Minnen!
Ein herrlicher Gommertag! Die Sonne lacht versühre- m Sie lugt in alle Eckchen, sie kommt auch in den engsten Winkel, und jedes Gräslein, das im verborgenen blüht, öffnet sich ihrem Hauch und entfaltet sich in ihrem Schein immer herrlicher.
Und nun erst auf der großen Wiese! Ist das ein Knospen und Blühen! In allen Farben stehen ste ba; tausende von Kelchen haben sich der Sonne geöffnet. Solch! eine Pracht! Menen und Schmetterlinge surren von einer Blüte zur andern, sie taumeln und berauschen sich an all dem süßen Dust.
Gleich einem Riesensalter hüpft Klein-Lucie daher. Sie ist, mit Mutter hinausgegangen. Fetzt hat sie sich von Mamas Hand losgerissen. Sie ist sehr beschäftigt, Blumen pflückt sie unermüdlich,: Sternblumen, Klatfchrosen, Korn- blunien, alles mögliche in buntem Durcheinander, einen Riesenstraußi, so groß, daß ihn die kleinen Hände kaum fassen können. Und bei jeder Blume jubelt sie auf, freut sich! von neuem und kann gar nicht genug fragen, wo all die Blumen herkämen und wer sie geschaffen hat. . . . Wie sie nun an einem klaren Bache ausruhen, freut sie sichl als sie die kleinen Vergißmeinnicht erblickt und das Pfennigkraut mit seinen goldgelben Blüten und anmutigen Blättchen.
Wie betrübt trippelt Lucie von dannen, als sie nun mit Mama nach Hause eilt; am liebsten möchte sie den ganzen Tag bei den Blumen bleiben. So geht es ja nahezu allen kleinen Knaben und Mädchen; ihre größte Freude sind die Blumen.
Lucie hat zuhause ein kleines Brüderchen. Der arme Ernst! kann nicht hernmspringen, wie Lucie; er muß immer in seinem Stühlchen sitzen und wartet ost ungeduldig aus das lebhafte Schiwesterchen. Auch jetzt sitzt er wieder in dem Garten und späht unruhig umher. Seine Lieblinge, die wundervollen Rosen, Nelken, wie sie alle heißen, die, von Gärtners Hand gepflegt, in üppiger Fülle rings um ihn her blühen, die er sonst gar nicht genug anstaunen kann, die ihm tausende von Märchen zuflüstern, jetzt beachtet er sie gar nicht- Der arme Keine Junge! — Auf einmal hört er ein helles Lachsen: Klein-Lucie erscheint, fliegt auf ihn zu und schüttet ihm die Blumen auf die Decke. War das nun ein Vergnügen! Während vier kleine Hände rasch die Blumen ordnen und in schöne Sträuße winden, die noch lange das Zimmer schmücken werden, erklärt Ernst der kleinen Maus das Wachstum der Blumen, und spielend lernt das Kind und staunt die Mrsorge an, mit der der liebe Gott das alles eingerichtet hat.
Tie Zeit rückt vor; die Blumen sind verblüht. Aus den Feldern steht nur noch die giftige Herbstzeitlose, die aber immerhin durch ihre schöne Form und Farbe das Auge erfreut.
Es wird immer stürmischer und kälter. Lucie ist gar nicht mehr so ftöhlich. Mama spielt und singt nie mehr ihre schönen Lieder und hat ein so garstiges, schjwarzes Kleid an. Der Keine Ernst, aber ist nicht mehr da. . . . Lucie bangt sich so nach ihm! Ste hat immer all das, was ihr Keines Herz bewegte, ihm anvertraut, wenn er so still in seinem Stühlchen saß. Mutter sagt, er wäre jetzt bei den Keinen Englein im Himmel; nun könne er mit denselben herumspringen, gerade so vergnügt, wie Lucie immer springe, und er wäre immer lustig und guter Dinge.
Heute soll Klein-Lucie einen Kranz winden, den will Mama Ernst bringen. Lucie eilt in den Garten hinaus. Ja, da ist's kahl; nur noch; wenige Astern und Reseden sind da.
Tann geht Mama mit dem Kranz weg und läßt die Kleine allein. Es ist Mlerseeleu, ein ernster, trauriger, den Toten geweihter Tag. Ter Friedhof, nach dem Mama ihre Schritte richtet, wäre kein Ort für Lucie. Mn seltsames Leben herrscht heute dort, ernste, dunkle Gestalten Kuschen durch die fallenden Nebel hin und her; sie alle schmücken die Gräber ihrer Lieben mit den letzten Zeichen des Sommers. Mm wird es kalt und stitt iiberall, gerade wie in dem Grabe.
Tie Tage werden kürzer und kürzer, schon fällt der erste Schnee und bedeckt alles mit einer trüben ioeißen Decke; Alles Leben scheint abgestorben, kaum daß man noch ein paar Menschen aus der Straß« sieht. Die lieben Kleinen besonders müssen bei diesem Wetter zu Hause bleiben. . Erft macht es ihnen Spaß, kenn nun können sie den
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ganzen Dag mit ihren Spielsachen zubringen. Auch Sude freut sich einmal so recht lange mit ihren Puppenkindern spielen zu können; aber nach und nach wurde es ihr doch langweilig. Selbst die Geschichten der alten Emma mochte sie nicht mehr hören. Kaum kann sie die Weihnachtszeit abwarten, die Tagst scheinen ihr endlos. So stille und ruhig ist alles im Hanse.
Doch nicht lange mehr währt diese Ruhe. Wie bald ist nun Weihnachten da! Es bringt uns die ersten farbenprächtigen Blüten ans dem Süden, dann öffnen die Warmhäuser ihre Pforten. Was gibt es da nicht alles! Maiblumen, Flieder, Slpfelblüten! Tag für Tag bringt Papal Blumen mit nach Hause, und Lucie hat ihre Freude daran. Wie schön ist es, wenn sie von einem recht langen Spaziergang in das gemütlich, durchwärmte Zimmer kommt und der berauschende Tust ihr entgegenschlägt.
Jetzt kann man auch immer größere Spaziergänge machen; die Tage werden heller, die Sonne scheint wieder und jubelnd entdeckt Lucie eines Tages die ersten Schneeglöckchen. Sind die schön: Fröhlich bringt sie die erftert Frühlingsboten nach Haus!
Und wieder nach einigen Wochen blühen die Veilchen, Gänseblümchen und Anemonen. Gerade tote im vergangenen Sommer pflückt Lucie ganze Hände voll. Wem wird jie diese Blumen bringen? Ernst ist doch bei den lieben Engeln! Ja, wißt Jhr's denn nicht? Ter Storch hat Lucie ein kleines Brüderchen gebracht; das liegt zu Hause in seinem Bettchen und strampelt und kräht vor Vergnügen. Lucie, die große Schwester, ist sehr stolz auf das Brüderchen. Es kennt sie schon und freut sich> wer» sie ihm die ersten Jrühlingslinder bringt.
Helene W a l l a chi.
Vermiete»»
* Ein grimmiger Feind des Korsetts ist der französische Arzt Dr. Marechal, der den Fehdezug gegen dieses Kleidungsstück sogar mit Hilfe der Gesetze geführt wissen will. Er stellt die Behauptung auf, daß von hundert korsetttragenden Frauen nicht weniger als siebzig Gesundheitsstörungen aufweisen. Er schlägt deshalb vor, gegen diese schädliche Mode ein Gesetz zu erlassen. Keine Frau unter 30 Jahren darf — so lautet die erste Bestimmung — unter irgend welchen Umständen ein Korsett tragen. Jede Frau, die dieser Vorschrift zuwider handelt, wird mit drei Monaten Gefängnis bestraft; ist sie noch nicht mündig, so wird den Eltern oder Vormündern eine Geldstrafe von 100 bis 1000 Francs auferlegt. Eine weitere Bestimmung giebt außerordentlich strenge Vorschriften in Bezug auf die Herstellung und den Verkauf von Korsetts. Zum Korsettverkauf bedarf es einer besonderen Erlaubnis; die jeweilige Käuferin muß ihre Personalien in ein zu diesem Zweck angelegtes Buch eintragen. Ueberschreitungen dieser Bestimmung sollen streng bestraft werden. Wer älter als 30 Jahre ist, unterliegt keinen gesetzlichen Zwangsvorschriften.
* 282 Millionäre in Charlottenburg. Uebev die großen Vermögen gibt die Ergänzungssteuer viel genauere Angaben als die üblichen Zusammenstellungen über die Zahl der Millionäre nach der Einkommensteuer, d. h. nach deren Erwerb. Nach dem neuen Verwaltungsbericht von Char- lottenbnrg birgt diese Stadt für die Veranlagungszeit bis 1904 nicht weniger als 282 Personen in ihren Mauern, die ein Vermögen von mehr als eine Million Mark zu besitzen erklärt haben. 60 davon haben mehr als zwei Millionen. Daß einzelne dieser Vermögen noch weit größer sind, beweist die Einkommensteuer, für die Einkommen bis zu 685 000 Mk. für 1902-1903 angegeben sind. Einen Millionär nach dem Einkommen gibt es in Charlottenburg seit dem Jahre 1901 nicht mehr. Vermögen von ein bis zwei Millionen zählt die Stadt 222. Fast doppelt so viel, 530 Einwohner, besitzen eine halbe bis eine Million. Im ganzen haben 3886 Charlottenburger ein Vermögen von mehr als 100000 Mark.
* Newyork, 4. Jan. Auf 100 000 Doll, bewertet Mrs. Luis« de Lang hier die Liebe ihres Gemahls. So viel Entschädigung verlangt ste im Klagewege von der Gräfin Sarah E ste rhazy, weil diese ihren Mann Martin


