520

und anderer schätzenswerter Besitztümer des Menschen, der selbst Leuten wohl tut, dieein wüstes und ländliches Leben" führen, wird gewiß bei uns zu Lande auf seine Wunder- wirkung von nieinandcm erprobt werden. Dem Herrn in Siegmar aber sei im eigenen Interesse empfohlen, sich ein anderes Gewerbe zu erwählen, als das der Bauernfängerei.

Vsr»miseH-es.

* Vorlesungen in der Fabrik. Die Arbeiter der Tabakmanufakturen auf der Insel Kuba kennen schon seit langer Zeit die Einrichtung derVorlesungen während der Arbeit". Während sie Bei der Arbeit sind, wird ihnen von einer eigens dafür angestellten Person mit lauter Stimme etwas vorgelesen. Diese Einrichtung stammt aus dem Jahre 1878 und ist auf den kubanischen Dichter Sa­turnino Martinez, der damals als Arbeiter in einer Zi­garrenfabrik beschäftigt war, zurückzuführen. Der Vorleser sitzt in der Mitte des Arbeitssaales auf einer Art Katheder und die Vorlesung, die gewöhnlich nachmittags stattfindet, dauert zwei bis drei Stunden. Aus alter Gewohnheit wird die Hälfte der Zeit der Vorlesung von Zeitungen gewidmet, während in der übrigen Zeit Romane vorgelesen werden. Tie Arbeiter jeder Fabrik so berichtet dasCentury Magazine" wählen sich einen Vorsitzenden, einen Sekretär und einen Schatzmeister. Jeder Arbeiter zahlt jede Woche an den Schatzmeister als Beitrag 50 Pfg.; es kommen auf diese Weise in der Woche 200 bis 300 Mk. zusammen- mit diesem Gelde werden die Zeitungen und die Bücher gekauft; der Rest dient zur Besoldung des Vorlesers, der wöchentlich weniger als 125 und manchmal sogar 250 Mk. erhält. Jeden Tag treten der Vorsitzende und der Sekretär zusam­men, um die zur Vorlesung geeigneten Zeitungsartikel aus­zuwählen. Was die Romane betrifft, fo werden sie von den Arbeitern selbst durch Wstimmung ausgesucht. Oft wer­den auch Gedichte vorgelesen, und der gelesenste Dichter ist Byron. Von Romanen werden neben spanischen die englischen, vor allem Dickens, bevorzugt. Es muß her­vorgehoben werden, daß die Tabükärbeiter weitaus die besten aller kubanischen Arbeiter sind.

C. K. Modernealte Spitzen". Die Spitzenmode ist heute mehr im Aufschwung denn je. Die schönste Garnierung, der fernste Schmuck sind diese zarten, kostbaren Gewebe, die man rn den vergangenen Zeiten Venedigs und Brüssels so uncr- rercgbar herrlich zu schaffen wußte. Unser Zeitalter der Imi­tation Hat sich nun begnügen müssen, diese seltenen echten alten Kanten nachzubttden, und hat es hierin wieder zu einer hohen Vollendung gebracht. In Paris existiert eine große italienische Firma, dre in verschiedenen Ateliers venetianische Spitzen nach historischen Vorlagen Herstellen läßt. Ihr Direktor hat sich einem Korrespondenten gegenüber in interessanter Weise über diese mo- derne Spitzenfabrikation geäußert. Irische und belgische Kanten werden darnach nur seltener in Kopie verlangt, hauptsächlich allein , dieKönigin aller Gewebe", die venetianische Spitze. Auf einem Gemälde des venetianischen Malers Vittore Carpaccio, das um 1500 entstanden sein muß, läßt sich die erste, iioch eiiifacye und steife Spitzenkante an dem Aermel einer Dame nach- wersen Von da an ist der nnaufhaltsamc, durch Verbote und Modenwcchsel nur selten unterbrochene Siegeslauf dieses Gewebes zu verfolgen. Die alten Muster und Ornamente sind die schönsten und kostbarsten; sie dienen am häufigsten zum Vorbilde. Auch ganze große Tapisserien mit eingewebten Alle­gorien, und, Bildern aller Art werden in der moderneii Fabrik mit viel Mühe und Sorgfalt nachgebildet. So ist jetzt eine Jmi- tatron der berühmten Bayeux-Spitze der Königiii Mathilde in Arbeit. 25 Meter dieses wundersamen Künstwerkes sind bereits m treuer Kopie vollendet. Ein jeder Meter erfordert 180 Tage Arbeit. Auch für moderne Kissen und Decken werden alte Muster aus den Museen benutzt. Es gibt keine herrlichere Dekoration für Möbel aller Art als eine Nachbildung jener Wunderwerke venet. Klöppelkunst, die in reichem Bilder- und Waffenschmuck oder in sparsam ernsten Ornamenten dm Geschmack und die Schönheit einer großen Epoche vorführen.

* Stolz war er wahrscheinlich nicht, aber sicherlich großmütig, der Löwe, der dieser Tage aus einer Menagerie in Albert, im französischen Departement La Somme, entwich. Als er den Eingeborenen, die wie närrisch davonliefen, genügend Furcht eingejagt hatte, faßte der freundliche Löwe vor der Tür einer Kneipe Posto.

Mite ohne Zweifel Durst; er hatte sogar sicher Durst, denn als er seinen Bändiger und die achtunggebieten­den Gendarmen antrotten sah^ eilte er mit gewaltigen

Reue Bücher.

Eingegangen vom 24. bis 30. August 1907.

AArechung erfolgt nach Auswahl. Eine Verpflichtung zur Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt eingesandter Bucher wird nicht übernommen.)

. a Zr. F. H on c amp, Arterienverkalkung des Herzens und des Gehirns. Ursachen, Verhütung und Behandlung/ IV. Ausl PrcEöO Pfg" 5)r" meb ^lser. Leipzig, Edmund Demme.

Do"!!eb Denker, Kirche und Sozialdemokratie. Mainz, Druck der Volkszeitung. a'

r Hauser, Das Rhein-Mainische Berbandstheater,

wme Vorgeschichte und er|te Tätigkeit im Frühjahr 1907, sowie SSorfdjlage für seine Wetterführung. Leipzig, Quelle und Meyer. Preis 1 Mk.

, sc G -W»t kow s k i, Was sollen wir lesen und wie sollen wir leien?. Em Vortrag., 26.30. Tausend. Leipzig, Max Hesse. Preis 20 Pfg. (bei Bezug von mindestens 100 Exemplaren für Vereine usw. 10 Pfg.).

Monatshefte für graphisches Knnstgewerbe. ßerausgegeben von Albert Knab. 5. Jahrg. Heft 10. Preis 2 50 Mk., Biertelrahrs-Abonnement 6 Mk. Berlin W 35 Karl Flemming, A. G.

Erkelenz und Kopp, Die Arbeiterfrage. Heft 1 der Volksschrlften des Nationalvereins für das liberale Deutschland. München, Nationalverein. Preis 10 Pfg.

Arber Land und Meer. Oktav-Ausgabe. 24. Jahrg Hust A Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt. Preis 1 Mk. (Jahr­gang 13 Mk.)

Max Pfenning, Operationslose Entfernung der Gallen­steine nebst Anleitung: Behandlung der Nieren- und Blasen­steine. Stuttgart, VerlagReform" (P. Müller). Preis' 3 Mk

Münchener Kalender für 1908. München, Verlags­anstalt vorm. G. I. Mauz. Preis 1 Mk.

Kleiner Münchener Kalender für 1908. Mün­chen, Verlagsanstalt vorm. G. I. Mauz. Preis 50 Pfg.

Ferdinand Jakob Schmidt, Zur Wiedergeburt des Idealismus. Philosophische Studien. Leipzig, Dürrsche Buch­handlung. Preis 6 Mk.

Voigt. Religionsunterricht oder Moralunterricht? Leipzig, Dürrsche Buchhandlung. Preis 1.20 Mk.

A. Cartellieri, Tägliche Morgenandachten für höhere Schulen, Seminare und ähnliche Anstalten. Leipzig, Dürrsche Buchhandlung. Preis 3 Mk.

Neue Reiseliteratur.

G. Fischer, Deutsches Eisenbahn-Auskunstsbuch. 3. Aufl, Verlag von G. A. Glöckner in Leipzig.

Paul Ernst, Der Harz. Band 4 von Städte und Land­schaften, heransg. von Leo Greiner. Stuttgart, Karl Krabbe Verlag, Preis 2 Mk.

Rhön und angrenzende Gebiete. Bad Kissingcn. Bad Brückenau. Band 6 von Agricolas Wanderbüchern. Leipzig und Chemnitz, Verlag von Wilhelm Gronau. Preis 1.25 Mk.

Griebens Reiseführer. Band 28: Die Mosel von Coblenz bis Trier. 8. Ausl. Preis 1.50 Mk. Band 93: Leipzig und Umgebung. 4. Ausl. Preis 1 Mk. Berlin IV., Albert Goldschmidt.

Lorenz Reiseführer. Die Schweiz in 15 Tagen mit Generalabonnement: genußreich und billig zu bereisen. Preis 1.50 Mk. Der H a r z in 12 Tagen. Preis 1 Mk. Der Rhein in 15 Tagen. Preis 1.50 Mk. Tirol in 20 Tagen. Preis 2 Mk. Verlag von Fr. Paul Lorenz in Freiburg i. Breisgau.

. Der Bändiger lief hinten nach und noch etwas weiter hinten die Gendarmen, denen die Jagd besonderen Spaß zu machen schien. Endlich hatten dre Verfolgerrhre Beute" erreicht. Ter Löwe hatte sich vorftchttg rn eine stille Ecke zwischen dem Wassertümpel bnX<U ^hörigen Bauernhause, zurückgezogen und harrte, rn Gemeinschaft, mit zwei Enten, die ihn neu- gierig beguckten, der Dinge, die da kommen sollten. Zu­erst kam der beherzte Bändiger, der bald rittlings auf c em ^.owen saß und einem der Gendarmen zurief: Geben ra ch emen Strick!" Der einzige Strick! ben der Gendarm bei sich, hatte, war seine dreifarbige Deqen- scharpe; er band sie los und zitterte dabei an allen Glie­dern, denn mit der Schärpe verlor er auch den Degen seine einzige Waffe in dem bevorstehenden gransigen Kampfe mit dem' Löwen. Es kam aber zu gar fernem ber L?we sah die Gendarmen der Reihe nach ""/"dlg an, ging noch einige Schritte zur Tränke hin- uuI, ,nm fernen Durst zu stillen, und ließ sich dann von fernem Bändiger wre ein Polizeigefangener ab führen. Und dieser Lowe heißt Brntus! 1 '

Redaktion.: V. Wittk'o.. Rotationsdruck und Verlag der Brüh 1,'schen Unwersitäts-Buch- rmdMteindrri<Ärei, R. Lange,'Greben^