Mittwoch den 22. April.

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1903. Nr. 59.

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(Nachdruck verboten.)

Das Gasthaus am Strande.

Roman in zwei Bänden von Florence Warden.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen.

(Fortsetzung.)

Ich hätte von Ihnen mehr Geduld erwartet. Wm, nun! Soll ich für Sie mit ihr sprechen? Ich weiß zwar nicht, ob ich etwas ausrichten werde. Wenn aber irgend ein Wort von mir dazu führen kann, treuer Liebe den Weg zu ebnen, so werde ich's gern für Sie einlegen."

Jem aber antwortete nur mit einer höhnischen Lache.

Ich meine es gut", zirpte die Dame.Ich will selbst mit ihr sprechen. Und nun, wollen Sie mit in die Küche fiommen und anhören, was ich ihr sage? Vielleicht wird Sie's befriedigen."

Nach einigem Zögern schlürfte Jem in den Gang hinein und Miß Bostal war im Begriff, die Tür zu schließen, als der Geheimpolizist, der sich bemüht hatte, jedes Wort dieser Unterhaltung zu erlauschen, plötzlich vor ihr stand und seine Hand an die Tür legte.

,/Verzeihung, Madame, ich würde aber gern ein paar Worte mit Ihnen sprechen, wenn Sie die Güte hätten, mir für einige Minuten geheimes Gehör zu gewähren. Mein Name ist Hemming, Madame, und ich darf wohl an­nehmen, es werde Ihnen zu Ohren gekommen sein, daß ich mich hier wegen der Diebstahlsgeschichte imBlauen Löwen" befinde."

Miß Bostal, die bei dem Erscheinen des Fremden zu­nächst einen kleinen schrillen Schrei des Schreckens aus- gestoßen, hatte ihre Fassung zurückgewonnen und gab ihre Zustimmung zu erkennen.

O ja ich weiß ich habe gehört. Sie sind der Ja, treten Sie ein."

Er tat es, wartete, während sie die Tür zumachte, folgte dann ihrer Leitung, nicht in die Küche, sondern in ein kaltes, dunkles Zimmer zur Rechten, das "nach ein-- geschlossener Luft roch Miß Bostal behielt weise ihren Shawl dicht um sich gewickelt und bat, Platz zu nehmen, während sie eines der beiden Lichter anzündete, die auf dem Kaminsims standen. Der Geheimpolizist warf einen umfassenden Blick über die Stube, und begriff es völlig, warum die Dame vorzog, ihre Zeit in der Küche zuzu­bringen, wo es wenigstens warm war.

Und nun", fragte die Dame, als sie sich auf einen schmalen, steiflehnigen Stuhl setzte, der mit verschossener Stickerei überzogen war,was wünschen Sie, mich zu be-

Wohlan, Madame", sagte der Geheimpolizist, der auf der Kante seines Stuhles saß und über das Maß von Würde staunte, der über dre kleine, gezierte, armselig gekleidete Dame gebreitet war,es besteht nur in folaendem. Ich

wünsche zu wissen, ob irgend ein kleiner Unfall die junge Dame betroffen hat, die dresen Morgen bei Ihnen zubrachtei Miß Claris?"

Er sah seinen und ihren Hauch in der kalten Luft der kleinen Stube und dachte, daß es draußen auf den Feldern viel wärmer gewesen wäre. Die Dame war augenscheinlich über die Frage erstaunt.

Ein kleiner Unfall?" wiederholte sie.Nicht, daß ich mich dessen erinnere.

Hat sie irgend eine Arbeit für Sie verrichtet, Madame? Sie sprach etwas, wie ich glaube, von Bügeln."

Sie hat nichts hier gebügelt", antwortete die Dams rasch. ,,Wvhl aber ich"

Sre sagte, sie hätte gebügelt und sich dabei die Hand verbrannt." Die Dame schüttelte den Kopf.

Ich war es, die das Bügeleisen die ganze Zeit über? hatte", sagte sie bestimmt.

Der Geheimpolizist bemerkte jedoch daß die Dame jetzt einen raschen Blick auf ihn warf und dann, als besänne sie sich, den Ton änderte. Er war augenblicklich überzeugt, daß sie eine Geschichte zu Gunsten ihrer Protege erfände.

Ich erinnere mich, wie mir eben einfällt", sagte sch daß ich ihr mit dem Eisen sehr nahe kam und daß ich fürchtete, sie gebrannt zu haben, obschon sie sagte, es wäre nichts und ich in der Tat auch nichts sehen konnte."

Ich danke Ihnen, Madame", sagte der Geheimpolizist, sich auf einmal erhebend.Und nun wollen Sie die Güte haben!u,nd mich sie und den Mann Jem Stickels, sogleich, ehe sie das Haus verlassen, zusammen sehen lassen."

Wenn sie noch hier sind, gewiß", sagte Miß Bostal, als sie ohne weiteres die Stube verließ und den Gang herab nach der Küche ging.

In wenigen Minuten kehrte sie jedoch mit dem Ausdruck! der Verwunderung zurück.

Es tut mir leid, sagen zu müssen", sagte sie,daß sie beide das Haus verlassen habem Ob zusammen oder nicht", fügte sie mit bescheidenem und feinem Lächeln hinzu,kann ich nicht sagen."

Der Geheimpolizist nahm, nicht in der besten Laune, Abschied.

Jem Stickels war die Person, deren er habhaft werden mußte das war gewiß. Hemmings Furcht aber war. daß man auf ihn schon Beschlag gelegt hätte.

Elftes Kapitel.

Beweise.

Miß Bostal schloß, nachdem der Geheimpolizist fort war, die Tür, holte fröstelnd tief Atem, als sie den Shawl noch dichter um ihre dünne Person zog, und ging in das Speise­zimmer.

Auf einem der mit Roßhaar gepolsterten Stühle saß Nell in der Dunkelheit. Miß Bostal seufzte wieder, als sie das angezündete Licht, das sie mit sich aus hem Be­suchszimmer gebracht hatte, vorsichtig auf den Tisch stellte.