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zweiftüng zurückkehrte. 9hm hatte ich die Oberhand über ihn. Ich konnte ihm vorschreiben, wo die Unterredung statt- sinden solle, und zwang ihn, mich mit sich nach Hause zu nehmen, wobei ich ihm fortwährend versprach, ihm alles zu sagen, was ich über Sie wisse, aber erst nach Erledigung meiner eigenen Angelegenheiten. Als wir hier anlangten, nötigte ich ihn, mir erst etwas zu essen zu geben, und dann hielt ich ihn noch immer hin. Als ich gegen 10 Uhr hörte, wie das Tor geschlossen wurde, sragte ich ihn, ob er allein wohne.
„Keinswegs", antwortete er. „Haben Sie denn meine Magd nicht gesehen?"
„Ja, ich hätte sie gesehen, antwortete ich, aber ich glaubte, ich hatte sie Weggehen hören. Sei das ein Irrtum, so würde sie gewiß eintreten, wenn man sie riefe. Hieraus schrie ich dreimal, so laut ich konnte, aber natürlich erschien kein Dienstmädchen. Das wußte ich auch sehr wohl, denn an einem Abend der vergangenen Woche hatte ich ihn ausgesucht, und er hatte selbst mit mir durchs Tor gesprochen, sich aber geweigert, mir zu öffnen. Na, als ich geschrien hatte, und es war niemand gekommen, war er so weiß, als der Kalk an der Decke. Nunmehr sagte ich ihm, daß der Augenblick zum Plaudern endlich gekommen sei. Dabei ergriff ich das Schüreisen, erinnerte ihn daran, wie er mich bestohlen habe, und schwor, daß er mich nicht mehr berauben solle. Drei Minuten Zeit gab ich ihm zur Entscheidung, ob er mir eine Quittung über alle seine Forderungen an mich ausstellen, oder ob er lieber das Hirn auf seinem eigenen Teppich zerschmettert haben wolle. Einen Augenblick überlegte er, dann trat er an seinen Pult, um Papier und Feder zu holen, drehte sich aber im Nu mit seinem Revolver in der Hand um, und ich ging auf ihn los. Zwei- oder dreimal schoß und fehlte er — Ihr werdet die Löcher finden, wenn Ihr suchen wollt — dagegen traf ich ihn jedesmal. Mein Gott! Ich war wie ein Wilder, bis er sich nicht mehr rührte. Und dann bedauerte ich nicht, was ich getan hatte. Ich durchsuchte seinen Pult nach meinen eigenen Wechseln und wollte mich gerade entfernen, als Ihr erschient. Wie gesagt, was ich getan hatte, bedauerte ich nicht, und tue es auch jetzt noch nicht, aber ich wollte mich selbst der Polizei stellen, und das ist noch immer meine Absicht. Ihr seht also, daß ich Euch keine große Mühe machen werde."
Damit war seine Geschichte zu Ende, und nun standen wir da auf der Treppe des einsamen Hauses, die leise, gepreßte und erregte Stimme brauste uns noch in den Ohren, während untern der Tote lag und sein Mörder, der seine Tat nicht bereute, uns ins Gesicht sah. Ich wußte, wem diese Verstocktheit gefiel, und ich hatte mich auch nicht getäuscht.
„Das ist alles Quatsch", sagte Raffles nach einer kurzen Pause; „wir werden nicht zugeben, daß Sie sich der Polizei stellen."
„Sie dürfen mich nicht zurückhalten! Was könnte es denn auch nützen? Das Frauenzimmer hat mich gesehen, und es würde also nur eine Frage der Zeit sein. Der Gedanke, zu warten, bis die Polizei kommt, ist mir unerträglich. Stellen Sie sich doch nur einmal vor, was es heißt, zu tzarten, bis sie einen auf die Schulter klopfen! Nein, nein, nein, ich stelle mich der Polizei; dann ist das Schlimmste überstand en."
Sein Don war anders geivorben; er stotterte iinb versprach sich häufig, und es war, als ob ihm der bloße Gedanke an Entkommen zu einer klareren Auffassung über seine Lage Verholfen hätte.
„Hören Sie mich einmal an", drängte Raffles, „auch wir sind in Gefahr, denn wir haben uns wie Diebe eingeschlichen, um, ähnlich wie Sie, die Aufgabe unberechtigter Forderungen zu erzwingen. Sehen Sie denn nicht? Wir haben eine Scheibe ausgeschnitten — ganz wie es wirkliche Einbrecher gemacht haben würden, und so wird wohl auch alles andere auf unser Konto geschrieben werden."
„Sie glauben also, daß ich gar nicht in Verdacht geraten würde?"
„Ja, das ist meine Ansicht."
„Aber ich will gar nicht frei ausgehen", rief Rutter weinerlich. „Ich habe ihn umgebracht, das weiß ich, aber es ist in der Notwehr geschehen, also ist es kein Mord. Das muß ich eingestehen, und die Folgen auf mich nehmen. Wenn ich das nicht tue, werde ich verrückt."
Seine Hände zuckten, seine Lippen; bebten, und seine Augen standen voll Thränen.
„Nun passen Sie einmal auf, Sie Dummkopf", sagte
Raffles, ihn rauh an der Schulter schüttelnd, ,stvenn wir drei jetzt hier abgefaßt würden, wissen Sie, welche Folgen das hätte? In sechs Wochen baumelten wir in Newgate! Sie sprechen gerade so, als ob Sie im Klub säßen. Habest Sie denn vergessen, daß es ein Uhr nachts ist, daß die Lichter brennen, und daß unten ein Leichnam liegt? Um Gottes willen, raffen Sie sich aus, Mann, und tun Sie, was ich Ihnen sage, oder Sie werden selbst sehr bald ein Leichnam sein."
„Ich wollte, ich wäre schon einer", schluchzte Rutter. „Wenn ich nur seinen Revolver hätte, dann würde ich mir eine Kugel durchs Hirn jagen. Er liegt irgendwo unter ihm! O, mein Gott, mein Gott!"
Seine Kuiee schlotterten, und der Wahnsinn des Rückschlags hatte seinen Höhepunkt erreicht. Wir mußten ihn zwischen uns nehmen und so die Treppe hinab durch die Haustür ins Freie führen.
Draußen war alles still — kein Laut war hörbar außer dem unterdrückten Schluchzen des vollständig zusammen- gebrochenen Elenden, den uns das Geschick auf den Hals geladen hatte. Raffles kehrte einen Augenblick ins Haus zurück, und dann war auch alles finster. Das Tor war nur von innen zu öffnen; wir verschlossen es sorgfältig hinter uns, und dann ließen wir die Sterne auf die Glasscherben und die glänzenden Spitzen scheinen, gerade wie wir es bei unserer Ankunft gefunden hatten.
Wir entkamen — wie, braucht hier nicht näher aus-! geführt zu werden. Unser Mörder schien ganz versessen aufs Schaffot zu sein, und, von seiner Tat berauscht, machte er uns mehr Blühe, als sechs vom Wein Betrunkene, sodaß wir ihm wieder und wieder drohen mußten, ihn seinem Schicksal zu überlassen und uns nicht mehr um ihn zu kümmern. Aber ein unglaubliches und unverdientes Glück begünstigte uns alle drei. Zwischen dem Hause und Wil- lesden Begegneten wir keiner Menschenseele, und als die Abendzeitungen die Stadt von dem furchtbaren Trauerspiel in Kensal Rise in Kenntnis setzten, dürste von denen, die uns später gesehen hatten, wohl keiner an die beiden juiigen Herren mit verschobenen weißen Halsbinden gedacht haben, die einen dritten geleiteten, über dessen Zustand anscheinend ein Zweifel nicht möglich war.
Wir gingen nach Maida Bäte und fuhren von da ganz offen nach meiner Wohnung, aber dort stieg ich allem aus, während die beiden andern ihre Fahrt nach dein Albany- Klub fortsetzten, woraus ich zwei Tage lang nichts von Raffles zu hören bekam, denn bei einem im Lause des Vormittags unternommenem Versuch, ihn in seiner Wohnung zu treffen, fand ich ihn nicht zu Hause, und er hatte auch nichts hinterlassen. Als er wieder auftauchte, waren die Zeitungen voll von dem Morde, und der Mann, der ihn begangen hatte, schwamm aus dem breiten Atlantischen Ozean als Zwischendeckspassagier von Liverpool nach New- ^‘,rf„9JZit Vernunftgründen war bei ihm nichts aus- zurichten", erzählte mir Raffles später. „Er bestand darauf, enttveder alles zu bekennen, oder das Land zu verlassen. Demnach verkleidete ich ihn im Atelier, und dann fuhren wir mit dem ersten Zug nach Liverpool. Nichts verinochte ihn dazu zu bringen, sich stille zu verhalten und die Lage zu genießen, wie ich es an seiner Stelle getan haben würde, und es ist schließlich besser so. Ich begab mich nach seiner Höhle, um einige Papiere zu vernichten, und weißt Du wohl, was ich sand? Die Polizei war im Hause und hatte bereits einen Haftbefehl gegen ihn in Händen! Tie Dummköpfe glauben, die Spuren des Einbruchs seien nicht echt! Meine Schuld ist es nicht, wenn Rutter erwischt wird.
Und nachdem so viele Jahre vergangen sind, würde es, wie ich glaube, auch die meine nicht sein.
VI.
Ein Einbruch auf Bestellung.
„Nun", fragte Raffles, „was hältst Du davon?"
Bevor ich antwortete, las ich die Anzeige noch einmal durch, die aus der letzten Seite des Daily Telegraph stand und also lautete:
„Zweitausend Pfund Belohnung! — Diesen Betrag kann jeder verdienen, der im stände ist, einen heiklen Auftrag zu übernehmen, dessen Ausführung mit einer gewissen Gefahr verbunden ist. — Näheres auf telegraphische Äufrage unter der Adresse: Security, London."


