Samstag dcn 2 Januar.

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(Nachdruck verboten.)

Wssa Jalcanieri.

Von Richard Voß.

Erster Band.

Ter Gras Cola Campana an

Herrn Richard V-

Berchtesgaden, Villa Bergfrieden, Teutschland.

Villa Falco nieri, Frühling. 1892.

Nach alter schlechter Gewohnheit weiß ich wieder ein­mal nicht das Tatum, lieber Getreuster. Es genügt. Dir zu sagen, daß um unser leuchtendes Haus ein wonniger Frühlingstag strahlt.

Alles ist Glanz!

Wo bleibt Ihr nur dieses Jahr?

Tie Mandelblüte kann docy unmöglich phue Euch vor- übergehcn! Und bereits legt sich um die braunen Vignen der kokette blaßrote Blumensaum, bereits durchschimmert es überall rosig die Oliveten.

Jin Hause ist es freilich immer noch bitter kalt. Er­schreckt nicht zu sehr: Ihr sollt es warm bei uns haben.

- Maria fuhr in eigener Person nach Rom Ihr wißt, was das sagen will um für F^ au Melauies neuen Salon in einem Magazin der Via Trilone (oder Territone, um in Rosas Markendialekt zu reden) einen kleinen eisernen Ösen einzuhaudeln, der dickt aus Eurem winterlichen häßlichen Teutschland kommt. Sie begreift zwar noch immer nicht, zu welchem Zweck es auf der Welt Ocfen gibt und wie ein Mensch in unfern gewölbten steingcpflastcrtcn Hallen bei neun Grad Reaumur frieren kann; doch Frau Melanie zu­liebe fuhr sie dennoch nach Rom.

Es bleibt dabei: Ihr wohnt dieses Jahr unten im apartamento nobile". Und zwar Frau Melanie in dem Zimmer mit dem Michelangelesken-Plafond und den großen Wandgemälden aus Ovids Metamorphosen. Mir ließen die apfelgrünen vergoldeten Rokokomöbel hin einst e -len, die zu der bunten Decke und den dunklen Bildern gut passen. Ter Schreibtisch steht schräg vor einem der Fenster, die nach der Villa Mondragone hinausgehen; und vor dem andern hat der kleine schwarze Eiserne Platz gefunden. Eine Scheibe wurde glücklich zertrümmert und ein langes Rohr aus silberstrahlendem Zinkblech durchgeführt. Rosas Jüngste, die Ihr stark gewachsen und sehr hübsch finden werdet, heizte sogleich Probe: und sämtl'che Tonnen der Villa liefen zusammen und bestaun.en das teilte glühende Ungetüm.

Ter Ofen brennt herrlich! Also:

Kommt!

Nock erwähne ich, daß Frau Melanie einen neuen

Schreibtisch erhält. Er ist so lang und so breit, wir ein Schreibtisch überhaupt sein kann, und hat Platz für die Manuskripte von einem viertel Dutzend Trauerspielen, die Tu zweifellos bereits wieder fix und fertig gedichtet hast, und die die arme Märtyrerin Deiner Feder samt und sonders kopieren muß. Auch ließ Maria für Frau Melanie einen Stickrahmen bauen, wie solchen in F ascati die Clarissinnen haben, und der etwas ganz Ausgezeichnetes sein soll. Tem Schreibtisch gegenüber wird der Arbeits­tisch stehen; und während die unermüdlichen Hände die prächtige Tecke von Atlas vicil or nach dem altvenetiani- schen Muster sticken, davon Ihr uns schriebt, können die schönen Augen unsrer lieben Frau an den Blumenstrahlen von Marias weißem Rosenbusch sich erfreuen. Alto:

Kommt!

Eigens für Euch haben wir Rosa dieses Jahr wieder in die Küche genommen; und Rosa zur H lse Tionisia und Viktoria. Tiefe lassen sich von Carolina und Chiarina unter­stützen, denen wiederum Cencio und Cs Hilfe leisten müssen.

Ihr seht: alles ist beim alten geblieben und ohne den heiligen römischen Nepotismus kommt bei uns kein Ei in die Küche. Jedenfalls wird Richard, wenn er seinen famosen Risotto kocht, hilfreiche Hände genug finden. Also:

Kommt!

Ter Park wimmelt von den vermaledeiten Vogeljägern, die kein Engel mit flammendem Schwert von dcn Pforten unseres Paradieses zurückhält. Jeden Nachmittag durch­streife ich daher Dickicht und Busch,die Drosseln zu hüten", wie Maria es nennt, mit einem leiden Lächeln um ihren ernsthaften Mund; und unsere getreue alte Ro sieht mich bereits von den Kugeln der racheschnaubcnden Schützen durchbohrt. ,

Ich hüte trotzdem. Aber Amseln und Maudrosteln, Meisen und Stieglitze werden trotzdem massenweise um- gebracht. Ich bin wütend darüber und la,se mir trotzdem die kleinen Opfer der Licbliugslcidenschast meiner k ndlichen Landsleute in'Speck gewickelt, auf dem Rost gebraten, zur Polenta v r tröstlich schmecken. Besonders die Lerchen s.nd dieses Jahr ungemein fett. Also:

Kommt!

Als ich kürzlich oben bei Tusculana die frommen Kapuziner besuchte, zeigte mir der wackere F.a Rocco die neunerlei Arien Salat, die er auch hr-jcS Jahr wieder für denbuon ssimo Signor L.ic.ardo" gepflanzt hat. Sämtliche neun Sorten treiben bereits zarte goldgelbe Btättlein. Also

Tie Oliven werden geschnitten. Weit und breit be­decken die Zweige dcn B den, daß das frühlingsg.üne Land weit und breit mit silberhellem Laubwerk bestreut ist. Maria wand sich gestern mir zuliebe einen Zweig um die Stirn, und ;ah in diesem Schmuck so feierlich aus wie eine Priesterin der Minerva. Denn wie Ihr wißt, dient sie nur strengen Göttern. Sie versprach m.r, sich für Euch wieder so fromm zu kränzen. Ich bitte Euch also