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jeffin von Hessen anhalten." Es blieb dem Grafen nichts anderes übrig, als Vas Geschehene nach -St. Petersburg zu melden. Kaiser Nikolaus I. hatte gegen die von seinem Sohne getroffene Wahl nichts einzuwenden und erteilte seine Einwilligung. So wurde Vas hessische Prinzeßchen Kaiserin aller Reußen, und sie ist dem Gatten, dem sie der Zufall in den Weg geführt hatte, eine musterhafte, liebevolle Gefährtin geworden.
* Der Kaiser ist ein recht gewandter Kunstschutze. Er trifft sicher und pfeilschnell. Vor Jahren, als sich der Monarch mit dem Erbgroßherzog von Baden zu Kaltenborn in Baden auf der Auerhahnbalz befand, war ein Amerikaner Zeuge von der seltenen Kunstfertigkeit des hohen Schützen unb berichtet darüber folgendes: „Nachdem der Kaiser und der Erbgroßherzog am Montag von der Auerhahnbalz zurückgekehrt waren, wurde auf der Wiese hinter dem Jagdschlößchen ein Uebungsschießen veranstaltet auf künstliche Unglauben, Luftballons, Tonplättchen usw. Es war geradezu ein Genuß, zu sehen, mit welcher außerordentlichen Kunstfertigkeit der Kaiser fast jedesmal einen Treffer erzielte. Rasch das Gewehr vorstoßend, aufsetzend und zielend — alles nur ein Moment — ein Blitz, ein Krach, und ein Trefser ivar da, fast jedesmal mit untrüglicher Sicherheit. Oesters, wenn einer der mitschießenden Herren eines der kleinen, ziemlich entfernten und beweglichen Ziele gefehlt hatte, gab der Kaiser noch einen Schuß ab, der sicher traf. Ein merkwürdiger Anblick war es, als zum Schluß etwa 20 kleine Ballons auf einmal in die Höhe gelassen tvurden und nach allen Richtungen anseinander- flogen, und wie dann in kürzester Zeit sämtliche zerschossen wieder auf dem Boden lagen. Später fand dann wieder ein Schießen nach dem,Ziel auf der Wiese statt. Ter Hofjägermeister warf zuni Beispiel seinen Hut in Vie Höhe, welcher dann, vom Kaiser vielsach durch Schüsse durchlöchert, wieder zur Erde kam."
* Telephon und Weltgeschichte. Daß eine tüchtige Telephonbeamtin nicht immer Vie oftmals recht verwickelten Drähte der Weltgeschichte auseinander zu halten vermag, Vas lehrt folgender Fall, der sich dieser Tage auf einem der beschäftigsten Aemter im Zentrum der Stadt Berlin abspielt. Ter Ghmnasialprofessor Tr. T. hatte sich bei einem Freunde länger, als er ursprünglich gedachte, aufgehalten, und wollte nun etwaige Besorgnisse seiner Gattin durch ein telephonisches Beruhigungsgespräch zerstreuen. Er ließ sich zu diesem Zwecke mit seinem im Westen belegenen Telephonamt verbinden und bat dann um Verbindung .„mit Nummer 1813", der Anschlußnummer seiner Wohnung. Trotz wiederholten Aussprechens der Nummer verstand die Telephonistin immer wieder falsch, und um dem unnötigen Hin und Her die Spitze abzubrechen, rief der Professor schon etwas erregt ins Sprachrohr: „Wer Fräulein, Nummero acht — zehn — hundert — und — VreMhn, das Jahr der Völkerschlacht bei Leipzig!" „Tanke. NuH. weiß ich Bescheid. Bitte zu klingeln", schallte es voni anderep^nde zurück. Ter Herr Professor, froh, durch seine einfache Idee das Mißverständnis beseitigt zu haben, dreht die Kurbel in der angenehmen Hoffnung, daß sich bald sein, harrendes Weibchen melden werde. Aber zu seinem nicht geringen Erstaunen vernimmt er aus dem Apparat den barschen Ruf einer ungeduldigen Stimme: „Wer ist denn da, was klingeln Sie denn so viel?" — „Ist denn da richt Professor T. ?" — „Nein, hier ist Lehmann u. Co." — „O, dann ist es eine falsche Verbindung. Wer, bitte, welche Nummer haben Sie Venn?" — „Wir haben Nummer 1866. Schluß!" — Der Gymnasialprofessor soll nach diesem unglücklichen Verlauf eines unbeabsichtigten Examens ganz geknickt geivesen sein und sich erst nach einer geraumen Weile zu einer Eingabe an den Oberpostdirektor ermannt haben, der zufolge der Geschichtskenntnis seiner Beamten mehr als bisher Rechnung getragen tverde. Er legte den ausführlichen „Schlachtbericht" dem Anträge zu Grunde.
MeiHnachtsbücher.
* Das n eu e Univ ersum. (Verlag der Union in Stuttgart.) Das Wort „neu" in dem Titel dieses Buches hindert nicht, daß es sich als ein alter Bekannter präsentiert, an dem schon zahlreiche Generationen jugendlicher Leser vorübergezogen sind. Es feiert in diesem Jahre sogar sein erstes Jubiläum: es hat seinen 25. Jahrgang erreicht. Und sein Untertitel „Tie interessantesten Erfindungen und Entdeckungen auf allen Gebieten" hindert nicht, daß es auch einige umfangreichere Erzählungen birgt. Darunter auch eine „Aus dem Westen Amerikas" von Franz Treller. Was das neue Universum auch 'sonst bietet, ist gut.
— Ida C. Bebber, Familie Langschwanz. Eine Mäusegeschschte. Unzerreißbares Kinderbilderbuch in 14 Bildern. In Farbendruck künstlerisch ausgeführt und mit begleitendem Texte. In Leinen gebunden 6 Mark. Verlag von P. Stankie- wicz in Berlin. Mehr noch als auf den munteren Text sei auf Vie köstlichen Bilder, die von einer talentvollen Wiener Künstlerin herrühren, aufmerksam gemacht. Tie Mäusebilder sprechen eine Sprache, die das Kind versteht, denn sie sind ursprünglich em- pftmden. Tie Ausstattung des Bilderbuches ist hervorragend schön.
— Goethes Briefe. Ausgewählt und in chronologischer Folge mit Anmerkungen herausgegeben von Eduard von der Hellen. Vierter Band (1797—1806). In Leinwand geb. 1 Mark. (Verlag der I. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger in Stuttgart und Berlin.) — Ter vierte, die Jahre 1797 bis 1806 umfassende Band von Goethes Briefen, beweist aufs neue, daß hier nicht nur ein korrekter Abdruck der schönsten und interessantesten Briefe des Tichters dargeboten wird, sondern eine sorgfältig abgewogene und zu einem künstlerischen Ganzen verarbeitete Auswahl. Wie Goethes Leben selbst ein organisches Gebilde war und doch ein Kunstwerk, so baut es sich hier vor beit] Augen des Lesers auf, und darin liegt der Reiz dieser Biographie daß ihr Held selber, naiv, ohne an ein lesendes Publikum zu denken, sie geschrieben hat. Tie in der Form von Fußnoten gegebenen Anmerkungen lassen trotz ihrer Kürze wohl kaum eine Frage unbeantwortet, die ein aufmerksamer Leser bei Lektüre der Briefe stellen möchte. Außerdem muß es als ein Vorzug dieses Kommentars hervorgehoben tverden, daß er aus solchen- Briefen, die in den Text der Auswahl nicht ausgenommen wurden/ die wichtigsten Sätze an passender Stelle mitteilt; beispielsweise sei hingewiesen auf die Anmerkungen über Goethes Arbeitsweise (S. 5), über sein Verhältnis zur Philosophie (S. 60) und via Gründe seiner Verehelichung mit Christiane Vulpius (S. 274). Wer sich die Mühe geben mag, außer dem' Text auch diesen Kommentar zu lesen, der tvird seine Anschauung Goethes vertieft und erweitert sehen.
— Gabriele Reuter: Das böse Prinzeßchen/ Märchenspiel. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 1.50 Mk. — Wie das böse Prinzeßchen für feine Unarten und Schlechtigkeiten vom Königshofe verjagt wird, in den Märchenwald eines gar schlimmen Zauberers gelangt dort durch allerhand Aengste und Leid zur Erkenntnis ihrer Fehler geläutert und schließlich von dem buckligen Joringel, der sich am Ende natürlich in einen) wunderschönen Prinzen verwandelt, erlöst und befreit wird, das erzählt Gabriele Reuter fesselnd und anmutig den lauschendes Kleinen.
Zrrr Verlobung des Großherzogs.
Wie jubelnd' Frühlingsweisen klingt's in Winterszeit Und Glocken künden frohbewegte Kunde Aus Volkes Augen leuchten Glück und Freud' Und fröhlich spricht's von Munde sich zu Munde/ Daß unser Großherzog sich wieder wird vermählen. Dem Volk soll länger nicht Vie Fürstin fehlen Und überall der frohe Ruf wird laut: „Heil unsernr Fürsten, Heil der hohen Brant!" Und doppelt stolz und glücklich all' wir sind, Taß unser Fürst die Braut im eig'nen Lande sand. Daß sie ein echtes, deutsches Hesseukind, Tas kennt sein Volk und auch sein Land. Und uns'res Landes schönsten Edelstein Fugt nun der Fürst in seine Krone ein Und Segen bringen mög' es Haus Brabant, Trum: „Heil Dir, Rose, aus dem Hessenland!" Wir heißen alle herzlich Dich willkommen!
Mögst bald Tn unf're Großherzogin sein! Mit Liebe werden wir entgegenkommen, Tenn uns're Herzen sind ja jetzt schon Dein. Und Glück und Freude mögen Tich umblühen. Und alle trüben Wolken werden fliehen Wenn unf’re längst ersehnte Fürstin ziehet ein, Tem Fürsten und dem Volk ein Sonnenschein!
Anna Tietz, Maunheuit.
Rätsel.
Nachdruck verboten.
Mit a ist's eine Weide, Mit e als Bad dir bekannt, Mit i ist es ein Flüßchen Im Thüringerland.
Veränderst aufs neu du das Zeichen, Setzt o du nunmehr hinein, So' wird es als Amphibie Nicht unbekannt dir sein.
Und schlägst du dann diesem Tiere Den Kopf ab und nimmst ein n So hast eine Stadt und Festung Im deutschen Reich Du im Nu.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Auslassungs-Aufgabe in vor. Nr.k (R)eibe O(e)de Le!i)ch (C)heck (tz'eros Ko(s)t (G)ehre G(e)ier (R)egel Re(i)gen (E)ode (H)ort S(t)aat.
Reichsgericht.
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schenUniversitäts-Buch- und Steindruckerei. R.Lange, Gießen.


