Wonkag den 12. Hktoöer.

1903.

(Nachdruck verboten.)

Das UschemahHe» »«der Bretagae.

Von B. W. Howard.

(Fortsetzung.)

Guenn stand neben, ihm, mit stockendem Atem inib leidenschaftlich erregtem Gemüt. Sie sollte ihm helfen, sie! Nicht mehr als bloßes Werkzeug, iute sein Pinsel und wie die Leinwand, sondern mit Einsicht, mit Verstand, mit ihrem eigensten Selbst. Er hatte sie ja soeben darum ge­beten !

Wenn Du übellaunig bist, Szenen machst und blaß wirst", fuhr er eindringlich fort,so kannst Du mir keine Hilfe sein. Ich hasse alle Szenen, itnb ihr Frauen führt sie mit Vorliebe dann auf, wenn ein Mann recht überarbeitet und abgespannt ist. Auch gestern hast Du mir eine Szene gemacht und mich in meinem besten Gedankengang gestört. Tue es nicht wieder, Guenn!" Guenn wollte in den Boden iinken vor Scham und Reue.Natürlich muß ich einmal oiesen Ort verlassen; hast Du wirklich gedacht, ich könnte auf immer hier bleiben? Aber jetzt gehe ich noch nicht, noch/ lange nicht." "In den Zügen des Mädchens spiegelte sich das reinste Entzücken bei diesen Worten.Warum solltest Du mir nicht helfen, so lange ich noch hier bin, Mir eine gute Freundin sein und tun, was in Deiner Macht steht, für mich und das, worauf es mir allein an­kommt? Warum mir nicht großherzig als Genossin zur Seite stehen und mich bei der Vollendung meines besten Werkes unterstützen? Und wenn ich dann fern bin siehst Du es hängt ja nicht von mir ab, ob ich meinen Auf­enthalt hier ins Unendliche ausdehnen will dann könntest Du Dir sagen: ich habe ihm geholfen, ich war seine Freundin. Sieh Guenn, wenn Du blaß und eifersüchtig bist, ist alle Mühe umsonst. Ich brauche Deine .Schönheit, nicht Deine kindischen Launen, die sie gar leicht zerstören können. Gerechter Himmel, Kind, kannst Du denn gar nicht begreifen, wie der Maler an seinem Bilde hängt? Kannst Du nicht teilnehmen an meinem großen Gedanken und Dich über alles Kleinliche und Niedrige erheben, das Deine Seele herabzieht? Nicht wahr, Du verstehst mich und wirst Dir's überlegen? Ich habe ganz offen und ehrlich zu Dir geredet."

Freilich wohl aber er hätte nicht nötig gehabt mit dieser vollen, wohltönenden Stimme zu sprechen, er hätte ihr nicht in die Augen zu blicken, brauchen,' gleich einem Liebenden!"

Du bist schpn, Guenn: bleibe schön für mich!" flehten die weichen, verführerischen Laute.

O, über die Wonne dieses Augenblicks! Ihre Schönheit hoch gepriesen zu hören von dem Manne, der ihres Herzens Abgott war. Die Schönheit, die sie bis jetzt als ' einen

so gleichgiltigen, selbstverständlichen Besitz angesehen, war in seinen Augen eine wertvolle Mitgift. Sie konnte ihm helfen! sie ganz allein! Hamor hätte Wochen lang nachdenken und doch nicht das glückliche Wort finden können, das ihm der Zufall und seine grenzenlose Selbst­sucht eingegeben hatten, das Wort, das ihm nicht Güenns Herz das besaß er schon längst, sondern ihre völlige Hingabe um jeden Preis, zusicherte. Er hatte verstanden, die Saiten ihrer Seele gewaltig zu rühren; ihr ganzes Innere fühlte sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen ihre Liebe und Treue, ihr Ehrgeiz und jenes seltsame Gefühl der Vereinsamung das Gefühl anders zu sein wie die übrigen, das sie, das klügste, lustigste, keckste Mädchen des ganzen Ortes, niemals verlassen hatte, weder bei der Arbeit, noch bet Gesang und Spiel, selbst nicht bei Ausübung ihrer eigenwilligen Tyrannei alles wies sie darauf hin, sich ganz seinem Dienste hinzugeben.

Hamor war von dem sichtlichen Erfolg seiner Rede aufs angenehmste überrascht, lächelnd hielt er ihr die Hand' entgegen:Nun, ist die Sache abgemacht? Willst Du getreulich zu mir stehen?"

Wie wunderschön das Kind war! Wie leuchteten ihre lieblichen Züge von heldenmütigem Entschluß und unend­licher Weichheit des Gefühls! Man sah'ihr an, daß hohe Gedanken ihr junges Gemüt bewegten.

Sie legte ihre Hand fest in die seine:Was auch immer kommen mag," sprach sie fest und feierlich.

Hamor hielt nicht ohne Ergötzen die kleine braune Hand' in der seinen; er bemerkte, daß Guenn leise zitterte und ihre schönen Augen siw tritt Tränen füllten. Plötzlich bückte sie sich und legte ihre Wange einen Moment auf seine Hand. So schüchtern war die kleine Liebkosung, als hätte ein scheues Reh des Waldes sich flüchtig an ihn ge­schmiegt. Hamor hatte sich stets etwas darauf zu Gute getan, daß er nicht der Mann sei, mit hübschen Mädchen zu tändeln und zu schäkern; es lag weder in seiner Erzieh­ung noch in seinem Geschmack, ailch wünschte er sich das Vertrauen jener einfachen Naturkinder zu erhalten. Bei der leisen Berührung der weichen MädcheNwauge jedoch, in der sich eine so reine Huldigung, eine so echt weibliche Hingebung ausfprach, überschlich ihn ein eigenes Gefühl er vergaß seine strengen Grundsätze, auf die er so stolz war, uild ehe noch der reizende kleine Kopf mir den lockigen, braunen Stirn- und Nackenhärchen Zeit sanöi sich wieder aufzurichten, hatte er seinen. Arm um die zarte. Gestalt geschlungen.

Aber Guenn war keine enipfindsame Natur gewöhnlicher! Art, die sich beim ersten Anlaß ergibt! Eine ungehörige Vertraulichkeit abzuweiseu, mochte sie von hoch oder niedrig kommen, das verstand jedes brave Fischermädchen. Wenn Alain sich dasselbe erlaubt hätte, würde Guenn ihm mit einem wohlgezielten Schlag geantwortet haben, so war es Brauch in Plouvenec.

Monsieur gegenüber, der alles von ihr verlangen konnte/