Samstag den 28. Wovcmöer.
'.3^-
K
W
Kai
W
W WZ
W
(Nachdruck verboten.)
Kn WadBenschicksak.
Frei nach dem Englischen von A. Wendt.
(Fortsetzung.)
Gehorsam wollte sich! Jane entfernen und Mrs. Thornton trat an ihren Schreibtisch. Plötzlich, schon an der Tür, wandte pd): das junge Mädchen um und rief erregt: „Ich kann nicht hier bleiben, ich kann wirklich nicht; ich muß fort!"
Mrs. Thornton wendete den Kopf, sah sie kalt an und sagte mit hochmütigem Tone: „Sie vergessen sich, Miß! Wenn Sie auf Ihrem Wunsch bestehen, mögen Sie gehen. Loch müssen Sie vorher kündigen; drei Monate ist Kündigungszeit. Sollen wir von heute an rechnen?"
„Tret Monate? Ich kann keine drei Monate mehr hier bleiben!"
„Es.ist unbequem für Sie, das gebe ich zu, aber es ist Gesetz. Bon heute an gerechnet in drei Monaten können Sie . das Haus verlassen, nicht früher", entgegnete Mrs. Thornton. Mit entlassender Geberde erhob sie die Hand gegen Jane und setzte sich an ihren Schreibtisch mit einem so kalten, verschlossenen Gesicht, wie das junge Mädchen es nie an ihr bemerkt hatte und welches sie verstummen machte. Bleich und zitternd, tief verletzt von den kalten Worten der Dame verließ Jane schweigend das Gemach Auf der Treppe begegneten ihr ein paar Mädchen, welche ihr kopfschüttelnd nachsahen und Bemerkungen darüber austauschten, wie krank und elend sie aussähe.
Tie Kinder waren bereits im Schulzimmer, sie machten ihr keine Mühe. Gegenüber diesem blassen Gesicht und diesen großen traurigen Augen schwieg selbst die kindliche Selbstsucht, sie waren still und gut.
Nach. Beendigung der Stunden liefen sie davon und ließen ihre Gouvernante allein, hoffend, daß die Ruhe ihren Kopfschmerz mildern würde. „Endlich allein!" Tiefe Mutlosigkeit prägte sich auf Janes Gesicht aus, und mit verzweifelnder Geberde schlug sie die Hände vor die Augen. „Wie kann ich, es ertragen? Wie kann ich? All meine Kraft hat mich, verlassen. Wenn er herkommt, werde ich mich verraten. Ich kann sie nicht glücklich miteinander sehen. Nein, nein, ich kann es nicht sehen, kann's nicht ertragen! O, es ist schrecklich, schrecklich!"
Es währte lange Zeit, bis sie ruhig wurde, bis sie sich überzeugte, daß ihr weiter nichts übrig blieb. Sie mußte es ertragen, mußte geduldig und gelassen sein, während sie den Mann, den sie so sehr liebte, und seine zukünftige Frau in ihrer Nähe, ja in deins üben Hause mit sich wußte. Sie würde seine Liebe, seine zärtliche Fürsorge für seine Braut sehen; seine schönen Augen würden mit dem Ausdruck .inniger Zärtlichkeit, den sie, ach! so genau kannte, auf dieselbe gerichtet sein, seine Stimme würde weich und
gefühlvoll klingen wie in dem einen glücklichen Monat, wo all dies an sie selbst gerichtet war. Die letzte Zeit war schrecklich für das Mädchen gewesen, sie war nur noch ein Schatten der früheren Jane. Die stete Unruhe und innere Qual zehrten an ihr. Sie lebte in beständiger Furcht vor einer Begegnung mit Str Harry. Damals war sein Besuch in der Hall nur ein kurzer gewesen. Miß Durham war viel abwesend zum Besuch, auf verschiedenen Landsitzen, natürlich war er da nicht gekommen. Nun aber würde Alice heute noch nach Thornton-Hall zurückkehren, und es unterlag keinem Zweifel, daß er zu den erwarteten Gästen gehörte. Sie konnte ihn nicht vermeiden, die Weihnachtsfestlichkeiten waren so allgemein, daß selbn die stille Gouvernante mit hineingezogen wurde.
Jane fühlte sich verwirrt, beinahe toll, als sie verzweiflungsvoll das Zimmer durchwanderte. Mit ihrem ganzen, leidenschaftlichen Herzen liebte sie Sir Harry, mit aller Gewalt bäumte sie sich auf gegen ihr Geschick, welches sie nach Thornton-Hall verschlagen und sie zwang, seine Liebe für ein anderes Mädchen mit anzusehen. Das konnte sie nicht, das war zu viel, sie konnte und wollte nicht bleiben. O nur fort! Weit fort! Aber Mrs. Thornton hatte recht; wo sollte sie hin? Freunde hatte sie nicht; wenn die kleine Summe, welche sie sich erspart hatte, ausgegeben war, was dann? Außerdem war ihr gesagt worden, daß sie bleiben müsse, noch drei Monate, daß sie ohne Erlaubnis nicht gehen dürfe. So mußte sie denn ausharren, bleiben und leiden; es gab keinen Ausweg.
Sie war so müde, so todmüde von all der inneren Qual, und dennoch mußte sie lächelnd eingehen auf das muntere Geplauder der Kinder, welches kein Echo im eigenen Herzen fand; mußte ihnen lustige Tänze spielen, ob ihr selbst auch das Herz zum Brechen schwer war. All ihre Schönheit, die sonnige Lieblichkeit der früheren Tage hatte sie verlassen, die bleichen Wangen, die tief eingesunkenen Augen waren nicht mehr schön zu nennen. Es war natürlich, daß Sir Harry sie bei dem Tennis-Tournee nicht erkannte, ein Wunder, daß er's später tat.
Mrs. Thornton hatte trotz ihrer großen Selbstsucht wohl bemerkt, daß das junge Mädchen leidend war, aber jetzt, in der Festzeit, konnte und wollte sie sich nicht die Mühe machen, eine Gouvernante zu suchen, deshalb mußte Miß Gratton vorläufig noch bleiben.
Tas Schulzimmer in Thornton-Hall befand sich in einem Seitenflügel, seine Fenster lagen nach dem Vorgarten hinaus und gewährten eine schöne Aussicht. Dasjenige, welches sich Jane zu ihrem Lieblingsaufenthalt erwählt hatte, bot Aussicht auf die große Empfangshalle und auf die breite Treppe, welche zu derselben führte. Tie Kinder hatten das andere Fenster beschlagnahmt und erwarteten die verschiedenen Equipagen, welche nach der Station gefahren waren, um die Gäste von dort abzuholen.,
Es war am Tage nach der Unterredung zwischen Mrs. Thornton und Jane; schon waren einige Besucher ange-


