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der liebmAwürbigste und anmutigste aller deutschen Tondichter zu Salzburg das Licht der Welt erblickte.
Nicht nur in den musikalischen Fachkreisen, nein, auch überall dort, wo menschliche Herzen und Seelen sich von der „Eintracht süßer Töne" gerührt und ergriffen fühlen, wo man die unvergleichlich zierliche Filigranarbeit Mozart'scher Schöpfungen und die bestrickende Melodik derselben nach Gebühr zu schätzen und zu bewundern weist — und wo toiiie das nicht der Fall'? — wird man jenen bedeutsamen Gedenktag nicht vorübcrgchen lassen ohne in öffentlicher Jubelfeier oder stiller Würdigung den Manen jenes „Lieblings der Grazien und Musen" ein Huldigungsopfer darzubringen. Alten Archiven und Bibliotheken, den Schatzkammern der Vergangenheit, entsteigen nun wiederum zahllose Erinnerungen aus dem Erdenwallen des Meisters, wie si-> gewissenhafte Chronisten seiner Zeit zu Nutz und Frommen späterer Geschlechter auf das' Papier bannten, und in vielen kleinen Zügen und Episoden ernster oder heiterer Art, wird so das Bild des Unsterblichen, dem die Welt Werke von unschützbarem Werte verdankt, den kommenden Generationen in lebendiger Frische erhalten.
Auch die nachfolgenden Zeilen bezwecken nichts anderes, als den zahllosen Verehrern Mozart'scher Musik die Gestalt und Wesenheit des populären Tondichters durch Mitteilung von Zügen und Episoden aus seinem Leben menschlich noch näher zu rücken.
Der Musiksinn,, den der kleine Mozart übrigens mit seiner uni einige Jahre älteren Schwester Maria Anna teilte, offenbarte sich schon sehr frühzeitig bei dem Knaben. Mit fünf Jahren komponierte er bereits am Klavier kleine Stücke, mit b Zähren lernte er Violine spielen und als der Vater nunmehr mit seinen beiden Kindern Konzertreisen unternahni, da setzte „Wolferll, wie der Kleine vorzugsweise von den Angehörigen genannt wurde, die Welt durch seine wahrhaft Phänomenalen Leistungen in Helles Erstaunen. Eine Anzeige, die auf das öncntliche Auftreten des siebenjährigen Mozart hinweist und deren Wortlaut der Nachwelt erhalten geblieben ist, läßt die Vielseitigkeit des „Wunderkindes" am besten erkennen. Es heißt da:
_. ,, ,„Frankfurta. M., den 30. August 1763.
. Tfa allgemeine Bewunderung, welche die noch niemals in solchem Grade weder gesehene noch gehörte Geschicklichkeit der zwei Kinder des Hochfürstl. Salzburgischrn Kapellmeisters Herrn L e o p o l d M o z a r t in den Gemüthern aller Zuhörer erweckt, hat Die bereits dreimalige Wiederholung des nur für einmal angesetzten Eoncerts nach sich gezogen. — Ja, diese allgemeine Bewundernng und das Anverlangcn verschiedener großer Kenner und Liebhaber ist die Ursache, daß heute Dienstag den 30. Aug. tn „1?L,®cOerfitoert Saale auf dem Liebfrauenberg Abends um 6 Uhr, aber ganz gewiß das letzte Conccrt sein wird; wobei das Mägdlein, welches im zwölften, und der Kiiab', der im siebenten Jahre ist, nicht nur Concertcn auf dem ClavestiN oder Flügel, und zwar ersteres die schwersten Stücke der größten Meister spielen wird, sonderil »er Kn ab' wird auch ein Conccrt auf der Violine spielen, bei Synfonicn mit dem Klavier accompagniren, das Manual oder die Tastatur des Klaviers mit einem Tuche gänzlich verdecken, und auf dem Tuche so gut spielen, als ob er die Klaviatur vor Augen hätte; er wird ferner in der Entfernung alle Töne, die man einzeln oder in Accordcii aus dem Klavier, oder auf allen nur denk- lichen Instrumenten, Glocken, Gläsern und Uhren usw. an- zugcben im Stande ist, genausr benennen. Letzlich wird er nicht nur auf dem Flügel, sondern auch auf einer Orgel (so lange man zuhören will, und aus allen, auch den schwersten Tonen, die man ihm benennen kann) vom Kopfe phantasicren, nm zu zeigen, daß er auch die Art, Orgel zu spielen, versteht, die von der Art, den Flügel zu spielen, ganz unterschieden ist. Die Person zahlt einen Ueinen Thaler. Man kann Billets im goldenen Löwen haben."
Trotz all' der Ehrungen, die' ihm auf seinen Wanderfahrten zuteil wurden, bewahrte sich der kleine Mozart doch eine cnt- zticiciide kindliche Frische und Natürlichkeit. So sprang er einst der Kaiserin Maria Theresia, die ihn mitsamt dem Vater und der Schwester zu einem Konzert in die Hofburg befohlen hatte, beim Eintritt in das Gemach ohne weiteres auf den Schoß, legte die Arme um den Hals der Monarchin und küßte die hohe Frau zum Entsetzen der Hofgesellschaft herzhaft ab. Tie Kaiserin, weit entfernt davon, diese stürmische Begrüßung übelzunehmcn, druckte den lebhaften Knaben an sich, unterhielt sich in ihrer gütigen Weise längere Zeit aufs freundlichste mit ihm und maaite ihm endlich ein prächtiges Kleid zum Geschenk. Wenige Tage nacy dieser Audienz hatte der kleine Wolfgang Gelcgen- heit, einem Konzert in der Hofburg lauschen zu dürfen, bei welchem Kaiser Joseph einige Stücke aus der Violine vortrug, t J.u bcr .Kapellmeister Wagenseil am Klavier begleitete. Plötzlich, Mitten in einer Pianissimv-Stelle, ertönt die Helle Stimme des Knaben: „Tas war falsch!" Starr vor Schreck blickt das Auditorinni auf den ungebetenen kleinen Kritiker, Kaiser Joseph aber läßt sich nicht stören, sondern spielt mit einem Lächeln um die Lippen weiter, bis sich auf einmal wieder- um "Wolferl" mit einem begeisterten „Bravo!" „Bravo!" hören laßt. Da senkt der Kaiser, das Spiel abbrechend, den Bogen und nickt dem freimütigen kleinen Kerl freundlich zu. Ja, er tritt sogar. einige Augenblicke später vor den jugendlichen
Rezensenten hm und fordert ihn auf, etwas zu spielen. Klein- Mozart laßt sich auch nickst lange nötigen; — als aber Kaiser ^oseph sich anschickt, ihm eigenhändig die Noten umzuwenden, memt der junge Virtuose, treuherzig zu dem Monarchen aufblickend: „Laß Tn lieber beit Kapellmeister Wagenseil mit hin- eiNstheil, der vcrstelst's!"
Ter eilte Empfang bei Maria Theresia und das gütige Wesen der Kaiserin hatten aus Wolfgang Amadeus einen großen Eindruck gemacht, denn als er im Alter von etwa 8 Jahren gelegentlich eines Aufenthaltes in Paris der schönen Marquise von Pompadour eine ähnliche Begrüßung angedeihen lassen wollte, von dieser aber unter abwehrender Geste zurückgeschoben wurde/ meinte er, die kindliche Stirn in ernste Falten legend mit aufrichtigem Unwillen: „Wer ist Sie denn, daß Sie mich mcht küssen will? Hat mich doch auch die herrliche Kaiserin geküßt!"---
Rührend war die Liebe, mit der Mozart an seinen Eltern, besonders aber an dem strengen Vater hing. So hatte er beispielsweise ein kleines Liedchen zu Ehren desselben komponiert, das er ihm allabendlich vor dem Schlafengehen vorsang. Ter Vater mußte dann die zweite Stimme übernehmen und wenn das eigenartige Duo zu Ende war, küßte der Kleine »en geliebten Herrn Papa aufs zärtlichste ab und begab sich zufrieden zu Bett. Tiefer eigenartige kindliche Huldigungsakt dauerte, wie uns ein zeitgeiiöffischer Schriftsteller berichtet, Jahre hindurch, -und fand erst seinen Abschluß, nachdem Mozart das 10. Lebensjahr vollendet hatte. Eigentümlich war die Furcht, die der Tondichter als Kind vor der Trompete empfand. Er begann, sobald der Kiang einer solchen allein, ohne die Begleitung anderer Instrumente, sein Ohr traf, an allen ©Hebern zu zittern, ja schon der bloße Anblick einer Trompete reichte hin, ihm ein derartiges Entsetzen einzuflößen, daß er die Flucht ergriff.
Dem alten Mozart, der seinem Sohne, wie schon gesagt, eine anßerorbeilllich strenge Erziehung zuteil werden ließ, war diese Idiosynkrasie unbegreiflich, er hielt dieselbe lediglich für kindische Uebertreibung und beschloß, den Keinen Wolfgang ein für allemal von dieser „Marotte" zu heilen. Eines Tages veranlaßte er nämlich den Hoftrompeter Andreas Schlackstner, ihn in feiner Wohnung auszusuchen, mit der Bitte, er möge doch dem Jungen unverhofft „etwas vorblafen". Schlachtner leistete dein Wunsche Folge, aber die Wirkung des Gewaltstreiches war eine beängstigende. . Schon bei den ersten Tönen bedeckte heller Angstschweiß die Stirne des Knaben, der ans Respekt vor seinem, von ihm allezeit schwännerisch verehrten Vater gegen dessen Willen das Zimmer nicht zu verlassen wagte. Eine Weile zwang sieh der Kleine, das Trompetcngesch-metter anzuhören, während sich Angst und Grauen in seinem blassen Gesichtchen spiegelten, dann aber drückte er die Hande an die Ohren und kroch mit zitternden Gliedern in ben äußersten Winkel beS' Zimmers. Von Mitleid ergriffen stellte der Hoftrompeter das Blasen endlich ein, da das Kind in Krämpfe zu verfallen drohte, und rief das unglückliche Opfer väterlicher Erziehungsversuche zu sich. „Es kam Dir wohl vor, wie das jüngste Gericht?" fragte Schlachtner und strich dem Knaben gutmütig über das Haupt, „aber der Herr Vater hatten es nun einmal so befohlen." — „Nach Gott kommt gleich der Herr Papa", entgegnete der kleine Wolfgang leise und küßte zärtlich die väterliche Hand.
(Schlutz folgt.)
Wom Seelenlcbctt der SterSenden.
In der „Occult Review" spricht Mabel Collins von dem „größten seelischen Ereignis, das wir keimen", vom Tode, und teilt sehr interessante Erfahrungen mit, die sie au vielen Totenbetten gemacht hat, wenn die Sterbenden in einem letzten Aufffackern der Lebensgeister noch ein letztes Mal mit gebrochenem Auge der irdischen Welt sich zuwandten. Sie ist der Ansicht, daß die Seele aus leichten schwingen dem Körper in das „un- bckaniite Land, aus dem kein Wanderer wiederkehrt", voraufi- ffiege. Der Geist ist gewöhnlich schon in seliger Verklärung der Ewigkeit. hingegeben, rnenn der Leib noch in den Banden des Todes ringt. .So erzählt^ sie von dem Tode eines einfachen Matrosen, der sich vor dem Sterben als vor etwas Ernsthaftem und Unbekanntem sehr fürchtete. Er war noch jung, und als ihm der Arzt sagte, daß er nicht lange mehr zu leben habe, stieß er einen schrecklichen Verzweiflungsfchrei aus. Aber diese erste Erschütterung verging, er ergab sich allmählich in sein Schicksal, und hatte nur noch etwas Furcht, weil ihm allerlei Sünden entfielen, die er begangen hatte. Er grübelte nun darüber nach, was wohl mit ihm geschehen werde, wenn seine Pulse zu schlagen anf- hörtcii und das Leben verliffche; so sank er allmählich in Starrheit und Bewußtlosigkeit; aber kurz, bevor er endete, flüsterte er mit mühsamer Stimme: „Nun ist alles gut; ich kann heraus. Sie werfen mir ein Seil von oben herunter; an dem kann ich mich Heraufziehen". In den langen Zeiten der Bewußtlosigkeit lockert so die Seele die engen Bande, die sie so lange in dem Haus deS Körpers festhielten; die Phantasie des Kranken erfüllen Bilder seligen Aufschwebens, einer Befreiung von jeder Erdenschwere; der Raum weitet sich zu Visionen des Sternen» Himmels. Wer in langer und schauriger Einsamkeit am Bett der Sterbenden gewacht bat, der glaubt bisweilen auf dem starren


