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Km angenehmes Kröe.
Humoristischer Roman.
Von Victor von Reisner.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Mit vielen Entschuldigungen, kein bessert Unterkommen bieten zu können, schloß endlich der Agent den Speicher auf, müde und matt ließen sich alle auf den herumliegenden Eichelsäcken nieder.
Plötzlich drang ein entsetzlicher Schrei durch den unfreundlichen Raum.
Mit einem Satz wären alle auf den' Beinen.
„Was ist dennn los?"
„Eine Ratte", stammelte Erna schreckensbleich.
,,Ach, was denn nicht noch", schält der Major, sah aber im selben Augenblick selbst, tote zwei dieser niedlichen Tierchen in einer Ecke verschwanden.
Nun war auch hier ihres Bleibens nicht länger, und so lagerten sie sich unter Gottes freiem Himmel auf ihren Koffern und Kisten.
Herr von Höchstfeld raste vor' Wut, Erna jammerte, daß sie es vor Hunger nicht mehr aushalte, die Mama zitterte und bebte vor dem Ueberfall irgend einer Räuberbande, die ja hier zu Hause seien, und Erich horchte nach allen Windrichtungen, ob sich nicht nahendes Wagengerassel hören ließe.
Es ging schon stark auf zehn Uhr — noch dazu in einer stockfinsteren Nacht, als endlich wirklich die bestellten Fuhrwerke — eine Equipage vorsintflutlicher Bauart und zwei Leiterwagen für das Gepäck — anlangten. Der neue Ver- toalter — eigentlich nichts anderes als auch ein Bauer, nur daß er eben zur Rot ein bischen schreiben konnte — war selbst mitgekommen und erschrak nicht wenig, als er die Herrschaft schon ihrer wartend antraf.
Geduldig und ohne den geringsten Widerspruch zu wagen, ließ er sich zusammenschimpfen, und erst, als Herr von Höchstfeld erschöpft innehielt, sagte er mit pfiffigem Lächeln:
„Eh, das hätte sich der gnädige Herr ersparen können, denn uns trifft ja kein Verschulden. Wenn der Kapitän so ein pflichtvergessener Mensch ist und nach dem Fahrplan fährt, dann verdient er die Schelte und nicht wir, die wir zwei Stunden vor der Zeit hier sind. Der Herr Pfarrer hat uns noch strengstens befohlen, nicht zu früh auszubrechen, damit die Pferde nicht so lange —"
„Was hat der Herr Pfarrer bei mir zu befehlen" — unterbrach ihn Herr von Höchstfeld wütend — „Sie sind der Verwalter und haben selbst zu wissen, was sich gehört."
„Eh, nichts für ungut, Euer Gnaden", entschuldigte sich der Gescholtene, „aber ich habe noch nie etwas ohne Befehl getan. Früher hat eßen Seine Gnaden befohlen, und weil
doch Seine Gnaden als Toter nicht mehr befehlen und anschaffen kann, so haben eben Hochwürden der Herr Pfarrer und Ihre Gnaden der Herr Graf abwechselnd nach dem Rechten gesehen, bis Euer Gnaden selbst da sein würden." „Nun, was sagst Du nun dazu, ist das eine Lotterwirtschaft oder nicht?" wandte sich Herr von Höchstfeld zu Erich. „Solch einem Heuochsen vertraut mein lieber Vetter unser Erbe an! Es ist himmelschreiend! Aber das soll von jetzt an anders werden, ich —"
„Lieber Erwin", beschwor ihn seine Frau, „wäre es! nicht angezeigter, endlich einzusteigen? Zu Hause kannst Du dann in aller Ruhe —"
„Natürlich", unterbrach er sie, „Ihr Frauen denkt nur an Eure Bequemlichkeit. Wenn Ihr die habt, dann kann alles drunter und drüber gehen", dann kehrte er sich barsch um und befahl, mit dem Wagen zu wenden.
„Eh, Herr", meinte der Verwalter unterwürfig, „wenden können wir schon, aber zurückfahren — gar keine
Idee!"
„Was soll das heißen? Wieso, warum?!"
„Weil die Pferde erst eine Stunde rasten müssen." „Ihr seid doch im Schritt angefahren gekommen!" „Das schon, und wir werden ja auch im Sch,ritt nach Hause fahren —"
„Nein, das werden wir nicht!"
„Doch, Herr, das werden wir müssen", widersprach ihm der Verwalter demütig, „bei diesen Straßen würden wir sonst nur Hals und Beine brechen, und das könnte der gnädigen Herrschaft nicht angenehm sein."
Herr von Höchstseld sah schließlich ein, daß er sich ins Unabänderliche fügen müsse und forderte seine Familie auf, es sich wenigstens einstweilen im Wagen bequem zu machen.
„Bis zur Abfahrt könnt Ihr ja schlafen", tröstete er.
„Aber ich habe doch so schrecklichen Hunger", lamentierte Erna.
„Ein Soldat hat nicht Hunger zu haben, im Feldzug fragt man auch nicht danach, ob —"
„Aber ich bin doch gar nicht Soldat, und im Feldzug sind wir ja auch nicht."
„Still bist Du, sonst —"
„Euer Gnaden, verzeihen", erbot sich der Verwalter, „ich will schnell ins Pfarrhaus springen, der hochwürdige Herr wird es sich zur Ehre anrechnen, die Herrschaften —"
„Daß Du Dich nicht unterstehst", drohte ihm der Major, „ich zerschlage Dir sonst die Knochen im Leibe!"
„Lieber Erwin", bat Frau von Höchstfeld, „vielleicht könntest Du wenigstens etwas aus dem Gasthaus besorgen, lassen."
„Meinethalben", gab er nach und reichte dem Verwalter einen Gulden, mit welchem dieser eiligst verschwand. Dann stieg man in das Wagenungetüm und wartete und wartete. Schließlich übermannte aber alle di« Müdigkeit, und der . Reihe nach schliefen sie, trotz Aerger, Angst Md Hunger, ein.


