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Still, ganz stilli
Wir sitzen ganz still unter den Rosen, danrit die ftemde Frau uns nicht sieht.
Tie Rosen umschlingen uns! Wir können nicht mehr hinaus!
Wir sind eingemauert in Rosen.
(Fortsetzung folgt.)
Jer Arauzose auf dem deutschen Kommers.
In amüsanter Weise schildert Gaston Leroux im „Ma- tin" den in der Palaestra Albertina veranstalteten Kant- Kommers der Königsberger Studentenschaft, dem er als Gast beiwohnen durfte. „Ich hatte", schreibt er, „schon vorher von diesem Kommers als von einer wichtigen Angelegenheit sprechen gehört, daß ich nicht eher Ruhe gab, als bis der der Geheime Rat Koschwitz mir versprach, mich hinzu führen. Hoch! Wir waren tausend und tranken wie zweitausend! Wir haben mit dem Mer gekämpft! Mr haben 20 000 Glas Bier getötet! Beim Salamanderreiben Vielleicht 40000! Hoch! hoch! hoch! Ich sah eine kleine Zahl dieser jungen Leute, ernst und tragisch, bei der Feier in der Aula der Universität. Es waren Vertreter der „Korps". Es waren dort drei für jedes Korps, mit Bannern und Farben, treue Hüter des Komments, des heiligen Buches, das für die Generationen der Generationen die Regeln des Biertrinkens enthält. Heute aber sah ich alle Studenten, die Korps und die Professoren und die „alten Häuser" alle. Es waren 700 Stuoenten, aber alles in allem waren wir mindestens tausend. Und wir vernichteten 40000 Glas Bier, mindestens! Mindestens! Und an den Wänden die Banner freuten sich über unseren Sieg und neigten sich freundlich herab zu ESen Vereinen und riefen: „Vivant! Floreant! Crescant!" Ich saß am Ehrentische mit dem Herrn Unterrichtsminister und dem kommandierenden General v. d. Goltz und dem Herrn Rektor. Des Kommerses Präses aber stand: ein junger Student, vor sich auf dem Tisch den blanken Degen. Als Präsiden der Korps sollen der Reihe nach präsidieren; bis oieser feierliche Augenblick gekommen, haben sie ihren Platz an den verschiedenen Tischen, mitten unter ihren Korps, den blanken Degen vor sich^ auf dem Tische. Sie wachen über die Disziplin des Kommerses, wiederholen die Kommandos, die der Präses tzibt, und haben vor sich ein kleines Heftchen, das alle Lieder enthält, die heute gesungen werden müssen. Der Präses ruft: „Silentium!" Es „steigt" die Nationalhymne mit dem Hoch auf den Kaiser. Lausend Biere! Dann Schillers (!!) Verse: „Deutschland, Deutschland über alles" Tausend Biere! Die Rede des Ministers. Tausend Biere! Tie Rede des Rektors. Tausend Mere! Tie Rede des kommandierenden Generals. Zweitausend Biere! Das war ein sehr großer Erfolg! Fröhliches Lachen, als Herr v. d. Goltz erzählte, daß er am selben Morgen bei der Regimentsfeier eines Kürassierregiments vom „kategorischen Imperativ" gesprochen habe. Die jungen Leute hätten nicht lachen sollen! Im Namen des kategorischen Imperativs, d. h. des absoluten Pflichtbewußtseins, verlangt man von den Kürassieren, daß sie sterben — und sie sterben! Mein Herr, ich stelle Ihnen hier meine Merfamilie vor! Das sind meine Btergroßeltern!" — „Mein Herr, Sie sind seit einer Viertelstunde voll!" — „Ich bin nicht voll; ich werfe Ihnen einen Bierjungen an den Kopf!" — „Er hängt! Selber Bierjunge!" (Am nächsten Tag findet das Bierduell statt.)
„Steig' in die Kanne!" — „Das ist ein Bierskandal!" :— „Silentium!" Beim Salamanderreiben gießt mir der Herr Bibliothekar seinen ganzen „schäbigen Rest" auf meine schöne weiße Weste. Ich weiß jetzt, was ein Salamander ist: eine Bierüberschjwemmung! Der Geheime Rat fordert mich auf, mein Glas zu Ehren der Frau Koschwitz zu erheben. Ich drehe mich um zu der Estrade, wo die Blüte der Königsberger Weiblichkeit sitzt. Frau Koschwitz bemerkt uns. Sie hebt das Glas. Meine Blume der Blume der Gesellschaft! Folgt ein lebendes Bild: eine schlichte Kantbüste wird von schönen Frauen mit Lorbeer bekränzt. Dahinter eine Gruppe von 15 Studenten mit blanken Degen. Gesang auf der Bühne, tausend Mere im Saale. Ein Professor der Philosophie besteigt die von blanken Degen umgebene Kanzel und sagt, so geschützt, alles Gute von Kant und alles Böse von den Jüngern Nietzsches. Man nennt alle Fakultäten, und die dort studiert haben, erheben sich M an nennt Paris. Ich erhebe mich und sage: „Wenn wir
auch nur Bierjungen sind, so wissen wir doch Kant zu schätzen!" Ich trinke auf die Jugend der alten Albertina. Ter erste Teil des Kommerses- ist beendet. Ter Minister geht und der Rektor und der kommandierende General und die Damen. Gaudeamus igitur! Tas ist die „Fide- litas", der zweite Teil! Die Professoren wanken und weichen nicht. Vater und Sohn steigen gemeinsam in die Kanne. Ein junger Student, der großen Radau macht, muß „spinnen", d. h. trinken, bis man „Gschenkt!" ruft. Gesang: „Es hatten drei Gesellen. . ." Ein alter, weißhaariger Professor ver Geschichte verfolgt mit der Brille auf der Nase auf dem Buche den Text des Liedes und lächelt so jung, so jung. . . . Sein Sohn, ein Dr. jur., dreht ihm die Blätter um: „Hier, Papa!" Und der alte Herr blickt von Zeit zu Zeit auf, um zu sehen, ob ich auch mitsinge. Ter Herr Bibliothekar schickt mir mit der französischen Devise: „Apres nous le doluge!" einen „Welthalben". Ich muß diesen wandernden Halben weitergeben und schicke ihn um 3 Uhr morgens dem Herrn Geheimen Rat mit der neuen, sehr beifällig aufgenommenen Devise: „En nous le deluge!" . . .
Dermi$d?te»«
* Das Paradies der Dien st Mädchen. Das Tienstbotenproblcm ist in Japan gelöst. Dort wird die gesellschaftliche Stellung einer Person dadurch, daß sie gegen Bezahlung Hausarbeit tut, nicht verschlechtert. Im Hause wird das Mädcheen allerdings bei ihrem Vornamen genannt, aber außerhalb des Hauses hat sie Anspruch auf ebensoviel Ehrerbietung wie ihre Arbeitgeber, sie wird mit den tiefsten Verbeugungen empfangen und init dem ehrenwerten Titel San angeredet. Tie Tatsache, daß die vornehmen Frauen, von der Kaiserin abwärts, helfen, die dienende Klasse zu bilden, trägt viel dazu bei, die Kluft zwischen Herrin und Mädchen zu überbrücken. In Japan sind die höchsten Frauen daran gewöhnt, die niedrigsten Dienste für ihre männlichen Verwandten zu leisten. Tie Herrin selbst ist in der Tat nur eine erste Tienerin, die keineswegs mit dem „Herrn" auf gleichem Fuße steht. Abends werden die Mädchen zum Familienkreis zugelassen und nehmen an der Unterhaltung der Familie teil, und am Tage müssen sie bei Abtvesenheit der Herrin die Besucher unterhalten. Tie letzteren tauschen mit dem Mädchen an der Tür förmliche Grüße aus, und wenn die Tame des Hauses ausgegangen ist, so bieten die ersten Tiene- rinnen korrekterweise Tee und auch ihre Gesellschaft an. Sie besorgen die meisten Einkäufe und werden zur Ausführung wichtiger Geschäfte ausgeschickt. Die Mädchen begleiten auch ihre Herrin bei Nachmittagsbesuchen und helfen bei dem Zustandekommen einer Gesellschaft für das Theater, für Picknicks oder ähnliche Festlichkeiten. Tie so bevorzugten Dienerinnen sind natürlich in der Etikette gründlich ausgebildet. Ein Fehler der japanischen Dienstmädchen, wenigstens in den Augen der Europäer, ist ihr nicht im- bedingter Gehorsam. Ter japanische Dienstbote weigert sich, als bloßer Automat zum Befolgen von Befehlen angesehen zu werden. Wenn das Mädchen sich von der Begründetheit eines gegebenen Befehls überzeugt, so führt sie ihn aus, aber wenn ihrer Meinung nach der Befehl unnötig ist, trägt sie keine Bedenken, ihn unbeachtet zu lassen. Im Lande der Chrysanthemen hat ein solcher Ungehorsam aber keine unangenehmen Folgen. Die Stellung der japanischen Tienstboteu zeigt sich am besten in der seltsamen Sitte des Abschiednehmens. Jeden Morgen, wenn der Herr des Geschäftes wegen das Haus verläßt, versammelt sich die ganze Dienerschaft um ihn, um ihm das Geleit zu geben, und bei der Rückkehr abends wird ihm eine entsprechende Huldigung bereitet. Tie untere oder Küchendienerschaft genießt allerdings nicht die in ihrer Art einzige Stellung der Hausbedienstetcn. Tie erstere ist gesellschaftlich untergeordnet und erfüllt ihre Pflicht mit nur wenig Ver- antwortlichkeitsgefühl. Tie Fremden wundern sich immer über die vielen Tienstmädchen auch in bescheidenen Haushaltungen. Zehn oder zwölf sind etwas ganz Gewöhnliches; denn nicht nur hat fast jedes Kind der Familie seinen besonderen Bedienten, auch in der Küche gibt es reichlich! Köchinnen und Gehilfinnen, und Gärtner und Laufburschen sind selbst für Familien mit beschränkten Mitteln unentbehrlich. Man muß sim jedoch vergegenwärtigen, daß die Tienstboten weniger Arbeit als bei uns leisten und weniger Lohn bekommen. Ebenso stellt die Ernährung nur einen


