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Sie wird mir wieder helfen, mich wieder stark machten, Mir ihren edlen Geist suggerieren.
Vieles ist eben doch recht schwer.
Dieses entsetzliche eingemauerte Frauenhaupt. . .
*
Seit Wochen habe ich nichts geschrieben.
Meine Hände Jinb wie gelähmt.
Wie gelähmt ist meine Seele.
* I !'
Dina, hilf mir ! Tina, Dina!
Was ist das nur mit mir? Sage Du mir's! Du bist ja so weise, so gütig, so barmherzig.
Ich habe solche Angst, es ist solche Qual!
Dina! Um Gottes willen, Tina!
Ich will ihn lieben! Will?
Ich muß!
Sonst ist er verloren, sonst bin ich verloren! Es ist ja auch, nicht möglich, daß — Dina! Tina! — daß ich schon jetzt — schon so bald--:
Ich bin gewiß verrückt. . .
Aber so hilf mir doch!
*
Nein! Nein! Nein!
Bin ich denn anders als andere Frauen? Bin ich eine Abnormität, eine seelische Mißgeburt?
Ich will nicht anders sein!
Ich will sein wie alle Frauen, die lieben und geliebt werden die glücklich machen und glücklich sind.
Wäre er nur nicht so leidenschaftlich —
*
Ich wehre mich, wie ich nur kann.
Ich kämpfe und ringe mit mir.
■ Ich schlage meiner Seele blutige Wunden.
Gott, Gott, wie ich leide!
*
Er merkt nichts, ahnt nichts. Das beruhigt mich etwas.
Er darf nichts ahnen — niemals!
Es würde ihn — ich weiß nicht, was mit ihm geschehen würde . . .
Doch! Ich weiß es genau.
Ich wollte ihn ja erlösen, nicht vernichten.
! Ich übernahm ja doch die Verantwortung!
Ich habe ja doch ein Gewissen!
Käme Assunta Neri nur!
Oder wenn Dina bei mir wäre, wenn ich zu chr könnte — -
Warum kann ich nicht?
Fort!
*
Ich muß bleiben! Was hülfe auch Flucht? Sich selber kann der Mensch ja doch nicht entfliehen.
Ich will ihn täuschen. Es wird nicht schwer sein, da er so gläubig ist wie ein Kind.
Und so glücklich Gott, Gott, so glücklich!
Es ist merkwürdig, wie gut ich mich verstellen kann. Ich bin ruhig und heit-w, rede mit ihm viel über die Zukunft: über unsere Zukunft. Ich habe ihm versprochen, dein Prinzen nächstens alles zu sagen, mich von dem Prinzen zu trennen, den Skandal, den die Sache machen wird, mit souveräner Größe über mich ergehen zu lassen. Und wie er mir dankt, wie er mir vertraut. . .
Wäre er nur kein solch guter Mensch!
Sogar küssen lasse ich mich wieder von ihm —
Es ist gar nicht so schwer. Las Heucheln und Lügen. Man gewöhnt sich sehr bald daran.
Nur nachdenken darf man darüber nicht; denn sonst — *
Die ersten Herbstregen!
Die Campagna feiert ihren zweiten bacchantischen Lenz. Sie gleicht einer unglücklich Liebenden, die sich von Blüten ersticken läßt; denn unter diesem falschen Frühling lauert der Tod.
Ich habe noch immer Mitleid mit ihm ... (Forts, flgt.)
Aer kleine Japaner»
Skizze von Rudolf Mac-Ivar.
(Nachdruck verboten.)
„Sehen Sie", sagte der kleine japanische Doktor Korito- rubi oder ribi oder so ähnlich zu mir, „die Miß, man spricht wohl hier Fräulein — also die Fräulein Lawreß!"
Ich nickte billigend, wie man das bei Erwähnung eine-, so schönen und verehrungswürdigen jungen Dame tut, aber gleich daraus fuhr ich ganz perplex in die Höhe, als ich hörte:
„Glauben Sie, daß sie mich heiraten möchte? Um Kinder zu habend
Wenn eine von den nächstens in der Umgegend von Port Arthur oder Wladiwostok krepierenden Granaten oder Torpedos plötzlich aus einer allerdings etwas überreichlichen Entfernung neben mir eingeschlagen oder sich eingebohrt hätte, wäre ich kaum betroffener gewesen als bei dieser Frage.
Die schlanke, weiße Thea Lawreß, diese goldblonde, stolze Germanin, und hier der kleine gelbe Japaner, der trotz Brille, europäischer Kleidung und wirkliche ganz gediegener Bildung den asiatischen Massenmenschen nicht verleugnen konnte. Es schüttelte mich förmlich.
„Um Kinder zu habend Ich überlegte die Idee eines urteutschen nachdrücklichen Faustschlages in das Genick oder auf die Hirnschale, die einen so vermessenen Gedanken aus- brüten konnte. Aber dann kam mich ein Lächeln an. Nein, ^das war sicher, sie würde auf diese Proposition kaum eingehen. Und ich fing an, mich wieder zu beruhigen.
Hatte der Japaner die Antwort in meinem Gesicht gelesen? Ein merkwürdig trauriger und trostloser Ausdruck lag in seinen nur wenig schiefen Augen und mit einem ebensolchen sagte er jetzt:
„Sie glauben nein?" fragte er.
Ich schüttelte mit großer Vehemenz mein Haupt.
„Und warum nicht?"
Es klang ganz sanft.
In meinem lieben Herzen und Gemüt überlegte ich eine Antwort, die Len Japaner nicht allzusehr verletzen möchte und die im Sinne des jungen Mädchens lag. Für mein Gefühl wäre der Grund der Abneigung gegen Zärtlichkeiten etwas ganz Seltsames gewesen. Nicht die gelbe Hautfarbe ober das schwarze, borstenähnliche Haar im Schnurrbart, das so einzeln zu stehen schien, störten mich, nein, es war ein Geruch, der außerdem wahrscheinlich nidEjt vorhanden war. Aber ich kann eine einzelne Maus nicht auf zwanzig Meter betrachten, ohne ihn sofort in der Nase zu haben, und ich kann keinen Chinesen, Mongolen oder Japaner sehen, ohne eine scharfe asiatische Ausdünstung zu spüren, die den Städten und Menschen im fernen Osten eigentümlich ist und die in der Tat den Begriff Les Ungeziefers nahe legt.
Fast hatte ich das Gefühl im Verkehr mit dem Doktor Koritorubi oder ribi verloren, da er entschieden von peinlicher Sauberkeit war und diese auch in der Kleidung zum Ausdruck brachte, jetzt war es wieder da. Aber das konnte ich ihm doch nicht sagen, und außerdem wußte ich doch nicht, ob Fräulein Lawreß, deren Nähe ich mit Wonne ein- atmete, wie frische Wäsche, meine Empfindungen teilte.
Ich sagte daher: „Nach unseren deutschen Anschauungen muß der Mann größer sein als die Frau, mindestens aber ebenso hoch. Und aus diesem Grunde vermute ich —"
„O", sagte der Japaner, „ich habe hier schon kleinere Ehemänner als die Frauen gesehen. Sehen Sie, ich habe es mir hier ausgeschrieben — zusammen über sünfzig."
Mit Recht war ich über diese statistische Begeisterung etwas betroffen. Das wurde ja immer schöner.
„Mer", fuhr er fort, „es stimmt, ich bin zu klein. Eben darum, und das Fräulein Lawreß ist sehr schlank und groß. Unsere Kinder möchten nach ihr sein."
Ich erboste mich wieder zusehends. Was dieser Mensch immer mit den Nachkommen von Thea zu tun hatte! Aber diese Erfindung mit der darwinistischen Zuchtwahl auf sich bezogen, war für den vordringenden Geist des Japaners bezeichnend genug. Tas könnte ihm so passen. Aller- dings, die Kinder Theas würden Rassebilder sein.
Indessen wuchs meine Empörung immer mehr gen Ur» teutschland hin. Und wenn Fräulein Lawreß auch nur eine arme Erzieherin war, dachte dieser Asiate etwa, er könnte sie mit seinem Gold kaufen, wie ein Mädchen an der Straße?
Und so donnerte ich mit der Faust auf den Tisch herunter.
„Sie nimmt Sie nicht!" sagte ich laut und also entschieden deutlich.
Er sah mich von der Seite an, als hätte ich zuviel


