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dienen. Seine Frau war die Tochter eines angesehenen und recht wohlhabenden Kaufmanns in Moskau, bon Kin­dern besaßen sie nur ein einziges Töchterchen. Pekuniär hätte er es eine gute Weile aushalten können auch ohne den Untersuchungsrichtergehalt. Wahrscheinlich konnte er bei seinem Charakter, bei seiner Jtnpulsivttät, seinem Drange nach steter Betätigung seiner Arbeitskraft, sich eben nicht entschließen, auch nur auf kurze Zeit ganz ohne Amt und amtliche Beschäftigung zu bleiben.

Aus seinem neuen Wirkungskreis hörte man anfangs nur sehr wenig von ihm, bis endlich eine unerwartete giinstige Wendung seiner dienstlichen Laufbahn eintrat, eine Wendung, deren Ursachen seinerzeit sogar in mehreren größeren Zeitungen besprochen wurden!

Es waren nämlich in jener Gegend im Laufe der letzten Jahre eine so erhebliche Anzahl größerer Brände vorgekom­men, vorherrschend die von der Landschaft in Städten und Dörfern versicherten Gebäude heimsuchend, daß die Landschaft dadurch in die äußerste pekuniäre Bedrängnis geraten war und fast vor dem Bankerott stand, und daß man die Massenbrände nur einer großen, wohlorgani­sierten Brandstifterbände zuschreiben konnte. Einer solchen Bande hatten aber weder die örtlichen Polizeiorgane noch die früheren Untersuchungsrichter habhaft werden können. Unseren, gerade zu jener Zeit dahin versetzten Untersuch­ungsrichter reizte gerade diese Aufgabe, diese große und dem Anschein nach arg verfahrene Sache, in ganz besonderer Weise. Er verbat sich von Hause aus jegliche Einmischung der örtlichen Polizeibeamten in die von ihm von neuem wieder ausgenommene Untersuchung früherer, meist schon niedergeschlagener Brandstiftungssachen und aller neuer, seit feinem Amtsantritt vorgekommener, ließ sich auf eigene Kosten aus der, Residenz gewandte Detektivs kommen, scheute nicht die anstreügendsten, ost ganz plötzlich mitten in der Nacht unternommenen Fahrten, und ruhte nicht eher, als bis er schließlich die ganze Brandstifterbande gefaßt und im Bestände von mehr als hundert Personen aus die An­klagebank gebracht hatte. Seit diese Verbrecher hinter Schloß und Riegel saßen, hörten mit einem Schlage alle Brandstiftungen dort auf. Ein besonderes Nachspiel erlebte diese große, viel Staub äufwirbelnde Sache noch durch die etwas plötzlich erfolgende Verabschiedung einer ganzen Reihe von Polizeibeamten verschiedener Grade.

Die Landschaft, welche durch die außerordentlichen Mühen und Anstrengungen und persönlichen Geldopfer des Untersuchungsrichters sich vor dem völligen pekuniären Ruin gerettet sah, wollte sich diesem Retter dankbar er­weisen. Sie offerierte ihm eine Ehrengabe von fünftausend Rubeln. Vom Untersuchungsrichter darüber verständigt, daß er diese Ehrengabe aus keinen Fall annehmen könne, suchte die Landschaft sich ihm in anderer Weise erkenntlich zu zeigen. Sie sandte eine Deputation nach Petersburg zum Justizminister, um bei demselben irgend eine entsprechende Dienstbelohnung auszuwirken Mr den Mann, welcher der Landschaft, weit über den Rahmen seiner amtlichen Obliegenheiten hinaus, so immense Dienste geleistet hatte.

Infolge dieses Schnittes der Landschaft wurde der Untersuchungsrichter bald darauf zum Glied des Bezirks­gerichts der benachbarten Gouvernementsstadt ernannt. Eine derartige Stellung, die er fich im stillen schon lange ge­wünscht hatte, würde ihm im gewöhnlichen Laufe der Dinge schwerlich zuteil geworden fern.

Leider erfreute er sich dieser ruhigen, angenehmen Stellung nur kurze Zett.

Wohl infolge früherer Strapazen bei der Erfüllung seiner Berufspflichten, und wohl namentlich auch infolge der ungewöhnlichen lKühen und Anstrengungen, die er sich in jener großen Brandstiftungssache zugemutet hatte, begann er, der stets gesunde und beneidenswert kräftige Mann, plötzlich zu kränkeln. Und bald darauf starb er. Es hieß, daß ein Magenleiden und Kthlkopslerden krebsiger Natur seinem Leben ein Ende gemacht daß er zuletzt zu einer äußeret, akut verlaufenden eitrigen Zerstörung des Kehlkopfes gekommen sei. Nach einer anderen Version> soll von gewissen Helfershelfern jener großen Brandstifter­bande ein Versuch gemacht worden sei, ihn zu vergiften.! Das Leiden, dem er binnen kurzer Zeit erlag, soll tat­sächlich von einer ganz plötzlich und sehr heftig auftretenden Erkrankung, deren Vergiftungschararter er selbst aber durch­aus nicht anerkennen wollte, ausjgegangen sein.

WH dein NM auch sei, einen so baldigen Tod dieses

Mannes/ ein so frühes Verstummen derJerichoposaune" hätte niemand von uns für möglich gehalten. Die Nach­richten von seiner hoffnungslosen Erkrankung und bald dar­auf gar vou seinem Tode fand anfangs in unserer Gegend, namentlich auf dein Lande, in den Dörfern und Gemeinde­verwaltungen, gar keinen Glauben. Gar zu lebhaft stand er noch in der Erinnerung aller, mit denen er amtlich verkehrt hatte, er, der energische zielbewußte Unter­suchungsrichter, der, wo es galt, in so unwiderstehlich packender Weise zu reden wußte, und dessen gewaltige Stimme niemand, der sie einmal in Momenten besonderen Affekts gehört, jemals vergessen konnte.

Sein eigentümlich tragisches Schicksal entwaffnete in der Folge manche feiner früheren Feinde. Sie beurteilen ihn jetzt gerechter als damals, wo er noch leibhaftig unter ihnen weilte, sie finden jetzt sogar manch Wort der An­erkennung, des Lobes für den einst bitter Gehaßtem

Plaudereien aus der Kaiserstadt.

Vom Schmkenwettkampf. Wer war Buchholz? Die Geschichte von Kohnheim.

Der Bazillus des Wettbewerbs und ich glaube ganz sicher, daß es einen solchen gibt, sonst würde nicht in immer weiteren Kreisen wettgegangen, geritten, gefahren, gedichtet, gekocht und gesungen, gerudert, geschwommen, frisiert, gegessen und gei trunken! also der Bazillus des Wettbewerbs hat nun auch die Herren vom Hackeklotz ergriffen und sie werden sich eine blutige Konkurrenz liefern in jenem Artikel, der gemalt so fürchterlich, gut geräuchert aber geradezu berückend und köstlich erscheint: im Schinken! . Minister Podbielski, den die Berliner schmunzelnd dendicken P o d" nennen, weil sie ihn trotz seiner agrarischen Neigungen gern haben, hat als staatlicher Vertreter der Landwirt­schaft sein regstes Interesse für die Veranstaltung kund getan und schon vier silberne und vier bronzene Medaillen als Preise für die glücklichen Sieger im Kampfe gestiftet. Andere schöne Dinge sind gleichfalls in Aussicht gestellt. Eines schönen Tages im Februar wird die Kommission resp. das Preisrichterkollegium, lauter ernste Männer mit wichtigen Mienen und sachverständigen Zungen, zu­sammentreten und von den kurz vorher einzuliefernden saftigen Hinterkeuleü unseres mit Recht so beliebten Rüsseltieres eine Scheibe nach der anderen herunterschneiden, um zu entscheiden, welch glücklichem Sterblichen es gelungen ist, den delikatesten Bissen zu präparieren. Damit aber das Publikum wiederum auch die Preisrichter zu kontrollieren vermag, sollen gleich nach der Ent­scheidung die hoffentlich noch stattlichen Reste des Gemetzels in einer Kosthalle des HotelsKaiscrhof" für jeden ungläubigen Thomas zur Nachprüfung ausgeschnitten werden. Der event. Erlös fließt in die Armenkasse oder dient zu anderen wohltätigen Zwecken. Zweifler behaupten, es werde trotz aller Wettbewerbe doch nicht gelingen, die bisherigen Schinkenmatadore, vor allen Dingen Prag, aus dem Felde zu schlagen. .Aber ein biederer Schlächter­meister, der sich schon Heute seiner Schinken rühmen darf, da sie wirklich« von vorzüglicher Güte sind, erklärte kampflustig auf diese pessimistische Anremplung: Abwarten und dann Tee trinken! Wenn Sie glooben, dat wir uns so mir nichts, dir nichts von de Wenzes- läuse unterkriegen lassen, da kennen Sie Buchholz'en schlecht!" Wir wollen das Beste hoffen und bei dieser Gelegenheit gleich mal der alten schönen Berliner Redensart vonBuchholz'en, den alle Welt so schlecht kennen" soll, nachforschen. Die junge Generation ist nicht selten auf dem Holzwege, diese erbeingesessene Abwehr jiuf irgend welche spöttische Meinung Julius Stindes' und seiner wackeren Wilhelnnne in die Schuhe zu schieben, die ja bekanntlich mit diesem Familiennamen behaftet ist und sich trotz allerBerliner Rangen" im Berlin, wo es. kernig ist, der alten dicken Freundschaft erfreut. Mber die Geschichte stimmt nicht. Wieder andere leiten das drollige Schlagwort von einer alten Anekdote her, in ibier erzählt wird, wie ein Geistlicher einen Sterbenden tröstet mit dem Hinweis auf die ihm vorangegangenen Lieben und Freunde, die er nun bald alle Wiedersehen werde. Da richtet sich 'der Kranke mit aller Kraft noch einmal auf und fragt, der besten Vorsätze für ein' neues Leben voll, den Prediger bestürzt:Herr Pastor, Buchholzen ooch?"Gewiß, mein Sohn" bescheidet ihn der Geistliche,wenn Buchholz als Christ gestorben ist!" Darauf erklärt der HiNscheidende geknickt:Herr- jott, denn jetzt det olle Luderleben da ooch wieder los!" und läßt sich in die Kissen zurücksinken.Nicht doch, mein Freund, dort oben nähren wir uns nicht mehr von irdischer, sondern von himm­lischer Speise, , und auch Buchholz wird dort ein gottgefälliges,! himmlisches Leben führen!" Doch treuherzig seufzt der Anderer Nee, nee, Herr Paster, da kennen Se Buchholz'en schlecht!" Zweifellos entbehrt diese kleine echt Berliner Geschichte nicht der Treffsicherheit. .Aber sie ist doch 'nur erfunden und der wirkliche Urheber des geflügelten Wortes ist kein Geringerer, als unserer Größten einer, nämlich der alte Fritz. Dieser hatte einen Buch­holz als Schatzmeister. MenN ihm nun ab und zu unwill- kommene, kostspielige Projekt?, Bittschriften Forderungen ic. tritt