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strömte zwar nicht von interessanten Dingen, aber es leistete in der Dreyfus-Affäre ganz entschieden der guten Sache Hilfe. Später hatte es keinen rechten Zweck mehr. Ls wurde ganz langweilig, die Mitarbeiterinnen wurden zum Teil nicht bezahlt.La Fronde" ging ein, und Madame Mar­guerite Durand wurde gewissermaßen frei. Tie Dame sah sich nackt einem Wirkungskreise um.

Gerade um die Zeit, als es derFronde" schlecht zu gehen begann, meldete ein neues antiklerikales Blatt sein Erscheinen an und nahm alsbald einen großen Aufschwung. Es nannte sichl'Action" und wurde von den Herren Bsrenger und Charbonnel, letzterer ein ehemaliger Geist­licher, redigiert. Anfangs ging alles gut, innerhalb der Zeitung und außerhalb, wenn auch die anderen antikleri­kalen Blätter, wie dieRaison", dieLanterne" u. a. m. das Aufblühen derAction" mit etwas scheelem Auge be­trachteten. Was auch immer die Ursache dieses Aufblühens warf die Leitartikel ausgezeichneter Freidenker und Sozia­listen oder die Tätigkeit der Herren Bsrenger und Char­bonnel: es steht fest, daßl'Action" in kurzer Zeit einen Einfluß gewann, wie wenige Zeitungen sich seiner rühmen konnten.

Da kam das Malheur. Es trug die Züge einer Frau; wie gewöhnlich Diese Züge gehörten eigentümlich Frau Marguerite Durand.

Nach dem Eingehen derFronde" fühlte sich die Dame nicht völlig befriedigt. Sie hatte ihrer Ansicht nach ein solches Talent im Eingehenlassen von Zeitungen, daß sie es als ein Verbrechen würde angesehen haben, sich nicht noch weiter zu betätigen. Sie sah sich nach einem Blatte um, bei dem es ganz besonders schauer war, einen ungünstigen Einfluß auszuüben. Ein schon leckes Schiff zum Sinken zu bringen, konnte ihrem Ehrgeize nicht genügen. Es mußte etwas ganz Solides sein, woran sie ihre Kraft aufs neue erproben konnte.

Nach längerem Suchen fand es Madame Marguerite Durand. TieAktion" sagte ihr zu.

An derFronde" hatte die verehrte Kollegin oder ist sie das nicht? so ziemlich alles zugesetzt. Man sagte es so. Dieser Zusammenbruch setzte sie indes in den Stand, sofort mit einem größeren Kapitale in dieAction" einzu­treten. Gute Freunde stellten es ihr zur Verfügung, heißt es, und ist dies der Fall, fo wäre es in der Tat unmenschlich, Madame Durand zu der Opsersreudigkeit ihrer Freunde nicht zu beglückwünschen.

Unter ihnen sollen sich einige größere, d. h. sehr große Coulissiers befinden. Ob sie nur in ihrer Eigenschaft als Coulissiers opferfreudig gewesen sind wer kann es sagen? Mit Recht behauptet man schon seit einiger Zeit, daß die Geschichte schwer zu schreiben ist. Aber die Gründung Roms hüllt sich in ein undurchdringliches Dunkel. Warum sollte die Gründung derAction" sich nicht auch ihrerseits in undurchdringliches Dunkel hüllen?

Wissen wir auch nichts über die Motive einer Opfer­freudigkeit, die in der heutigen von Selbstsucht beherrsch­ten Zeitso sagt man wohl? erfrischend, erhebend, er­mutigend wirkt; ich sage wissen wir auch nichts dar­über, wie es diese neue Zauberin Durand fertig bekommen hat, aus einem versinkenden Schiffe nicht nur in ein neues flottes sich zu retten, sondern sogar sofort seine Komman­dantin zu werden, so wissen wir doch, wer ihr geholfen hat, das Szepter oder den Admiralsstab an sich zu reißen. Wir wissen es wenigstens annähernd. Die Herren Gaston Dreyfus und Gustave Zadocks habeu sich in dieser Woche interviewen lassen. Sie sind ebenfalls unter den Komman­ditären derAction", wie es aber scheint, gehören sie zu einer späteren Serie. Die Liste zu vervollständigen, muß den Geschichtsforschern der Zukunst überlassen bleiben. Nous laissons cela ä nos neveux", sagt Balzac an einer Stelle, wo er ebenfalls über eine sehr tiefe Angelegenheit spricht (siehe diePhysiologie du Mariage").

TieAction" brachte vor einiger Zeit einige ganz treffende Artikel gegen die vereideten Makler von Paris und Frankreich im allgemeinen, Artikel, die als von der Pariser Coulisse inspiriert angesehen wurden. Ihr Er­scheinen hat den einen Mitredakteur, Herrn Charbonnel, zum Austritte aus dem Blatte veranlaßt. In einer längeren Artikelreihe derRaison" erörterte er die Stellung der Action" und griff besonders den Verfasser der Aufsätze, den

Senator Delpech;, an, den Charbonnel, wie dieAction" im ganzen, als von der Coulisse gekauft bezeichnete.

Man weiß, daß Herr Delpech ein Ehrengericht ver­langte, dem Charbonnel sich zu unterwerfen ablehnte. Das beweist, daß Charbonnel nicht sicher war, seine Behaupt­ungen beweisen zu können. Man hat deshalb doppelten Grund, ihm gegenüber ungläubig zu sein, denn Herr Delpech gilt als sehr ehrenwerter Mann, auch ohne daß er nötig hätte, ein Ehrengericht anzurusen.

Tie Folge des Streites war, daß der Sohn des Sena­tors Telpech den Sekretär desRaison" forderte und nach vierundfünfzig Minuten langem Kampfe verwundete. Seon Daudet, der nationalistische Schreihals, der letzten Sonn­tag in derLibre Parole" einen sehr heftigen Artikel gegen Herrn Delpech schrieb, wurde seinerseits von diesem ge­fordert und kräftig am Arme verwundet.

Vielleicht kommt noch etwas. Es tväre schade!

Besonders bedauernswert aber bleibt bei alledem, wenn man von der gegen Herrn Delpech fälschlich geschleuderten Behauptung absieht, daß man nicht weiß, warum Herr Charbonnel so mit einem Male solche Mängel in derAc­tion" findet und vor das Schwurgericht kommen will, ob­wohl er weiß, daß die beregten Artikel des Herrn Delpech geschrieben waren, ehe noch die Coulisse ausnahmsweise nicht geschoben wurde, sondern schob. Und warum wollen Madame Durand und Herr Verenger, mit einem Male und gleich, Herrn Charbonnel los werden? Welche Verschwör­ung?

Ja, wenn man das alles wüßte!

Aber wäre die Geschichte nicht viel weniger interchantz als sie wirklich ist, wenn sie nicht, wie ich schon vorhin so richtig bemerkte, so schwer zu schreiben wäre? Ln.

Literarisches.

Gräfin Uxkull: Friedliche Eroberungen. Cittenroman aus dem modernen Egypten. Verlag von F Fontane u. Co. in Berlin. Preis 6 Mk. Gräfin Uxkull führt uns in das Innere Nordafrikas. Auf Grund eigener Erlebnisse und Erfahrungen entwirft sie ein anschauliches und fesselndes Bild von den dortigen Verhältnissen. Nicht nur vom Leben der Eingeborenen allein, sie erzählt von Engländern, Franzosen, Griechen und Deutschen, tote der Kampf ums Dasein überall wilde Rivalitäten zeugt. Be­sonders hat die Verfasserin es verstanden, die Einwirkungen, die der Orient auf die verschiedenen Charaktere ausubt, zu schildern. So sehen wir einen Deutschen mit aus­geprägtem Handelsgeifte zu einer Eroberungsnatur werden. Da ist der ideale deutsche Schwärmer, dem es erst auf dem Boden Egvprens nicht behagt, und der doch nach kurzer Zeit sich so unlöslich: an diesen Boden gefesselt fühlt, daß er Nicht mehr fähig ist, in die engen Verhältnisse, in das kleiN- bürgerliche Leben der Heimat zurückzukehren. Dazwischen Naturschilderungen, Liebescpisoden eingeflochten, Intimi­täten des Harems scharf beobachtet und sein wiedergegeben.

Dreieüsrätsel.

(Nachdruck verbalen.)

A

A A

DEE

G G I N | N 0 0 R W

Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart eimrn iraqen, daß die drei Außenrethen wie auch die drei wagerechten Mittelreihen Wörter bilden von nachstehender Bedeutling: 1. Waste; 2. römische Göttin; 3. russische Festung; 4. Nahrungsmittel; 5. Landschaft in Vorderindien; 6. männlicher Vorname.

Auflösung in nächster Nuunner.

Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.: Wie du mir, so ich dir.

Redaktion: August Göb. 8iotaticn$brud und Verlag der Vrühl'sclcn llnirersttötk-Buch- und Cteindrucierci. R. Lange, Ließen.