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bemt er ist wirklich ein prächtiger Jüngling. Ich wun­derte mich nur, daß er erst jetzt sich erklärt. Ich hielt es nicht für möglich, daß sie ihn abweisen könnte: unglück­lich und einsam, wie sie ist.

Dennoch ist es geschehen.

Ich befinde mich tote in einem Traum. In meiner Betäubung schäme ich mich nicht einmal, daß ich gelauscht habe. Ich fühle und weiß vom ganzen Leben nur eines: sie wies ihn ab! Und notch eins: ich muh Maria den Tod Marianos mitteilen.

Sofort!

*

Ich sprach mit Maria.

Alles war wie immer. Wir saßen abends in der Halle. Maria kam schön angekleidet, tote ich es liebe, brachte einen Körb voll frischer Rosen, die sie über den Tisch schüttete, und setzte sich an ihren Platz zwischen den Säulen des Mittelbogens. Ich saß ihr gegenüber und sah an ihrem stillen Gesichte vorbei, über die Terrassen­brüstung hinweg, auf das Meer und das Land der Aeneide, daraus der Abend des heißen Sommertages lag. Ich hatte das alles zu Hundertmalen gesehen und feierlich schön gefunden.

Es schien mir ein Menschenalter her zu sein. . .

Als es endlich dunkler ward, ließ ich die Kerzen nicht anzünden, schickte die Leute fort und schaute zu, wie Meer und Campagna in Schatten sanken, über Erde und Himmel die Nacht sich hinwälzte.

Sobald ich Marias Züge nicht mehr erkennen konnte, sagte ich:

Tu hast mir vieles zu verzeihen; mehr, als selbst Tu verzeihen kannst. Ich riß Dein Leben gewaltsam an mich; und da es zu meinem Leben geworden war, tat ich nichts, als daß ich es als mein ausschließliches Eigentum behielt. Wie ich mein eigenes Leben in Schönheit und Einsamkeit begrub, so scharrte ich neben mir auch das Teine ein. Ich gab Dir nichts ich ließ alles Dich geben."

Sie schwieg. Als ich sie bei Namen anrief, erwiderte sie nur:

Ich gab Dir nichts als Unglück. Aber ich verstand xs eben nicht besser."

Tu sollst Dich nicht anklagen; Du sollst mir ver­zeihen so sehr Tir das möglich ist."

Nach einer langen Stille sagte sie leise:

Ich weiß auch, weshalb ich Tir nur Unglück gab, nur Unglück geben konnte."

Weshalb, Maria?"

Sie blieb stumm. Ich bat sie, zu sprechen, es ihrem besten Freunde zu sagen. Aber sie blieb stumm. Jetzt teilte ich ihr meine große Neuigkeit mit.

Mariano ist tot. . . Ich weiß, daß unsere Heirat nur die Erfüllung einer Form ist; und zwar einer Form, die mit dein Wesen nichts gemein hat. Aber mir zuliebe erfüllst Tu sie gewiß. Ich wünsche doch so sehr, daß Tu meinen Namen trägst."

Wozu auch noch Deinen Namen?"

Liebe Maria!"

Tu hast mw genug gegeben, genug geopfert."

Kann man Opfer bringen, wenn man liebt?" Wenn man liebt" Ick log wieder! Und sie? Ob sie mir wohl wieder glaubte?

Sie sagte nicht, daß sie mir nicht glaubte. Aber sie wollte sich nicht zur Erfüllung der Form zu der Heirat verstehen. Ich bat und flehte, ich- bedrängte sie, bedrängte sie ungestüm.

Sie blieb jedoch dabei, daß sie nicht wollte.

Ich fühle mich jetzt mit zehnfachen ehernen Banden an sie gefesselt.

*

Maria ist fort!

Ich verstehe es nicht! Ich bin, wie betäubt!

Wie kann Maria von mir fort sein?!

Mas dachtet Ihr nur, als Ihr meine Tepesche er­hieltet:Maria kommt zu Euch?" Ihr werdet es sicher ebensowenig verstehen wie ich selbst; denn Maria ver­läßt mich und kommt zu Euch-!

Ich wollte ihr diese Auszeichnungen für Euch mit­geben; es ist jedoch besser, ich schicke sie Euch gelegentlich einmal... Cs ist das erste Mal, daß Maria fort rst, daß sie mich allein läßt.

Sie ging so leise fort, als schliche sie sich aus dem

Hause, welches doch ihr Haus ist; als wollte sie nie wieder zurtickkommen.

Maria nie wieder zurückkommen

Bevor sie ging, besuchte sie das Grab ihres Kindes, wo sie seit Jahren nicht war. Es ist fast, als hätte sie von dem G- abe ihres Kindes Abschied nehmen wollen, um nie mehr wiederzukehren.

*

Noch heute will ich ihr schreiben. Ich will sie bitten, zurückzukommen: bald, gleieq!

Ich bin zu einsam.

Ich bin ohne sie tote verloren und verlassen.

Wenn sie nicht bald zurückkommt, werde ich ihr folgen. Bittet bei ihr für mich.

*

Sie kommt nicht zurück und ich bleibe hier.

Tie Prinzessin sah ich- seit Wochen nicht.

Tie Villa Ialconieri bleibt ohne Maria.

*

Scirocco!

Seit einer Woche wahnsinniger Wüstenwind. Es glüht in meinem Gehirn, in jedem Blutstropfen, in jedem Ge­danken. Aber ich habe gar keine Gedanken!

Mein Wahnsinn brach aus bei dem Sirocco. Am hellen Tage ging ich heute hinunter in die Villa Taverna. Ich ließ mich bei der Prinzessin melden. Sie erwartete zu Tisch römische Gäste, war bei der Toilette, wollte mich jedoch empfangen. Ich antichambrierte also. Sie trat in das Zimnter, wo ich mich- befand, wollte mir entgegengehen, sah mich an und blieb stehen.

Ich ging langsam auf sie zu und sagte:

Tu kannst mich erlösen oder vernichten."

Ich sagte es sehr ruhig... Sie jagte mich nicht hin­aus; aber sie war totenhaft bleich dem Verrückten gegenüber.

Und sie war hilflos!

Sie, die große Tame, mit ihrer raffinierten Ronttne war hilflos tote ein Kind.

Ihre Hilflosigkeit brachte mich zur Besinnung.

Ich ging.

Was nun?

Die Prinzessin von Sora an die

Herzogin Vere de Vere.

Daly-Castle, Tuside-Highlands, England.

Villa Taverna-Borghese im Juli.

Scirocco!

Eine goldbraune, blendende Landschaft, darüber bronee- farbencs blendendes Gewölk; Himmel und Erde von goldigen Dünsten uinbraut; die Sonne mit gewaltigen Straylengarben die Nebelwogen durchbrechend eine Stimmung wie bei einem biblischen Welteretgnis.

Scirocco!

Ueber dem göttlichen Leib von Mutter Natur wälzt sich ein Alp. Sie kattn sich nicht regen; sie wird im Sommer­schlafe erwürgt.

Scirocco!

Seit Wochen Scirocco!

Ich bin toie gelähmt, fühle mich halb entgeistet . . .

In Frascati, in allen albanischen Weinstädten, allen sabinifchen Felsennestern werden jetzt unaufhörlich Feste ge­feiert. Unaufhörlich Musik, Prozessionen, Glockengeläute, Böllerschüsse, Raketen, Feuerwerk, Gesang, Geschrei und Gejohle: als ob alle Welt durch den wütenden Wüstenwind toll geworden wäre.

In Rom war Girandola und der Berg Soracte war neulich abends ein einziger Flammenkegel. Dazu gaukeln die Johanniswürmer durch die blühenden Granat- und Oleanderbäume, als stöben Funkenschauer durch die Lüfte; dazu duften die Magnolien betäubend; dazu Miedet es in meinem Blute, hämmert es in meinem Gehrrn, fiebern, meine Pulse.

Die Prinzessin Lancellotti läßt Straßen anlegen, Kanäle ziehen, antike Villen ausgraben, Wildnisse ausroden und Wüsteneien in Kulturen verwandeln. Sie ist tätig, nützt und hilft. Sie hat einen geliebten Gatten, eine blühende Familie und weiß, wozu sie auf der Welt ish.

Und ich

Dina, Tina! Und ich?