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sah Berlin : Weimar für Palszieux das treibende Motiv gewesen. Palszieux, der nach diplomatischen Würden strebte, hat, nach Harden, in Berlin hohe Beziehungen. Diese Freunde mußten ihn früher oder später in dringlicher Weise auf den Gegensatz des künstlerischen Kurses in Berlin und Weimar aufmerksam machen. Harden erzählt weiterhin den eigentlichen Konflikt und seine Folgen. Dieser Abschnitt sei hier im Wortlaut wiedcrgegeben:
Rodin, der stärkste Plastiker unserer Tage, bot Keßler, dem er befreundet ist, Handzeichnungen als Geschenk an. Der Graf dankte, sagte aber, die Rücksicht auf seine amtliche Stellung hindere ihn, so kostbare Gaben anzunehmen. Der Künstler entschloß sich, die Zeichnungen dem weimarischen Museum zu schenken. Als Antwort auf seine Meldung erhielt Keßler einen von dem Kabinettssekretär Freiherrn von und zu Egloffstein unterzeichneten Brief, der des Großherzogs Dank und ■ Bereitschaft zur Annahme des Geschenkes aussprach. Die Mcisterblätter wurden nach Weimar gebracht, ausgestellt: und ein Stürmchen entstand. Rodin, hieß es, verletze das Schamgefühl gröblich; besonders traurig sei, daß unter dem Protektorat eines deutschen Fürsten solche welsche Schweinerei sich breit machen dürfe; und so weiter tn der Banausentonart. Bon einem „Zorn der Volksseele" konnten nur Lügner schwatzen. Die vom Volk Abgeordneten erklärten, ihr Schamgefühl werde vom Anblick der Zeichnungen nicht verletzt; und die Philosopheufakultät der Jenenser Hochschule ernannte Rodin zum Ehrendoktor. Man lachte über die Narren und Stümper, die in der Stadt Goethes mit dem Strickgarn alter Jungfern die Kunst knebeln wollten; und rüstete sich fröhlich zu neuer Tat. Da trat plötzlich Herr von Palszieux aus den Plan. Fragte, sehr artig noch, ob das skandalum nicht zu vermeiden gewesen, und ob der Graf der Zustimmung des Großherzogs &er inzwischen nach Indien gereist war) auch ganz sicher sei. Ganz sicher; ich habe in Paris ja den Dankbries Seiner Königlichen Hoheit erhalten. Kein Mißverständnis? Der Oberhofmarschall will den Brief sehen. Ich werde ihn heraussuchen und ans meiner Pariser Wohnung kommen lassen; übrigens hat Baron Egloffstein ihn ja unterzeichnet, muß also den Inhalt kennen. Das ist's eben, verehrter Gras: Freiherr von und zu Egloffstein weiß gar nichts von diesem Brief. Die Sendung verzögert sich ein bißchen, uird Herr v. Palszieux zeigt seine Ungeduld mit einer unter Kavalieren ungewöhnlichen Offenheit; Ungeduld und Mißtrauen. Weigert sich eines Tages, unter dem Borsitz des Grafen Keßler im Kuratorium zu verhandeln, ehe die Angelegenheit geklärt sei. Deutet also an, ^der Museumsdirektor habe Unwahres gesagt und schlau manövriert, um den Großherzog sestzulegen. Endlich kommt der Brief. Der freiherr- kche Kabinettssekretär muß reuig seinen Irrtum bekennen. Was vnn folgt, spielt sich in dem Dunkel ab, das Ehrenhändel zu decken pflegt. Zu einer formellen Forderung scheint's nicht gekommen zu sein; nur zu einer eventuellen. Der Oberhofmarschall stell keine schrifttiche, sondern nur eine mündliche Erklärung abgegeben haben, die protokolliert wurde. Und den Brief des Uartellträgers (so muß man ihn ja wohl nennen), der diesen Tatbestand feststellte, hat der Hofsittenwächter als Beweisstück für eine Aktion gegen Keßler benutzt. So wird der Hergang von glaubwürdigen Männern erzählt. Sicher ist, daß Herr Fal- counet v. Palszieux, der an dem Konflikt allein Schuldige, zwar revoziert, den von einem Freunde des Grafen Keßler ihm zugestellten Privatbrief (ein amtliches Schreiben wäre ihm nicht von einem Berliner Offizier überreicht worden) der Behörde vorgelegt und bei ihr für den Adressaten eine Rüge durchgesetzt hat. Das hat Gras Keßler mit seiner Namensunterschrift in der Zeitung „Deutschland" bestätigt. Ob dieses Verhalten eines eeußischen Generals gegen einen Kameraden (auch Keßler gehört r Armee an) der Sitte, dem geltenden Kodex entspricht, mag das deutsche Offizierkorps beurteilen. Sicher ist auch, daß der Dberhofmarschall seinen Herrn in unzureichender Weise über die Vorgänge informiert hat. Denn als der Großherzog aus Indien heimkam, ließ er den Grafen, in dessen Haus er sich vorher wohl gefühlt hatte, deutlich seine Ungnade fühlen. So deutlich, daß Keßler, der mit persönlichem Treugefühl an Wilhelm Ernst &ängt, nach einer Anstandspause aus seinem Amt scheiden mußte. Kein Wort fürstlichen Dankes geleitete ihn. Die Pflege der Kunst wurde Herr v. Palszieux zugewiesen, der uns über sein Programm nicht lange in Zweifeln ließ: er hat dem Deutschen Künstlerbund, dem Graf Leopold Kalckreuth, der Direktor der Stuttgarter Akademie, vorsitzt*) und dessen Mitgliederliste die tnt deutschen Sprachbereich klangvollsten Namen umfaßt, für die Tenzausstellung die Benutzung der Museums'räume geweigert. Mas verheißend begann, hat kläglich geendet. Muß es geendet haben?. Will Wilhelm Ernst, wie dem Grafen Keßler, auch dem Volk seiner Sachsen das Ohr verschließen? .Dem Volk, das jetzt yrurrt, Berlin habe über Weimar gesiegt? Ein Fürst ist stets kerchter zu täuschen als irgend ein anderer Mensch. So einsam «her darf er nicht auf seiner Säule thronen, daß keine beratende, warnende Stimme bis zu ihm dringt. Der General hat den tihtgmit . Kameraden grundlos verdächtigt, und den Brief, der Nchj^scheinlich in der vom militärischem Brauch für so entfte
*) Kalckreuth hat inzwischen den Vorsitz niedergelegt. D. R.
Fälle vorgeschrlebenen Form) die Pflicht zu einer runden Revo. katwn noch .einmal betont hatte, fieiwillig der zur Ahndung der Mandarmensunden berufenen Instanz ansgeliefert. Sobald der Großherzog diesen Tatbestand kennt, wird er, als Mann, als Fürst, als Soldat, nicht eine Stunde mehr zweifeln, wo die Schuld zu suchen, zu sühnen isst; wird er den Grafen, der ihm die Treue hrelt, wenigstens hören.
Unzerbrechliche Strümpfe.
Unzerreißbare Strümpfe sind das Ideal wohl eines jeden Menschen, unzerbrechliche Strümpfe aber die Sehnsucht aller derer, die ihre Räume durch Gasglühlicht erhellen. Zu den Zeiten, als ein Glühlichtstrumpf noch 2—3 Mark kostete, bildete diese Zerbrechlichkeit ein ernstes Hindernis für die Ausbreitung der neuen Erfindung. Heute, wo man 30—40 Pfg. für einen Glühstrumpf zahlt, verschmerzt man schließlich auch einen zerbrechenden angesichts der Tatsache, daß man andererseits bedeutend an Gas spart. Trotzdenc ist der Aerger natürlich groß, wenn durch unvorsichtige Behandlung oder Fahrlässigkeit das dünne Gewebe zerfällt, namentlich, wenn es eben erst ne» aufgesetzt: wurde. In manchen Betrieben ist die Gasglühlichtbeleuchtung auch um deswillen unmöglich, weil sie stärkere Erschütterungen nicht verträgt. In den Eisenbahnwagen, die man teilweise mit Glühlicht auszustatten begonnen hat, ist man hierzu nur durch ganz besonders , vorsichtige Aufhängung nnd die Wahl verhältnismäßig sehr kleiner Strümpfe zu einem befriedigenden Ergebnis gelangt.
Ein Glühstrumpf, den man ivie einen gewöhnlichen Strumpf zusammenrollen kann, ohne daß er zerbricht, den man fallen lassen kann, ohne., daß er Schaden nimmt, das wäre etwas ganz neues und unerhörtes. Und doch scheinen wir diesem Ziele nahe zu sein, denn wie das Journal für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung meldet, ist es dem Ingenieur Bruno gelungen, unter Benutzung von. Plaisetty, Chardonnet rind anderen, einen äußerst widerstandsfähigen und dabei hinsichtlich Leuchtkraft anderen Produkten völlig ebenbürtigen Glühstrumpf herzustellen. Das wesentliche dabei ist, daß er das Gewebe nicht aus Ramie, einer Pflanzenfaser, strickt, sondern aus künstlichen Zellulosefäden, die in eigenartiger Weise erzeugt und versponnen werden. Dieses Gewebe wird dann in üblicher Weise in das aus Cer und Tor bestehende Leuchtfluid getrocknet, getrocknet und schließlich in eine konzentrierte Ammoniaklösung gebracht oder auch mit Wasserstoffsuperoxyd behandelt. Hierdurch wird eine chemische Veränderung der Glühstoffe hcrvorgerufen, die für die große Festigkeit des ganzen Körpers von entscheidender Bedeutung ist. Auf einen Prüfapparat aufgesetzt, der die Glühkörper künstlich erschüttert, verträgt der neue Strumpf mehr denn 2000 Erschütterungen, während ein gewöhnlicher schon nach 90—100 Erschütterungen zerfällt.
Ein sehr beachtenswerter Fortschritt jedenfalls, ein Fortschritt, der den bisherigen Freunden des Gasglühlichts manchen Aerger ersparen wird und der dem Gasglühlicht andererseits manäMZ Tor öffnen wird, das ihm bisher verschlossen blieb.
Köuigspromenade.
Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise mit einander verbinden, daß man — wie der König aus dem Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes
«vergeht.
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Auflösung
in nächster
Nummer.
Auflösnng des Siödterätfels in voriger Nummer: Aasel, Greiz, Apsnrade, Wiesbaden, Oppeln, PotSdsm, Karlsruhe;
Breslau.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, !R« Lange, Gieße«,


