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Verzeihen Sie die große Bemühung, die ich Ihnen mit diesem Briefe mache; erhalten Sie mir Ihr Wohlwollen und seien Sie meines Tankes und meiner aufrichtigen Hochachtung versichert!

Ihr

sehr ergebener

Richard Wagner.

Luzern, 17. Januar 1867.

WeiHnachLsöücher.

L. v. Ploetz: Das Jauchzen der Geigen. Roman. Verlag von Fleischel & Co. Preis geh. 3.50 Mk. In seinem Helden, Hans von Groth, zeichnet der Verfasser eine problematische Natur. Zwei Seelen leben in dessen Brust, eineweiche zarte" und einekraftvolle starke". Dieser Zwiespalt ist begründet in seiner Abstammung von einem ungleichen Elternpanr: von einem derben Vater, einer vollsaftigen Landjunkergestalt. An die Schil­derung der Jugendjahre auf dem väterlichen Gut schließt sich die LeutnautSzeit. Hans von Groth wird zuerst Offizier in einem Ulanenreginient. Es ist des Vaters Wunsch, daß sein Sohn in Berlin eine reiche Partie macht und hierdurch ihn, dessen Verhält­nisse in den letzten Jahren sehr zurückgegangen sind, wieder saniert. In Berlin spielt nun der Hauptteil des Romans. Es ist das Leben im Kasino des Regiments, auf dem Exerzierplatz der Kaserne, in den Ställen anschaulich geschildert. Vor allem aber wird ein Bild des gesellschaftlichen Lebens in Berlin, in das der stille, verschlossene, mit sich ringende Hans von Groth auf den Wunsch s.iues Kommandeurs eingeführt wird, entrollt, das Leben im Ministcrhotel, im Hause des Kommandeurs, in der Billa des reichen Kaufmanns, im Tattersall, in der Wohltätigkeitsverstell- ung, int Theater. Und in dieser Welt erlebt Hans von Groth seinen Herzensroman.

Friderich, C. G., Natu rgeschichte der deutschen Vögel, einschließlich der sämtlichen Vogelarten Europas. 5. gänzlich umgearbeitete, sehr vermehrte und verbesserte Auflage, bearbeitet von Alexander Bau. Mit 410 naturtreuen Farbendruck­bildern auf 52 Tafeln, mehreren Textbildern, 1 Tafel mit Dar­stellungen der Ranbvogelflugbilder und 2 Tafeln zur Erläuterung des Vogelfanges. Stuttgart, Verlag für Naturkunde (Sproesser & Naegele) 1905. In 24 Lieferungen ä 1 Mk. Tie Friderichsche Naturgeschichte der deutschen Vögel" erscheint hier , zum fünften Male in verbesserter, verschönerter und bedeutend erweiterter Ge­stalt. Es ist nicht nur der Text durch die gewissenhafte Verarbeit­ung aller neueren Forschungsergebnisse der Ornithologie (besonders auch was die biologische Seite dieser Wissenschaft anbelangt) auf die Höhe der Zeit gebracht, sonderit es sind in diese neue Auflage sämtliche europäischen Vögel ausgenommen worden, sodaß das Werk nunmehr eigentlichNaturgeschichte der europäischen Vögel" heißen müßte. Auch die angrenzenden Famten-Gebiete Westasiens. und Nordafrikas find mit in Betracht gezogen, wodurch erreicht wird, daß das Werk jetzt unfern einheimischen Vogelfreund wohl schwerlich jemals im Stich lassen wird, und sei das von ihm etwa erbeutete, aus fernen Gebieten zu uns verirrte Tier auch ein noch so weit her verschlagener Fremdling! Tie Farbentafeln des Werkes sind um fünf vermehrt worden. So dürfte das Werk in seiner neuen Gestalt auch gewiß >.och allen Besitzern der früheren Auslagen begehrenswert erscheinen. Ter Preis ist niedrig Ver­hältnis zu Umfang und Ausstattung des Buches.

Ein n euer Kalender für 2000 Jahre ! Ter G. Franzsche Verlag I. Roth in München bringt einen Kalender für 2000 Jahre in Buchform, welcher für 2 Mk. von jeder Buchhaitdlttng bezogen werden kamt. Der Kalender leistet, was er verspricht, zurück bis zum Jahre 1 und vorwärts bis zum Jahre 2000 ist er für jedes Jahr der sichere Führer. Besonders sei hervorgehoben, daß es sich hier nicht blos um einen Datum- zeiger handelt, vielmehr liegt ein vollständiger Jahres-Kalender vor. Wer mit Terminen zu tun hat auf Gerichten, in Handel und Wandel, wer Reisen plant, kann diesen Kalender vortrefflich be­nutzen. Auf welchen Tag der Vergangenheit eine wichtige Be­gebenheit fiel, zeigt der Kalender ebenso genau, wie den Tag, an deut ein Ereignis stattfinden wird, wie z. B. ein Gedenktag, ein Jubi­läum, eine Testameittseröffnung. Er zeigt dem Glücklichen, ob r als Sonntagskind geboren ward, er zeigt, ob eine Geburtstags­feier auf einen s^est- oder Werktag fällt, beweist dem Zeugen vor Gericht, ob er sich irrte oder nicht, ob Tag und Datum stimmen, er hilft dem Biographen, »dem Geschichtsschreiber, dem Beamten, dem Geistlichen, dem Kaufmann, dem Juristen, mit einem Worte, er ist ein brauchbares Hilfsmittel für jeden Gebildeten und für jedes Haus.

KausrvirLlchufL.

91 ft rn Berger Lebkuche n. Mau setze % Liter Honig iit einer messingenen Kasserolle aufs Feuer, tue, wenn er zu kochen begimit, Vr Kilo gestoßenen Zucker hinein und lasse es so lange ztisammen kochen, bis ein Tropfen, den man auf einen Teller fallen läßt, trocken wird; gebe dann in diese vom Feuer

genommene Masse die Schale von 2 Zitronen, 30 Gramm Sukkade, 60 Gramm kandierte Pommeranzenschale, alles kleingeschnitten, 14 Kilo abgezogene und überquer geschnittene Mandeln, 30 Gr. Simmet, 8 Gr. Gewürznelken, 4 Gr. Kubeben, 4 Gr. Kardamom, 1 ganze Muskatnuß, all dies Gewürz, jedes allein, gröblich ge­stoßen, ein paar Messerspitzen Pottasche und ein halbes Glas Kirschengeist oder Kognak und rühre gleich darauf, so lange der Honig noch etwas warm ist, so viel Mehl hinein, bis es ein starker Teig ist; nehme ihn dann auf das Backbrett, rolle ihn 2 Messerrücken dick aus und forme die Lebkuchen, indem man sie in Größe einer Spielkarte aussticht, bestreue die Backbleche gut mit Mehl, lege die Lebkuchen darauf, backe sie bei mäßiger Hitze und bestreiche sie noch warm mit Zuckerwasser; man muß auch sorgen,^daß vor dem Backen keine Kälte an Teig oder Kuchen komme. Sie sind ganz vorzüglich, müssen aber einige Tage alt sein, weil sie anfangs fast immer zu hart' sind.

Weiße Pfeffernüsse. Nimm U/s Kilo Mehl, 875 Gr. Zucker, 875 Gr. Butter. 3 ganze, tüchtig geschlagene Eier, eine Stange Vanille, von IV2 Zitrone die Schale, etwas Karda­mom, gut 3 Messerspitzen voll Hirschhornsalz, welches in Rosen­wasser aufgelöst wird; ferner nach Belieben fein gewiegte Orangen, 125 Gramm süße und 40 Gramm bittere Mandeln. Dies wird gut durcheinattder geknetet, kleine Kugeln davon auf ein Blech gesetzt und gebacken.

Sprachecke des Mg. Deutschen Sprachvereins.

Scheinbar un d anscheinend. Daß zwischen diesen beiden Wörtern ein wesentlicher Bedeutungsunterschied besteht, gerät anscheinend (durchaus nicht nur scheinbar) mehr und mehr in Vergessenheit. Tie Tageszeitungen kennen fast nur noch schein­bar, das sie unbedenklich auch Da anwenden, wo zweifellos an­scheinend (dem Anscheine nach, wahrscheinlich, vermutlich) stehen müßte. Wer da schreibt: es liegt scheinbar ein Selbstmord vor, die Kolonien gehen scheinbar einer recht erfreulichen Zukunst ent­gegen, die Vergnügtmgsreisettden befinden sich dabei schein­bar recht wohl, der will doch gewiß nickst sagen, daß es sich in allen diesen Fällen nur um den (falschen) Schein handelt. Seine Absicht ist vielmehr, zu bekunden, daß alle Anzeichen dafür sprechen, es sei wirklich so, wie es den Anschein hat. Mit scheinbar verneint man die Wirklichkeit, mit anscheinend wird sie bejaht, wenn auch nur bedingt.Als sich die Griechen scheinbar zurückzogen, vergaßen die Trojaner im Siegestaumel anscheinend die einfachsten Gebote der Vorsicht." (Aus der Zeitschrift des Allg. Teutschen Sprachvereins.)

Litterarisches Kapselrütsel.

9iad;brttd Verboten.

1. Als Gründer der Firma sind ihm mancherlei Ehren zu tet geworden

2. Mit seinem Stock leistete er erheblichen Wiederstand.

3. Wir können hier keine Berserker brauchen, sondern wünschen ruhige Menschen.

4. Hänschen, komm einmal her, der gute Onkel hat Dir etwas Schönes mitgebracht.

5. Durch zu vieles Singen ohne genügenden fachmännischen Unter­richt hat seine Stimme sehr gelitten.

6. Er sah auf Festigkeit im Charakter in erster Linie.

7. Ich mache beliebige Reklame für meine Sachen, je nachdem dies mir nötig erscheint.

8. Mir sind genug rothaarige Menschen im Leben begegnet, ich habe immer gefmtden, daß diese einen besonders zarten Teint haben.

In jedem der vorstehenden 8 Sätze ist der Name eines deutschen Dichters verborgen. Welche sind dies?

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in vor, Nr.r Orleans, Salerno.

Auflösung des Preisrätsels in Nr. 179 der Familienblätter: a: Takt, b: Akt. c: Reis, d: Eis. e: Et. k: Baß.. li: Ja. i; Grippe, k: Rippe: 1: Dotter, in: Otter, x: Treibjagd.

1. Preis:Philipp der Großmütige", Beiträge zur Geschichte seines Lebens und seiner Zeit, herausgegeben vom historischen Verein für das Großherzogtum Hessen, G. Wagner in L i ch.

2. Preis: Leipziger Kalender, ein illustriertes Jahr­buch für 1905, Martha Röhler, Gießen.

3. Preis: Ter dcutfche Spielmann, Bd. 4,Hochland", Else Hellwig, Gießen.

Die Prctsc sind von bett Gewinnern gegen Vorzeigung der Adonne- mentsquitmng in der Geschäftsstelle desGießener Anzeigers" in Empfang zu nehmen.

Redaktion: 21 u au ft Goetz. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,