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schwärmen und unaufhörlich ihr heiseres Gebell ertönen lassen, den rechten Begriff machen! Zudem lagen mir Müdigkeit und Abspannung so sehr in den Gliedern, daß ich Wohl auch ohne diesen Lärm kaum Schlaf oder Ruhe hätte finden können.

Schon vor fünf Uhr beendeten wir unsere sog. Nachtruhe, kochten schnell unseren Kaffee und so fand uns schon die ausgehende Sonne im Sattel. Diener und Maultiertreiber hatten wir das Einpacken und Ausladen unseres Zeltes und der übrigen Effekten überlassen; dennoch holten sie uns mit dem Maultier nicht mir ein, sondern zeigten eine solche Eile und Sehnsucht nach Fez, der stolzen Hochburg ihres Glaubens, dem hochgepriesenen Paradies ihres ge­liebten Maurenlandes, daß wir sie vorauseilen ließen, um ihnen den Anblick der Stadt einige Augenblicke srüher zu gönnen. So blieben wir nur in Begleitung unseres Sol­daten.

Nach Ueberschreiten der Brücke über den Mekke die mit Ausnahme derjenigen, dse in der Nähe von Alkassar über einen großen tiefen Sumpf führte, die einzige war, die wir passierten, gelangten wir nach etwa dreistündigem Ritt an das Ende der Bergkette, die seither unseren Hori­zont eingerahmt hatte. Tas Bild ist mit einem Schlage ein anderes. Bor uns breitet sich eine endlose Ebene aus, im Süden von riesigen Bergen eingefaßt, von denen etwa zehn mit Schnee bedeckt sino. Meine Annahme, sie seien wohl nur etwa 8 bis 10 Stunden entfernt, wurde gründlich widerlegt. Mein Bruder versicherte, daß sie nach den Be­richten von Eingeborenen in 45 Tagereisen (ä 8 bis 9 Stunden) zu erreichen seien und zu den höchsten Spitzen des Atlasgebirges zählen. Europäer, die nicht den Tod suchen, dürfen sich in jenen Gebieten, die von einer raub- und mordgierigen, dem Sultan nicht untergebenen Bevöl­kerung bewohnt sind, nicht sehen lassen.

Nach Osten zieht sich die Ebene bis nach Mekkes hin, das von Fez aus etwa eine Tagereise entfernt ist. Westlich endet sie in eine ganz unbedeutende Anhöhe. Zwischen dieser und dem am westlichen Gesichtskreis sich erhebenden Tjebel Salagh liegt Fez. Wir wenden uns nach Westen. Aus den breiter werdenden Pfaden herrscht reger Verkehr. Man merkt die Nähe einer großen Stadt. Aber auch hier liegen wieder in geradezu erschreckend großer Anzahl Gebeine von Tieren, die noch kurz vor den Toren der rettenden Stadt verenden mußten. Das Skelett eines Kamels, das mit langgestrecktem Halse 'unmittelbar am Wege liegt, sällt uns besonders in die Augen und erregt nicht nur unser Entsetzen, sondern auch das unserer beiden Pferde, die stutzen und es dann in großem Bogen umeilen.

Der Weg zieht sich entsetzlich lang hinaus und die letzten Stunden werden zur Qual. Man galoppiert voraus, um zu sehen, ob von der Stadt noch immer nichts zu sehen ist und um dann, bei der Abspannung unserer Pferde, um­so langsamer vorwärts zu kommen. Endlich, gegen iy2 Uhr, ist der erste Teil der Stadt zu sehen. Die eigentliche Stadt, Fez-Medina, mit dem altberühmten Heiligtum Mulay Jdriß und der mächtigen Kairuin-Moschee, liegt tief hinter diesem (Fez-Tjdid) verborgen.

Wie atmeten wir auf, als wir gegen 2i/2 Uhr endlich nach sechs und einem halben Reisetage durch das westliche Stadttor, Bab el Ssaghma, in die schimmernde Märchen­stadt einzogen!

Ein kurzer Ritt von noch etwa 20 Minuten führt uns durch die kaum 2 Meter breiten, schmutzigen Straßen nach unserenr Geschäftslokal, in dessen Fondak sich die Deutsche Postagentur, mein zukünftiger Wirkungskreis, befindet. Unser Freund und Landsmann L., gleich uns aus Hessen gebürtig, nimmt uns herzlich in Empfang und führt uns eine Etage höher, wo sich unsere erschlafften Lebensgeister an dem aus uns wartenden Mittagessen stärken.

Nach der Mahlzeit verfügten wir uns in unsere Woh­nung, die von unserem Geschäftslokal etwa eine Viertel­stunde entfernt ist. Wie beim Einreiten in die Stadt, so hatte ich mich auch jetzt als neu angekommener Europäer den staunenden Blicken der Araber zu unterwerfen. Be­finden sich hier doch kaum 50 Europäer, und unter diesen mit mir nur zwölf Deutsche, darunter drei Damen. . In unserer Wohnung lassen wir uns unser Nachtessen bereiten, das alle Hochachtung vor der arabischen Kochkunst! für marokkanische Verhältnisse ganz passabel ist. Ungeachtet Unserer Müdigkeit sitzen wir nock lange beim Lampenschein

im Parterre-Zimmer unseresRiat", durch dessen' geöffnete Tür die laue Frühlingsluft hereindringt. Der Mond scheint durch die Zweige der Bäume. Tie Zitronen blühn und im dunkeln Laub glühn die Goldorangen. Bis zehn Uhr bleiben wir beieinander und plaudern bei Münchener Eberl- Bräu von unseren Reiseerlebnissen, das Wichtigste bis zu­letzt uns aufsparend: die vielen aufgetragenen Grüße aus­zurichten von den Tangeriner Freunden und Landsleuten an die liebe deutsche Heimat.

Won der Großmutter des Kicherrer Anzeigers.^) in.

Im Frühjahre 1810 hielt hier in Gießen, wie das damalige Gieser Anzeigungs-Blättchen'' erzählt, der Schauspiel- Direktor D r. Rittler seinen Einzug. Seine erste Bekannt­machung, die wohl erst nach einer Reihe von Vorstellungen erfolgte, ließ vermuten, daß man es mit einem finanziell gut gestellten und in jeder Beziehung tüchtigen und unzweifel­haften Unternehmen zu tun habe. Sie lautete so:

Da ich sowohl meine eigenen Bedürfnisse, als auch die Gagen der Gesellschaft, jederzeit baar und richtig bezahle, so ersuche ich hiermit Jedermann, aus meinen Namen nicht das Geringste z>i borgen, indem ich für nichts mehr Bürge bin; und bitte zugleich die hiesigen Herrn Gastwirthe, mich die Ankrmst solcher Personen, die sich iür Schauspieler nusgeben, immer baldigst reiften zu lassen, um nicht nur meine pflichtschuldige Anzeige in Betreff ihres Auf­enthaltes bei Grosherzog!. Polizeybehörde' eiureichen, sondern auch sie vor Betrügereyen liederlicher Leute, die den Namen Schau» spieler nur usurpieren, sichern, lind das gute Renommee der Gesellschaft erhalten zu können.

Wer aus irgend einem Grunde an mich noch eine recht­mäßige Forderung zu machen hat, wird ersucht, mir dieselbe spätestens bis Dienstag den 3 feit Julii auf meinem Bureau im Hause des Herrn Ober-Amts-Assessor Dietz anzuzeigen und die Bezahlung zu gewärtigen. Dr. Rittler,

Giesen, am 22 ten Juni 1810. Schauspiel-Direetor.

Am Tage darauf erließ Dr. Rittler folgende

Abonnements-Anzeig e.

Der Unternehmer des Theaters hat hiermit die Ehre allen seinen Gönnern und Freunden ergebenst anzuzeigen, daß künftigen Mittwoch, also am 17 teil d. M. als erste Vorstellung im zweiten Abonnement:

Die Verwandtschaften,

Lustspiel in 5 Akten, von Kotzebue, aufgeführt werden.

Bemüht, jedem Wunsch seiner Gönner und Freunde zu ent­sprechen, macht derselbe zugleich bekannt: bas; er nicht nur in Betreff der Aufführung jedes Stücks die möglichste Sorgfalt an­wenden, sondern auch verschiedene Mißbräuche abschaffen wird, die der guten Ordnung zuwider sind, und schon öfters Veranlassung zu Beschwerden gaben. Demnach bittet man höflichst:

1) Diejenigen Personen, welche Liters das Theater besuchen, und in den ersten Reihen zu sitzen wünschen, Stühle hereinzuschicken, die mit ihrem Namen bezeichnet sind, folglich von keinem Andern angenommen werden dürfen. Diese Stühle können aber um Miß­verständnisse zu vermeiden nicht zu jeder Vorstellung herein­getragen und wieder zurückgebracht werden, sondern müssen während des Abonnements stehen bleiben.

2) Am dem ersten Platz sind zwei) Eingänge, den obern können nur diejenigen passiven, welche außer dem gelößten Billet eine Stuhl-Aiargue auszuweisen haben. Den untern diejenigen, welche auf den Bänken Platz nehmen, oder stehen wollen.

3) Während der Vorstellung belieben die Chapeaus gefällig die Hüte abzunehmen, und nicht zwischen den Bankreihen stehen zu bleiben um die weiter hinten Sitzenden nicht zu genieren.

4) Taback darf nirgends im Zeughause geraucht werden.

5) Besuche nur dem Theater muß man ein für allemal verhüten.

6) Alle Billets werden an der Kasse vorgezeigt und um- getauscht. ... .

7) Personen, die sreyes Entrea genießen, können erst um 6 Uhr Einlaß erhalten. ,

8) In den Zwischen-Akten belieben die Herausgeber sich Contremarquen reichen zu lassen, und beim Eintritt an den Billeteur wieder abzugeben.

5) Kinder bezahlen auf dem ersten Platz die Hälfte, nämlich 24 fr., oder erhalten das Dutzend Billets zu 3 fl: doch steht es denen respeet. Eltern auch frei), für zwei) derselben ein ganzes Billet abzugeben. Die Hälfte des Abonnement-Preises aus eine Vorstellung baar, wird für dieselbe nicht mehr angenommen.

10) Nur für den letzten Platz bezahlt das Grosh. Militair (kein fremdes) die Hälfte. Frauen und Kinder der Soldaten aber, ivie andre Leute auch. Dr. Rittler,

Giesen am 23. Juni 1810. Schauspiel-Direetor.

*) Vgl. die Nummern 62 u. 76 der G. F.-Bl.