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Dann wird der Teint, wenn man ihn auf die beschriebene ein­fache Art Pflegt, gerade durch das Radeln sehr klar und rein werden.

* Ist Flirten ein Verbrechen? Wenn hübsche Passa- gierinncn an Bord eines Schiffes flirten, so ist ihnen daraus kein Vorwurf zu machen. So lmtschied der Kommissär Williams von der Einwandererbehörde, in Newhork. Carlotta Fragano, eine Passagierin der dritten Klasse, welche auf dem Dampfer Königin Luise" des Norddeutschen Lloyd in Newhork ankam, ward von Inspektoren der Einwanderungsbehörde vor den Kom­missär nach Ellis Island geführt, weil einige ihrer Mitpassa­gierinnen sie beschuldigten, sie habe während der Reise stark geflirtet. Earlottas Bruder, der sie begleitete, protestierte gegen die Anklage, und behauptete, die anderen Frauen und Mädchen seien nur eifersüchtig gewesen, weil Carlotta bei den jungen Leuten an Bord des Dampfers so sehr beliebt gewesen wäre. Crrlotta fragte, ob der Flirt in Amerika etwa als ein Ver­brechen angesehen wäre. Kommissär Williams ents chied, daß dies nicht der Fall sei, und entließ Carlotta ohne Vorwurf.

* Genealogische A n s i chts po st k a rt e n. Unlängst ist eine Reihe von Ansichtspostkarten entstanden, welche in Gestalt einer, mit Lorbeerzweigen gezierten, Stammtafel, je die preußi­schen Könige und deutschen Kaiser, die Könige von Bayern, von Sachsen, von Württemberg, die Grobherzöge von Baden und Hessen mit den Jahren ihrer Regierung und für jede einzelne Karte die Verwandtschaft, in der die einzelnen Herrscher des be­treffenden Hauses untereinander standen, erkennen lassen. Eine siebente Karte ist in gleicher Weise den Königen der Belgier ge­widmet. Eine achte Postkarte enthält die Reihe der Päpste, welche seit dem 18. Jahrhundert regierten. Der Hintergrund der Karten zeigt bei Preußen den Adler, bei Bayern die Wecken, bei Sachsen abwechselnd den Rautenkranz im quergestreiften Felde und den meißnischen Löwen, bei Württemberg die drei Hirschstangen und die , drei Löwen, bei Baden den Schrägbalken und den Greif, bei Hessen den gestreiften Löwen, bei Belgien den Löwen, bei den Päpsten abwechselnd die gekreuzten Schlüssel und die dreifache Krone. Die Entwürfe rühren von Dr. Stephan Kekule von Stradonitz in Groß-Lichterfelde, die Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt in Berlin her. Die Kunstanstalt C. A. Starke, Königl. Hoflieferant, in Görlitz stellt die Karten her.

I st d a s T i e r u n v e r n ü n f t i g?*) Die besten und ältesten Freunde des Menschen, seine ersten und wirksamsten Gehilfen und Mittel im Kampfe um die Herrschaft über die Erde waren die Haustiere. Man sollte meinen, daß er zum mindesten sie im Laufe der mehrtausendjährigen gemeinsamen Arbeit gründlich kennen gelernt hätte, ganz abgesehen von den zahlreichen wilden Tieren, zu denen er im Verhältnis von Jäger zu Wild gestanden hat. lind nun beweist uns Zell in seinem neuesten zoologischen Werke, daß wir uns vielfach noch über die wesentlichsten Eigen­schaften von Hund, Pferd, Rind, von Bär, Löwe usw., ja sogar über die Organisation und die Fähigkeiten ihrer Sinne im unklaren und in gröblichem Irrtum befinden.

Der Grund aber für diese fast unglaubliche Erscheinung und die Korrektur der irrtümlichen Auffassung, wie sie uns Zell entwickelt, ist so lächerlich einfach, daß man diese Lösung als bas Ei des Kolumbus bezeichnen muß; der Fehler liegt in der Hauptsache in dem anthroprozentrischen Standpunkt, d. h. in der Beurteilung des Tieres vom Standpunkte des Menschen aus. Wie also die Menschen den Göttern, die sie sich vorstellen, ihre eigenen Züge leihen, so setzen sie andererseits auch bei den Tieren menschliche Sinnesorganisation und menschliche Beweg­gründe voraus. Es fällt eben den Herren der Schöpfung unter allen Umständen, schwer, die eigene Haut abzustreifen und vom Maßstab des Ich, des vermeintlichen Weltzentrums, abzusehen.

Alle Menschen, groß und klein, Spinnen sich ein Gewebe fein; Wo sie mit ihrer Scheren Spitzen Gar zierlich in der Mitte sitzen.

Auf das Unangemessene und Fehlerhafte eines solchen Stand- ,Punktes, der ein tierisches Tun unter der Voraussetzung mensch­licher Eigenschaften erklären will, weist Zell in treffender Weise hin, indem er sagt: Man konstruiere sich z. B. folgenden Fall: Ein Gelehrter wird im Lande der Hunde von diesen aufgegriffen, uni auf seine Intelligenz untersucht zu werden, und wird zu diesem Zwecke in einen Käfig gebracht. Im Lande der Hunde nndet natürlich, da das Gebiß das Hauptglied ist, die Oeffnung des Käfigs dadurch statt, daß man auf eine bestimmte Stelle beißt. Der Professor kommt auf diesen Gedanken nicht und wird allgemein für sehr dumm gehalten.

Demgemäß versetzt sich Zell in die Seele des bandelnden Trers und forscht dort nach den Gründen dieses oder ieneS (vom menschlichen Standpunkt aus vielleicht unbegreiflichen) Tuns. In­dem er ferner der Macht der Gewohnheit Rechnung trägt, die ja auch im menschlichen Handeln eine große Rolle spielt, fragt

*) Unter diesem Titel ist soeben ein Werk von Dr. Th. Zell berauSgegeben vom Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde in Stuttgart, erschienen. (Preis 2 Mk.)

er danach: Wie ist das frühere Leben des betreffenden Tiers in seiner Freiheit gewesen?

So gelangt er zu ganz überraschenden, von den landläusigen weit abweichenden Feststellungen und Erklärungen. Hier sei nur kurz seine auf scharfer Beobachtung beruhende grundlegende Unterscheidung vonNasentieren" Hund, Rind, Pferd, Bär usw. undAugentieren" Katze, Löwe, Tiger, Affe, Vögel usw. auch der Mensch würde zu dieser, das Auge als Haupt­sinn besitzenden, des Witterns unfähigen Gruppe zu rechnen sein erwähnt.

Mit der Fabel von der dummen, unvernünftigen Kreatur wird gründlich aufgeräumt. Wie alles in der Natur zweckmäßig ist, so auch im Leben der ihr völlig untertänigen Tierwelt. Auf der anderen Seite schwindet durch Zells Aufklärungen der eben­falls authropomorphische Nimbus, der von poetisch beranlagten Menschen um den überschlauen Reinecke oder den großmütigen König der Tiere usw. gewoben ist.

Weshalb glotzt die Kuh das neue Tor an? Warum scheuen die Pferde? Warum zeigen die Hunde so häufig au gewissen hervorstehenden Punkten ihre Fähigkeit, auf drei Beinen zu stehen? Warum bellt der Mops den Mond an?

Diese und andere ähnliche Fragen werden vom Verfasser im Laufe und auf Grund seiner scharfsinnigen Untersuchungen geist­reich und vielfach mit zwingender Logik beantwortet. Ob in jedem Falle die richtige Erklärung gefunden ist, steht dahin; einige, der landläufigen Meinung zu sehr zuwiderlaufenden Behauptungen werden sicher Veranlassung zu interessanten Kon­troversen geben. So viel aber scheint gewiß, daß Zells Stand­punkt und Ergebnisse nicht nur jedem Freunde unserer vier­beinigen Hausgenossen und Arbeitsgehilfen, wie auch dem Jäger, Landwirt und Zoologen Genugtuung bereiten und jeden denken­den Menschen anregen, sondern daß sie auch wertvolle Finger­zeige zur rechten Behandlung und Erziehung der Tiere geben werden zum Nutzen und zur höheren Ehre des homo sapiens.

Gesundheitspflege.

Bei Magen leiden leistet oft ein Tee von Wermut und Honig mit ein wenig gutem Rum oder etwas Wein gute Dienste. Dazu Warmhalten des Rückens. Die Nieren sind sehr wichtige Organe des Körpers. In gesundem Zustande sind sie in eine Lage Fett eingehüllt, ein Beweis, daß sie warmgehalten werden sollen. Bei Erkältung derselben tritt in ihren kleinen Gesäßen eine Stockung des Blutumlaufs ein, so daß das Blut sein Eiweiß verliert. Dieses ist aber eins der wichtigsten Lebenselemente, das die Aufrechterhaltung der Körperkräfte be­dingt; wenn aber das Eiweiß durch die Blase ausg.'schieden wird, ist es für den Körper verloren. Darum ist es, besonders bei älteren Leuten von Wichtigkeit, den Rücken stets warm zu halten. Zwischen den Schulterblättern, sitzen die Lungen. Jeder weiß, wie leicht ein kalter Wind auf den Rücken Erkältung herbeiführt; das Sitzen mit dem Rücken gegen das Fenster oder eine Tür ruft infolge des Zuges nicht selten einen Katarrh hervor; deshalb sollten die Stellen zwischen den Schultern bei kalter Witterung besonders geschützt werden und Personen über fünfzig Jahren und solche, die an Beschwerden der Atmungsorgane leiden, sollten dort ein Stück Flanell tragen, um die Körperwärme zusammen- und die Einwirkung der Kälte von außen abzuhalten. Die Meisten an der Lunge leidenden Personen glauben schon genug getan zu haben, wenn sie die Brust, ordentlich verwahren, während doch der Schutz des Rückens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger ist.

Baron Alfred von Berger: Semmelweis und andere Geschichten. Verlag von F. Fontane u. Co. in Berlin. Preis Mk. 2.. Der Verfasser, als Leiter des Deutschen Schauspielhauses zu Hamburg weiten Kreisen bekannt, gehört zu den feinsinnigsten Stilisten und Aesthetikern. Warm­herzige Empfindung und glänzende Schreibweise zeichnen die hier zu einem handlichen Bande vereinigten drei Novellen aus. Die erste von ihnenSemmelweis", die in novellistischem Ge­wände dem Andenken des unvergessenen Klinikers Billroth huldigt, verdient das lebhafteste Interesse weitester Kreise.

Zahlenschrift.

128 4565 7 889 16 10 11 12 06 10 18 14 15 13 3 9 6 3 7 8 15 13 9.

(Schlüsiel: 2 3 8 6 7 Teil der Erde. 10 12 11 6 7 vielbesuchte Ostseeinsel. 1 2 7 9 5 berühmter italienischer Dichter. 645 8 Metall. - 8 16 13 14 7 13 6 8 9 Wert des Kunstwerks.)

Anfiösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in vor. Nr.: Und ob es bläst in West und Ost, Setz nur zurecht dein Segel.

Halt fest das Steuer und fahr getrost, So lautet die Semannsregel.

Jul. Rodenberg.

Xeteftion: August GSH. Nvtcuicukdruck und Verlag der Lrühl'schen Universttöts-Bnch- und Ctcindrnckerei. R. Lange, Gießen.