Heilige dem von Engeln getragenen Bildnis der himm­lischen Jungfrau mit dem lächelnden Jesuskinde ihr Herz hin reicht. Ich mußte immer von einer Mutter zur andern von einem Kinde zum andern schauen. Und es war, als paßten die beiden schmerzensreichen Mütter gut zu einander.

Ich versuchte zu denken:

Was wird jetzt aus Maria?"

Sie war so lebensmüde, so todesmatt, am Leben so todkrank. . . . Tie Heiligen vollbrachten keine Wunder mehr, keine Grüfte össneten sich,, keine Gestorbenen grüßten wieder das Sonnenlicht- ,

Vielleicht konnte dieses Mal ein Mensch das Mirakel tun?

Welcher Mensch?

Ich!

Und ixty liebte sie wirklich nicht?

Auch jetzt liebte ich sie nicht?!

Tre ganze Nacht über saß ich wachend bei der Mutter und ihrem toten Kinde. Ich! sann und sann, prüfte und prüfte und erkannte mich:

Ich liebte sie auch jetzt nicht! , .. Ich würde sie nie­mals lieben.

Aber liebte sie mich?

Jetzt schien mir's möglich zu sein. . .. Ich konnte jetzt glauben, daß es möglich sei.

Ich wußte, daß sie mich! liebte.

*

. (Fortsetzung folgt.)

Ausdruck verleiht:

Mein Liebchen schreibt mir. Ihre fröftig. schöne Schrift Durchschreitet stolz, aufrechten Gangs die glatte Trift Ter weißen Flächen. In den klaren, schlanken Lettern Erkenn' ich ganz ihr Wesen: in den lieben Blättern Ist mir ihr Sein aufs lieblichste geofsenbart, Ihr holdes Sein, die kräftig offne Ecgenart:

Mir ist's, als säh' ich rasch sie durch das Zimmer Mretten, Als sähe ich sie aus den weißen, glatten Weiten Ter Eisbahn kraftbeseelte-n Schwebelaufes gleiten;

Mir ist's, als hör' ich leise Walzermelodien Bxim Blättern in dem Brief.durch meine Seele ziehet,.

, Swmnren möii leiert I eine Notwendigkeit für alle die, welche auf Grund ihres dmRIbelenkü^e Berufes in schriftlichen Verkehr mit anderen treten müssen. öt0 Es ist niemals zu spät, an der Schrift etwas zu beftern, man muß nur nicht den Fehler begehen, Kalligraph wer­den zu wollen. Tie Schönheit der Schrift liegt nur tu der Leserlichkeit und ihrem Charakter, nicht in der Form­vollendung! der einzelnen Buchstaben."

Mir schließen unseren Aussatz mit dein hübschen Ge­dichteGraphologisches" des jungen Berner Poeten Otto Lanz, worin dieser seiner Freude über eine ihm zu­gekommene schöne Handschrift . daß es gerade die der Geliebten des Dichters ist, tut hier nichts zur Sache

seiner Schüler zum Hauptzweck seines Unterrichtes-Machen möchte, umsomehr, weil er oft genug bemerkt habe, daß eine gute Hand einen guten Stil nach sich ziehe." Zn seinem Söhnlein sagte Goethe, wenn er mit ihm auf das Schreiben zu sprechen kam, väterlich mahnend:

Geschrieben Wort ist Perlen gleich, Ein Tintenklecks ein böser Streich!

Friedrich cker t, der sich in seinen Manuskripten einer peinlichen Ordnung und Reinlichkeit befliß, fchärfts

| verfügte: das gleiche gilt von den jetzt noch lebenden j Ttchtern Mich. Jordan, Paul Heyse, Rosegger, Mcrrtin j Greif u. a. Tie bisher gebrachten Beispiele dürften üsdes unseren Leiern die Unhaltbarkeit des SprichwortesGe­lehrte schreiben schlecht" zur Genüge dargetan haben. ,

Erfreulicherweise mehren sich von Jähr zu Jahr die Stimmen, welche gegen verdorbene und nachlässige Hand­schriften Einsprache erheben. So äußert sich! ein neuer pädagogischer Schriftsteller:Eine schlechte, will sagen, unleserliche Handschrift ist eine Rücksichtslosigkeit gegen die Mitmenschen. Es ist unglaublich, ivic wenig Gewicht die menschliche Gesellschaft aus gute Schrift legt. Eme altmodische oder schlecht sitzende Krawatte wird weniger I verziehen als eine unleserliche Handschrift. Eine gute | Schrift ist eine Höflichkeit, welche man seinen Mitmenschen

seinem Knaben ein:

Rein gehalten dein Gewand, Rein gehalten Mund und Hand, Sohn, die äußere Reinlichkeit Ist der innern Unterpfand!

Aehnliche Verszeilen setzte Gras Friedrich Leopold Stolberg seinem Töchterchen ins erste Schulheft.

Als Lessing, der fest und gefällig schrieb, sich durch Ueberanstrengung ein Augenleiden zugezogen hatte, jam­merte er, daß feine Handschrift darunter leiden müsse, und klagte sich öfters einer einreißenden Nu leserlich keit selbst, in jenen Briefen an, die doch ausschließlich nur an seineliebe Frau" gerichtet waren.

Varn Hagen von Ense, der mit den bedeutendsten Zeitgenossen in regem Briefwechsel stand, durfte sich einer sehr schönen Schrift rühmen, und seine Briese, die er z. B. an den Weinsberger Tichter JNstinus Kerner schrieb, sind kalligraphische Musterleistungen.

Ter schweizerische Dichter Gottfried Keller, wel­cher eine Reihe von Jahren das Amt eines Staatsschreibers des Kantons Zürichs bekleidete und eine sehr leserliche Schrift hatte, hielt ungemein viel auf eine passende Feder.

Landläiritteu I 1885 widmete er, auf diese seine Liebhaberei Bezug neh-

KKSle-yre | meitb erneut Freunde folgenden launigen Albumvers:

Tie Witzblatter pflegen nnt Vorliebe von Zeit zu I Mw ber- Stift

Zeit unter der Ueberschrift Ter zukünftige Doktor einem ! gi0 b[c Schrift -'

Knaben die Worte in den Mund zu lägen:Tu Papa, I Mancher plagt' sich siebzig Jahr,

jetzt kann ich memen Namen so schrerben, daß man chn der Feder stets ein Haar!

EÄÄek kÄfes 3 er seinen Hamlet (Akt 5, Szene 2) erzählen läßt, wie verfugte. j derselbe einen auf ihn lautenden Uriasbrief auf die Na- | ... f

men seiner Gegner umgeschrieben und sich damit vom ° ^retr u. a. , Tode gerettet habe:

Ich hielt es einst, ivie unsre großen Herrn, Für niedrig, schön zu schreiben und bemühte Mich sehr, es zu verlernen; aber jetzt Tat es mir Ritterdienste.

Bei Jeremias Gotth elf, dem schweizerischen Volks­schriftsteller, meint einer, der dieHaket!" undKrähen­füße" seines Pfarrherrn nicht zu entziffern vermag!, ärger­lich:Er könne jede Schrift lesen ivie Schnupf, numme (nur) dem Pfarrer sein Gechafel (schlechte Schrift) könne är nicht verstehen; der schreibe aber auch, wie wenn er einen Tannast auf dem! Papier hie und da umeschletpfte i ö tnpitpren iff c;p aber auckt

(umherfchleifte). An einer anderen Stelle bei Gotthelf j nnf iKrund'ibres

schimpft Jwggi, der die Schrrft ernes Beamten tnchtlesen kann:Gr wüßte nicht, wie man t:;; Str" (Sesselhelden, Sesselrutschern) Schreiber sage."

Und doch steht die RedensartGelehrte schreiben schlecht", die bedauerlicherweise nur allzuoft als wohl­feile Entschuldigung für eine nachlässige .Handschrift ge­braucht wird, im Grunde genommen aus recht schwachen Füßen, indem bewiesen werdet! kann, daß gerade unsere größten Tichter und Denker eine leserliche und saubere, in vielen Fallen sogar schöne Handschrift hätten und auf deren Pflege und Erhaltung hohen Wert setzten. Eine Reihe von Beispielen mag hier folgen:

Goethe hatte es gewiß nicht nötig, auf seine Hand- schrift besonders zu achten. Aber er dachte über dieses Kapitel öfters nach und erinnerte sich noch in alten Tagen mit Vergnügen der Sorgfalt, w!omit er in seinen sonst so flatterhaften Studentenjahren zu Leipzig" die Arbeiten für Gellerts Kollegen ins Reine schrieb '(Wahr­heit und Tichtnng 8. Buch):Der gute Gellert machte bei den Aufsätzen, die ihm seine Schüler einreichten, zur heili­gen Pflicht, ihre Hand so sehr, ja mehr als ihren Stil zu üben. Tiefes wiederholte er so oft, als ihm eine kritz- liche, nachlässige Schpift zu Gesicht kanr, ivobei er mehr­mals äußerte, daß' er sehr gern die schöne. HapdschpA

Rosegger, piele dürf