der Zoologischen Gärten, sondern auch an fr et sich in ihrem Elemente be- toegenden Tieren gemacht hat. Sein offener Blick ließ sich nicht an den Formen seiner Objekte genügen, er tat auch reichliche Einblicke in die Tierseele. So ist es ihm möglich geworden, das beobachtete Tier stets in charakteristischen Momenten im Bilde festzuhalten. Wenn auch das dargestellte Tier immer die Hauptsache des Bildes bleibt, ist es dennoch nicht aus dem Rahmen seiner für sich bezeichnenden Um- gebüng herausgerissen und auf irgend einen gleichgültigen Hintergrund gesetzt; Kuhnert versteht es ausgezeichnet, die harmonische Einheit zwischen Tier und Umgebung, wie sie in der Natur besteht, zu kennzeichnen. Bilder, bei denen ihm die Verbindung zivischen Landschaft und Tier am besten gelungen ist, sind Stimmungsbilder von seltener Feinheit. Dazu komntt, daß er die Farbe niemals um der Farbe toillen setzt, sondern er trägt sie gewi,ssenhaft, nur so, wie er sie sieht auf. So vermeidet er die schreiend bunten und aus der anderen Seite die eintönigen Farben, wie, sie niemals in der Natur vorkommen. Seine Bilder find wahrhafte Farbensymphonien, die unmittelbar der Natur ab- gelauscht sind und die ganze Schönheit der Natur dem staunenden Beschauer enthüllen. Ob er den Eisbären in den weiten Eiswüsten, den Löwen in der großen einförmigen Skkppe malt oder den Doppelhornvogel inmitten der tro­pischen Farbenpracht toiebergibt, immer wird die wahre Farbengebung mit der Harmonie zwischen Tier und Unt- gebüug'und der Naturtreue des Bildes sich Vereinen.

Die Wiedergabe der Originalgemälde erfolgt nach dem in letzter Zeit hervorragend verbesserten Dreifarbensystem in mustergültiger Weise, und die Nachbildungen sind so getreu, daß sie bett ganzen malerischen Reiz der Originale, ja selbst ben virtuosen Pinselstrich des Künstlers bis in die feinsten Einzelheiten wiedergeben. Jedes der Bilder wird von einem Textblatte begleitet, auf dein der Charlotten­burger Rektor Oswald Grahmann klar, kitapp und sachlich ein Lebensbild jedes Tieres gibt. Der Kunstschriftsteller Franz Hermann Meißner hat dem Werke eine Einleitung vorangeschickt, in der er auf die künstlerische Bedeutung derTierbilder" hinweist.

DieFarbigen Bilder" erscheinen zunächst in zehn Heften, die je fünf, auf graues Papier montierte Bilder enthalten. Zu Weihnachten 1907 soll die ganze Serie voll­ständig vorliegen. Der Preis des Heftes beträgt bei Abnahme der ganzen Serie 2 Mark, ein einzelnes Heft kostet 2.50 Mark. Einzelne Blätter, die sich alle, zweckentsprechend eingerahmt, als Wandschmuck für Schule und Haus eignen, werden für 60 Pfennig abgegeben. Der im Verhältnis zn diesen Kunst­werken niedrige Preis wird dem Unternehmen die Weite Verbreitung verschaffen, die es als wissenschaftliches Bil- dungs- und künstlerisches Anschauungsmaterial verdient.

Die Frage des Mondschnees.

Der Streit um die Atmosphäre des Mondes, der in nega­tivem Sinne entschieden zu sein schien, ist in neuester Zeit wieder entfacht worden. Der Vorkämpfer der Ansicht, daß der Mond eine Atmosphäre besitzt, ist der häufig genannte Leiter der Stern­warte jder Harvard-Universität, Professor Pickering, und seine Ueberzengung hat durch eine neue Beobachtung eines seiner Mit­arbeiter weitere Unterstützung erhalten. Die Ueberlegung, die der Lehre von einer Monbatmosphäre in der Hauptsache zugrunde