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Warte! Und inzwischen", fuhr sie fast schreiend fort, „kaust sie der Radschah von Ulu. Mcht eine Stunde ist zu verlieren. Höre wohl: Du sollst nun mit Thorold sprechen und ihn überreden. Es wird zu Deinem eigenen Vorteil sein. Merke Dir: zehntausend Pfund schenke ich Dir als Hochzeitsgabe, dann brauchst Du nicht mehr zu arbeiten und zu dienen; kannst Dein Leben und Deine Jugend genießen und der Welt draußen Deine Schönheit zur Schau stellen, wie es unter euch schamlosen Weibern ja Sitte ist." „Ich lasse mich durch keine Geschenke bestechen. Ueber- dies habe ich nicht den geringsten Einfluß auf Mr. Thorold. Als ob er mir erlaubte, mich in die Staatsangelegenheiten einzumischen! Ich bin hier, um die Kinder zu unterrichten, und nicht, um mich mit Geldgeschäften zu befassen." „Du bist hier, um meinen Befehlen zu gehorchen!
Glaubst Du, ich, die Rani Sundaram, die seit vierzig Jahren über diesen großen Staat herrscht, lasse mir durch ein einziges erbärmliches Weißgesicht meine Hoffnungen vereiteln? Und groß ist Deine Macht, o Närrin! Du brauchst sie nur zu erproben, brauchst nur zärtlich mit ihm zu reden. Deinen Arm um seinen Nacken zu schlingen. Er ist auch nicht mehr als ein Mensch, dazu ein verliebter Mann, und Liebe und Klugheit wohnen nicht beisammen. Ein Küß von Deinen Lippen rettet ihm das Leben; dieser Kuß ist in Wahrheit der Preis der Jasra-Perlen."
Ich machte die verzweifeltsten Anstrengungen, diese fürchterliche Frau zu unterbrechen, allein sie redete un- barmherzig weiter.
(Fortsetzung folgt.)
Plaudereien aus der Kaiserstadt.
(Nachdruck verboten.)
Berliner Frühlingszeichen. — Das AnSstellungsfieber. — Peter Dörner, der Schlangenschmied. — Am Lehrter Bahnhof.
Wer bisher noch immer nicht glauben wollte, daß es wirklich Frühling geworden sei in Berlin, den hat das kräftige Lenzgewitter mit krachenden Donnerschlägen un& den in unseren Vororten zum Programm gehörenden Ueberschwemmungen am 1. Mai eines besseren belehrt. Die ganz Verstockten aber werden sich durch den plötzlichen Ausbruch des Ausstellungsfiebers überzeugen lassen müssen, das in und um Berlin auftritt. Denn wir haben in der „Philharmonie" nicht nur eine sehr sehenswerte Gartenbau-Ausstellung; auch die Rixdorfer treffen die letzter: Vorbereitungen, um den vierbeinigen Herrschaften aus den edlen Geschlechtern der Möpse, P i n t s ch e r und Doggen eine standesgemäße Unterkunft bieten zu können; bei Gladenbeck in der Leipzigerstraße läßt ein Tiroler Kunsthmrdwerker, der Schlaugenschmied Peter Dörner aus Welsberg im Dolomitenrevier, seine prächtigen schmiedeeisernen Erzeugnisse bewundern: Blüten und Blätter von einer Naturtreue und Feinheit, die das Staunen aller Besucher erregen, vor allem aber Schlangen, Schlangen als Basenhalter, als Leuchter, als Briefbeschwerer re., in allen Stellungen, ganz wie sie dieser Autodidakt in seiner Künst daheim beobachten konnte. Dörner hat in seinem armen, versteckten Dörfchen durch sein aus sich selbst hervorgewachsenes Talent eine Art Hausindustrie geschaffen, die manch einem über die Nöte des Daseins besser hinweghilft, und manch schön verschlungener Haken, manch schlangenumwundenes Blumenglas in Berliner Heimen wird nun auch an der Spree künftighin Zeugnis von dem Fleiße in der Bergschmiede der Dolomiten ablegen.
Das Hauptinteresse in diesen ersten Maitagen erregen natürlich die beiden eben eröffneten Kun st a us st e ll u n - gen am Lehrter Bahnhof und in Charlotten- bur g. In unserer Presse ist es längst zur Gewohnheit geworden, über die offizielle „Große" das ganze Maß von Verachtung auszuschütten, das den betreffenden kritischen Halb- und Ganzgöttern zur Verfügung steht und dafür die Sezession über den Schellendaus zu loben. Ich meine, das ist ein schlechter Dienst, den man den Charlottenburger Eigenbrödlern da leistet, die ja eigentlich nichts weiter wollten, als der alten Unduldsamkeit den Garaus machen, und ihrem Schaffen den gleichen Platz an der Sonne zu erobern. Nun sind die Heroldsrufer der Sezession längst in den Fehler der „Alten" versallen und ächten kraft ihrer kritischen Machtvollkommenheit mit geringen Ausnahmen
alles, was am Lehrter Bahnhof zugelassen ist. Es berührt direkt komisch, jedes Jahr die Einleitungskrüftk mit derselben vernichtenden Phrase eröffnet zu sehen: „So schlecht wie diesmal war die „Große" überhaupt noch nicht re." Einzig im Vorjahre hatte man ein paar Namen der begönnerten Richtung zu Liebe eine Ausnahme davon gemacht. Heuer aber ertönt wieder die alte abgeleierte Melodie. Vierundzwanzig Stunden nach Beginn kann man es lesen, daß unter den mehr als 2000 ausgestellten Kunstwerken wieder nichts so recht der Mühe Lohnendes zu entdecken sei. Müssen die Herren Nerven haben, das in der kurzen Zeit so siegessicher feststellen zu können! Glücklicherweise läuft nicht jeder Laie folgsam hinter dem Wüterich drein, um überall da, wo er's vorgeschrieben, gleichfalls die Achseln zu zucken und ein paar derbe Worte von „Schinken" oder „Nachtreterei" und „süßlichen Widerwärtigkeiten" zu murmeln. Es gibt noch immer Leute, denen 'Eckenbrechers Luftklare Fjordlandschaften gefallen, die an einem Bilde, wie >Eschkes herbstlichen Spreewaldkastanien, ihre Freude haben, denen Hans Herrmanns frischfarbiger Blumenmarkt ebenso goldige Stimmungen auslöst wie Ferdinand Kellers Waldesstille und manche andere gute Leistung. Zu der Kette einheimischer Künstler kommt ein Einschlag spanischen und ungarischen Schaffens, der allerdings aus bemerkbarer Höhe steht. Ein mächtiges Bild von Sorolla y Bastida „Einschleppen der Barke" Vermittelt uns in seiner kraftvollen Anschaulichkeit zugleich einen Farbenzauber, neben dem manch anderes verblassen muß. Eine ähnliche Wirkung übt Vinegra y Sassos „Weinlese" aus. Unter den Ungarn ragt neben Michael Munkaezys bekanntem Bild „Eingesangene Strolche" besonders Julius von Benoeznrs „Zurücknahme Ofens" hervor. Sonderräume hat man diesmal für Lenbach, Eckenbrecher, Frenzel, Ku- lierschkh, Ludwig Dill, Schnee und den Porträtmaler Alfred Schwarz bewilligt, lieber die Berechtigung dieser Auswahl läßt sich streiten. Wer es gibt unter den Streitenden auch Leute, denen Lenbachs Kunst zu traditionell geworden ist und in seinen wächsernen Fleischtönen nicht mehr zusagt. Geschmack und Kunst bewegen sich eben unaufhörlich vorwärts, in Spirallinien, sagen die Optimisten, im Kreise, die Szeptiker! — Für naive Leute von besonderer Anziehungskraft wird eine Riesenleinwand sein, auf der Hans Bord in höherem Auftrage „Das erste deutsche Linienschiffgeschwader" mit feuenwen Kanonen w. dargestellt hat, eine technische Leistung, die als solche sicherlich Anerkennung verdient, aber ohne großen künstlerischen Wert ist. Aus dem Privatbesitz des Kaisers ist ein Schöbelsches Bild vorhanden: „Abschied der Armee von Friedrich dem Großen", das den toten König in Paradeuniform auf seinem letzten Bette zeigt. Vor einem Plafond gemälde Munkaczys, das senkrecht plaziert ist, machen sich gute Leute der sonderbaren Perspektive wegen viel unnötige Kopfschmerzen, die ihnen jedoch draußen in dem gänzlich umgestalteten, herrlich gewordenen Ausstellungspark, der nun wirklich einer Großstadt würdig erscheint, bald wieder vergehen. A. R.
Vermißtes.
* Das Totlicgen der Säuglinge. Der Fall, daß em Kind, das bei einem Erwachsenen im Bette schläft, während des Schlafes erdrückt wird und morgens tot im Bette gefmchen wird, kommt vereinzelt überall vor. Mit erschreckender Häufigkeit ereignen sich diese Fälle aber in England. In den letzten zehn Jahren wurden daselbst 15000 derartige Fälle bekannt, sodaß das „Totliegen" der Säuglinge zu einer ständigen Rubrik in den Büchern der Leichenschaubeamten geworden ist. In Liverpool war jeder 7. Fall von gewaltsamem Tode auf diese Weise entstanden und in London wurden im Jahre 1902 588 meist unter 3 Monate alte Kinder von ihren Müttern im Bette erstickt. Natürlich handelt es sich meist um Leute, die kein Geld haben, um sich eine Kinderbettstätte zu kaufen, meistens ist mit dieser Armut aber auch die Trunksucht kombiniert und gerade bei betrunkenen Müttern ereignen sich diese Unglücksfälle am häufigsten. In selteneren Fällen kann die Ursache, wenn ein Kind tot im Bette gesunden wird, eine andere fein und diese muß ausgeschlossen werden, ehe man eine Anklage auf fahrlässige Tötung erheben darf. So kann Erstickung eintreten beim Brechakt, wenn Speisen in den Kehlkopf gelangen; man hat auch schon Erstickung bei Kindern, die an


