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Ei, das ist ja ein Staatskerl!" bemerkte sie endlich. Wie kam er nur dazu, sich gerade in Sie zu verlieben?"

Warum wundert ©ie das? Warum sollte er mich nicht lieben?"

Weil Sie so einfach, so sittsam und bescheiden sind, dabei allerdings ich gebe es zu recht hübsch; aber ein sanftes Täubchen ohne Feuer und Temperament, wäh­rend dieser hier" sie klopfte mit ihrem Kneifer auf den Rahmeneher ein kluger, kecker Streber genannt werden könnte, der kaltblütig und unentwegt seine Ziele verfolgt. Zudem sieht er aus, als ob er sich vorläufig noch nicht über­mäßig nach einem Liebchen oder einer Gattin sehnte. Kurz, daß ich es Ihnen nur offen sage: er paßte viel eher für mich als für Sie."

Ach Unsinn!" rief ich höhnisch.

O nein; es liegt vielmehr auf der Hand. Ich bin un­geheuer reich und er ist ungeheuer ehrgeizig . . ."

Sie täuschen sich Im Gegenteil, nicht ein Fünkchen von Ehrgeiz hat er. Denn als er damals im Offiziers­examen durchfiel, war er sehr vergnügt darüber."

Was, dieser Mann?" schrie sie auf und setzte sich plötzlich neben mich.Was für einen Beruf hat er denn jetzt?"

Auf einer Tecpflanzung angestellt? Du meine Güte, und ich, hatte geglaubt, er müsse zum mindesten erster Sekretär des Vizekönigs sein. . . Na, schäme dich, Hatty Schulyer, diesmal hast du nichts gewußt. Daß Sie Braut sind, hatte ich aber doch erraten, Miß Ferrars."

In diesem Augenblick trat Mrs. Blasson, die Inhaberin des Bettes Nummer 4, in Seide rauschend und etwas allzu stark mit Magnolienblütenduft parfümiert, näher und stellte sich ebenfalls hinter uns. Sie trug ein glitzerndes, schwarzes Gesellschaftskleid und eine Perlenkette um den Hals.

Wovon sprechen Sie?" fragte sie gedehnt.Und wer ist dieser Herr hier?" Sie beugte sich vor und nahm die Photographie an sich.

Eine lange, vielsagende Pause folgte. Endlich sagte sie: Ei, ei, das ist ja Mr. Thorold! Wie merkwürdig! Wohl Ihr Eigentum?" Sie nickte Mrs. «Evans zu.

Nein", erwiderte diese,er gehört Miß Ferrars im Vollen Sinne des Wortes."

Ihnen, Miß Ferrars?" wiederholte sie in ungläubi­gem, für mich durchaus nicht schmeichelhaftem Tone.

Tann musterte sie mich mit dem Rahmen in der Hand, vom Kops bis zu den Füßen. Sie schien entschieden wenig Anziehendes an mir zu finden.Mein Erstaunen ist aller­dings sehr groß, denn ich, hatte keine Ahnung, daß Mr. Thorold verlobt ist, und demnächst heiraten ivird. Kennt er Sie schon lange?"

Seit meinem fünften Jahre."

Wirklich? Ein beneidenswerter Mann!" spöttelte sie. Also eine Kinderstubenliebe, die bei einer Arche Noah begründet und mit Pflaumenmus und Butterbrot besiegelt wurde."

Ich antwortete nichts darauf, sondern streckte nur die Hand aus, mein Eigentum zuriüHu fordern.

Nun" sie händigte es mir ein,da wäre denn also das Geheimnis aufgeklärt! Ich dachte mir schon immer, daß sein zurückhaltendes, ungeselliges Wesen einen besonderen Grund haben müsse. Und . nun soll also seine lobenswerte Treue endlich belohnt werden! Ich freue mich, daß ich Gelegenheit gehabt habe, Miß Ferrars Bekanntschaft zu machen." Dabei sah sie mich hochmütig an, nickte uns allen flüchtig zu und rauschte davon.

Nein, was für einen Aufruhr das Konterfei Ihres Bräutigams verursacht hat!" rief Hatty schalkhaft.Ver­stecken Sie es rasch es könnten sonst am Ende hier herum noch, mehr Freundinnen -von ihm auftauchen, oder besser noch, geben Sie es mit", sie streckte lachend die Hand ausich will es bis zum Schluß der Reise in gutem Gewahrsam halten." (Forts, folgt.)

Aie Leiter des Krieges im Hauptquartier des Kaisers von Japan.

(Nachdruck verboten.) Von Dr. Ludwig Rieß. II.

Von den beiden aktiven Staatsministern, die zum Kriegsrat des Kaisers gehören, ist der Kriegsmittister Te-

rautschi erst vor einigen Monaten in seine gegenwärtige Stellung gelangt. Er gilt für einen seinen Verwaltungs- apparal technisch vollkommen beherrschenden Systematiker von großer Arbeitskraft und übertriebener Geneigtheit, mög­lichst viel routinenmüßige Details persönlich zu erledigen. Zu den wirklichen Schmieden des japanischen Schwertes kann man ihn aber nicht zählen; in den Ruhm, der in der Periode unserer großen Kriege Roon für sich allein bean­spruchen konnte, teilen sich in Japan der Marquis Oyama, der Graf Katsura (jetzt Premierminister) und Baron Ko- dama, Terautschis Amtsvorgänger. Dagegen ist der Ma­rineminister Baron Pamamoto der Tirpitz der japanischen Flotte. Er konnte, begünstigt von der gerade der Entwicklung der Schlachtflotten günstigen Zeitströmung, seit sechs Jahren das gewaltige Programm durchführen, das die seit unserer Pacht Kiautschaus und der russischen Festsetzung in Port Arthur sowie besonders seit der Erwerbung Hawais und der Philippinen durch die Vereinigten Staaten veränderte Meltstellung Japans forderte. Es gelang trotz einigen Kampfes mit dem Oberhaus ganz nach Aamatmotos Wünschen. Besonders die Anlage eines eigenen Stahlwerks für die Marine, obwohl ein auf Staatskosten für allge­meine Zwecke errichtetes Werk noch nicht im Betriebe war, kann als Beweis für den Vorzug gelten, den Forderungen für die Flotte in Japan genießen. Die allgemeine Beliebt­heit des Admirals stieg mit seinen Erfolgen. Iamamoto zeichnet sich wie der früher mit der Marine aufs engste verbundene Marquis Saigo durch eine in Japan seltene Körperhöhe aus und gewinnt durch die mitteilsame Fröhlichkeit seines Wesens. Als junger Mann widmete er sich wie Kamimura, der jetzige zweite Befehlshaber der Flotte vor Port Arthur, zunächst an der alten llniversität in Tokio gelehrten Studien, trat aber noch ehe er 21 Jahre alt wurde, zu der in der Hauptstadt neugegründeten Marine­schule über. 1874 bot ihm die Expedition nach Formosa Gelegenheit, den Dienst an Bord eines Kriegsschiffes kennen zu lernen, und nach Absolvierung der Marineschule machte er auf einem deutschen Kriegsschiffe die große Fahrt um die Welt mit. Als Lehrer an der Marineschule, besonders für Ballistik, und auf drei großen Reisen nach Europa und Amerika erwarb er sich die Fachkenntnisse und die ge­läufige Beherrschung des Englischen, die ihn auszeichnen. Im letzten Kriege war er im Hauptquartier als Adjutant des Marineministers tätig. Schon mit vierundzwangzig Jahren wurde er Kontreadmiral und drei Jahre darauf Marineminister. Unter den vielen Satsumanern, die in der Flotte außerordentlich schnelle Karriere gemacht haben, ist er der bekannteste.

Tenn es ist kein Zufall, daß die Marine im Haupt­quartier nur durch Angehörige des Satsuma-Klans vertreten ist. Gerade die Satsumaner tvidmeten sich seit der Gründ­ung der kaiserlichen Flotte vor 35 Fahren dem Seedienst mit besonderer Vorliebe. Sie haben dem Jnselreiche des fernen Ostens in der Person des Vikomte Sukenori Ito, des Rangältesten unter den Mmiralen im Hauptquartier, auch den vielgefeiertenjapanischen Nelson" gegeben. Die Namengebung der oftgenannten argentinischen Kreuzer, die als Nisshin und Kasuga jetzt in Japan kriegsbereit genmcht werden, war eine wohlbedachte Ehrung zugleich! des Sat­suma-Klans und des Admirals Ito persönlich Denn Kasuga (der Name bedeutetFrühlingstag") hieß das vom Sat­suma-Klan 1867 gegen den Shogun ausgesandte Kriegs­schiff, das der damals 24jährige Ito in der Seeschlacht auf der Höhe von Awa kommandierte, und Nisshin, (Tages­anbruch") war der Name des ersten kaiserlichen Schlacht­schiffes, das Ito kommandierte, und mit dem er 1876 nach Korea fuhr, um dieses bis dahin verschlossene Königreich dem Weltverkehr zu eröffnen. Der japanische Nelson ist 61 Jahre alt, groß und stark gebaut, etwas wortkarg in seinem Wesen, fast ohne ein graues Haar an den Schläfen und im herabhüngenden Schnurrbart. Er verdankt seine Ausbild­ung für den Seekrieg noch der Marineschule, die der Shogun gegründet hatte. Mer als die inneren Wirren begannen, verließ Ito den Dienst, für den er erzogen wurde, und wirkte als Kundschafter für die kaiserliche Partei. Tiefe Verdienste um die kaiserliche Sache in der kritischen Zeit der Restauration sind jedoch fast in Vergessenheit ge­raten, seitdem Ito als Kommandant der vereinigten Flotte am Jalufluß und vor Weihaiwei feinen Namen unaus­löschlich in die Ruhmestafeln der japanischen Geschichte eingegraben hat. Der chinesische Wmiral Ting, dem er die