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Nach diesen Worten erhob er sich, zündete sich eine frische Cigarette an, und begann wieder, im Zimmer auf und ab zu gehen, aber mit langsameren und bedächtigeren Schritten, und viel länger als vorher. Zweimal blieb er an meinem Stuhle stehen, als ob er im Begriffe sei, zu sprechen, allein jedesmal besann er sich anders, und nahm seine Wanderung schweigend wieder auf. Einmal riß er das Fenster auf, das er vor einiger Zeit geschlossen hatte, und blieb ein paar Augenblicke, sich in den den Hof des Albany-Klubs füllenden Nebel hinauslehned, daran stehen. Inzwischen schlug eine auf dem Kaminsims stehende Uhr eins, dann halb zivei, und noch war kein Wort wieder zwischen uns gewechselt.
Trotzdem blieb ich geduldig auf meinem Stuhle sitzen, und ich erlangte sogar einen gar nicht zu den Umständen passenden Gleichmut. Unbewußt hatte ich meine Bürde auf die breiten Schultern dieses Freundes geladen, und meine Gedanken folgten meinen wandernden Augen, während die Zeit dahingiug. Das geräumige Zimmer bildete ein Viereck und trug mit seinen Flügeltüren und dem marmornen Kaminsims den Stempel der dem Albany-Klub eigentümlichen, etwas düsteren, altmodischen Vornehmheit. Es war allerliebst ausgestattet und eingerichtet, mit dem richtigen Maß von künstlicher Unregelmäßigkeit und gutem Geschmack. Was mir jedoch am meisten auffiel, das war das Fehlen der gewöhnlichen Merkmale, die meist die Wohnung eines Cricketspielers kennzeichnen. Statt des üblichen Gestells mit stark gebrauchten Schlaghölzern, nahm ein wohlgefüllter Bücherschrank von geschnitztem Eichenholz den größeren Teil einer Wand ein, und wo ich Gruppenbilder von Cricket- spielern zu finden erwartete, sah ich Darstellungen von „Liebe und Tod" und des „Seligen Damozel" in staubigen Rahmen. Der Bewohner hätte ein Dichterling statt eines Athleten von reinstem Wasser sein können. Allein in Raffles' verwickelter Natur hatte der Sinn für Aesthetik stets eine hervorragende Rolle gespielt; einige von diesen Bildern hatte ich selbst in seinem Arbeitszimmer in der Schule abgestäubt, und sie erinnerten mich an eine andere Seite seines vielseitigen Wesens — und an den kleinen Vorfall, den er eben angedeutet hatte.
(Fortsetzung folgt.)
Zum Kriegsjahre 1762,
Herzog Ferdinand von Braunschweig gegen die Franzosen in Hessen.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Am 30. August früh 8 Uhr ging der Erbprinz in drei Kolonnen unter den Generalen von Hardenburg, v. Scheele und v. Oheim auf Assenheim vor, während General v. Luck- ner von Bingenheim nach Dorheim Marschierte, um dort dre Wetter zu überschreiten. Hier traf auch später der Erbprinz zur Rekognoszierung ein und entdeckte bei Oberroßbach Condes Truppen. Eine weitere Besichtigung ergab, daß feindliche Abteilungen bereits bei den: Gehöfte Hassel- hecke unweit des Johannisberges sich ausgestellt hatten. Sofort erteilte der Erbprinz dem General v. Luckner den Befehl, den Feind am Johannisberg anzugreifen und aus seiner Stellung zu vertreiben. Die Generale v. Hardenberg und v. Scheele werden beordert, Luckner zu unterstützen.
Dieser ging bei Nieder-Mörle, eine halbe Stunde nördlich von Nauheim über den Usabach, von wo aus man allmählich zu dem durch eine Schlucht von dem Johannisberg getrennten Eichberg ansteigt. Es gelang Luckner, den Feind an der linken Flanke zu fassen. Unter» dessen war auch der Erbprinz mit den Truppen des Generals v. Hardenberg allerdings unter erschwerten Umständen über die Wetter bei Wisselsheim und Rödgen aus Nauherm vorgegangen und hatte den Erfolg, den Feind von Höhe zu Höhe zu vertreiben. Die zurückweichenden Truppen wurden gegen 11 Uhr von dem auf die Nachricht von einem feindlichen Zusammenstoß von Oberroßbach ab- mar)chierenden Prinzen Condö ausgenommen, der nun, auch noch unterstützt von Stainville, gegen den Johannisberg wieder vorrückte. Kaum hatte der Erbprinz seine Truppen bei dem Wartturm auf dem Johannisberg geordnet, als er sich von einer feindlichen Uebermacht an
gegriffen sah. Da es schwierig war, die Geschütze die steile Anhöhe hinaufzubringen, mußte der Erbprinz verzichten, das heftige Artilleriefeuer des Feindes in der gewünschten Weise zu erwidern. Vergebens versuchte der Erbprinz, sich an die Spitze seiner Truppen stellend, dieselben zum Stehen zu bringen; er wurde durch eine Flintenkugel im Unterleib verwundet und mußte das Kommando an den General v. Hardenberg abgeben. Die weichende Infanterie erstrebte, die Uebergänge über den Usabach zu erreichen. Ihr Rückzug wurde durch die Eskadronen Luckners gedeckt, der, von der Uebermacht der feindlichen Reiterei bedroht, be- fürchtetie, den Uebergang bei Nieder-Mörle zu verlieren. 3 Eskadrons des Regiments v. Müller eilten zur Hilfe und hielten 12 feindlichen Eskadrons stand.
Der Herzog ließ auf die Nachricht von dem Beginn des Gefechts seine Truppen von Geis-Nidda nach Bingenheim marschieren. Er selbst begab sich nach Melbach, östlich von Nauheim, um die zurückweichenden Truppen des Erbprinzen wieder aufzustellen. Da der Feind keine Miene zu weiterem Angriffe machte, führte der General v. Hardenberg an Stelle des kampfunfähigen Führers die Kolonnen in das Lager bei Wölfersheim.
Conde, der seine Stellung auf dem Johannisberg behauptet hatte, ließ seine Truppen hier stehen und vereinigte sich bei Friedberg mit der Hauptarmee, die bis Assenheim lag, während das sächsische Korps bei Bergen stand. Tas Treffen am Johannisberg kostete die Verbündeten an Toten und Verwundeten 500 und an Gefangenen 900 Mann; der Verlust des Feindes war geringer; er büßte nur wenige an Gefangenen ein.
Den Erbprinzen traf der unglückliche Ausgang des Treffens hart. Noch 30 Jahre später, im Revolutionskrieg 1792 bei der Kanonade bei Valmy berührte ihn die Erinnerung an jenen unglücklichen Tag äußerst schmerzlich. Als man auf die abgebrochene Angriffsbewegung bei Valmy zu sprechen kam, äußerte der frühere Erbprinz und damalige Herzog: „Tie wahre Ursache wissen Sie: sie liegt in unserer ganzen Lage. Mer nun will ich Ihnen noch eine Ursache sagen. Kennen Sie die Höhen von Johannisberg bei Nauheim ohnweit Friedberg? Ich habe da eine scharfe Affäre mit dem Prinzen Conds gehabt; ich wußte nicht, was hinter den Höhen stand; ich wurde geschlagen. Die Höhen von Valmy haben große Aehnlichkeit mit den Höhen bei Johannisberg. Ich wußte auch nicht, was dahinter stand. Man wird vorsichtig, wenn man Unglück im Kriege gehabt. Und ich habe viel Unglück gehabt!"
Die Marschälle suchten nicht weiter, ihren Ersolg bei Johannisberg auszunützen; sie wagten die folgenden Tage nicht, den Herzog anzugreifen. Auf ihrem rechten Flügel über Altenstadt, Erbstadt, Eichen und Windecken bis nach Bergen hin setzte ihnen General Freitag arg zu, sodaß sie sich bei Bergen verschanzten und verstärkten. Alle diese Streifzüge hatten nur den Zweck, den Feind auf dieser Seite festzuhalten. Die Marschälle planten, mit ihrer gesamten Macht vorzudringen und Kassel zu entsetzen. Hierhin standen ihnen zwei Wege offen, entweder den Marsch über Gießen zu nehmen, oder die Route zu benutzen, die sie auf ihrem Hinmarsch genommen, also über Büdingen und Fulda vorzudringen. Der letztere schien ihnen zu gefährlich, da der Herzog, der mit ferner Gesamtmacht bei Staden stand, ihnen leicht denselben verlegen konnte, und so entschlossen sie sich, den längeren über Gießen zu wählen.
Der Herzog hatte die Absicht, wie aus dem Berichte vom 5. September an den König Friedrich hervorgeht, sich hinter die Ohm zurückzuziehen. Am 4. September verließ Condo die Gegend von Friedberg und marschierte über Butzbach, Gießen nach Groß-Buseck, wo er am 7. ein Lager bezog. General Luckner folgte ihm und erreichte am 9. über Nordeck das Städtchen Kirchhain an der Ohm.
Am 8. September brach der Herzog morgens um 4 Uhr von Staden mit der Hauptarmee auf und gelangte nach einem beschwerlichen Marsche nach Grünberg. Infolge der schlechten Witterungsverhältnisse blieben die Munitionswagen des linken Flügels zwischen Laubach und Vil- lingen stecken. General Wintzingerode wurde wom Feind bei Laubach angegriffen und genötigt, sich nachNieder-Ohmen zurückzuziehen. Nachdem er sich wieder gesammelt, geht er gegen den Feind vor, der sicy nach Gießen zur Hauptarmee zurückzieht.
Am 11. brach die Hauptarmee des Herzogs auf und


