bald als Madonna. Er malte mich und gab Soireen, wv ich als lebendes' Bild stand.

Ich ließ alles geschehen.

Tann brach der Krieg mit Deutschland aus. Mariano ging mit der Armee, sein Vater starb, und ich befand mich eines Tages aus der Straße. Herzöge und Minister wollte» für mich sorgen. Ein Ekel zuckte in mir auf ein Ekel. . .

Ich mietete ein schlechtes Zimmer, zog ein ärmliches Kleid an und suchte Arbeit. Tas einzige, was ich ge­lernt hatte, war etwas Goldstickerei. Ich war aber auch barnt ungeschickt. Ueberdies hatten wir Krieg. Charpie und Bandagen waren notwendig, keine Stickereien. Wäre mir nicht alles, alles so grauenvoll gleichgiltig gewesen, hätte ich Paris durch irgend ein Tor verlassen und mich in dem ersten besten Torf als Magd verdingt.

Wie einstmals bei meinen Eltern, mußte ich oft hungern. Doch ich fühlte es kaum. Auch war es eine gute Vorübung für die Huugerszeit während der Be­lagerung.

Als Mariano mich Ttr schilderte: wie ich damals über die blutigen Leichname der Kommune hinweg durch die Straße gegangen; als wären es Regenlachen da merÜe ich an Deinem Entsetzen, welch elendes Geschöpf ich damals gewesen sein muß.

Mariano kam aus Teutschlaud zurück als Flücht­ling! Er suchte mich. Ich hatte an gar nichts gedacht. Sonst wäre ich doch wohl fortgegangen ganz gleich wohin. Aber nun sand er mich und sagte mir, daß er meinetwegen den Preußen entflohen wäre.

Mariano wollte leben, wie er früher gelebt hatte und er hatte das Leben eines großen Herrn geführt. Wir waren aber ganz arm. Einen kleinen Popen wollte er nicht annehmen, und anderes fand sich nicht für ihn. Sarcey bot ihm eine Sekretärstelle bei sich an; aber Mariano wollte sein eigener Herr sein.

Er schrieb für denTemps". Aber er schrieb nur, wenn er Lust hatte; und er hatte selten Lnst. Er spielte Hazard. Aber er hatte kein Glück im Spiel. In einem Liebeshandel kam es zu einem Duell. Er verwundete dabei einen einflußreichen Mann und mußte fort aus Paris.

Ein sehr reicher Freund begleitete uns. Tenn Ma­riano nahm mich wieder mit; und ich ließ mich wieder mitnehmen.

Ich hatte immer Gott dafür gedankt, daß ich kinder­los blieb. Nur kein Kind voll diesem Manne! Um Gottes willen nur das nicht!

Als wir in die Villa Falvonieri zogen, fühlte'ich mich Mutter.

Tiefe Verzioeiflung! Gott, Gott, diese Verzweiflung!

Vielleicht brachte ich ein totes Kind zur Welt. . . Unb ich schrie die Muttergottes um ein totgeborenes Kind an. Alle Nacht lag ich in der Kapelle vor dem Altar und flehte:

Laß das Kind sterben!"

Aber das Kind lebte.

Tu tötest es", nahm ich mir vor in der Stunde, da ich's gebar.

Sie legten das Kind an meine Brust. Es schrie jammervoll. Als ich es tränkte, als es dann stille ward, als es an meiner Brnst einschlief: da war ich die glückseligste Mutter.

Es ist ja auch wunderbar.

*

Tann wußte ich vom Leben nichts mehr, als daß mein Kind auf der Welt war.

Marianos reicher Freund starb, bevor er ausgebeutet werden konnte. Anstatt Herr der Villa Falcouieri zu sein, wurde Mariano der Pächter. Wiederum waren wir arm.

Ta kamst Du in die Villa.

Tu warst so anders, als alle Männer, die ich bis dahin kennen gelernt hatte: so ganz anders! Tu warst der erste Manu, dessen Blick ich nicht schon als Beleidigung empfand. Tu warst der erste Mann, der an mir nicht unr meine Schönheit sah; der erste, für den ich anch eine Seele besaß.

Ich liebte Dich nicht. Wie konnte ich das, da ich mein Kind hatte?. Aber ich faßte sogleich Vertrauen zu Dir, hatte

sogleich einen Glauben an Dich, der zur Religion für mich wurde.

Mariano konnte ein solches Mysterium nicht verstehen. Er konnte nur verstehen, ivas war wie er selbst.

Und so gab er denn meiner stillen, schönen, friedlichen Empfindung einen häßlichen Namen.

Ich sollteverliebt" in Dich sein.

Er verhöhnte mich mit Dir. Weil er es mit seinen Mißhandlungen nicht konnte, marterte er mich täglich mit Dir. Täglich schrie er mir zu, wie ich mich Dir an den Hals werfen sollte, wie Du mich aus Mitleid an Deinem Halse lassen würdest aus Barmherzigkeit mit der unglück­lichen Frau.

Er haßte Dich; denn er fühlte die Reinheit Deines Lebens. Und ihm war im tiefsten Herzen nichts so zuwider wie alles geistig Helle und seelisch Schöne.

Tu wärst vielleicht der einzige Mensch gewesen, von dem er kein Geld angenommen hätte. Aber weil er wußte, daß ich darunter litt, nahm er auch Dein Geld.

Er wollte mich sogar zwingen. Dich darum zu bitten und hätte dann an meiner Qual seine Freude gehabt.

Ta ich Dich nicht bat, brachte er andere Männer ins Haus.

Sie kamen meinetwillen, und wenn sie mit Mariano am Spieltische saßen, rnnßte ich dabei sein.

Co war mein Leben, so ward ich täglich von neuem geschändet.

So tief bin ich gesunken, so ganz und gar bin ich. ohne Frauenwürde mehr.

Und Tu, Du Guter und Reiner, erhebst mich ans dem' Abgrund, reinigst mich vom Staube, weihst mich von neuem durch Deine Liebe.

Tann tötete er mein Kind.

Und als ich in der Nacht nach dem Begräbnis hinaus!- ging und tun wollte, was ich längst hätte tun müssen, riefst Tn mich beim Namen. Da gab Tein Wort mich dem Leben zurück. Da fühlte ich, daß ich Dich liebte, daß ich Dich vom ersten Augenblick an geliebt hatte.

Und da glaubte ich Tir, was Du mir in der Nacht, die meine Todesnacht hätte fein sollen, sagtest.

Es ist nicht Großmut! Keine Barmherzigkeit ist es, kein Mitleid:

Auch Tu liebst mich!

Von Camaldoli kam der! 'Prior, um zwischen den beiden Ehegatten zu vermitteln; und aus dem nämlichen Grunde erschienen einige Väter des Tuskulanerklosters.

Ich wollte nicht, daß sie Maria quälen sollten, und wünschte allein mit ihnen zu verhandeln. Doch als sie bei mir versammelt waren, trat plötzlich Maria ins Zimmer un.d erklärte: sie betrachte ihre Ehe mit Mariano als gelöst.

Alle Ermahnungen, Vorstellungen und Vorwürfe der guten geistlichen Herren hörte sie mit vollkommener Ruhe an. Zum Schluß sagte sie nur: ob die Priester eine Ehe, wie sie sie geführt hätte, für et»- christliche Ehe hielten?

Unverrichteter Dinge kehrten v.e würdigen Männer in ihre Heiligtümer zurück.

Es verbreitete sich das Gerücht: Mariano wollte Mönch werden.

Fürs erste blieb er in Camaldoli, wo er eine der kleinen Einsiedeleien bezogen hatte. Hier sollte er in fana­tischer Askese leben, fast fein1 Nahrung zu sich nehmen, die Nächte im Gebet verbringen und die Bußübungen sün- drger Mönche tun. Ich war begierig, wie lange dieser Paroxismus dauern würde.

Inzwischen ließ ich Marianos Gläubiger befriedigen und alle seine Verhältnisse ordnen, wobei sich Dinge er­gaben, bie einem Zolaschen Roman entnommen schienen.

Für Mariano trat ich in den Pachtkontrakt der Te- nuta ein.

Tie meisten Leute hingen mit solcher Schwärmerei an ihrem Herrn, daß sie unter mir nicht bleiben wollten.

Ich setzte einen Verwalter und verschiedene andere tüchtige Männer ein. Sie bewirtschafteten die Tenuta nach Landesbrauch und -befinden sich noch heute in meinen T-lensten.

(Fortsetzung folgt.)