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mit dem zehnten oder spätestens tritt dann ein Stadium ein, in dem
Wie und was sollen Kinder essen.?
Von Dr. Paul Meißner.
Ist schon bei den Erwachsenen die Frage der Ernährung von der allergrößten Bedeutung, so ist sie es bei den Kindern in noch viel höherem Grade. .Es ist ja selbstverständlich, daß eilt wachsender, werdender Organismus von der Art der Nahrung abhängiger ist, als der fertige, ausgewachsene Körper. Bei diesem handelt es sich doch um Erhaltung des Vorhandenen und um Ersatz des Verbrauchten, während bet dem kindlichen Körper Neues gebildet werden soll. Dementsprechend ist auch die Qualität der Nahrung nicht gleichgiltig, man wird dem wachsenden Körper anderes Baumaterial zuführen müssen als dem ausgebildeten. .In der allerersten Lebenszeit enthält die Muttermilch alle die Stoffe, die das neugeborene Kind braucht, sowohl um sich zu erhalten, als auch um zu wachsen. Ist die Muttermilch nicht zu beschaffen, so wird Man tn allen Ersatzmitteln ihre Zusammensetzung nachzuahmen und zu erreichen versuchen. .Doch wir wollen von dem ersten Lebensjahre absehen und hier von der Ernährung des Kindes nach der Entwöhnung sprechen. Zunächst muß betont werden, daß es durchaus nicht .erwünscht ist, die Milchernährung so lange wie möglich auszudehnen, wenigstens nicht unter normalen Verhältnissen. Das Stillen hat 14. Monat .aufzuhören. Es L... .... , ...
dem Körper andere. Ernährungsstoffe zugeführt werden sollen, wo die beste Milch, ja die Muttermilch nicht mehr ausreicht. Der Magen und Darm deS Säuglings ist nur darauf eingerichtet, Milch zu verarbeiten und auszunützen, später geht diese Fähigkeit immer mehr und mehr zurück, schließlich wird von: Erwachsenen Milch durchaus nicht in der Weise ausgenützt, wje beim Säugling. .Es ist daher falsch, die Milch als Nahrungsmittel par excellence zu bezeichnen, sie ist es nur für gewisse Lebensalter, wenn sie auch in Fällen von Krankheiten als Nährmittel souveräne Bedeutung haben kann. Ist also ein Kind entwöhnt, so entsteht die Frage: welche Nahrung soll man verabreichen? Im allgemeinen wird man mit einer ganz leichten Kost beginnen. Nun find allerdings die Begriffe leicht und schwer bei Speisen sehr relattv und erfahren individuelle Modifikationen, und doch wird man bei der Kinderernährung ohne Schwierigkeit das Rechte sinden. Zunächst kommt das Fleisch in Frage. Dieses kann, in mäßiger Menge gegeben, .nur nützlich sein, vorausgesetzt, daß es geeignet zubereitet ist. Ob man das Fleisch kocht oder brät, ist ziemlich irrelevant, nur soll man bermeiden, mit dem Fleisch Fett zu verabreichen. Fett ist immer schwer verdaulich, oder besser pefapt, .verlangt Pom Magen eine ganz erhebliche Leistung, die tnt jugendlichen Alter zweckmäßig Noch .nicht genügend geleistet werden kann. Neben Fleisch ist natürlich .auch Fisch sehr Wohl gestattet, wenn er gekocht und Von Gräten befreit gereicht wird. Alle Gewürze sind natürlich zu vermeiden. Dagegen soll Salz gegeben werden. .Es hat sich Ui den letzten Jahren eine Besorgnis hier und da geltend gemacht, daß Kochsalz schädlich fei. Das ist aber nur bei ganz übertriebenen Fütterungen mtt diesem Salz der Fall, bei normalem Gebrauch ist nichts zu befürchten. Die Speisen sollen nicht übermäßig, aber sie. müssen genügend gesalzen sein. Neben Fleisch .ist großes Gewicht aus Gemüse zu legen, soweit sie nicht besonders hohe Anforderungen an die Verdauung stellen. Obenan stehen die Leguminosen, die Hülsenfrüchte, Erbsen, Linsen, Bohnen, deren Hoyer Nährwert dem des Fleisches sehr nahe steht. Auch hier kommt eS auf .eine geeignete Form der Zubereitung an. In erster Linie wird die Verarbeitung zu Püree empfehlenswert sein, daneben aber auch die Herstellung von Legumi- nofensuppen. Ferner sind verschiedene Getreidearten zur Kindernahrung recht geeignet. Haferschleim- und Gerstenschleimsuppen gehören hierher, ferner Gries und Graupen. Kartoffeln besitzen einen sehr geringen Nährwert, sind aber ihres Wohlgeschmackes wegen sowie zum Zweck der Beseitigung des Hungergefühls durch Füllung des Magens kaum zu entbehren. Tie grünen Gemüse, mit Ausnahme der Kohlarten, können, . wenn auch in kleineren Quantitäten, gegeben werden. Man sieht aus dieser kurzen Uebersicht schon, welch weiter Spielraum für die Zusam- Inensetzung von Kindermenüs vorhanden ist. Neben dieser Nahrung .soll natürlich Kuhmilch ' weiter gegeben werden. Sie ist das geeignetste Getränk neben reinem Wasser, Tee, Kaffee sind ungeeignet, nutzlos', ost schädlich. Kakao in geringen Mengen, zumal für etwas ältere Kinder, ist recht geeignet, nur darf man ihm nicht Wunder von Nähreffekt zutrauen. Bouillon ist ein ganz nutzloses, an Nährstoffen völlig armes Getränk, fei sie auch aus noch so viel Fleisch gekocht. Das Fleisch, aus dem die Bouillon gezogen wird, ist das wertvolle, nicht der wässerige Extrakt. Obst, besonders in gedörrtem und gekochtem Zustande ist sehr zu empfehlen und kann oft in der schonendsten Weise die Verdauung .regeln. Mehlspeisen sind gewiß schon wegen ihres Zuckergehaltes nahrhaft, trotzdem erscheint es nicht gut, die Kinder daran zu gewöhnen. Sie sollen nur in mäßigem Grade und mehr als etwas Besonderes Verwendung finden. Eier spielen in der Kinderernährung mit Recht eine große Rolle, allerdings soll vor allem das Eigelb zur Verwendung kommen, das Eiweiß wird am besten, geschlagen und anderen Speisen zugesetzt, z. B. .dem Apselpüree. Gekocht ist. es schwer
verdaulich und daher nicht geeignet. Kindern Alkohol zu geben, ist eine Sünde. In keiner Form und in keiner Quantität ist die Darreichung von Spirituosen zu gestatien. In dieser Hinsicht wird ost im Scherz viel gesündigt.
So viel über die Art der Nährmittel; nun .müssen wir aber mit einigen Worten auf das Wie der Nahrungsaufnahme eingehen. Als erster Grundsatz gelte, die Kinder haben sich an ganz bestimmte Mahlzeiten zu gewöhnen. Ein Säugling nimmt normalerweise 6—7 mal Nahrung zu sich, ein zweijähriges Kind kommt mit fünf Mahlzeiten aus, und in späteren Jahren kann man drei Hauptmahlzeiten entrichten, und daneben vielleicht noch zwei kleinere Mahlzeiten verabreichen. Es ist ein Grundfehler, .wenn die Regelmäßigkeit in der Nahrungsdarreichung nicht streng gewahrt wird. Der Organismus richtet sich auf die Nahrungszufuhr ein, und jede Unregelmäßigkeit kann einem Diätfehler gleich .kommen. Auck bei Erwachsenen ist dieser Punkt von großer Bedeutung, vielmehr noch bei Kindern. Des weiteren soll die Nahrungsausnahme nicht nebenher geschehen. Das Kind soll nicht beim Essen spielen und nicht beim Spielen essen. Wie ost sieht man die Kleinen mit dem Vesperbrot in der einen und dem Spielzeug in der anderen Hand umherlaufen. Das ist vom Uebel. .Wenn gegessen wird, dann hat das Kind mit sauberen Händen ordentlich am Tisch zu sitzen und zu essen. Das Essest soll auch .nicht in der Hast geschehen, es muß Zeit dazu sein, das Kind muß sorgfältig kauen, die Nahrung genügend zerkleinern und mit dem Speichel gut vermischen. In dem Alter, .in dem das Kind wegen seiner Zähne noch nicht ordentlich .beißen und kauen kann, müssen die Nahrungsmittel genügend zerkleinert vorgesetzt werden. Kinder gewöhnen sich sehr leicht das „Schlingen" an, sie schielen schon während des Essens stach dem Spielplatz; das darf picht fein, und muß jhsten mit Energie abgewöhnt werden. Die Speisen sollen warm aber nicht heiß fein. Allzu heiße Speisen werden schlecht gekaut und verderben die Zähne. Während der Mahlzeit zu trinken, ist überflüssig und kann leicht abgewöhnt werden. Ist die Mahlzeit zu Ende, dann soll man den Kindern den Mund reinigen, .oder die größeren Kinder anhalten, dies selbst zu tun. Diese Maßregel konserviert das Gebiß, und darauf ist das allergrößte Gewicht zu legen. Eine eingehende und nie er-. müdende Fürsorge für die Zähne bei Kindern ist unumgänglich, nötig. Denn schlechte Zähne sind oft der einzige Anlaß hartnäckiger Verdauungsstörungen. In den ersten Lebensjahren werden meistens die Kinder mittags schlafen gelegt. Das ist ganz gut wenigstens bis zum vierten Jahre, aber es soll nicht unmittelbar nach dem Mittagessen geschehen, weil int Schlafe die Verdauung entweder ganz aufhört .oder doch nur recht träge vor sich geht. (Berl. .Lok.-Anz.)
Gepäckträger und Kandgepäck.
(Nachdruck verboten.)
Eine Warnung stir das reifende Publikum..
Allgemein ist die .den Reisenden in Sicherheit wiegende Annahme verbreitet, .daß "für die Handlungen der bei einer Eisenbahn angestellten Gepäckträger, insbesondere also für Beschädigung und Veruntreuung .des ihnen übergebenen Handgepäcks, die Eisenbahnverwaltung hastpslichtig sei. Diese Annahme ist.jedoch.nur in beschränkter Weise begründet, wie ein Reifender — was zur allgemeinen Warnung dienen mag — zu seinem Schaden erfahren hat. .„Wie ,Gesetz und Recht', eine volkstümliche Halbmonatsschrift für Rechtskunde (Verlag von Alfred Langewort in Breslau; .Preis ganzjährig 4 Mk.) in ihrem letzten Hefte berichtet, hatte derselbe bei seiner Ankunft auf dem Bahnhose zu Lübeck, da fein Zug erst nach Ists Stunden weiterfuhr, dem Gepäckträger feinen Handkoffer mit ber Weisung übergeben, diesen zur Weiterfahrt an den Zug zu bringen. Aus dem Gepäckraume, wohin er von dem Gepäckträger gebracht worden war, wurde der Koffer gestohlen. Die Er - satzklage des Reisenden gegen die Eisenbahnverwaltung hat das Oberlandesgericht Kiel durch Urteil vom.7. .Mai 1900 abgewiesen.
Nach .dem bestimmten Wortlaute des § 37 der.Eisenbahnverkehrs-Ordnung erstreckt sich die Haftung der Eisenbahnverwaltung .nur auf das Befördern des Reise- und Handgepäcks der Reifenden durch die Gepäckträger von und nach den Züg:n, Ab- fertigungsstellen usw. innerhalb des Stationsbereiches. Für eine andere von dem Gepäckträger übernommene Vertragsleistung, wie z. V. für das Ausbewahren von Handgepäck ober für bie Beförderung nach ber außerhalb des Stattonsbereiches liegenden Wohnung des Reisenden haftet die Bahnverwaltung nicht; ber Gepäckträger tritt hier als selb staubiger Gewerbetreibender auf, der dem Reifenden allein haftet. Wenn ber Bestohlene dem Gepäckträger gegenüber auch nicht von einem Aufbewahren gesprochen hat, so ging doch in Wirklichkeit seine Absicht dahin, e selbst his zum Abgänge des Berliner Zuges, also während nächsten IVe Stunden, um den Koffer nicht zu kümmern. Die Pflicht des Gepäckträgers sollte somit nicht nur darin bestehen, daß er beit Kosser nach bem Kieler Zuge hinbrachte, sonbern auch darin, .daß er den Koffer während V/s Stunden aufbewahrte. Von einem lediglich auf.die Beförderung von Zug .zu Zug gerichteten Auftrag .kann hier mit Rücksicht auf die Länge der


