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berühmten krummen Turm daselbst gegen Sonnenuntergang, verspätete mich oben und hörte auf einmal die schwere Türe unten mit Geräusch zuschlagen. Ich eilte dre dunkeln Treppen hinab, richtig ich war eingeschlossen. Es war hier in Wirklichkeit keine Gefahr, auf lautes Rufen horte man mich außen und der Custode kam herbei zu öffnen, aber e« fuhr mir doch der Moment durch die Phantasie, wo in demselben Pisa einst Ugolino, mit seinen Kindern in den Turm geführt, die Pforte donnernd zusallen hörte, der Schlüssel im Arno versenkt ward und der Unglückliche sich dem gewissen Hungertod geweiht sah."

Vermischte».

* Kinderlosigkeit. Die Bischöfe von Ripon in England und London haben in der letzten Zeit auf die Tat­sache der Abnahme der Geburtsziffer, trotz der Zunahme der Heiraten, hingewiesen und vor den unausbleiblichen Folgen einer derartigen Tatsache gewarnt. Ein Londoner Arzt, der in dem Mittelstände eine besonders große Praxis besitzt, erklärte einem Vertreter desDaily Erpreß", daß feiner festen Ueberzeugung nach in wenigen Zähren die Geburtsziffer Lond ons in ganz un­glaublicher Weise gesunken sein werde. Dm wöchentliche Zahl der Geburten ist bereits heute um 400 geringer als die Durchschnittszahl in den letzten zehn Fahren. Für London allein bedeutet das eine Abnahme des natürlichen Wachstums der Bevölkerung um 20 000 Kinder jährlich. Der Arzt schreibt diese Erscheinung dem Umstande zu, daß die Unlust, Kinder groß zu ziehen, immer ausge­sprochener wird. Vor 20 Jahren trat die Abneigung gegen Kinder zuerst bet der englischen Aristokratie hervor und vor 10 Jahren machte sie sich int Mittelstand bemerkbar. Heute, so erklärte der Arzt, sei es nichts seltenes mehr, Arbeiter sagen zu hören:Wir wollen nicht mit Kindern belästigt sein. Wir haben genug zu tun, um uns selbst durchzu- schlagen." Von feiten der Temperenzler wird natürlich den Wirtshäusern die Schuld zugeschoben. Besser situierte Leute schreiben die Erscheinung der hohen Einkommensteuer zu. Dieselben Klagen über die Abnahme der Kinderschar kommen auch ans Australien. In Neusüdwales sank die Geburtsrate in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent.

* Der Korsettkrebs, lieber die bösen Wirkungen des Korsetts auf den menschlichen Körper ist schon so viel gesagt und geschrieben worden, daß es Enlen nach Athen tragen hieße, wenn man noch mehr darüber berichtete. Und doch ist dies notwendig. Der englische Arzt Dr. Lucas hat über zwei Fälle von Krebserkrankungen bei Frauen be­richtet, die zweifellos auf den Druck des Korsetts an einer bestimmten Stelle des Körpers, und zwar der Brust, zurück­zuführen sind. Der erste Fall betrifft eine Frau, die in einer Pelzfabrik damit beschäftigt war, Kaninchenfelle zur Imitation von Sealskin vorzubereiten, indem sie in leicht gebeugter Haltung mit einem stumpfen Instrument die Felle schabte. Infolge der fortgesetzten Hin- und Herbewegung des rechten Armes und der dadurch b dingten Reibung des Korsetts gegen die Brust trat in dieser eine knotige Ver­härtung auf, die bald zu lebhaften Schmerzen an der Stelle führte, wo das Korsett scheuerte, und schließlich geschwürig zerfiel. Eine Operation hatte zwar augenblicklichen Erfolg, aber es traten doch innerhalb von drei Jahren zwei Rück­fälle auf, sodaß aller Wahrscheinlichkeit nach die Kranke am Krebs elend zu Grunde gehen wird. Der zweite Fall be­trifft eine 59jährige unverheiratete Plätterin, die ebenfalls ausschließlich mit dem rechten Arm zu arbeiten hatte. Bei ihr traten an der Stelle, wo das Korsett bei der Arbeit gegen die Brust gedrückt wurde, schmerzhafte Krebsknoten auf, die operativ entfernt werden mußten. Ob ein Dauer­erfolg erzielt worden ist, muß abgewartet werden. Ist es doch schon seit langer Zeit bekannt, daß das Auftreten des Krebses durch fortdauerndes Reizen einer bestimmten Körperstelle wenn nicht hervorgerusen, so doch mindestens begünstigt wird; Beispiele dafür sind der Krebs der Kamin­kehrer und der Lippenkrebs bei passionierten Rauchern. Es ist daher durchaus an der iZeit, daß die Vernünftigeren unter unseren Damen über die Schädlichkeiten, die sie ihrem Körper zufügen, ein wenig nachdenken, und auch ent­sprechend handeln.

K««st.

Der Wärmewert verschiedener Kleid­ungsstücke ist durch Dr. Bergonis von der Pariser Bio­logischen Gesellschaft durch eine Reihe sorgfältiger und zudem recht merkwürdiger Experimente festgestellt wor­den. Der Forscher nahm eine Büste aus rotem, poliertem und nachher geschwärztem Kupfer,, die auf einen hohlen Holzsockel gestellt wurde. Die Büste war so angebracht, daß sie leicht mit mehr oder weniger langen Kleidungs­stücken angetan werden konnte. In dem Holzsockel befand sich eine Glühlampe, um der Büste eine ganz bestimmte gleichbleibende Temperatur mitteilen zu können. Diese Tem­peratur wurde durch ein langes Ichermometer gemessen, dessen Kugel sich etwa in der Mitte des inneren Hohl­raumes der Büste befand. Das Thermometer besaß eirm sehr genaue Skala, an der noch die Fünftel der Grade ver­merkt waren. Die Ablesung des Thermometer erfolgte! aus einem bedeutenden Abstand mittels eines Fernrohrs, um jeden Beobachtungsfehler auszuschließen. Aus diesem Wege konnte Noch der 50. Teil eines Celsiusgrades beim Steigen oder Fallen der Quecksilbersäule nachgewiesen wer­den. Das Laboratorium, in dem die Versuche stattfanden, blieb ungeheizt, so daß ein Unterschied von 251/2 Grad zwischen der Temperatur der Büste und der des umgebenden Raums erzielt toerben konnte. Gemessen wurde nun die Zeit, die verstrich, während sich die bekleidete Wiste um einen Grad abkühlte. Die Verzögerung der Abkühlung durch das zu untersuchende Kleidungsstück wurde gegeben durch das Verhältnis der zur Abkühlung notwendigen Zeit bet der nackten Büste. Diese Anordnung der Versuche ergab also die Möglichkeit, nachzuweisen, welchen Wert die ver­schiedenen Bekleidungen auf die Erhaltung der Körper­wärme gegenüber der abkühlenden Wirkung der Außen­luft besitzen. Untersucht wurde eine sehr große Zahl von Kleidungsstücken aus verschiedenen Stoffen. Am niedrigsten stellte sich das bezeichnete Wärmeverhältnis bet einem Sweater, wie ihn Radfahrer gebrauchen, aus Baumwoll­trikot und hellbrauner Farbe und einem Gewicht von 340 Gramm, der fich den Formen der Büste dicht anschloß. Das Wärmeverhältnis war bet dieser Bekleidung 1.1, d. h. die Abkühlung der Büste erfolgte fast ebenso schnell, als ob sie ganz unbekleidet gewesen wäre. Die nächstntedrige Zahl von 1.35 ergab sich für ein kurzes Taghemd aus Baumwolle (Netzgewebe) und für eine Unterjacke ans neuem Flanell von mittlerer Stärke ohne Aermel. Nur wenig, darüber stand mit 1.4 ein wollenes Jägerhemd aus leichtem Trikot. Dann folgte mit 1.5 ein Hemd aus Wolle und Seide von sehr feinem, dichtem Gewebe Das Verhältnis, von 1.6 hatten eine Jagdweste aus sehr dickem Woll­trikot und eine schwarze Lederjacke (Chauffeur), tote ste von Automobilisten getragen wird. Em Hemd von weichem, aber kräftigem Bcmmwollslanell ergab die Zahl 1.57. Eme dunkelblaue Lodenpelerine aus angeblich wasserdichtem Ge­webe stellte sich aus 2.1. Noch besser, nämlich 2.o, war das Ergebnis bei einer Unterjacke aus fo genannter Pyre­näenwolle trotz schlechten Schlusses auf der Vorderseite und ebenso bei einer Winterjacke aus dickem Tuch mit Seide gesüttert. Den höchsten Stand erreichte mit 4.5 eme ameri­kanische Pelzjacke mit einem Futter von dickem schwarzem Tuch, die freilich auch ein Gewicht von 4200 Gramm,besa^ Um nur einen der Schlüsse, die sich ans diesen Messungen ziehen lassen, hervorzuheben, sei darauf aufmerksam ge­macht, daß man in einer Pelzjacke bon der beschriebenen Art bei einer Temperatur von12, Grad nicht mehr Wärme verliert, als in der Lodeupelerine bet einer Tem­peratur von 12 Grad über dem GesrierMnkt,

Charade.

Das Erste kann nicht langsam fein, Der Trägheit ist's zuwider.

Das zweite liegt in deiner Natur, Auch geht es auf und nieder.

Es geht auch hin und her Und Kranke scheu'n es sehr;

Das Ganze hat mit Sturmesmacht Ten Ostergast ans Ziel gebracht.

Auflösung i« nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr: Es fällt kein Meister vom Himmel.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und B erlag der Brühl'schenvniverMtk-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.