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Seeminm-

Bon F. v. Trützschler-F allen st ein. Nachdruck verboten.

(Schluß.)

Die Beobachtungsmine ist bis in die Neuzeit von den meisten Marinen beibehalten worden, nur in der Fechtstellung, wenn sie zur Explosion gebracht werden soll, hat sich manches geändert. Statt der Camera obscura wendet man jetzt den Siemensschen Distanzmesser an. Hierzu sind zwei Beobachtungsstellen nötig, von denen die eine in der Verlängerung der ausgelegten Sperre, die andere weiter zurück seitwärts liegt. Die Beobachter an beiden Plätzen haben auf einem Tisch eine Karte vor sich, in der die Lage der verankerten Minen genau verzeichnet ist. Auf den Tischen ist je ein Fernrohr angebracht, mit

-werde morgen nach Madras zurückkehren... oder Vesser Stoch heute, sogleich!"

Bah, Du albernes Bleichgesicht! Hier bist Du und hier bleibst Du. Du selbst hast Dich mit Deiner Unterschrift verpflichtet, und Dein Gebieter hat sich für Dich verbürgt. Dein Unterricht ist gut, die fürstlichen Kinder sprechen günstig von Dir, und da Du nun einmal so eine Närrin gewesen bist und dienen wolltest, so bleibst Du hier und dienst tveiter."

Nein, ich gehe fort!" wiederholte ich heftig, mein Mr. Thorold gegebenes Versprechen dadurch aufhebend.

Versuche es!" lautete die höhnische Antwort.

Ich werde mich an die Regierung wenden!" Ich bebte vor Erregung.

Versuche es!" wiederholte sie, und ihr Gesicht war die Bosheit selbst.Ich bin die Regierung, wenigstens innerhalb des Palastes und zwar bis zu meinem letzten Atemzuge."

Also sprechend, richtete sich die Alte plötzlich zu ihrer ganzen Größe auf, und obwohl sie ihr Gewand nach Art der vornehmen Brahmanenfrauen des Südens um die Beine gewickelt trug, versuchte sie, sich ein majestätisches An­sehen zu geben.

Ich selbst stand die ganze Zeit über mit dem Rucken an die Wand gelehnt, die Hände krampfhaft hinter mir ver­schlungen. Ein kurzer Wortwechsel in einer mir fremden Sprache entspann sich jetzt zwischen den beiden Frauen, worauf die alte Rani sich mir wieder zuwandte und mich scharf ansah. Schwer ging mein Atem, kaum daß ich meine Erregung zu bemeistern vermochte. Aber auch jetzt hielt ich ihren Blicken stand. Dabei war es mir, als habe ich irgend ein boshaftes Tier vor mir, das ich mit meinen Blicken bändigen müsse. Endlich sagte sie:

Ich scherzte ja nur, Du wilder, junger Panther! Necken wollte Dich eine alte Frau. Beim Namen des Sira, was bleibt mir von meiner Herrschaft denn noch viel anderes übrig als Worte?"

Hierauf schritt sie, ihre langen Umhänge noch enger um den abgemagerten Körper wickelnd, aus dem Gemach, wäh­rend ich mit verschlungenen Händen und brennenden Sämigen, zitternd vor Aufregung, auf meinem Platze stehen blieb. , _ ,

Ich bitte Dich, laß Dir die Worte der Ranr Sundararn picht zu Herzen gehen", sagte ihre Schwiegertochter,und ebensowenig die von Durigodana und Begur. Sie alle hassen die Engländer. Nur ärgern wollte sie Dich. Dies macht ihr gerade soviel Vergnügen, als wenn sie die ein» gesperrten wilden Tiere in ihren Käfigen quält. Sie wünscht nicht Dein Weggehen, nur kränken wollte sie Dich. Ich aber habe Dich in mein Herz geschlossen. Miß Sahib, und auch die Kinder hängen an Dir. Verlaß uns nicht um einiger böser Worte willen. . . Alles, was aus ihrem Munde kommt, ist böse", fügte sie leiser hinzu,auch alles, was sie zu den anderen und selbst zu mir sagt."

Mir fielen Mr. Thorolds Worte ein: Sie werden mit mancher Widerwärtigkeit zu k'ämpfen haben. Damals ließ ich es mir freilich nicht träumen, daß diese Widerwärtigkeit Mit seiner Person Zusammenhängen würde.

Ein Wort noch", flüsterte meine Gönnerin mit feuchten Augen.Die Rani Sundaram kann den Residenten nicht leiden, da er ihr zu viel Macht nimmt. Ich weiß aber, daß seine Hände rein sind und daß er meinem Sohn mit den besten Absichten dient. Er ist ein tatkräftiger und ein gerechter Mann. Wenn Du Dich jedoch dazu verstehen könntest, nicht mehr mit ihm zusammenzutrefsen, so wäre es für Dich und ihn besser. Ich selbst denke nichts schlim­mes, in den Augen der Rani Sunoaram aber gibt es außer den Göttern nur Bösewichte."

*

Es schien, als habe der schreckliche Auftritt, dessen Zeugin die Rani Gindia gewesen war, ihr Wohlwollen für mich noch verstärkt. Bald bekam ich die angenehmen Folgen davon zu fühlen und bemerkte, daß die kleine Rani ihre persönliche Teilnahme für mich soweit betätigte, als es in ihrer Macht stand. Auch Briefe gelangten jetzt zu mir: von Mrs. Dalrymple, Frau Rosario und Mr. Evans. Selbst Linda schrieb mir. Was doch so ein matt aufflackerndes Glückssternchen nicht alles vermag! Die Kunde von meiner ^glänzenden Stellung" war ihr zu Ohren gekommen, und nun wollte sie wissen, ob ihre Schwester Julia nicht viel­leicht Auftrag bekommen könnte, die Damen des Palastes

zu malen, auch möchte ich ihr doch einige echte Madraser Musseline und seidene Zierstoffe schicken!

Auch an Spazierfahrten fehlte es mir jetzt nicht mehr. Häufiger noch als früher forderte die Rani Gindia mich zur Begleitung auf, wenn sie in- ihren geschlossenen Staats­wagen in die Stadt fuhr. Allein diese Ausfahrten boten außer der Ehre, mich in ihrer Gesellschaft zu befinden, wirklich nicht viel Vergnügen für mich. Die Hitze, das Getöse, die von Fliegen wimmelnden Konditoreibuden, die geschmacklos aufgeputzte, stoßende, schreiende Menge, die von Weihrauch, verwelkten Blumen, Kuhdünger und heißem Del verpestete Luft das alles war durchaus nicht nach meinem Geschmack. Mit fast krankhafter Begierde sehnte ich mich hinaus in die offene, freie Natur, und endlich wurde mir auch dieser Wünsch erfüllt.

Wir fuhren jetzt öfter aus der Stadt hinaus zu alten Festungen, Grabmälern und Tempeln, womit die Umgebung von Royapetta im Umkreise von zwanzig Meilen förmlich übersäet ist. Dann durfte auch der Landauer geöffnet wer­den, und hier, wo es niemand sah, gestattete ihre Hoheit dem Winde, über ihr zartes Gesichtchen zu streichen nnd ihr das weiche Haar zu zersausen. Häufiger hatte ich bei solchen Fahrten die kleinen Mädchen als Gesellschafterinnen bei mir, mit denen ich viele entzückende Ausflüge nach den wunderbarsten Ruinen machte. Einst die stolzen Herr­scher-Sitze irgend eines großen Königs, erbaut für an­scheinend ewige Dauer, lagen ihre Trümmer jetzt unbeklagt, ungeehrt und unbesungen, von keiner Geschichte oder Sage umwoben, häufig sogar ohne Namen, der Vergessenheit an­heimgegeben.

Eines Tages fand ich auf meinem Schreibtisch zu meiner Ueberraschung und Freude ein Briefchen von Mr. Thorold vor, das, wie ich mit Genugtuung bemerkte, nicht vorher geöffnet worden war.

Verehrte Miß Ferrars!

Seit Monaten habe ich Sie nicht gesehen. So oft ich in den Palast komme und nach Ihnen frage, heißt es jedes­mal: Die Miß Sahib ich beschäftigt, oder: Sie ist jetzt außer stände. Sie zu empfangen. Hoffentlich liegt der Grund dieser fortgesetzten Abweisung weder in Ihrer Ab­neigung, mich zu sehen, noch, was ich schließlich ernstlich zu fürchten beginne, in einer Erkrankung Ihrerseits. Bitte, geben Sie mir nur mit ein paar Worten Nachricht. Wenn Sie die Antwort auf dieselbe Stelle legen, wo Sie dieses Briefchen gefunden haben, so wird eine zuverlässige Hand es mir zustellen. __ _

9 ' Ihr ergebenster M. T.

Sofort setzte ich mich hin und warf folgende Zeilen nieder:

Geehrter Mr. Thorold!

Besten Dank für Ihren Brief! Es geht mir gut, auch wäre ich durchaus nicht abgeneigt. Sie zu empfangen, würde mich sogar sehr über ein Widersehen freuen, wenn nicht dringende Gründe ein Zusammentreffen unserseits als un­ratsam erscheinen ließen. Hoffentlich haben Sie sich voll­ständig von Ihrem Malaria-Anfall erholt?

Ihre ergebene P. F.

Selbst wenn dieses Briefchen in die Hände der alten Rani gelangen sollte, so wäre es von keiner Bedeutung. Nach­dem ich es sorgfältig versiegelt und auf den bezeichneten Platz gelegt hatte, begab ich mich in den Garten hinunter, und als ich nach etwa einer Stunde zurückkehrte, war der Brief verschwunden.

(Fortsetzung folgt.)