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China seufzt unter der Opiumgeitzel, die das Ausland schwingt, und kann die verbrecherische Hand des Engländers nicht sesthalten und abwehren, weil sie Schiffe und Kanonen gegen uns rüstet. Nun hat aber auch Deutschland seine gepanzerte Faust auf weite Strecken unseres Landes gelegt, und schon fängt man an, durch die Bresche, die hier entstanden, ein zweites verderbliches Gift auf uns mrs- zugießeu. Mit den deutschen Missionaren, welche die Flotte schützt, strömt das Bier in unser Land und verdirbt, was dem Opium Widerstand leistete. Der kleine Manu im Osten, der Japaner, hat uns unser Geld und unsere Schiffe genommen, als wir ihm unterlagen, gefährlicher als der uns stammverwandte japanische Feind, der mit Pulver und Blei gegelt uns donnerte, ist der weiße Mann, der als Freund sich uns naht und Pachtverträge mit uns schließt, er bringt uns ein schleichendes Gift, das uns unsere Weiber und Kinder zu Verbrechern, Idioten und Wahnsinnigen, zu Schwächklingen und Elenden macht. Hüte dich China vor dem Alkohol.
Soweit Li-Ti-Schang Fai. Was sagen die Träger der deutschen Kültur dazu, wenn die unkultivierten Chinesen der deutschen Kultur solche Schattenseiten nachweisen können-
Ein chinesisches Urteil über den Alkoholgenuß der Deutschen, Ein sehr interessantes Spiegelbild deutscher Kultur hat kürzlich die in Peking erscheinende Zeitung „Tanseng" gebracht, in der ein Herr Li-Ti-Schang Fai die deutschen Verhältnisse beleuchtet. Der betreffende Herr hielt sich nämlich, jahrelang im Auftrage der chinesischen Regierung als Aufseher beim Bau der vou China bestellten Kriegsschiffe, namentlich derjenigen mit moderner Torpedoausrüstung, in Berlin, Stettin und Elbing aus und hatte somit Gelegenheit, das Leben und Treiben der Deutschen, sowohl der besser situierten als der Arbeiter, kennen zu lernen. L.-T. schreibt:
Deutschland ersäuft und verdirbt au Bier und anderen berauschenden Getränken. Wie eine Flut, die Tod und Verderben, Armut und Verbrechen bringt, ist der Alkohol in die letzten Winkel, in die größten Paläste und kleinsten Hütten des mächtigen Deutschen Reiches gedrungen, und immer stärker schwillt der Strom an. Die Stadt Berlin hat allein 9000 registrierte Alkoholhöllen, es gießt kein noch so kleines Dörflein, wo der Alkohol nicht in irgend einer Form verkauft wird. Fast alle Männer und viele der Frauen sind dem Genüsse des narkotischen Reizmittels, das zur langsamen aber sicheren Lähmung an Leib und Geist führt, ergeben. Selbst Kinder gewöhnt man von Jugend auf daran. Sonntags sitzen buntgeputzte Weiber in den Bierpalästen und Weinstuben, schwingen die Gläser und saugen das berauschende Gift ein, das ihr klarstes Sittlichkeitsgefühl und Denken lähmt. Man findet wenig Frauen, die ihre Kinder selbst nähren können, und nicht wenige von diesen geben ihren welken, unnatürlich genährten Säuglingen stark alkoholartigen Wein zur Kräftigung und Beruhigung, die Aermeren benutzen hierzu gar Schnaps; in Bayern, wo alles von klein auf nur für das Bier lebt, giebt man natürlich schon den Säuglingen Bier. Es werden in Deutschland 2500 Millionen Mark (jetzt 3000) vertrunken, weite Länderstrecken voll Kartoffeln, das beste Korn, die schönsten Trauben werden verdorben, um das gefährliche Gift herzustellen. Und alles das geschieht unter dem Schutze und der Protektion einer hohen Regierung. Die Stützen des Staates brennen Schnaps und verteidigen das Gewerbe um ihres Verdienstes willen. Die Großen des Landes liefern dem Volk diese Getränke und im Deutschen Reichstage führen Brauer und Brenner das großeWort. Niemand aber wagt es, dem verderblichen Treiben entgegen» zutreten, aus Angst vor den Herren) die beim Alkoholhandel reich, werden und aus Furcht vor ihrem trinkenden Anhang. Auch die Führer der Arbeiter, und die Vertreter der Presse stehen unter diesem Bann. Die Deutschen verabscheuen das Opiumrauchen unseres Volkes und stellen uns deshalb an den Pranger, obgleich Europa die Schuld daran trägt, daß China durch das Opium entsittlicht und verderbt wird. Der berühmte Professor Fick-Würzburg erklärte: Der mäßige Opiumgenuß, das kann ich Ihnen als Physiologe versichern, schadet genau ebensowenig, resp. genau ebensoviel, wie der mäßige Alkoholgennß, und doch beschönigen dieselben Deutschen ihr eigenes nationales Laster, den Gebranch narkotischer Getränke, welche, wie wir täglich sehen, genau die gleichen Wirkungen haben. China verurteilt das Opium, die angesehensten Kreise Deutschlands verherrlichen die Alkoholnarkose, und das Volk wird dadurch degeneriert. Ich sah in München faßdicke Männer mit mächtigen Wackelbäuchen und Hängebacken in großer Anzahl stumpfsinnig beim Biere sitzen, lebendigen Filtern gleichend, aufge- schwemmt und faul. Ich sah an den Straßenecken von Elbing und Stettin verkommene Tagediebe in großer Zahl, die jeden verdienten Groschen in Branntwein anlegten, ich sah aber- auch angesehene Männer nach der Feier von patriotischen Festen im Saale umherschwanken, einige lallend und unsinnig lachend, andere brüllend und streitend. Ich sah ferne Damen in Konditoreien und Gesellschaften das süße Gift schlurfen, und — ich sah abends besoffene und zerlumpte Weiber durch die Gassen taumeln, mau zeigte mir L'nter grünen Läden solche Weiber, die unter Beihilfe des ^tjvhols zu Falle gekommen waren, und nun durch dessen Hilfe Manner jeder Art zu Falle bringen sollten. Ich sah Mord und Totschlag, Ehebruch uud Gemeinheit jeder Art, begangen unter der Einwirkung des Alkohols, aber ich sah keinen Menscheii, der den Gebrauch dieser narkotischen Stoffe verurteilte, — sie trinken alle.
Unser Garten im Juli.
(Nachdruck verboten.)
Zwei Hauptsorgen giebt es im Juli. Die erste Meten uns unsere Spargelfelder und Spargelbeete. Mit dem 24. Juni hat das Stechen ausgehört. Mit dem Aushören des Stechens aber soll die Düngung und Wässerung beginnen. Das klingt ganz neu. Wer aber im nächsten Jahre kräftigen Spargel ernten, wer wohlschmeckenden Spargel ernten will, wer Spargel ernten will, der sich zur Konservierung hält, der muß jetzt düngen, selbst wenn er es nicht gern möchte. Das Düngen im Herbst und Winter ist ganz verkehrt und sollte nun aushören. Es kostet viel, bringt wenig Duugstosfe snr den Spargel, weil die meisten in dem Boden versickern, ehe sie die Spargel ergreifen können und das, was sie ergriffen haben, wird als rohes Salz den Pfeifen einverleibt, nicht als wohlschmeckender, verarbeiteter Stoff.
Die andere große Sorge, die uns der Juli bringt, das ist die Sorge um richtiges Veredeln so manchen Rosen- Wildlings, Veredeln des Pfirsich-, Pflaumen- und Aprikosenwildlings. Da sollen wir erst sorgen, daß die Wildlinge lösen, da sollen wir sorgen, daß sie richtig beschnitten werden und schließlich sollen wir sorgen, daß das Ange beim Okulieren gut und richtig eingesetzt werde. Wie gesagt, Rosen, Pstisich, Pflaumen und Aprikosen bilden die Hauptsorge beim Okulieren. Wer Cytisus, wer Ahorn, Flieder, Päonien, Akazien, Weißdorn, Linden, Liguster, Eschen, Schneeball und Ulmen okulieren möchte, muß dazu auch im Juli die nötige Zeit finden. Wer die Okulation derselben wird uns selten so dringend erscheinen, als die Okulation der Fruchtbäume und Rosen.
Neben der Okulation der Rosen tritt auch die Vermehrung der Rosen durch Stecklinge in ihre Rechte. Verhältnismäßig leicht lassen sich die Rosen aus Stecklingen ziehen. Wenn aber trotz alledem die Veredelung selbst bei Liebhabern mehr gehandhabt wird, als die Stecklingszucht, so hat dieses seinen Grund vielleicht in dem nicht ganz gleichartigen Verhalten der aus Stecklingen gezogenen Rosen.
Spätobst läßt sich noch einmal mit Kupferkalkbrtthe spritzen, bei Frühobst ist jedes Spritzen jetzt ausgeschlossen. Frühobst 8 Tage vor der Reife abgenommen, in Decken eingepackt, giebt Obst, das auf dem Markte Geld bringt. Im Juli sind die Tomaten zu beschneiden uitß zu düngen; die Würzkränter zu schneiden und zu trocknen. Im Juli sind Erdbeerpflanzen aus Senkern herauzuziehen. Treib, ro« beeren in größere Töpfe zu Pflanzen; Bleich-Sellerie, Cardy, Artischoken stark zu düngen; noch sind Winterkohl, Winterendivien auszusäen; auch Frühbohuen lassen sich noch legen.
Es wird der Sommerschnitt bei allen Obstbäumen fortgesetzt, das Anbringen der Sac de> France durchgeführt. Man kann Nelkena Bfenten; Stecklinge von Nadelhölzern, von Liguster, Weigelien, Deutzien, Pelargonien und Fuchsien machen. Es sind die jungen Spargelaussaaten zu jauchen. Wo Spargelkäfer auftritt, ist mit Schweinfurter Grün zu spritzen.


