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Vermischtes.
* An der Wiege eines Königskindes. Der kleine Prinz von Piemont hat sehr frühzeitig den Lieblingssport seines Vaters kennen gelernt. Wie ein römischer Korrespondent berichtet, konnte man knrz vor der Abreise der königl. Familie von Racconigi den kleinen Prinzen und seine Amme im Park in einem Motorwagen sitzen und aus das Kommen der Königin warten sehen. Die Königin war immer eine zärtliche Mutter: aber man kann sich denken, daß sie in ihren Jüngstgeborenen wie vernarrt ist, und man erzählt auch manchen spaßhaften Zug darüber. So hat sie schon mehrere Wärterinnen entlassen, weil ihre übermäßige mütterliche Sorgfalt Anlaß zu Zwistigkeiten gibt. Jedes Kleidungsstück, das dem Kind angezogcn wird, befühlt die Königin erst, um sicher zu sein, daß es auch gut getrocknet ist. Aus Argentinien kam in der vorigen Woche eine prächtige Wiege in indischem Stil, aus farbigen Gräsern gestickt, an. Eine zweite wurde von Italienern aus Newhork geschickt. Tie Königin Elena soll siebzehn Wiegen aus den verschiedenen Weltteilen' erhalten haben, und wenn sie auch nur eine gebrauchen kann, so besteht sie doch darauf, daß der Prinz in jeder einzigen wenigstens eine kurze Zeit liegt, um die Geber nicht zu enttäuschen. Jetzt erscheint auch schon seine Photographie auf Postkarten und in Zeitschriften. Ein unternehmender Franzose schrieb vor einiger Zeit an König Viktor Emanuel und bat um das Monopol, als einziger die Züge des Thronerben vervielfältigen ■ zn dürfen. Als Entgelt für dieses Recht wollte er zehn Prozent von dem Ertrag den von der Königin begünstigten Liebeswerken zuwenden. Tie Königin hat selbst auch ihren Sohn bereits in verschiedenen Stellungen skizziert. Aus Paris hat die Königin vor kurzem ein schönes „Babybuch" kommen lassen, in das das Gewicht, der Körpcrzustand, das erste Lächeln des Kindes usw. mit liebevoller Sorgfalt eingetragen werden. Tas Kind wird jeden Morgen gewogen, und wenn die Zunahme unter dem Durchschnitt ist, so hält die Königin mit ihren Aerzten Beratung. König Viktor Emanuel, der fast spartanisch streng erzogen wurde, erhebt vergebens Einspruch gegen diese Methode. „Wenn Tu zwei Söhne hast, kannst Tu ein solches Wagnis nnternehmen", meint die Königin. „Wir haben nur den einen Sohn, und es ist besser, daß man seiner körperlichen Erziehung zuviel Aufmerksamkeit schenkt als zu wenig." Von allen Herr- . scherinnen Europas ist besonders Königin Mexandra von England um das Wohl des Kindes besorgt. Fast jede Woche tauschen die beiden Königinnen Briefe aus; Königin Alexandra hat dem Kinde auch eine große illustrierte Bibel geschenkt.
* Ter Einfluß von Augenüb eranstren gung auf das Gehirn. Es wird ziemlich allgemein angenommen, daß das Auge als der meist entwickelte Sinn in einem besonders engen Zusammenhang mit dem Gehirn steht. Damit ist die Anschauung verbunden, daß eine Ueberanstrengung des Auges stärker auf das Gehirn zurückwirke, als die irgend eines anderen Sinnes. Viele Aerzte sind sogar der Meinung, daß auf diesem Wege verschiedene Störungen der geistigen Tätigkeit mittelbar durch 'das Auge hervorgerufen werden. Ueber diese Frage hat nun vor der Akademie der Medizin in Newhork eine sachmännische Erörterung stattgefunden. Besonders eingehend wurde der Gegenstand von Professor Tana behandelt, der zunächst darauf hinwies, daß man zwar von Ueberanstrengungen des Auges, nie aber von einer solchen des Ohres oder der Zunge sprechen hörte. Bit Bezug auf das Auge unterscheidet man gewöhnlich zwei Arten von Ueberanstrengungen, eine eigentliche, die auf einem Unvermögen der Anpassungsnerven beruht, und eine andere, die den Anstrengungen zur Ueberwindung dieser Unstimmigkeiten zuzuschreiben ist. Ter letztere Vorgang soll cs sein, der die Grundlage für eigentliche Geistesstörungen werden kann. Professor Tana stellt aber die Behauptung auf, daß überhaupt keine tvirUiche Geistesstörung je von Augenüberanstrengung ausgegangen und daß ebensowenig eine solche je durch eine Korrektur von Sehfehlern geheilt worden ist. Eine gewisse Erschöpfung und Niedergeschlagenheit tritt allerdings ein, wenn Studenten und Bücherwürmer ihre Augen überanstrengen, falls, diese schon Refraktionsfehler aufweisen; dasselbe wird bei Personell mittleren Alters erfolgen, die an beginnender Kurzsichtigkeit leiden. Ruhe und auch die Benutzung passender Gläser sind hier das einfache und- einzige Heilmittel. Tagegen^ werden geistig gesunde Menschen durch Sehfehler nicht geistig krank, und nur erblich belastete Personen können durch Ueberanstrengung des Anges schneller diesem Schicksal zugeführt werden. Auch andere Sachverständige vertraten den Standpunkt, daß die Beziehung von Epilepsie, Veitstanz und andern Erkrankungen des Gehirns zu der Beschaffenheit des Auges sehr übertrieben worden wäre. Es sind verschiedentlich gründliche Versuche gemacht worden, den Einfluß einer Augenbehandlung bei Epileptischen zu beobachten, aber stets sind die erhofften Erfolge ausgeblieben. _____
«Humoristisches.
* Der A st ronom als B r ä u t i g a m. „Steh' bett Stern da oben, Oskar — das ist unser Glücksstern!" — „Tu irrst, Geliebte! Tas ist Alpha im Kleinen Hund!"
* 'E i n echter Sauertopf. „Schön' guten Tag, Herr Registrator! Wie bekommt Ihnen denn Ihr Urlaub?"
„Ach lassen S' mich aus! Ich muß immer an den Tag denken, wo der Tienst tvieder beginnt — und das gift' mich in einem fort!" —
H ö ch st e L e i st u n g.
Ihr meint, cs sei ttichts Wahres an den Späßen
Von all' den Professoren, die zerstreut?
Ich kannte einen, der den Schirm vergessen
Bei einem Regen, den er selber prophezeit! ' v
«Literarisches.
— Deutsche Burgen u n d Schlösser — so kautet der Titel eines illustrierten Aufsatzes von Tr. Damm in der „M o d e r n e n Kun st" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57, Preis des Heftes 60 Pf.). Des Weidmattits Herz erfreut Buchwalds Plauderei über die deutschen Jagdhunde, zu der C. Sterry Zeichnungen lieferte. Tora Duncker schildert die.ersten Bühnen- erfolge Paul Lindaus.. Grab eins Roman „Tas stille Leuchten", hält das Gebirgsmilieu fest. Tie bildende Kunst berücksichtigt der Text dieses Heftes u. a. mit einem illustrierten Artikel über Holzschnitzerei in Oesterreich. Ein Aquarellsacsimiledruck von C. Röchlings Schlachtbild „Friedrick der Große bei Zorndorf vor der Front des Regiments von Bülow" wird Sammlern Freude bereiten, wie auch die Holzschnitte nach den Gemälden „Ein Göttertrank" von dem Münchener humoristischen Genremaler E. Harburger, H. Courselles-Tumonts Komposition „Die Gefangene" und P. E. Mesplss, Balletszene: „In vollem Glanz". Als Extrabeilage ziert das Hest ein Holzschnitt aus Talbot Hughes'- Allegorie: „Tas Schicksal".
— „T er Grütli-Ka lender". für das Jahr 1905. . 100 Seiten Quarts. Preis 50 Cts. — Rob. Seidel führt uns in diesem Kalender über den Gotthard ins Tessin bis L u g a n o in einem Artikel, der jedem die Sehnsucht ttach den sonnigen Gefilden der Südschweiz wachzurufen vermag. Mit 16 Illustr. Taneben Erzählungen, worunter eine von Ilse Frapan hervorgehoben zu werden verdient. Ein Basler Humorist, Redakteur F. A., hat einen Beitrag beigestenert und zwar: „Der Herr Gluckst verzellt, was-em passiert isch, wo-n-er het welle in ostasiatische
Krieg zieh".
— Der deutsche Spielmann, herausgegcben tiott Ernst Weber, verlegt von Georg D. W. Callweh-München, nennt sich ein dichterisches Sammelwerk für Jugend und Volk., Tas Beste der gesamten deutschen Literatur in Poesie und Prosa, insofern die Stücke kinder- und volkstümlich genannt werden können , will er geben. Tie Sammlung gliedert sich in Einzelbände, von denen jeder ein in sich geschlossenes Ganzes bildet und von einem Künstler illustriert erscheint, dessen Eigenart dem Charakter des jeweiligen Stoffgebietes ungezwungenen Ausdruck verleiht. Obgleich auch einzeln zu haben, eignet sich dock die ganze Folge wie kaum ein zweites Werk der Vergangenheit und der Gegenwart zur Anschaffung für Lesebibliotheken. Ter deutsche Spielmann hofft, zum eisernen Bestand iebec Volks- und Jugendbücherei zu werden. Er huldigt.:icht einer vorübergehenden Mode des Tages. Er schöpft aus dem aufgesveicherten Schatz der Jahrhunderte und wird darum auch seine Geltung für das Jahrhundert behalten. Erschienen sind bisher: Band 1 Kindheit, illustriert von Ernst-Kreidolf, Band 2 Wanderer, illustriert von I. V. Cifsarz, Band 3 Wald, illustr. von W. Weingärtiter, Band 4 Hochland, illustr. von Franz Hoch, Band 5 Meer, illustr. von I. V. Cissarz, Band 6 Helden, illustr. von W. Weingärtner, Band 7 Schalk, illustr. von Julius Diez, Band 8 Legenden, illustr. von G. Ad. Ströbel, Band 9 Arbeiter, illustr. von Georg Osk. Erker, Bänd 10 Soldaten, illustr. von Georg Osk. Erler, Band 11 Sänger, illustr. von Hans Röhm, Band 12 Frühling, illustr. von Hans v. Volkmann, Band 13 Sommer, illustr. von Edm. Steppes, Band 14 Herbst, illustr. von Karl Biese, Band 15 Winter, illustr. von Karl Biese.
Bexirrätsel.
Nachdruck verboten.
Nimm ein Drittel Apfelsine, Doch vergiß die Farbe nicht. Weißt du nicht, wie sie erschiene, Weint es dunkelt: so bediene Dich besondrer Art voit Licht. Nnie ihn, der es erfunden, Dessen Raine wohlbekannt. — Hast du Alles recht verbunden. Ist sogleich ein Wort gefunden Mir „Musikwerkfabrikänt." Auflösung in nächster Nunrnter.
Auflösmtg der Charade in vor. Nr.r Brand, Eis; Braitdeis (Stadt in Böhmen.)
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sclMr Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


