1806,
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Jem Wahren, ßdten, Schönen.
Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz.
(Nachdruck Vorboten.) (Fortsetzung.)
Ter Prinz saß in der Sofaecke. Er aß und trank, aber doch nur mechanisch. Seine Gedanken wanderten. Freda und er tvaren zusammen ausgewachsen: arme Fürstenünder aus einem uralten Geschlecht. Auch noch ein uraltes Schloß war da, mit Zinnen und Türmen und eseuunwankien Mauern uitb einer wirklichen Zugbrücke. Sonst nicht viel mehr. Bier Schwestern Fredas wanderten in ein Fräulein-- stift; da war eme Prinzessin Lubomirska die Tomina, und es ging fromm und sehr vornehm zu. Freda hatte Angst vor dem Stift und ivar auch von größerer Weltlichkeit als ihre Schwestern. Ta sollte sie denn heiraten, und die Mutter hielt llmschau. Fürstlichen Geblüts sollte der Gatte sein und auch reich. So etwas fand sich nicht. Es sanken die Ansprüche, und als ein Graf kam mit großen Mitteln, wurde ihm nicht die Tür verschlossen. Heros war Gast aus der Hochzeit, der vergnügteste unter den Gästen. Wer daheim schloß er sich ein und weinte bitterlich. Das war vier Jahre her. Inzwischen hatte sich mancherlei begeben. Ter Walsunger Arenstern war auf einer Jagd tobhd) verunglückt. Ter Fürstentitel ging infolge kurioser Familienbestimmungen auf einen Agnaten in Belgien über; aber der Erbe des reichen Besitzes wurde Heros.
Er saß in der Sofaecke und spürte: jeder Bissen des erbetenen Butterbrotes ging wie ein schwerer Stern durch seine Kehle.
„Schmeckt es, Vetter?" fragte Freda.
„Ausgezeichnet", log Heros. „Schenk' nur noch tuten Tropfen Rotspon ein. Aber nichts mehr zu essen. Erne von Deinen Zigaretten, Freda, ivenn ich bitten dar,, ^a, Freda, es scheint mir auch: zu dieser Limonaden-Prurzesirn paßt Du wenig. Ich begreife Eugen nicht; hab', es rhm auch gesagt. Wo kommt dies Fürstenkind her? Wir tot) ] cn doch alle," daß ihre Urgroßmutter Seiner Majestät Kvnrg Jeromes Begnadete ist. Ich begreise Eugen nicht."
„Weil Tu ihn noch immer nicht kennst, Heros. Ern Mensch vor dem andern. Eugen fühlt sich glücklich in ferner Dienstbarkeit. Mein Gott, es gibt doch solche Leute. Besinnst Tu Dich auf den alten Fürsten Urach? Schaltete tote em Souverän auf seiner Herrschaft und war selig vor Freude, als Allerhöchste Girade ihn zum Oberstkämmerer mit allen Rechten eines Oberhoftafelvorschneiders ernannte. Natürlich wäre Eugen lieber an den kaiserlichen Hof gekommen. Aber da waren alle Stellen besetzt, und im Hofmarschallamt lagt man keinen Neuling heran. So griff er denn zu."
Heros schüttelte noch immer den Kopf. „Secks tote es sei. Jtch ißönitte es nicht. Noch dazu bei dreser entsetzlichen! Prinzessin mit ihrer Bigotterie und ihrer
'/ „Halt, Heros", fiel Freda ein, Md es flog, ein mattes
Lächeln um ihren Mund. „Tu warst von jeher ein wilder Heide. Immer war Dir der Olymp lieber als der Felsen! Petri, und Dein Weihrauch dantpfie auf, vieler Götter Altären. Wer Tu mußt nicht unbillig sein. Nicht alle Pietisten sind Heuchler." ,
Heros sprang heftig auf. „Freda, wtr wollen nicht streiten. Ich ehre jeglichen Glauben, ehre Mohamed und auch Buddha. Ob Pietismus, ob Orthodoxie, ob Harnack ober der Pastor Kuaak — ich ehre, was ehrlich ist. Aber die Unehrlichkeit hasse ich. Und ich. kann mir ntcht denken, daß Eugen die puritanischen Ansichten seiner teuren Hoheit teilt. Tas hat mit dem lieben Gott nichts zu tun. Tas ist Alfanzerei und Götzenkult, bloß, daß die Götzen weder niedliche Nymphen sind noch lustige Thyrsusträger, sondern Molochsbilder mit glühendem Nachen, bereit, zu verschlingen, wer sich ein fröhliches Gemüt erhalten will und das Wetb um des Weibes willen lieb hat! Ach, beste Freda, rede mir nicht. Im Grunde genommen denkst Tn wie ich Bist kein Heidenkiud, aber doch auch ein lustiger Weltmensch den das Lachen besser kleidet, als der barmende Blick. Ueberall im Leben ist ein 'Ausgleich vonnöten. Es muß Heilig« geben und solche ohne Gloriole. Meinem persönlichen Gei schmack nach sagst Tn mir mehr ohne die gloriose Kopf-, bedeckung zu; ich müßte denn das Sankt Elmsfeuer Tetnes. Nothaars als Heiligenschein gelten lassen. . ."
Er stand vor Freda und sah ihr in die Augen. Es waren nicht mehr die alten Augen mit ihrem hellen Sonnen« flimmern und dem wohligen Zauber froher Sorglosigkeit. Es lag Fremdes in ihnen: kein tiefer und nagender Schmerz, aber etwas Verschleiertes. Daß Freda an der Seite Eugens kein glückliches Leben führen könne, schien Heios gewiß. Und wie er so vor ihr stand, schlich sich Wärme und Wehmut in sein Herz, und auch sein Auge wurde trübe.
Freda sah seinen Blick und wurde verlegen. Ihr« Wangen färbten sich dunkler, ihre Finger hasteten spielend über die bunten Franzen des Tafeltuches.
„Lieber HeroS," sagte sie, „es ist etwas Hübsches um eine starke Individualität. Aber sie schleift sich zuweilen ab. Wollte ich in meiner Ehe nicht die Nachgiebigere sein, dann — doch lassen wir meine Ehe! . . . Erzähle mir lieber etwas von dem neuen Theater. Das interessiert mich brennend. Wie findest Du Herrn von Seeben?"
„Greulich/ erwiderte Arenstein. Er hatte sich wieder gesetzt und stäubte die Asche seiner Zigarette ab. „Aber das ist persönliches Empfinden, Noch ist das Fundament nicht gelegt, und schon regen sich die Eifersüchteleien. Da-.. Haus wird prächtig werden; dafür bürgt das Genie Hammers. Vielleicht gar zu prächtig als Hülle für einen Kern, der sich immerhin erst entwickeln muß."
„Das heißt, Du hast Befürchtungen, daß man dem Theater, mit zu hohen Ansprüchen entgegenkominen wird —


