Samstag den 20. Juni.

Nr. 90

1903.

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(Nachdruck verboten.)

Die Namensschwestern.

Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.

(Fortsetzung.)

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m ",. >naen Tinge vor, die durchaus mcht nach meinem S?nne war?n genau wie ans meiner ersten Stel e m Lrver- vool die ich damals voll Widerwillen aufgab. ^ch- kann eben durchaus nicht einsehen, daß ^Mittel erlaubt ftm soll, um schnell -«eich zu werden. Aber es scheint, mems ern sichten sind veraltet, wenigstens stehen sre mir überall int iiSege." Colville hat einen guten Ruf", entgegnete Elliot.

Jch'alaube nicht, daß Tu in dieser Hinsicht etwas bei ihm Lu befürchten hättest. Also, mein lieber ^eund, werdä ich Tich nun für die nächste Zeit als hier ansastig, be­trachten und Tich, wenn Du es wünschest, mit einigen Familien unserer englischen Kolonie bekannt machen. ~ wirst eine Menge Landsleute hier finden.

Ah, ich sah heute morgen eine Engländerin , begann Richard Morgan mit einem bei ihm ungewöhnlichen Ei er brach aber dann ärgerlich über sein eigenes Ungestüm kurz ab und fügte mit gemachter Gleichgiltigkeit bei..Es war eine ganz hübsche junge Dame in Schwarz; sw kam gerade an mir vorüber, als Tu mich einholtest. Weißt Du viel-

,'Ah, ich erinnere mich, Tu mußt Frl. Forrest meinen. Sie ist mit meiner Frau nahe befreundet/s

Richard Morgan vernahm dies mit heimlichnn Froh-- locken, fragte aber kühl:Hat sie ihren Wohnsitz m Britssel?

Vorläufig, ja. Sie ist halb Pensionärin, halb Gouver­nante bei einer Dame, die wir sehr gut kennen, der Vor­steherin einer unserer vornehmsten englischen Schulen. Tas arme Mädchen ist recht zu bedauern."

Zu bedauern? warum?"

Weil ihre Lage eine sehr traurige ist. Ihr Vater war ein Künstler Engländer natürlich ein fein gebildeter, ein sehr begabter Mann, wie ich hörte. Er muß sehr viel Geld verdient haben. Er besaß nur dies eine Kind und hatte ein hübsches Sümmchen für sie zurückgelegt, als er durch eine verkehrte Spekulation feilt ganzes Vermögen verlor. Dieser Schlag traf ihn vergangenen Juli, als seine Gesundheit ohnehin nicht die beste war. Ein heftiges Fieber erfaßte ihn und nach Verlauf einer Woche war er tot."

Seine Tochter ganz mittellos zurücklassend?"

Nahezu wenigstens; sie hatte nichts als einige tausend Franken, die man ihrem Vater noch schuldete. Ich weiß nicht, was aus d em armen Kind geworden wäre, wenn Frl. Osborne, die bereits erwähnte Dame, sich ihrer nicht an­

genommen hätte. Tie Forrest's stammten aus einer guten Familie aus Tevonshire, haben aber keine näherem Ver­wandten. Wo lerntest Tu Fräulein Forrest kennen?"

Richard Morgan erzählte hieraus die Geschichte des ver­gangenen Abends, erwähnte aber seine eigene Rolle bei den häßlichen Vorgängen nur kurz. Aber der Freund erriet doch, was er hatte verschweigen wollen, und als er spater, die Sache mit seiner Frau besprach, erklärte die kleine leb­hafte Dame ganz gerührt:Wie froh bin ich, daß Herr; Morgan anwesend war, um sich der armen Aimee anzu- nebmen. Es waren jedenfalls jene schrecklich reichen Leute, von denen uns Frl. Osborne erzählte. Sie suchten während ihres vierzehntägigen Aufenthaltes in Brüssel einet Gou­vernante zu ihren Kindern. Darüber muß ich noch Näheres hören."

Kaum eine Woche war vergangen, und Richard Morgan sah sich durch seine liebenswürdigen Freunde in die kleine Gesellschaft eingeführt, in der auch Fräulein Osborne mit ihrem Schützling verkehrte. Aimee Forrest war das erste weibliche Wesen, das ihm mehr als flüchtige Bewunderung einflößte. Je mehr er ihre vortrefflichen Herzens- und Charaktereigenschaften kennen lernte, desto wärmer und inniger wurden seine Gefühle für das verwaiste Kind. So war der Winter herangekommen, und noch immer hielt ihn ein Abkommen mit Herrn Colville in Brüssel fest. Seine Herzensangelegenheit hatte keine sichtbaren Fortschritte ge­macht, denn er besaß zu wenig Mut und Selbstvertrauen, wo ein jüngerer Liebhaber kühn als Bewerber ausgetreten wäre. Mit großem Interesse erforschte er unauffällig alles das, was sich auf Fräulein Forrest's Zukunft bezog. 'Er hörte, daH Fräulein Osborne die Absicht habe, nächsten Sommer ihre Schule abzugeben, um nach England zurück­zukehren, und daß sie für ihren Schützling eine Stelle suche, wo man, wie sie sich ausdrückte, Nicht vergäße, daß Fräulein Forrest sowohl durch Geburt als Erziehung eine vollendete Dame sei, obschon ihr Vaternur" ein Künstler gewesen wäre. Mit Schauder gedachte er der rohen Behandlung, die dem jungen Mädchen an jenem Abende imHotel Louise" zu teil geworden war, und immer mehr befestigte sich das Verlangen in ihm, das geliebte Wesen vor dem rauhen Kampfe mit dem Leben schützen zu dürfen.

An einem schönen Tage im Februar traf er Fräulein Forrest, nicht gerade ganz zufällig, in Begleitung mehrerer Damen tut Altertumsmuseum. Ihr süßer Name klang von den Lippen ihrer Gefährtinnen beständig an sein Ohr; und als er später eine Minute allein mit ihr in einer Fenster­nische stand, wiederholte et weich:Aimee, das klingt nicht englisch. Ihr Name wurde ans einer anderen Sprache gewählt, nicht wahr?"

O nein", versetzte sie errötend-.Aimee nannte mich mein armer Papa, vielleicht weil er nur mich hatte."

Tie Erwähnung ihres Vaters füllte ihre Augen mit