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die blutige Hand, die sich nach ihr ausstreckte. Sie kauerte in Chauxvilles Mut, das den steinernen Boden des Korri­dors bedeckte.

Paul bückte sich und legte den Finger auf ihren nackten Arm, gerade oberhalb des Bracelets, das im Lampenlichte schimmerte.

Sie war tot. Er hielt die Lampe dicht an ihr Ge­sicht. Der Schlag, der ihr Haar herabriß, hatte sie ge­tötet, ohne sie im geringsten zu entstellen. Die seidene Schleppe ihres Kleides, die sich im Korridor ausbreitete, war von hundert schmutzigen Füßen zertrampelt und be­fleckt worden.

Dann trat Paul auf Claude von Chauxville zu, bückte sich ebenfalls und schob seine geschickten Finger unter den zerrissenen, kotbefleckten Rock. Auch hier war der Tod ein­getreten.

Paul richtete sich auf und sah die beiden an, die schweigend, bewegungslos, mit für immer verschlossenen Lippen vor ihm lagen.

Nun trat er zu der Tür, die aus vier Zoll dickem, altem Eichenholz bestand, und untersuchte sie. Der Riegel, das Schloß, die Angeln waren unversehrt: die Tür war von innen geöffnet worden. Er sah sich langsam um und maß die Entfernung.

Was bedeutet das?" wandte er sich endlich mit dumpfer Stimme zu Steinmetz.

Nelly zuckte bei dem Klange zusammen.

Ter Intendant antwortete nicht sogleich, sondern zögerte wie einer, der Worte abwägen will, die die Hörer nie ver­gessen werden.

Es ist mir ganz klar, daß der Baron den Tod fand, indem er sie zu retten suchte", sagte er mit leiser, gütiger Stimme.Alles übrige kann bloß erraten werden."

Nelly war näher getreten und stand jetzt neben ihm.

Ich glaube, daß Baron Chauxville die treibende Kraft des ganzen Aufstandes war", fuhr er uach einer kleinen Pause fort, da beide schwiegen.Er war sein ganzes Leben lang eine der Sturmmöven der Diplomatie. Wo er erschien, entstand Unheil. Es gelang ihm, die Fürstin derart unter seine Herrschaft zu bringen, daß er sie zum Gehorsam zwingen konnte; die Mittel, die er dabei anwandte, waren Drohungen. Es lag in seiner Macht, Unheil zu stiften, und bei solchen Gelegenheiten ist eine Frau so hilflos, daß wir ihr das, was sie in einem Augenblick des Entsetzens tun mag, verzeihen können. Er schüchterte die arme Frau derart ein, daß sie seinem Befehl, die Türe zu öffnen, gehorchte. Vor dem Diner, als wir uns alle im Salon befanden, bemerkte ich auf dem weißseidenen Rocke ihres Kleides eine leichte Staub­spnr. Aber damals dachte ich nur, daß ihre Kämmer- junfer nachlässig gewesen sei, haben Sie es vielleicht auch bemerkt, gnädiges Fräulein? Damen fallen derartige Dinge eher auf."

Nelly nickte stumm mit dem Kopfe.

Es war der Stäup dieser alten Korridore", fuhr er fort.Sie war hier und hat diese Tür geöffnet."

Er zuckte resigniert die Achseln, dann hielt er mit einer wunderlichen Gebärde die Hand über die zwei beweg­ungslosen Gestalten, als bäte er stumm, daß ihnen vergeben werden möge.

(Schluß folgt.)

Der Doppelgänger des Einjährigen.

Mauöverhumoreske vou F. Clemens.

(Nachdruck verboten.) Hurra! Da kommen sie!

Trompeten schmettern, Trommeln rasseln; Helme und Waffen blitzen im Abendsonnenglanz, rhythmisch erdröhnt der Boden vom Stampfen der Pferde. Erst verraten sie sich nur dem Ohr, dann auch dem Auge nun sind sie da, staub- und schweißbedeckt, rothglühend und sonnengebräunt sehen sie mehr wie Indianer denn als Europäer aus. Gott sei Tank, der Rastort ist für heute erreicht, in den Häusern der begeisterten Dörfler winkt Labung und Ruhe, und ein frisches Faß Bier ward in der Schenke schon fürsorglich angesteckt.

Abgesessen rührt Euch! Die Quartierbillets werden ausgeteilt, die Kinder der Quartiergeber stehen zur Ab­holung und Führung bereit. Vergessen ist die Anstrengung des Tages, man erblickt überall nur schmunzelnde Gesichter, leuchtende Augen. Nur der Einjährige Kurt Möllhof schaut

etwas nachdenklich in die Welt. Eine Stunde vom Dorf entfernt liegt das Rittergut Tiefthal, die Tochter des Be­sitzers teilt mit ihm das Geheimnis der Minne, Vater und Mutter stellen sich, als wüßten sie nichts davon, aber das ist pure Heuchelei, nur geübt, um den Kindern den Spaß nicht zn verderben, und weil sie im Grunde nichts dagegen haben. Wie hat er sich während des ganzen Manövers auf das Quartier in dieser Gegend gefreut! Für einen Abend, hoffte er, einige Stunden süßen Wiedersehens herans- zuschlagen und nun muß der Oberst gerade einen Regi­mentsbefehl erlassen, daß niemand für heute und die nächsten drei Tage Urlaub erhalten darf, zur Strafe für eine mißglückte Attacke!

Trübsinnig saß er im Quartier beim Abendbrot; vrll Mißmut richtete er seine Blicke nach dem Fenster da flammte plötzlich ein Strahl in ihnen auf, der sein Antlitz mit neuer Hoffnung verklärte.

Tas Haus, in dem er wohnte, war das letzte des Dorf s die Dunkelheit brach bereits herein, in einer halben Stunde mußte es finster sein einer der Wege nach Ti:f- thal lief einsam und verborgen am Bache entlang rin Appell, ein Alarm oder eine sonstige unliebsame Störung stand für heute oder wenigstens für die nächsten Stunden sicherlich nicht in Aussicht auf das Schweigen seine? treuen Burschen, eines gutmütigen Bayer, konnte er sich verlass: n. Was hinderte ihn, heimlich zu tun, was ihm offiziell nicht verstattet wurde? Seine Kameraden hatten schon ganz andere Streiche ausgeführt.

Ohne Zögern weihte er seinen Burschen in das Ge­heimnis ein. Fragte jemand nach ihm, sollte .Huber, der Bursche, sagen, er habe heftige Zahnschmerzen und liege im Bett. Huber sollte vorher schon Kurts Pferd nach dem Flusse hinführen, sobald es dunkel genug war, stieg der Einjährige dann zum Fenster seines Zimmers hinaus, schlich zum Garten, überstieg den niedrigen Zaun und befand sich im Freien. Dann noch ein paar Hundert Schritte durch die Obstplantage zum Flusse hinunter, auf das Pferd geschwun­gen, und hui, wie der Blitz, auf und davon nach Tiefthal der Plan war einfach und konnte nicht mißglücken.

Und in der Tat alles gelang über Erwarten! Ge­rade als es neun schlug, sank Kurt in die Arme seiner aufjauchzenden Geliebten! Auch die Eltern, Baron von Welsen und Frau, hießen ihn freundlich willkommen, und gemütlich plaudernd saß man auf dem großen weinum­rankten Balkon der ersten Etage.

Da klang plötzlich von unten eine volle tiefe Männer­stimme herauf:

Ter Herr Baron ist doch zu Hause?"

Alle Götter", rief erbleichend her Besucher,das ist die Stimme meines Obersten!"

Richtig der weitere Fortgang des Gespräches unten im Vorgarten ließ keine Zweifel der Tatsache!

Kurt Möllhof bebte.

Wer hätte denken können, daß der hier her kommen würde?"

Es ist ein alter Freund von mir", erklärte der Baron. Sie sind wohl ohne Urlaub hier?"

Allerdings und der Herr Oberst kennt in Fragen der Subordination kein Erbarmen! Ich falle gründlich hinein, wenn er mich hier entdeckt. Liebste Olga, sei so gut, und zeige mir den Weg ans diesem Zimmer, auf dem ich ihm nicht begegne."

Alle waren ausgestanden und in das Zimmer getreten. Ter Baron hatte leise die Tür geöffnet.

Hier können Sie nicht mehr hinaus rasch, Kurt, in das Gemach dort verbergen Sie sich dort, bis der Oberst wieder fort ist"

Kurt Möllhof folgte schleunigst dem Wink. Es war die höchste Zeit Oberst von Bardelftein trat eben herein und begrüßte aufs herzlichste den alten Freund und dessen Familie.

Ich habe nicht viel Zeit", äußerte er, indem er Platz nahm,ich gedenke heute abend noch durch plötzlichen Alarm nicht nur die Wachsamkeit meiner Leute auf die Probe zu' stellen, sondern auch zu ergründen, ob keiner ausgerissen ist."

Kurt stand an der nur angelehnten Tür und hörte jede? Wort. Der Arme erschrak nicht wenig, als er von der Ab sich des Obersten hörte. Ta galt es, sofort nach Hause zurück zukehren. Doch vergebens sah er sich beim Schein einet Wachsstreichhölzchens denn es war stockdunkel in dem Räume nach einer zweiten Tür um. Das Gemach besatz