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beiden patzt ja

und küßte sie

Die verschie-

schwer mag das beinern Naturell eingehen! Ihr wie Feuer und Wasser."

Sie hatte Sylvia in ihre Arme genommen wiederholt.

Reizendes Kind, mein kleines Vögelchen!"

aber in ihrem verdrietzlichen Ton.Erna ist so furchtbar pedantisch", setzte sie, zur Tante gewendet, hinzu.

Das merke ich", rief dieie,mein sützes Herzchen; wie

Daun war man in Paris auf den Boulevards und bei den Buttes Chaumont, wo sie den großen Gambetta begrüßt, der ihr, der einzigen Deutschen, welche Schick und Temperament habe, die Hand geküßt. ,

Ach, und da war ment göttlicher Zerntal noch an meinet Seite!" unterbrach sie sich mitten im Erzählungsstrom;der göttliche, der sich nie auf der Erde zurechtfinden konnte. War es ihm anzurechnen? Ich habe ihn nie verurteilen können.",

Zernial ist dein Gatte, liebe Tante?" gelang es Roderich ! jetzt, einzuschalten.Ist er nicht mehr am Leben?"

Wollte Gott, ich könnte es dir sagen, mein Roderich, aber seit Jahren fehlt mir jede Kunde von ihm. Ihn trug sein Feuergeist weit fort, immer zu hoch immer zu hoch wie ich schon sagte, die Erde war nicht sein Terrain."

Das ist freilich fatal", meinte Roderich trocken,denn außer derselben ist gerade kein Raum für uns Menschen vor­handen."

Die Tante belustigte ihn ungemein.

Ach, daran ist er ja auch zugrunde gegangen, mein Junge", fuhr diese unbeirrt fort,und ich mit ihm, ich Un­glückselige." I

Sylvia blickte in höchster Verwunderung in das belebte, in seinem wechselnden Mienenspiel nicht reizlose Gesicht der Sprecherin, welche zwischen dem Reden sich ungestört ihr Weiß­brot mit dicker Butter bestrich, den Eiern und dem Schinken herzhaft zusprach und unter der Not des Lebens noch nicht ganz geknickt schien.

Und ihr ihr lebt hier wie die Philister, natülich", sagte sie jetzt,furchtbar materiell, furchtbar solide, und die Sterne am Himmel laßt ihr stehen. Den anderen macht das auch keinen Kummer, dem Herrn Schwager, meiner guten Schwester Friederike und ihrer Tochter Erna nicht, so viel sah ich schon gestern abend; aber ihr beiden, ihr seid von anderem Schrot und Korn. Dein Geist, Roderich, nimmt einen andern Flug o, du ahnst nicht, wie ich mich auf Physiognomien verstehe! Ich lese den Menschen die heimlichsten Gedanken aus der Seele. In dir lebt und strebt Großes, und Sylvia ist dir ebenbürtige Ge­fährtin zarte Psyche, die erst an deinem Licht erwacht."

Roderich lachte, auch Sylvia; aber sie fanden beide die Tante gar nicht so übel, und Roderich meinte, sie verrate in der Tat einen scharfen Blick und viel Menschenkenntnis. Sie hatte alle Familienglieder richtig charakterisiert.

Erna unterbrach die lebhafte Unterhaltung durch ihren Ein­tritt. Sie hielt den Schlüsselkorb in den Händen, sie kam aus den unteren Wirtschaftsräumen herauf und begrüßte die Tante, welche sie heute morgen noch nicht gesehen, in ihrer ru­higen, freundlichen Weise. Ihre Gegenwart gab der Sitzung sofort einen anderen Charakter. Ihre klugen Augen überflogen die Gruppe; die vertrauliche Harmonie, welche bereits herrschte, schien sie nicht gerade zu erretten.

Papa lägt dir sagen, liebe Tante", redete sie jetzt diese an,daß er dich in seinem Zimmer erwarte, sobald du gefrühstückt habest. Er wünschte allerlei mit dir zu beraten."

Euer Papa ist merkwürdig unverändert", erwiderte die Tante,er sah wirklich schon genau so aus wie jetzt vor zwanzig Jahren, als ich ihn zuletzt sah. Es gibt Leute, die nie altern, weil sie nie jung gewesen sind. Du, liebe Erna, gleichst deinem Vater ungeheuer."

Erna sah mit einem eigentümlichen, offenen und geraden Mick und einem humoristischen Lächeln um den Mund in das Antlitz der Tante, was diese beinahe verlegen machte.

Du kennst uns alle noch nicht, Tante", meinte sie,wir Müssen wohl erst längere Zeit nebeneinander leben, ehe wir gegenseitig ein Urteil fällen können. Sylvia, du hast heute um elf Uhr deine Malstunde, es ist die höchste Zeit, daß du dich bereit machst, um in die Stadt zu fahren."

Sylvia erhob sich zögernd. Diese Malstunden waren noch vor wenig Wochen der brennendste Wunsch ihrer Seele, sie hatte sie sich vom Vater erkämpft, erschmeichelt, jetzt war die neue Passion, wie schon manche andere vor ihr, bereits stark im Erlöschen, und im Augenblick paßte ihr die Stunde gar nicht, sie hätte viel lieber mit der neuen Tante weiter geplaudert. So meinte sie denn auch gedehnt, es fei kein Unglück, wenn sie sie auch einmal versäume.

Erna rückte ihr den Morgeiikragen, der etwas schief saß, zurecht und zupfte sie dabei leise.

Mach rasch", raunte sie ihr zu,du weißt, was Papa zu einer Versäumnis sagen würde! Du hast ihm noch vorgestern hoch und heilig beteuert, daß es dir rechter Ernst damit sei."

Ernas Weise war gutmütig mahnend, beinahe mütterlich. Es ist mir ja auch Ernst damit", versicherte Sylvia,

densten Schmeichelnamen kamen von ihren Lippen. Erna stand steif, mit sonderbarer Miene daneben, Roderich sah spöttisch auf die kleine Szene.

Komm, Sylvia", sagte er dann im Ton des Gebieters, ich fahre auch in diie Stadt, da will ich dich mitnehmen. Reiße dich für ein paar Stunden los von deiner neuesten Er­oberung. Du bleibst hoffentlich noch länger bei uns, Tante?"

O gewiß, ich bleibe bei euch! Ich fühle mich bereits so heimisch, daß mir alle Wanderlust vergeht."

Ernas Züge spiegelten etwas zu deutlich ihre bedenklichen Gefühle wieder und auch auf Roderichs Zügen lag gerade kein Freudenschein bei dieser Aussicht.

Als er und Sylvia gegangen war, herrschte eine Weile Totenstille in dem Frühstückszimmer. Die Tante lehnte im Sessel, stocherte in ihren Zähnen und gähnte, Erna ftihlte etwas Prickelndes in sich heraufsteigen, so ruhig sie auch meist erschien; ihr Temperainent machte ihr auch zu schaffen.

Paßt es dir jetzt vielleicht, zu Papa zu gehen?" fragte sie endlich.Er fährt später in die Stadt."

Ich muß doch erst Toilette machen, Kind, und im übrigen begreife ich gar nicht, was dein Vater mir so eilig zu sagen hat. Ich bin sehr angegriffen von der Reise, ich redete mit deiner Mutter bis tief in die Nacht hinein. Der Herr Kommerzienrat mag ruhig an feine Geschäfte gehen, ich stehe später ihm jeden Augenblick zu Diensten. Ah, reizend! Welch ein süßes Geschöpf ist sie!" Sie war beim Ton eines rasselnden Wagens lebhaft aufgesprungen und nickte jetzt vom Fenster aus Sylvia zu. In Hellem Jackett und weistem Federbarett saß diese an Roderichs Seite aus einem kleinen, eleganten Cab, den Groom hinter sich. Sie hielt die Zügel, das schlanke, feingliederige, glänzend schwarze Tier mit dem silberbeschlagenen Zaumzeug scharrte unruhig mit den Hufen. , .

Sylvia sah jetzt sehr vergnügt ans, plauderte mit ihrem Begleiter, nickte den am Fenster Stehenden zu Erna war auch neben die Tante getreten und gab dem Pferde Schmeickielnamen. Es war ein frisches, hübsches Bild. Auch Roderich wandte sich und grüßte zurück; Erna fand, daß er sehr gut aussehe, sie, die eine so kritische Schwester war.

Tante Cölestine rief einmal über das andere:Wie reizend sieht das Paar aus, entzückend, famos!"

Sie machte aber iwch keine Miene, au ihre Toilette zu gehen, was Erna freilich, menn sie sie näher musterte, dringend nötig erschien. Das Haar mit seinen vielen falschen Unter» und Auslagen war in genialer Unordnung aufgesteckt und unter einem winzigen, mit hochroten Bändern garnierten Spitzendeckel verborgen, am Saum des türkischen Schlepprocks hingen bedenk- | liehe Fransen. Die Figur erschien in diesem ungefesselten Zu­stand ungleich älter als gestern abend Erna, der peinlich ordentlichen Erna, war solch ein Anblick ein Greuel.

Frau Cölestine Zernial trällerte eine Tanzmelodie, ging mit schwebenden Schritten durch die folgenden Gemächer und er­blickte im letzten derselben den Flügel. Sie öffnete ihn hastig und ließ ihre Finger über die Tasten gleiten.

Wer ist hier im Hause musikalisch?" fragte sie.

Roderich", erwiderte Erna zögernd.Er ist sehr be­gabt, zersplittert sich nur nach meiner Meinung. Er kom­poniert, schriftstellert" _, .,

Ha, dachte ich es nicht", unterbrach sie die Tante,ich las es auf seinem Antlitz, sobald ich ihn erblickte! Und das nennst du zersplittern. Kleine freilich, seine Kunst wird sich nicht in Zahlen fassen und in bare Münze umsetzen lassen. Hier geschriebene Noten eine Partitur et, ei!"

Sie hatte sich auf den runden Klaviersessel gesetzt und be­gann zu spieleit. Mit großem Vollklang rauschten die Akkords die Triller und Kadenzen, für ein ungeübtes Ohr klang es ganz brillant, aber Erna, welche selbst nie die Tasten berührte, I hatte unglücklicherweise ein sehr feines Gefühl für Klarheit und Präzision im Spiel, und davon war hier keine Spur. Es waren Partien aus Roderichs Oper, mit brillanter Geläufigkeit und jedenfalls viel angeborenem Talent vom Blatt sefp""' aber das Matte, Dilettantenhafte, hie und da Forcierte hatte Erna nie so aus des Bruders Machwerk entgegengeklungen als [ hei dieser inkorrekten Wiedergabe.