108

Knaben kommen schon früh itt die Lehre und dienen erst später ihre drei Schuljahre ab; sie erlangen so eine größere Handfertigkeit als europäische Kinder. Jung gefreit hat niemand gere i . achte der Gesetzgeber Jyehasu, als er be- pimmte, u e i'u§ 6. Lebensjahr überschritten habe, solle sich einen ^utwerber suchen und durch dessen Vermittlung eine tene schließen, wie es noch heute geschieht. Die Ehe aus Sii üe ist verpönt. Grundsatz bei der Eheschließung ist, daß die Familien zusammenpassen; die Gatten, denkt man, werden sich schon ineinander finden. Eure Mitgift ist nicht üblich, da nur der älteste Sohn erbt. Auch der Kuß ist unter den Brautpaaren ebensowenig Sitte wie das persönliche Liebeswerben; den Kuß verhindern die Lippenfarbe und die künstliche Frisur, statt der Liebeswerbung tritt der Na- kodo (Schadchen) in Tätigkeit. Die Ehescheidung ist leicht und kann schon durch Klatscherei und Ungehorsam der Frau herbeigeführt werden, denn Gehorsam ist im japanischen Fa­milienleben erstes Erfordernis. Man tut blindlnigs, was die Eltern sagen; der Mann ist Alleinherr im Hause, seine Frau ist erste Magd in Küche und Kinderstube. Die Witwe hat dem ältesten Sohn zu gehorchen. Die häusliche Ziehung ist durchweg gut und wirkt besonders auf Pietät der Kinder gegen ihre Eltern hin. In einem moralischen Kinderbuch wird z. B. erzählt, daß ein Knabe, um das Eis aufzutauen und Fische für seine Mutter zu bekommen, sich auf den zu gefrorenen Fluß legt, oder daß ein Knabe nachts ohne Kleider schläft, um die Stechmücken von seinen Eltern auf sich abzuziehen.- Nur der Erstgeborene erbt in Japan; die Eltern setzen sich aber ost schon mit 50 Jahren zur Ruhe, werden von den Kudern auf den Händen getragen, und selbst die vielgeplagte Mutter sieht dann noch gute Tage; auch für die Geschwister sorgt der ueue Besitzer.

Die Toten werden in Japan verbrannt oder begraben; der kurze hohe Buddhistensarg umschließt die Leiche in sitzender Stellung, der Kopf kommt nach Norden. Während der Trauerzeit, die für die Eltern 50 Tage dauert, ruhten früher alle Geschäfte; sieben Wochen lang besuchte man am siebenten Tage das Grab. Am hundertsten Tag wird der Leichenftein gesetzt, der' die Daten der Geburt und des Todes sowie den den Verstorbenen beigelegten Ewigkeits­namen und einen Spruch als Inschrift trägt. Beliebte Sprüche dieser Art sind: Nur in diesem Wagen kommt mau ins Jenseits; das Leben ist wie ein Licht vor dem Wind; Wer die Freude des himmlischen Lichts sehen will, der schmecke den Wohlgeruch des Gesetzes Buddhas!

Gernernnütziges.

Gleichmäßige Ausbildung der Hände.

.e gleichmäßige Ausbildung der rechten wie der linken Hand' ist besonders in England und Amerika schon seit längeren! als ein wichtiges Prinzip moderner Erziehung erkannt. Bei uns in Deutschland gilt es nicht für fein, außerrechtshändig" auchlinkshändig" zu sein. Wie wert­voll aber die Ausbildung der linken Hand zu gleicher Fähigkeit, wie sie die rechte besitzt, ist, beweist, daß Wil- j)eint Jordan einen großen Teil der 33000 Verse seiner Nibelungen-Dichtung mit der linken Hand niederschreiben konnte, wenn die Rechte ihm erlahmte. Er berichtet darüber ausführliche in seiuent AussatzeAmbidextes", der in seinenEpisteln und Vorträgen" abgedruckt ist. In E n g l a n d hat sich jetzt eine Gesellschaft gebildet, die diese Erkenntnis als Grundlage zu einem neuen pädagogischen System benutzen und wirklich durchführen will. Der Sekretär dieser Gesellschaft, I o h n Jackson, setzt deren Ziele in folgenden Ausführungen näher auseinander:Die gleichmäßige Geschicklichkeit int Gebrauch beider Hände wird einer der größten Fortschritte in der Erziehung sein, den man in den letzten 25 Jahren gemacht hat. Die beiden Hälften des Gehirns arbeiten un­abhängig. Die linke beherrscht die rechte Hand und die rechte Hälfte die linke. Bei richtiger Ausbildung kann jeder Mensch sogar zwei Dinge zugleich tun, z» B. zwei ver­schiedene Briefe gleichzeitig schreiben. Unsere Gesellschaft will die Geschicklichkeit int Gebrauch beider Hände zu einem wesentlichen Zug der Erziehung machen; es ist aber natür­lich nicht das Hauptziel, daß man zwei Dinge zugleich tun kann, sondern man will dadurch die allgemeinen Fähigkeiten

entwickeln. Getrennt ausgebildet, werden die Hälfte« des Gehirns und die Hände einen viel höheren Stand der Ent­wicklung als jetzt erreichen, und vereint gebraucht werden die geistigen Kräfte sehr erhöht werden. Je besser die beiden Hirnlappen sich gleichzeitig auf zwei Gegenstände richten können, um so besser können sie ihre vereinten Kräfte auch auf einen Gegenstand konzentrieren." Jackson hat Schreib­hefte für Schüler entworfen, deren Seiten wechselnd für die linke und die rechte Hand gebraucht werden. In vielen Schulen wird bereits in diesem Sinne unterrichtet. Das mit der linken Hand Geschriebene war besonders bei sehr jungen Schülern ebenso gut wie das mit der rechten Hand Ge­schriebene. Das zeigt, daß die Natur beide Hände gleich- mäßig im Gebrauch wissen will. Die beidseitige Schrift ist steil, nicht schräg. Es wird mit der rechten und der linken Hand in den Heften nicht gleichzeitig geschrieben, da das erste Ziel nur ist, beide Hände gleichmäßig auszu­bilden. Wie die beiden Hirnlappen unabhängig von einander arbeiten, zeigen Arbeiten, die beide Hände gleichzeitig ver­richteten. Ein Mädchen schrieb z. B. zwei Briefe gleich­zeitig, einen an ihre Mutter und einen ganz anderen an ihren Vater. Oder sie schreibt mit einer Hand und zeichnet oder rechnet mit der anderen.Das ist durchaus nichts Wunderbares", erklärt Jackson.Jeder kann das tun, es erscheint nur ungewöhnlich Wenn jemand singt und sich dazu auf dem Klavier begleitet, so ist das viel komplizierter." Zu der neu gebildeten Gesellschaft gehört auch General Baden-Powell, der selbstbeiderseitig" ist. Als er an der rechten Hand verwundet war, schrieb er mit derselben Leich­tigkeit mit der linken Hand. In welchem Grade weittragende Vorteile mit der Verbreitung der Beidseitigkeit verbunden sind, zeigen auch folgende Bemerkungen eines Arztes, Dr. Noble Smith:Chirurgen und Aerzte, die besonders dte körperliche und geistige Entwicklung wachsender Kmder studieren, haben immer wieder darauf hingewiesen, daß bte Annahme schlechter Haltung verhindert werden muß; aber es ist eine schwere Aufgabe, die einseitigen Neigungen rechts­händiger Schüler zu überwinden. Durch die Beidseitigkett wird aber nicht nur der Körper gleichmäßig entwickelt, sondern auch das Gehirn und alle anderen großen Funk- tionszentren.. Ich glaube, daß die Beidseitigkeit mehr dazu tun wird, körperliche Ungeftaltetheiten zu verhindern, ms alle Körperbewegungen, und daß sie auch dahin wirkt, dte bereits erzeugten Ungeftaltetheiten zu verbessern."

Scherzrätsel.

Rackdruck verboten.

Mit einem Matz ein fürchterliches Gift.

Mit einem alten Gott ist's aus der Trift.

Ein Nahrungsmittel macht es zum Metall.

Verdoppelt brauchen es die Bauern all.

Mit einer Luitart ist es eng uud schmal.

In Afrika, da zeigt es sich egal. ,

Mit einer Farbe macht es Schreck und Pem, . Doch zeigt sich's flau, laß dich nicht mit ihm ein (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Zahlenschrift in vor. Nr.r

Bei Nacht sind alle Katzen grau.

(Schlüssel: Sandale, Erich, Butter, Zange, Kinn.)

Auflösung des Preisrätsels in Nr. 20 der Familienblätter r

. Ei le

Eile, Erna, Eier, Lena, Erle.

Er na

Es sind diesmal wieder über 200 Lösungen eingegangen.

1. Preis: Hermann Kurz' sämtliche Werke in 12 Bändenr

von Joseph Kürschner, Prachtband mit 325 Jllustrattonen. Wilh. Lindenstruth, Realgymnasiast.

Die Preise find von den Gewinnern gegen Vorzeigung der Abonne- mentLquitlung in der Geschäftsstelle deSGießener Anzeigers" m Empfang zu nehmen.

Redaktion: Auaust Götz. - Rotationsdruck uud Vertag der Vrühl scheu lluiverfitöts-Vuä.- und Eteindruücrei. R. Lange, Gießen.