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mächtnis weiterpflegen soll. Leute, die es in dieser Mixtur von Dummtvotz und Selbstgefälligkeit gar nicht gibt, wenigstens nicht gleich in Kollektionen. Dort Quixote ist eben immer ein Einsamer. Die Jugend tut den Alten natürlich den Gefallen nicht. Der an Zahnschmerzen leidende §unb eines durchreisenden Prinzen führt die Katastrophe herbei. Sokrates, der Zahnarzt ist, weigert sich, die Operation vorzunehmen; aber sein eigener Sohn und Kollege, der Mitleid mit der Kreatur hat, auch wenn sie auf den Pfiff eines fürstlichen Mundes hört, vollführt sie. Das tut ihm den ersten Schlag. Schlimmer jedoch noch packt ihn die satirische Rache des seit Jahrzehnten befehdeten Landrats, dem das Geheimarchiv der „Sturmgesellen" in die Hände fällt, und der statt aller Hochverratsprozesse die Same ignoriert, dem Alten aber in Anerkennung der Verdienste, die sein Sohn sich um den fürstlichen Köter erworben, einen Orden ins Knopfloch steckt. In Einzelheiten dieser Komödie steckt Amüsantes, aber mehr Triviales. Das Ganze erweckt zu wenig jene wohltuende Wärme, die uns mitempfinden und mitleben läßt. Es war eine kalte Komödie, trotz ihrer guten Darstellung. Die Kritik war nach dem grimmen Streit Sudermann kontra Jakobsohn, Kerr, Harden besonders interessant. Einen vollen Erfolg konnte man, obwohl das Publikum mit Beifall nicht kargte, nirgends konstatieren; aber ein vollständiges Negieren jedes Talentes, jeder Feinheit, jedes ernsthaft zu nehmenden Anlaufs mußte auch dem nachdenklichen Zuschauer, der für die Ideale von 48 immer noch ein paar heißere Pulsschläge spürt als das so gräßlisch hluge Jung-Deutschland, mehr als befremdlich erscheinen. Jüng-Jakobsohn hat es fertig gebracht, einen kleingehackten Salat aus Hermann Sudermann und seinem Sokrates zu machen. Das war gehässig. Kerr hat Heinrich Hart das Richteramt überlassen. Das war taktvoll. Harden steht noch aus. A. R.
Literarisches.
— MeyersGroßesKonversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich' neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jllustrattonstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilaaen. 20 Bände in Halbleder aebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) — Beim Durchblättern des vierten Bandes von Meyers Großem Konversationslexikon, der die Wörter Chemnitzer bis Differenz umfaßt, fallen eine Anzahl Artikel auf, die uns Deutsche besonders interessieren, da sie alles behandeln, was sich auf Deutschland bezieht. Der Artikel „Deutschland" gibt mit seinen zahl- retojeit prächtigen Karten und Tafeln ein treffliches Bild von' den geographischen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen unseres Vaterlandes. In präziser, aber übersichtlicher Form wird das Gebiet nach allen Richtungen hin behandelt, wobei eine Reihe statistischer Tafeln nach den neuesten Erhebungen viel zum Verstäudnis beitragen. Die Geschichte unsers Volkes ist in großen Zügen, aber fesselnder Darstellung bis in unsre Tage bearbeitet, vier gute geschichtliche Karten geben ein übersichtliches Bild der jeweiligen Entwickelung. Die großen Perioden des Befreiungskrieges und des deutsch-französischen Krieges haben besonders ausführliche Artikel erhalten. Der Artikel „Deutsche Literatur" zeugt von selbständigem Studium, ist Namentlich, was die wissenschaftliche Literatur anlangt, außerordentlich brauchbar, tüchtig und lehrreich, während manche eigenartige und bedeutende Persönlichkeit der sog. schönen Literatur zu kurz kommt. Sehr interessant ist der neue Artikel „Deutsches Volk" mit einer Karte über die Verbreitung der Deutschen in Mitteleuropa. Wir erkennen aus diesem Aufsatz so recht, wie sich das deutsche Volk aus dem Gemisch der Stämme der Völkerwanderung herauskristallisiert hat, und wie es ihm dank seiner Zähigkeit und Rührigkeit gelungen ist, überall in der Welt seinen Platz an der Sonne einzunehmen. Für das Verständnis der Vorgänge unsrer ostasiatischen Politik ist der Artikel „China" mit den beiden Karten, namentlich der zweiten der Provinzen
Tschi-li und Schantung, sowie die Karte vom Unterlauf des Peiho, dein Kriegsschauplatz der letzten Jahre, von Interesse. Aber auch in die Geschichte und in die Literatur dieses bis jetzt jo geheimnisvollen Landes werden wir eingeweiht. Die Errungenschaften der Technik im Dampfmaschinenwesen und im Dampfschiffbau finden in größeren Aussätzen treffliche Behandlung. Auch hier sind eine Reihe ganz neuer Täfeln dazugekommen, die auch den Laien mit der sonst schwer verständlichen Materie vertraut machen. —ä Die Erwähnung dieser aus dem Reichtum des Wissens, der in dem Band aufgestapelt ist, herausgezogenen Artikel wird genügen, um erkennen zu lassen, daß wir es in deut vierten Bande wieder mit einer hervorragenden Bereicherung des deutschen Bücherschatzes zu tun haben.
— H a u s s ch a tz ä l t e r e r K u n st! Von dieser Publikation der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst in Wien sind soeben die Lieferungen 18 und 19 ausgegeben worden. Sie umfassen wieder eine Anzahl von vorzüglichen Radierungen nach wenig bekannten Gemälden berühmter alter Meister. Rubens ist diesmal durch das Schlußbild des! berühmten Decius Mus-Cyllus der Liechteustein'schen Galerie, die „Leichenfeier des Decius Mus" darstellend, vertreten, Murillo durch eine prächtige „Madonna mit Missionären", Tiepolo durch eine schwungvolle „Verllär- ung Mariä", Terborch durch ein anmutiges Sittenbild, Hals durch ein kühn behandeltes männliches Bildnis., Auch die übrigen Blätter enthalten köstliche Werke, Gemälde von A. van Ostade, David Teniers d. I., Willem van der Velde, S. Köninck und Jakob Ochtervelt. Mit der nun noch folgenden 20. Lieferung, der ein erklärendes Verzeichnis der einzelnen Blätter beigelegt werden wird, gelangt diese auf das Interesse weitester Kreise berechnete Publikation zum Abschlüsse; der Preis ist bekanntlich ungewöhnlich niedrig: pro Heft mit 5 Blatt Radierungen
Magisches Dreieck.
(Nachdruck verboten.)
A
E
H
I
N
In die Felder des Dreiecks sind die Buchstaben derart einzutragen, daß die drei Außeirreihen und die drei ivagerechten Mittel- reihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. Singvogel; 2. und 3, weibliche Vornamen; 4. Nahrungsmittel; 5. Nebenfluß der Donau; 6. Familienglied.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Preisrätsels in Nr, 143 der Fainilienblätterr B a l s a m M a n g a it
B a l d u r
Z i r k e l
F t n g a l
Dau m e u
Die Gemimter sind:
1. Chr. Schmidt II., Gießen, Löberstraße 16; Preisi Grillparzers sämtliche Werke in 4 feinen Leinwandbänden. 2. Frl. Lang ermann, Gießen, Ostanlage 881; Preis: Alpenland- schaften, Ansichten aus der deutschen, österreichischen, schweizer und französischen Gebirgswelt (fein gebunden nut Goldschnitt, nahezu im Format des Gießener Anzeigers). 3. Phil. Schaum, Gastwirt, Großen-Linden; Preis: „Leben um Leben", Roman von Dietrich Thedeit, und „Praktische Anleitung zur Obstkultur" von Th. Jäger. 4. Postverwalter Schirm antt, Lieh; Preis: »Empfundenes" von Robert Palten, Lieder und Gedichte, und 2 Bande der „Kunst", herausgegeben von Richard Mrtther.
Die Preise sind von den Gewinnern gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Geschäftsstelle des „Gießener Anzeigers" in Empfang zu nehmen.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlog der Vrübl'schen Universitäts-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.


