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Als
dichte, to dichte".
Der Verfasser begreift auch den Bauer, weshalb dieser von der Volksschule immer von neuem so wenig hält, nämlich weil die Vorbildung des Hoferben auf deni Hofe, bie, in der Mitarbeit von allen Bewohnern des Hauses vor sich geht, geradezu musterhaft sei.
Als solide Grundlage des bäuerlichen Seelenlebens betrachtet er die Gesundheit an Leib und Seele, die Starknervigkeit, die sich besonders in Gefahren, im Ertragen von Strapazen und in der Ruhe im Sterben bewährt.
Ein Grundzug der alten Bauernkultur ist ferner die Beharrung und Nachhaltigkeit, die sich zeigt in der Erhaltung der alten Landesbesiedelung, des alten Hauses, der alten Hofnamen, Taufnamen und Trachten, des alten Dialekts, der alten Volkspoesie, des alten Räderwerks der Seele und der alten Gesichter. Dazu kommt die alte Tradition, d. h. im Gegensatz zu aller Kunstdichtung diejenige Dichtung, Aufbewahrung und Weitergabe von Poetischen Werken, die zu bestimmten Perioden das schreib- und lejeunkundige Volk geübt hat. Die hauptsächlichen Eigentümlichkeiten der Tradition sind: erstens die allgemeine Mitarbeit ganzer Stämme und Generationen im Gegensatz zu der in aller Kultur geübten Einzelarbeit; zweitens das bemerkenswert langsame, oft über iiicht weniger als Jahrhunderte sich erstreckende Reisen solcher Dichterwerke im Gegensatz zu unserer ganz wesentlich schnelleren Arbeit und drittens die ebenso bemerkenswerte Minderzahl der Stoffe im Vergleich mit aller Kulturdichtung.
Die Eigenart, der Stolz des Kulturmenschen ist seine Persönlichkeit; das eigentümliche Zusammenleben und Zusammenarbeiten des Bauern, mit seinem Gesinde schafft, erhält und pflegt seine Unpersönlichkeit. Dem Bauerntum ist überhaupt nie der Mensch, stets der Hof die Hauptsache. In dem ganzen Treiben ans dem Hofe zeigt sich eine gewisse Gediegenheit z. B. im Essen und Trinken. In ganz Niedersachsen, Holstein und Westfalen ist eine ebenso knappe wie vorzügliche Speisekarte entstanden: Schwarzbrot, Schinken, Hafer-, Roggen- und Buchweizenbrei, Milch, Butter, Eier. „Dat leve Eten" muß reichlich sein. Solide sind auch Kleider und Schuhe. Die Gediegenheit bewährt sich aufs höchste bei der Eheschließung und beim Erbrecht.
Ein anderer Charakterzug ist die Naivität, d. h. das unbefangene Offenbaren eines Seeleninhalts nach seiner guten, wie schlechten Seite. Daher der Mangel des Bauern
an Höflichkeit, aber auch an Geziertheit und Gespreiztheit.
Weil er in einer früheren Zeitluft lebt, fehlt es ihm trotz seines Realismus nicht an einer gewissen Uebersinn- lichkeit. Er bewegt sich gerne auf den weiten Gebieten
*) A. L'Houet zur Psychologie des Bauerntums. Tübingen 1905.
Zur Wfychologie des Bauerntums.*)
Der pseudonyme Verfasser dieser Schrift ist ein cvangel. Pfarrer aus dem Hannoverschen. Er teilt mit manchen Volksforscbern das Gefühl der Fremdheit auf Manchen Gebieten die von ihm besprochen sind, aber er hat vor vielen von ihnen ein fünfzehnjähriges genaues Zusammenleben mit dem Bauerntum voraus. Er behauptet, daß dasselbe kür das übriae heutige Deutschland ebenso wichtig- tote, Lotz aller aufklärenden Arbeit z. B. Riehls und Roseggers, noch unbekannt sei. Wichtig sei es Nicht nur als Deutschs lands Broterzeuger, sondern in erster Lmie als em Vorrat an leiblicher, geistiger, moralischer und religiöser Gesund- beit Durch die Hochkultur namentlich der letzten sunsztg Jahre verbreitere sich zusehends die Kluft zwischen dem Bauerntum und uns.. Das echte Bauerntum liege nicht in dem Kleinbesitz, noch in dem Großbesitz, sondern m den Höfen von etwa 30—600 Morgen. Sie tragen von der Zeit ihrer Gründung her ein uraltes Gepräge; die Bauern dieser Höfe bilden eine gleichartige Masse, die in sich zu- sammenhüngt, nach außen hin relativ abgeschlossen ist und fest an der Tradition hält. Für diese Ballern ist der Verfasser begeistert:
„Wenn wir die Bahnlinien des norddeutschen Tieflandes links der Elbe benutzen, dann sehen wir sie, den Reid aller Länder, rechts und links liegen, diese prächtigen eichenumstandenen uralten .Höfe aus der weiten Ebene, Mit ihrem gesamte Lande rings umher, wo der hünenhafte Bauer in der Einsamkeit groß geworden und mit der Ein- samkeit verwachsen, wenn er den Nachbar noch mit der Stimme erreichen kann, dem Gaste klagt „tot wohnen to
der Sage, des Aberglatibens, der Volksmedizin und öev Religion.
Der Bauer ist ferner ein Mann des Maßhaltens, ein Mann der Dreiviertelkraft. Außer in Ausnahmefällen und Notständen gehört ein Viertel des Tages der Ruhe, und er hält gewissenhaft die großen Ruhezeiten ein, beit Sonntag, die Nacht, den Feierabend und den Winter. Er erstreckt seinen Schlaf ohne Skrupel bis in den langen Gottesdienst hinein. Er hält Maß im Streben nach den Gütern dieser Welt, nach Ehre, Lust und Geld, auch ist die ländliche Bauernsittlichkeit etwas ganz anderes wie ländliche Polen- nnd Fabriksittlichkeit. Solches Waßhalten wird aus der Freiheit geboren, nicht aus dem Zwang, denn der macht wild tote in der Tier- und Pflanzenwelt, so auch in der Menschenwelt. Die Ansprüche an die Befriedigung äußerer Lebensbedürfnisse sind in allem gut erhaltenen Bauerntum niedrig, das Leben in frischer Luft, in inniger Häuslichkeit, die Hochhaltung der Religion und die nicht unerhebliche moralische Reinheit fördern diese Freiheit.
Nachdem der Verfasser einen Ueberblick über die Geschichte des Hofes und des Dorfes gegeben hat, faßt er sein Urteil über das Bauerntum Deutschlands folgendermaßen zusammen: „Das Bauerntum Deutschlands ist eine eigene Schicht, welche im Unterschiede von der Kultur ihr eigenes Tempo, ihre eigene Art der Entwicklung gehabt hat. Bauerntum und Kultur sind derselbe Mensch, aber Deutschlands Bauerntum, bedingt durch seine gesamten inneren und äußeren Verhältnisse, lebt langsamer, entwickelt sich langsamer tote alle Kultur: so, daß es in vieler Weise heute noch auf dem Standpunkt steht, aus dem die Kultur im Mittelalter stand; daß es in vieler Weise eine jüngere Schicht desselben Volkes ausmacht, in dem wir bereits die ältere sind.
„Derselbe Unterschied zwischen Jugend und Alter, zwischen Mittelalter und Neuzeit, welcher in der ganzen Welt grundsächlich andere Lebensprinzipien mit sich bringt, beim Baume so gut tote bei einer Idee, beim einzelnen Menschen so gut wie beim gapzrn Volke. Dieser selbe Unterschied charakterisiert unseres Erachtens den Hauptteil des heuttgen Abstandes zwischen Bauerntum und Kultur. Ihn möchten wir als den Schlüssel bezeichnen, der am wesentlichsten das Verständnis dieser Verschiedenheit aufschließt!"
Aber der Verfasser ist damit nicht zu Ende, sondern er bespricht noch den Glauben, d. h. das Gvttvertrauen und das Verhältnis zum eigentlichen Dogma. Der religiöse Idealismus packt nach seiner Ansicht bei weitem elementarer die ländliche Jugend als das vielerfahrene, viel- überlegende Alter. Kein Tag int Kirchenjahr macht einen so wuchtigen Eindruck wie der Konfirmationstag, der an zweiter Stelle tiefempfundene Gottesdienst fällt auf den Sylvesterabend. Freilich sind Hausandacht und Tischgebet bis auf Reste geschwunden, aber in der bäuerlichen Weltanschauung ist davon noch vieles erhalten. Das Bauerntum ist entschieden Deutschlands religiösester Stand, zugleich im Besitz der gesundesten Religion. Das Gott vor Augen- und im Herzen-Haben gibt ihm unbewußt eine eigenartige richtige Stimmung und breitet über manchen Bauernhof einen stillen Frieden. Die Dogmatik der Bauernkirche ist eine Jugenddogmatik, sie glaubt nicht an Gott als die Liebe, sondern an Gott als die Gerechtigkeit. Ihr sagt der Gedanke von der Stellvertretung Christi zu, und die Wunder erscheinen ihr ganz selbstverständlich.
Dann solgt eine Reihe von Einzelbetrachtungen, die die Gleichgültigkeit, die Verschlossenheit und den Trotz, die Streitbarkeit, die Gutmütigkeit, die Frauenschätzung, das Gewissen und überraschenderweise auch Herbarts Ideen in bezug auf'Bauernmoral und die Schlierseer ins Auge fassen. Zu den früheren Hauptkapiteln liefern dann mehrere Vergleiche wertvolle Nachträge wie Bauerntum und Mittel- alter, Bauerntum und Halbkultur, Bauerntum und Kinderwelt, Bauerntum und altes Testament, Bauerntum und Kunst.
Den Schluß bildet ein „praktischer Ausblick", der auch b^it traurigen Titel „akute Vergiftung" führt. Denn nach des Verfassers Ansicht geht Deutschlands Bauerntum' unter, es befindet sich in einer Art Selbstzersetzung. Es gilt ihm als Weisheit, die Natur, d. h. hier das Bauerntum vor der Kultur zu bewahren, und er findet es merkwürdig, tote Miaskowski in bescheidenem Hochmut sich äußert: „Es ist eine der


